Freitag, 19. Mai 2017

BARF und NRC-Bedarfswerte – die Quadratur des Kreises

Hundehalter, die gern barfen möchten und gleichzeitig darauf bestehen, dass das Futter sämtliche wissenschaftlichen Bedarfswerte erfüllt, stehen vor einem Problem. Denn BARF (siehe Defintion) ist nicht bedarfsdeckend nach NRC! Man kann es drehen und wenden wie man will: An irgendeiner Stelle fehlt es immer. Egal, welche Nahrungsmittel man einsetzt und wie ausgeklügelt das Menü auch ist, ein BARF-Plan für einen erwachsenen Hund erfüllt niemals den Zink- und Manganbedarf nach NRC! In BARF-Plänen für Welpen fehlt es rechnerisch zusätzlich noch an Calcium und Phosphor. Bei diesen NRC-Bedarfswerten werden meist nur 50 % Deckung mit BARF erreicht. Eine dramatische Unterversorgung! Oder doch nicht?

Bedarfsdeckung unmöglich?

Es ist also nicht möglich, mit einer Fütterung natürlicher Lebensmittel, die sich am Aufbau eines Beutetiers orientiert (also BARF), den NRC-Bedarf bei diesen lebensnotwendigen Nährstoffen zu decken? Das erscheint bizarr, denn abgesehen von Hunden ernähren sich die anderen 269 Arten von Raubtieren alle samt von Beutetieren. Wie kann das nicht bedarfsdeckend sein? Wie erreichen Anbieter von Fertigfutter oder so manche Rohfutter-Ration, die nicht dem Beutetierkonzept folgt, eine NRC-Bedarfsdeckung, wenn das mit Lebensmitteln nicht möglich ist? Natürlich mit „ernährungsphysiologischen Zusatzstoffen“. Ohne geht es faktisch nicht.

Wer barft, verzichtet allerdings auf eine solche Supplementierung und vertraut darauf, dass es möglich sein muss, den Bedarf des Hundes mit dem zu decken, was er im Beutetier vorfindet, weil das vor der Einführung von Fertigfutter oder synthetischen Zusätzen auch funktionierte. Und das zieht eben nach sich, dass die Bedarfswerte nach NRC nicht alle gedeckt werden. Dem routinierten Barfer ist das egal, BARF-Anfängern macht das aber Angst, zumal sie von Supplementherstellern und deren Vertriebsassistenten mit Hilfe von Berechnungsprogrammen, die vermeintliche Unterdeckungen aufzeigen, verunsichert werden. Wie also ist zu erklären, dass so viele gebarfte Hunde dennoch gesund sind?

NRC-Bedarfswerte gelten für Fertigfutter!

Die Erklärung hierfür liegt in den Bedarfswerten selbst. Das NRC (National Research Counsil) ist eine Organisation aus den USA, die wissenschaftliche Studien zusammenträgt und daraus Bedarfswerte für verschiedene Spezies ableitet. Die Intention besteht nicht darin, Barfern ein Rechenwerk an die Hand zu geben, sondern Herstellern von Fertigfuttern Bedarfswerte zur Verfügung zu stellen. Aus diesem Grund orientieren sich die Bedarfswerte an der Zusammensetzung eines kommerziellen Fertigfutters und nicht an BARF. Schaut man sich die Erläuterungen des NRC genauer an und liest nicht nur die Übersichtstabellen, so wird klar, warum ein gebarfter Hund z. B. nicht so viel Zink benötigt wie ein Hund, der Fertigfutter bekommt.

Bei der Aufnahme von Nährstoffen kommt es darauf an, wie gut diese vom Körper verwertet werden können (siehe Bioverfügbarkeit). Entscheidend ist also, welcher Prozentsatz des aufgenommenen Zinks vom Hund auch wirklich absorbiert werden kann. Die Zinkaufnahme wird dabei durch verschiedene Faktoren beeinflusst. Einmal durch die Herkunft des Zinks (tierisch vs. pflanzlich, organisch vs. anorganisch), durch das Vorhandensein s. g. antinutritiver Substanzen wie z. B. Phytat, die die Aufnahme von Zink stören und durch die Gesamtzufuhr.

Aus diesem Grund merkt das NRC zum Zink-Bedarfswert auch folgendes an:
„Die Absorption von Zn in der Nahrung ist weitgehend vom Vorhandensein anderer Substanzen in der Ernährung abhängig, die die Bioverfügbarkeit verändern. Die meisten Tierprodukte [ ...] sind frei von Bestandteilen, die die Zn -Absorption beeinflussen und [ ...] Aminosäuren, die aus der Fleischverdauung stammen, verbessern außerdem die Aufnahme von Zn. Pflanzliche Produkte neigen eher dazu, Stoffe zu enthalten, die die Zn-Absorption beeinflussen, die wichtigste davon ist Phytat. Phytat ist in vielen pflanzlichen Quellen wie Getreide wie Mais, Weizen und Reis und Ölsatenschrot wie Soja, Erdnuss und Sesam, welche 1,5 % oder mehr Phytat enthalten. Phytat in der Nahrung ist seit langem dafür bekannt, die Absorption von Zn zu reduzieren, und dieser Effekt wird durch hohe Konzentrationen Ca in der Nahrung verstärkt.“[1]
Betrachtet man nun das Labor-Futter-Zusammensetzung aus der Studie zur Ermittlung des NRC-Bedarfswerts, wird klar, warum ein gebarfter Hund trotz eines augenscheinlich lebenslangen, 50 %-igen Zinkmangels keine Mangelerscheinungen zeigt. Die Zusammensetzung eines Studien-Futters für den Welpenbedarfswert[2] für Zink zeigt, auf welche Art Futter dieser zugeschnitten ist[3]:
Sojamehl: 40 g
Maiskörner: 35 g
Zucker: 10 g
Schmalz: 10 g
Vitaminmischung: 1 g
Zink: 4 g
Calcium: 0,3–2 g
Dem Verbraucher ist eine solche Mischung vielleicht besser bekannt als: Getreide (u. a. 4 % Mais), pflanzliche Nebenerzeugnisse, Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (u. a. 4 % Gans), Saccharose, ernährungsphysiologische Zusatzstoffe.

Für ein solches Futter gilt der NRC-Bedarf für Zink, nicht für BARF. So ein Futter ist im Prinzip das Gegenteil von BARF. Es beinhaltet fast ausschließlich pflanzliche Bestandteile, liefert gar kein tierisches Protein und enthält zudem noch große Mengen (75 % des Futters) an Phytat-Lieferanten (Mais und Soja), die dafür bekannt sind, die Zinkaufnahme zu stören. Das NRC geht für den Zink-Bedarfswert bei Hunden daher von einer Bioverfügbarkeit von nur 25 % aus. Der Bedarfswert von 1 mg pro kg Körpergewicht berücksichtigt also, dass nur 0,25 mg davon auch aufgenommen werden können, der Rest ist wegen des Phytat-Gehalts der Nahrung und der „falschen“ Zinkquelle nicht verfügbar. Diese Fakten sind übrigens auch der Grund dafür, dass menschliche Vegetarier einen um 50 % erhöhten Zink-Bedarf im Vergleich zu Fleischessern haben – man geht aufgrund des hohen Phyatgehalts und des pflanzlichen Zink-Ursprungs einfach von einer schlechteren Bioverfügbarkeit aus.[4] Angenommen, man geht beim Hund genauso vor wie im Humanbereich und nimmt bei fleischbasierter Nahrung wie BARF, die kaum Phytat enthält und Zink aus tierischen Quellen liefert, eine doppelt so hohe Bioverfügbarkeit an: Dann sinkt der Bedarfswert um die Hälfte. Damit ist der eigentliche Zink-Bedarf mit BARF problemlos gedeckt – auch ohne synthetische Zusatzstoffe. Im Übrigen führt die Betrachtung der Studien zum Calcium-, Mangan- und Phosphorbedarfswert zum gleichen Ergebnis. Das ist der Grund, warum sich ein Barfer nicht mit solchen Supplementen herumschlagen muss, sondern sich das Geld einfach spart.

Ein Blick in die Geschichte bis heute

Wem das zu kompliziert erscheint, dem hilft vielleicht ein geschichtliches Szenario: Hundezucht in der DDR. Nicht, weil früher alles besser war, sondern weil sie sich als riesigen, lang angelegten Feldversuch betrachten lässt. Isoliert vom Rest der Welt, fast 40 Jahre strikt getrennt durch eine Mauer, aber dennoch direkt nebenan und noch nicht so lange her, wird hier ein Blick auf Generationen von Hunden ermöglicht, die unter einem dauerhaften, massiven Zink- und Manganmangel und in der Welpenzeit auch unter einem Calcium- und Phosphormangel litten – zumindest im Hinblick auf NRC-Bedarfswerte. Denn in der DDR gab es nicht nur keine Bananen, es gab auch kein Fertigfutter. Zwar war seit den 70er Jahren das Pelletfutter Bello und auch ein Konservenfutter namens Laika, später umbenannt in Goldy, auf dem Markt, aber diese waren ungefähr so oft erhältlich wie Südfrüchte oder echte Jeans – nämlich selten oder nur mit „Beziehungen“. Das führte dazu, dass viele DDR-Tierhalter gar nicht wussten, dass es überhaupt Hundefutter gab. Mindestens zwei Generationen von Züchtern und Tierhaltern versorgten also 40 Jahre lang wenigstens 20 Generationen von Hunden aller Rassen mit Schlachtabfällen und Essensresten. Rezepturen für ausgewogene Mischungen wurden meist vom Züchter an den Welpenkäufer weitergegeben. Natürlich gab es auch in der DDR entsprechende Fachliteratur mit Vorschlägen zur Rationsgestaltung, allerdings enthielten diese die s. g. „Mineralstoffmischung für Kleintiere“, die in den 70er Jahren auf den Markt kam. Das Problem damit war, dass diese, genau wie das Fertigfutter, nicht durchgängig oder eben gar nicht verfügbar war. Daher war sie vielen Hundehaltern ebenfalls völlig unbekannt und sie mussten ohne sie auskommen. Es gab natürlich auch in der DDR Vorgaben zu Bedarfswerten, aber diese unterschieden sich teilweise stark von den NRC-Bedarfswerten: So wurde der Zinkbedarf für erwachsene Hunde mit 0,11 mg pro kg Körpergewicht angegeben[5], was in etwa nur 1/15–1/6 des heute gültigen NRC-Bedarfswerts entspricht. Dieser Wert ist mit einer Fütterung natürlicher Zutaten sehr leicht zu erreichen.

Die unmittelbaren Folgen eines Zink-Mangels sind vor allem Haut- und Fellprobleme sowie Immunschwäche, aber auch Fruchtbarkeitsstörungen. Bei einem 50%-igen Zinkmangel – über 20 Generationen von Hunden hinweg – müssten diese deutlich zu Tage treten. Die Fruchtbarkeitsstörungen allein hätten bei einem so starken Mangel dazu führen müssen, dass eine Zucht nicht möglich gewesen wäre. Die Tiere wären außerdem häufig krank gewesen und hätten schlechtes Fell gehabt. Das hätte mangels adäquater Zinkversorgung nach NRC schließlich ein flächendeckendes Problem sein müssen. Es wären also "Dank der Mauer" und des draus resultierenden Versorgungsproblems sämtliche Hunde in der DDR davon betroffen gewesen. War dem so? Natürlich nicht!

Selbstverständlich gab es in der DDR auch kranke Tiere und Mangelerscheinungen traten ebenfalls auf (wenn z. B. gar keine Calciumquelle gefüttert wurde), aber einen Massenmangel an Zink gab es offensichtlich nicht, das hätte sich vor dem Hintergrund der o. g. Mangelerscheinungen in 40 Jahren bemerkbar machen müssen. Sämtliche Hunde wären spätestens nach einigen Generationen absolut degeneriert gewesen. Aber die DDR-Hunde gediehen offensichtlich auch ohne Zinksupplementation prächtig. Die Deutschen Schäferhunde aus DDR-Linien beispielsweise galten als äußert robust, sportlich und ihren Artgenossen in der BRD in Sachen Gesundheit als überlegen. Das Fell glänzte, die Tiere waren fit und langlebig. Nach der Wende wurden die DDR-Züchter daher förmlich überrannt und noch heute suchen Interessenten gezielt nach Hunden aus diesen Zuchtlinien. Trotz des dauerhaften massiven Zinkmangels nach NRC bei Generationen von Hunden...

In der BRD war die Versorgungslage natürlich eine andere: Fertigfutter und auch Ergänzungsfuttermittel waren erhältlich. Aber längst nicht jeder Hundehalter setzte sie ein. Die damaligen Fütterungsempfehlungen für selbsterstellte Rationen sahen nicht unbedingt eine Zinksupplementierung vor. Eine der Fachliteratur zu entnehmende Rationsgestaltung sah für einen Hund in Schäferhundgröße folgendermaßen aus [6]:

100 g Kuhmilch
300 g mageres Rindfleisch
150 g Reis
 25 g Fett
 20 g Knochenmehl

Gefolgt vom Hinweis, die Fütterung solle abwechslungsreich erfolgen. Eine solche Zusammenstellung deckt 40% des Zinkbedarfs. Ganz nebenbei fehlt es dieser Ration dann auch an Magnesium, Kalium, Eisen, Kupfer, Mangan, Iod, Selen, Vitamin B1, B1, B12, B5, D und E sowie Folsäure und Linolsäure - zumindest wenn man NRC-Bedarfswerte ansetzt. Demnach müssten sämtliche Tiere, die so gefüttert wurden, früher oder später Symptome einer Mangelernährung gezeigt haben. Offensichtlich war das aber kein flächendeckendes Problem.

Im Übrigen sehen die veterinärwissenschaftlichen Empfehlungen für eine Rohfütterung auch heute noch keine Zink-Supplementierung vor. Ein Rationsvorschlag von Prof. Zentek für einen 30 kg Hund lautet [7]:

262 g Schaffleisch, Kotelett
114 g Leber, Schaf
114 g Gemüse
 34 g Öl
2,5 g jodiertes Salz
 19 g Kalbsknochen

Mit dieser Ration wird etwa 50 % des Zinkbedarfs nach NRC gedeckt. Auch dieser Ration fehlt es weiterhin rein rechnerisch an Magnesium, Mangan, Vitamin D und Vitamin B1. Dennoch gehen die Wissenschaftler hier von einer bedarfsdeckenden Ration aus, womit sie auch Recht haben, denn in der Praxis erleiden Hunde bei solch einer Fütterung keinen Mangel.

BARF ist natürlich bedarfsdeckend, nur nicht nach NRC

Wie ist das zu erklären? Wohl nur damit, dass es doch möglich ist, den wahren Bedarf an Zink, Mangan, Calcium und Phosphor mit natürlichen Futtermitteln zu decken – nicht nur kurzfristig, sondern dauerhaft. Den NRC-Bedarf vielleicht nicht, aber darauf kommt es eben nicht an. Auf BARF trifft das ebenso zu, denn als Grundlage für diese Form der Ernährung dienen ebenfalls Schlachtabfälle. Zusätzlich orientiert sich BARF noch am Aufbau eines Beutetiers. Diese Fütterung ist aus Nährstoffversorgungssicht sogar noch ausgeglichener und vielfältiger als das, was die Hunde in der DDR, in der Vieles Mangelware war, im Napf hatten. Wie könnte es anders sein, als dass die Nährstoffe, die im Beutetier vorhanden sind, auch tatsächlich ausreichen, um einen Beutefresser wie den Hund gut zu versorgen? Deswegen zeigen richtig gebarfte Hunde ihr Leben lang keine Mangelerscheinungen, ohne synthetische Supplemente. Zink, Mangan oder auch Calcium oder Phosphor zu ergänzen, ist sicherlich getreide- oder sojareichen Rationen sinnvoll, aber beim Beutetierkonzept eben nicht nötig.

Meist enthalten diese Zusätze nämlich auch leider nicht nur die Nährstoffe, die Ration nach NRC fehlen würden, sondern auch noch weitere Mineralstoffe, synthetische Vitamine und Füllstoffe. Ergänzt man einen normalen BARF-Plan mit einem solchen Produkt, führt man also auch Vitamine und Mineralstoffe zu, die bereits in mehr als ausreichender Menge im Futter vorhanden sind. Es darf nicht unterschätzt werden, dass eine zu hohe Dosierung bestimmter Nährstoffe, s. g. sekundäre Nährstoffmängel erzeugen kann. Führt man z. B. mehr Zink zu als wirklich notwendig, wird dadurch die Kupferaufnahme gestört.

Kostenlos sind die Mischungen natürlich auch nicht. Zudem enthalten sie meist noch nicht einmal die optimal verfügbaren Mineralstoffverbindungen: An Stelle von organischem Zink-Picolinat oder –citrat wird z. B. häufig das billigere, aber weniger gut verwertbare anorganische Zink-Oxid eingesetzt. Auch von natürlichen Vitaminen kann meist keine Rede sein: Statt natürlichem Vitamin E (RRR-Alpha-Tocopherol) wird einfach die billige synthetische Variante (DL-Alpha-Tocopherol) verwendet. Man fragt sich, wieso...?

Ergänzungspräparate für Zink, Mangan oder auch Calcium und Phosphor sind sinnvoll, wenn der Rationsaufbau nicht dem Beutetier-Konzept entsprechen kann, aber für einen gebarften Hund waren sie noch nie notwendig, denn bei BARF geht es nicht darum, NRC-Bedarfswerte zu erfüllen. Es geht darum, das Tier mit allen notwendigen Nährstoffen zu versorgen, welche es für ein gesundes Leben braucht. Und das geht offensichtlich auch ohne eine Erfüllung sämtlicher NRC-Bedarfswerte…


__________________________________
[1] NRC (2006): Nutrient Requirements of Dogs and Cats, S. 174, Übers. d. Verf. Original-Auszug:
"The absorption of dietary Zn is largely a function of other substances in the diet that alter its bioavailability. Most animal products [...] are free of constituents that interfere with Zn absorption and […] amino acids derived from meat digestion may actually improve the absorption of Zn. Vegetable products are more likely to contain chemicals that interfere with Zn absorption, the most notable of these being phytate. Phytate is present in many plant sources including cereals such as corn, wheat, and rice and oilseed meals such as soy, peanut, and sesame, which may containing 1.5 percent or more phytate. Dietary phytate has long been known to reduce the absorption of Zn, and this effect is exacerbated by high concentrations of dietary Ca."
[2] Aus den Angaben des NRC zum Zinkbedarfswert erwachsener Hunde lässt sich dies nicht nachvollziehen, da die Studien, die angegeben werden, sich entweder gar nicht mit ausgewachsenen Hunden oder nicht mit dem Zinkbedarfswert beschäftigen (?).
[3] Robertson, B., Burns, M. (1963): „Zinc metabolism and the zinc-deficiency syndrome in the dog”
[4] NRC (2006): Dietary Reference Intakes: The Essential Guide to Nutrient Requirements, S. 344.
[5] Grünbaum, E. G. (1982): Ernährung und Diätetik von Hund und Katze, S. 42.

[6] Donath, W. F. (1971): Hunde - gesund ernährt, S. 131.
[7] Zentek, J., Paßlack, N. (2013): Rohfütterung (BARF) bei Hund und Katze: Möglichkeiten, Risiken und Probleme, S. 27.

Dienstag, 9. Mai 2017

Die Jahresimpfung – eine unendliche Geschichte?

Vor einigen Wochen erschien wie üblich meine zweiwöchentliche Kolumne „Des Pudels Kern“ in der Sächsischen Zeitung und der Freien Presse. Diesmal drehte sie sich um das Thema „Jährliche Impfung beim Hund“. Normalerweise veröffentliche ich die Kolumne nicht auf meinem Blog, aber da der Artikel dazu führte, dass sich ein Veterinär bei der Tierärztekammer darüber beschwerte, stelle ich sie gern auch noch einmal einem größeren Publikum zur Verfügung.

Warum der Inhalt der Kolumne kritisiert wurde, bleibt unklar. Es handelt sich schließlich nicht um Anti-Impf-Propaganda. Abgesehen von einer kritischen Ummantelung mit meiner persönlichen Meinung zum Thema, ist der Inhalt geradezu harmlos. Er ruft weder zum totalen Impfboykott auf, noch gibt er strittige oder ungewöhnliche Impfempfehlungen wider. Ganz im Gegenteil: Er listet im Prinzip nur die aktuell gültigen Impfempfehlungen der Stiko Vet auf, die auch seitens des Verbandes praktizierender Tierärzte an die Mitglieder weitergegeben werden. Es handelt sich also um Leitlinien (hier zu finden), die den Veterinären von ihrem eigenen Verband nahegelegt werden. Sich als Tierarzt darüber zu beschweren, wirkt sehr befremdlich. Aber lesen Sie selbst:

Jährlich impfen?
Für die meisten Hundeimpfstoffe ist das Jahresintervall längst überholt

Gehören Sie auch zu den Hundehaltern, die ihren Vierbeiner noch immer jährlich gegen 3, 5 oder gar 11 verschiedene Krankheiten impfen lassen? Haben Sie sich mal gefragt, ob das wirklich notwendig ist? Schließlich kostet die jährliche Impfung Geld und eine Impfung hat – wie jedes andere Medikament auch – potenzielle Nebenwirkungen. Auch ich hatte mir darüber nie Gedanken gemacht bis ich darauf aufmerksam gemacht wurde, dass einige Impfungen unnötig sind und andere eine wesentlich längere Wirkdauer aufweisen als mir bis dahin suggeriert wurde. Schließlich hatte ich jährlich eine Impferinnerung vom Tierarzt bekommen. Versäumte ich den Termin um einige Tage, wurde ich natürlich gerügt. Die Ermahnungen der Tierärzte reichten von „Ihr Tier ist jetzt nicht mehr geschützt und wird an Staupe sterben!“ bis hin zu „In Deutschland herrscht eine Impfpflicht, Sie haben sich strafbar gemacht!“. Ahnungslos wie ich war, nahm ich mir die Warnungen zu Herzen. Offensichtlich war das nicht nötig: Immunologen zweifelten schon in den 1970er Jahren an, dass Hundeimpfstoffe nach 365 Tagen ihre Wirkung verlieren und daher jährliche Wiederholungsimpfungen unabdingbar seien. Mittlerweile weiß man, dass die Wirkdauer wesentlich länger ist: Für fast alle s. g. Core-Impfungen - das sind jene, die als notwendig angesehen werden - wurde in Studien eine Immunitätsdauer von mindestens 7 Jahren nachgewiesen. Der Verfall nach einem Jahr ist also Unsinn. Auch die Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission Vet (Stiko Vet) sehen für fast alle Krankheiten kein jährliches Impfintervall mehr vor. Je nach Impfstoffhersteller reicht bei Tollwut nach einer einzigen Impfung im Welpenalter eine Wiederholung alle 3 Jahre aus. Auch gegen Parvovirose, Hepatitis und Staupe genügt das 3-jährige Intervall nach abgeschlossener Grundimmunisierung. Nur die Impfung gegen Leptospirose ist jährlich vorgesehen, wobei die Stiko bei den neuen Impfstoffen auf die starke Zunahme von Nebenwirkungen wie etwa Gelenkerkrankungen oder Anämien hinweist. Bei dieser Impfung gilt auch zu bedenken, dass die Impfung keine s. g. Kreuzimmunität erzeugt. Das bedeutet, sie schützt nicht gegen alle Erregertypen, die die Krankheit auslösen können. Das führt dazu, dass Hunde trotz Impfung an Leptospirose erkranken. Die Impfung gegen andere Krankheiten wie z. B. Borreliose oder Zwingerhusten erzeugt ebenfalls keine Kreuzimmunität und wird von der Stiko Vet nur unter bestimmten Umständen empfohlen, zählt also nicht zu den Core-Impfungen. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass ein 3-jähriges Impfintervall für Tollwut, Staupe, Hepatitis und Parvovirose ausreicht und die jährliche Impfung nur bei Leptospirose überhaupt vorgesehen ist. Wobei deren Wirksamkeit aufgrund fehlender Kreuzimmunität fraglich ist. Eine Impfpflicht existiert übrigens nicht, auch nicht für Tollwut. Ein Tier ist nur mit einer gültigen Impfung nach der Tollwutverordnung bei Kontakt mit seuchenverdächtigen Tieren bessergestellt. Ein Kontakt ist aber nicht besonders wahrscheinlich, da Deutschland seit Jahren tollwutfrei ist. Warum also wird öfter geimpft und wieso werden Ammenmärchen hinsichtlich einer 1-jährigen Wirkdauer oder einer Impfpflicht verbreitet? Vielleicht, weil Hundeimpfstoffe etwa 50 % des Tierimpfstoffmarktes ausmachen? Es scheint ein einträgliches Geschäft zu sein…

Da bereits diese Darstellung kritisch gesehen wird, ergänze ich an dieser Stelle meine persönliche, wesentlich restriktivere Meinung zur Notwendigkeit wiederholter Impfungen. Bereits 2012 hatte ich zum Thema Impfungen einen Blogbeitrag verfasst (zum Artikel). In den vergangen Jahren gab es allerdings eine Änderung der Impfempfehlungen der Stiko Vet und auch meine eigenen Erfahrungen haben zu einer Anpassung meines Impfschemas für die Hunde geführt.

Mein persönliches Impfschema

1. Lebensjahr

  • 1 Impfung gegen Staupe, Parvovirose, Hepatitis nach Titertest im Welpenalter
  • 1 Impfung gegen Tollwut nach der Zahnung

2. Lebensjahr bis zum Tod

  • Keine weitere Impfung

Ja, mehr ist es nicht. Es weicht von den Leitlinien der Stiko Vet ab, ja, aber orientiert sich an den Empfehlungen von Prof. Ronald Schultz. Getreu der Devise: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Früher habe ich das anders gehandhabt, aber wo kämen wir denn hin, wenn es stets hieße: "Das haben wir schon immer so gemacht?"

Warum ich so impfe

Aufgrund der wissenschaftlich belegten Langzeitwirkung der Staupe- (15 Jahre), Parvovirose- (9 Jahre), Hepatitis-Impfung (9 Jahre) und der Tatsache, dass Deutschland tollwutfrei ist und meine Hunde nicht im Ausland unterwegs sind, lasse ich meine Hunde nur noch einmal im Leben gegen diese Erkrankungen grundimmunisieren. Sie sind also geschützt und nicht völlig ungeimpft! Dabei verstehe ich unter einer Grundimmunisierung keine Welpen-Booster-Impfung im Vier-Wochen-Takt mit abschließender Impfung im 15. Lebensmonat, sondern eine einmalige Impfung im Welpenalter nach einem Titertest (Staupe, Parvovirose, Hepatitis) bzw. nach der Zahnung (Tollwut). Es gibt keine einzige Studie, die belegt, dass der Impfschutz gegen diese Erkrankungen nach 3 Jahren endet – ganz im Gegenteil, Untersuchungen beweisen die bereits erwähnte langjährige Immunität.

Da ich mit meinen Hunden keine Auslandsaufenthalte vornehme und keine Ausstellungen besuche und Deutschland seit über 10 Jahren als tollwutfrei gilt, erspare ich ihnen auch die Tollwut-Impfung alle 3 Jahre. Wozu soll ich also den Körper meiner Hunde und meine Brieftasche alle 3 Jahre mit unnötigen Impfungen belasten? Nach jeder Impfung zeigten meine Hunde bisher Nebenwirkungen, die ich kostspielig untersuchen und behandeln lassen musste (z. B. einwöchiger Durchfall, Geschwulstbildung – Verdacht auf Impfsarkom). Außerdem leidet mein Cavalier unter einer Allergie und kranke Tiere dürfen laut Beipackzettel ohnehin gar nicht geimpft werden – ein Umstand, der so gut wie immer ignoriert wird.

Gegen Leptospirose und Zwingerhusten (sowie Borreliose) lasse ich gar nicht impfen. Borreliose ist bei Hunden sehr selten und im Falle des Falles in der Regel gut behandelbar. Auch Zwingerhusten ist meist von milden Verläufen gekennzeichnet. Und die Impfung wird von der Stiko Vet ohnehin nur für Tiere mit erhöhter Infektionsgefahr empfohlen – das trifft auf uns nicht zu. Bei der Leptospirose-Impfung sehe ich vor allem die Gefahr, dass der Impfstoff als sehr nebenwirkungsträchtig gilt (siehe oben) und er eine falsche Sicherheit vermittelt. Im Erkrankungsfall bleibt die Leptospirose möglicherweise unentdeckt, weil angenommen wird, das Tier sei durch die Impfung geschützt. Diese Impfstoffe schützen eben nicht gegen alle Erregerarten und daher auch nicht sicher vor einer etwaigen Erkrankung. Wozu impfen lassen, wenn der Hund trotzdem erkranken kann?

Bei allen drei genannten Erkrankungen ist das Auslassen der Impfung eine persönliche Entscheidung nach eigener Risikoabwägung: Ja, es gibt auch schlimme Verläufe von Borreliose und Zwingerhusten. Und ja, Leptospirose kann eine sehr gefährliche Erkrankung sein. Aber, wenn die Impfung ohnehin keine Kreuzimmunität erzeugt (das Tier also trotz Impfung erkranken kann) und gerade diese Impfstoffe als ausgesprochen nebenwirkungsträchtig gelten, ist das für mich das wesentlich geringere Risiko. Ich sorge lieber vor und versuche, den Erregerkontakt grundsätzlich zu vermeiden, indem ich den Kontakt zu Zecken minimiere (Borreliose), die Tiere nicht aus Pfützen trinken lasse (Leptospirose) und von unbekannten Artgenossen oder Massenhundeveranstaltungen (Zwingerhusten) fernhalte. Damit reduziere ich das Risiko einer Erkrankung. Insgesamt sorge ich auch für ein stabiles Immunsystem bei meinen Tieren, indem ich sie artgerecht ernähre und vor allem auf Darmgesundheit großen Wert lege. Das ist alles kein Garant dafür, dass meine Hunde niemals an den genannten Erkrankungen leiden werden, aber das wäre eine Impfung schließlich auch nicht...

Informationen zum Thema Hundeimpfung

Ob, wie oft und wogegen geimpft wird, ist und bleibt eine individuelle Entscheidung. Eine Impfpflicht existiert nicht! Das heißt nicht, dass Impfungen nutzlos sind oder gar nicht geimpft werden sollte. In manchen Situation sind bestimmte Impfungen sogar vorgeschrieben, z. B. wenn man ins Ausland reisen oder bestimmte Hundeveranstaltungen besuchen möchte. Dafür genügt aber der gültige Eintrag im Impfausweis (und dafür muss man eben nicht jährlich alles impfen lassen - siehe Leitlinien der Stiko Vet).

Die Entscheidung, ob, wogegen und wie oft geimpft wird, liegt aber beim Tierhalter, der sich über das Thema gut informieren sollte. Sich beim Thema Impfung allein auf die „unabhängige“ Beratung durch einen Tierarzt verlassen zu wollen, ist vor dem Hintergrund der in der Praxis häufig vorkommenden jährlichen Impfintervalle für alle Erkrankungen, offensichtlich nicht ausreichend. Trotz längst angepasster Impfschemata wird in den Praxen noch immer zu oft und auch zu viel geimpft. Über Sinn und Unsinn dieser Maßnahmen wird nicht diskutiert. Über etwaige Nebenwirkungen wird so gut wie nie aufgeklärt. Leider werden tatsächlich die Leitlinien der Stiko Vet vielerorts nicht berücksichtigt. Es wird eben nicht nach abgeschlossener Grundimmunisierung nur noch alle 3 Jahre gehen Staupe, Hepatitis, Parvovirose und Tollwut und nur Leptospirose jährlich geimpft, sondern oftmals erfolgt eine 5-fach-Impfung im Jahrestakt. Auch werden Non-Core-Impfungen verabreicht, ohne auf deren Notwendigkeit unter besonderen Umständen hinzuweisen.

Wir lesen hundert Testberichte im Internet, bevor wir uns ein Smartphone kaufen – aber wenn es um die Gesundheit des geliebten Vierbeiners geht, sind wir quasi ahnungslos und verlassen uns auf das, was der „Verkäufer“ uns rät. Aus diesem Grund sollte sich jeder Tierhalter selbst zu diesem Thema belesen. Die Autorin Monika Peichl hat dazu ein fantastisches Buch (hier geht´s direkt zum Buch) veröffentlicht. Für 5,67 Euro kann jeder ein Exemplar erwerben und sehr gut recherchierte, sachliche Informationen zum Thema vorfinden. Mit Hilfe dieser kann sich jeder Hundehalter ein für das Haustier passendes Impfschema herleiten. Leider ist das Buch nicht mehr als Printausgabe erhältlich, sondern nur noch für Kindle-Geräte. Aber es gibt eine kostenlose App bei Amazon (oder im App Store, Google Play), mit Hilfe derer man das Buch an jedem PC, Tablet oder Smartphone lesen kann. 

Samstag, 1. April 2017

Ausgrabungen belegen: Höhlenmenschen barften ihre Hunde!

Diese vom Forscherteam entdeckte Höhlenmalerei lässt nur
wenig Interpretationsspielraum zu: Hunde wurden vor
12.000 Jahren schon gebarft!
Les Eyzies-de-Tayac-Sireuil (dbp): Bisher waren Wissenschaftler davon
ausgegangen, dass Hunde bereits seit tausenden von Jahren mit Trockenfutter ernährt werden – schließlich ist das der einzig bekannte Weg, um die Tiere mit allen lebenswichtigen Nährstoffen zu versorgen und zwar in idealer Zusammenstellung in jeder Mahlzeit. Nun aber hat ein archäologisches Forscherteam eine spektakuläre Entdeckung gemacht. Diverse Artefakte und Höhlenmalereien, die auf etwa 12.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung datiert wurden, beweisen eindeutig: Prähistorische Hunde wurden mit Fleisch, Innereien und Knochen gefüttert – sogar Zusätze wurden eingesetzt. Prof. Dr. Dr. Hubertus Rawdok, der Leiter der Forschungsgruppe, ist erstaunt: „Diese Erkenntnisse sind revolutionär. Niemals hätte ich für möglich gehalten, dass Hunde während des Jungpleistozäns etwas anderes gefressen haben könnten als Fertigfutter. Bisher galt es als zweifelsfrei belegt, dass nur getreidebasierte Nahrung mit synthetischen Zusatzstoffen in Brockenform das Überleben der Hunde sichert. Anders ließ sich bisher nicht erklären, warum die Vierbeiner so lange an der Seite des Menschen überleben konnten, ohne Schaden zu nehmen oder gar auszusterben.“

Prof. Rawdok ist fasziniert – bereits vor
12.000 Jahren lagerten Barfer ihre Zusätze in
speziellen Gefäßen
Die Höhlenmalereien, die im Südwesten Frankreichs gefunden wurden, zeigen einen Hund, der Fleisch und Knochen frisst – von Trockenfutter keine Spur! Prof. Dr. Dr. Rawdok stieß im Rahmen der Ausgrabungen außerdem auf urgeschichtliche Varianten von Zusatz-Behältern. Die Rückstände in den Steingefäßen wiesen auf die Braunalge Ascophyllum Nodosum hin. Für die Wissenschaftler ein ganz klares Zeichen: Das Vorhandensein dieser bestimmten Braunalge in Zubehör-Gefäßen in Verbindung mit Hundehaltung ist ein unverkennbarer Beweis dafür, dass der Besitzer ein Barfer gewesen sein muss. Auch heute würde sich kein Hundehalter, der Trockenfutter gibt, diese Seealgen ins Küchenregal stellen. „Es handelt sich ganz klar um ein Futtermittel, was bei BARF eingesetzt wird. In Verbindung mit den eindeutigen Höhlenmalereien ist kein anderer Schluss zulässig, als dass Hunde vor 12.000 Jahren kein getreidebasiertes Trockenfutter bekamen, sondern Fleisch, Innereien, Knochen und sogar Algen.“, so Rawdok. Ein weiterer, aber noch nicht ganz eindeutig belegter Hinweis für diese Form der Ernährung sei auch, dass vor 12.000 Jahren noch gar keine stark kohlenhydratreichen Lebensmittel wie etwa Weizen oder Kartoffeln existierten, sodass die Herstellung eines Trockenfutters ohnehin unmöglich gewesen sei. Ob daraus geschlossen werden kann, dass es demnach auch kein Fertigfutter gab, ist noch strittig.

Die Forscher stehen außerdem vor weiteren Rätseln. So gilt es noch zu klären, auf welche Weise die Hunde im Wechsel der Warm- und Eiszeiten entwurmt wurden. Schließlich gelte heute eine regelmäßige Entwurmung bei fleischbasierter Nahrung als essentiell für das Überleben der Hunde und vor allem der Menschen, die sich im gleichen Haushalt aufhalten. Prof. Dr. Dr. Rawdok hat bereits einen Verdacht: „Ich vermute, dass wir im Rahmen weiterer Ausgrabungen keine Überreste von Wurmtabletten finden werden. Sollte sich herausstellen, dass prähistorische Hunde nicht nur statt Trockenfutter Fleisch bekamen, sondern obendrein die Entwurmung im 6-Wochen-Rhythmus ausblieb und die Tiere (und die sie umgebenden Menschen) dennoch nicht ausstarben, so wäre das eine Sensation, die die Welt der Veterinärmedizin in ihren Grundfesten erschüttern dürfte.“


Freitag, 3. März 2017

Bioverfügbarkeit – eine Erfindung der BARF-Szene?

Wer sich intensiver mit Nährstoffbedarfswerten beschäftigt hat, kommt um die Thematik der „Bioverfügbarkeit“ nicht herum. Ob im Bereich der Humanernährung oder beim Tierfutter, immer wieder taucht der Begriff auf. Trotz dieser Tatsache gibt es immer wieder böse Zungen, die behaupten, die Bioverfügbarkeit sei ein Hirngespinst, eine Erfindung der BARF-Szene oder sei vollkommen irrelevant, wenn es um das Thema Bedarfswertdeckung geht. Spätestens, wenn es darum geht, den Bedarf an bestimmten Nährstoffen zu berechnen, wird das Thema im Bereich der artgerechten Ernährung von Hunden leider zu oft ignoriert. Bei genauerer Betrachtung wird jedoch klar, dass der Begriff nicht nur existiert, sondern von sehr großer Bedeutung ist, wenn es darum geht, welche Bedarfswerte in welchem Fall anzusetzen sind.


Haben die Barfer dieses Wort erfunden?

Dass der Begriff Bioverfügbarkeit keine kreative Wortschöpfung von Barfern ist, belegt bereits ein simpler Blick auf www.duden.de. Dort ist zu entnehmen:
Bio|ver|füg|bar|keit, Substantiv, feminin, Qualitätsmaßstab zur Bewertung von Arzneimitteln, der den Prozentsatz des Arzneistoffs angibt, der nach Aufnahme in den Blutkreislauf in wirksamer Form zur Verfügung steht.
Eigentlich stammt der Begriff offenbar aus dem Bereich der Pharmakologie. Wer sich mit einer Duden- oder Wikipedia-Recherche zufrieden gibt, mag durchaus zu dem Schluss kommen, dass es das Wort vielleicht tatsächlich gibt, es aber offenbar etwas mit Arzneimitteln zu tun hat und daher mit Bedarfswerten oder Nahrungsmitteln rein gar nicht in Verbindung gebracht werden kann.

Hat die Bioverfügbarkeit irgendetwas mit der Ernährung zu tun?

Ein solcher Trugschluss ist jedoch lediglich das Ergebnis oberflächlicher Recherche. Spätestens, wenn man ein paar Fachbücher in die Hand nimmt (und dafür muss man sich leider oft englischsprachiger Literatur widmen), wird sofort deutlich, dass der Begriff viel weiter gefasst werden muss. Wie bei allen wissenschaftlichen Termini, gibt es auch für die Bioverfügbarkeit in Bezug auf die Ernährung eine Reihe von Definitionen.

Eine gut verständliche Definitionsvariante ist die folgende [1]:
Bioverfügbarkeit, E bioavailability, Bezeichnung für das Ausmaß, in dem eine Substanz aus ihrer Lebensmittelmatrix freigesetzt und resorbiert bzw. am Wirkort verfügbar wird. […] Faktoren, die die Bioverfügbarkeit beeinflussen sind die Denaturierung während der Lebensmittelzubereitung und der Verdauung (Freisetzung aus der zellulären Matrix), die Anwesenheit von Stoffen, die um den gleichen Absorptionsweg konkurrieren (Kupfer und Eisen hemmen die Zinkabsorption), Komplexbildner (Phytat bildet mit Eisen Komplexe und hemmt so die Eisenabsorption), sowie Stoffe, die die Komplexbildung hemmen (Vitamin C fördert die Eisenresorption, indem es die Bildung von Eisen-Phytat-Komplexen verhindert).

Demnach hat die Bioverfügbarkeit tatsächlich etwas mit der Ernährung zu tun und beschreibt welcher Anteil eines Nährstoffs dem Körper letztendlich zur Verfügung steht. Manchmal werden in der Literatur auch die Begriffe „Absorption“ oder „Verfügbarkeit“ synonym verwendet. Im Humanernährungsbereich wird in wissenschaftlichen Publikationen stets die Bioverfügbarkeit von Nährstoffen erwähnt, weil sie entscheidend dafür ist, ob die aufgenommenen Nährstoffe letztendlich auch vom Körper absorbiert werden können. Näheres zu diesem Thema findet man zum Beispiel beim Institute of Medicine of the National Acadamies.[2]


Ist die Bioverfügbarkeit auch für Tiere von Belang?

Nachdem nun geklärt ist, dass der Begriff existiert und auch in Zusammenhang mit der menschlichen Ernährung eine große Rolle spielt, könnte man argumentieren, dass dies jedoch auf Hunde nicht zutreffen würde. Diese Behauptung kann allerdings nur aufstellen, wer die entsprechenden Publikationen ignoriert. Betrachtet man zum Beispiel das Standardwerk des National Research Counsil (NRC) „Nutrient Requirements of Dogs and Cats“, in dem alle heute gültigen Bedarfswerte für Hunde erläutert werden, genügt schon ein Blick ins Stichwortverzeichnis (siehe Foto oben), um eines besseren belehrt zu werden. In jedem Kapitel, zu jedem einzelnen Nährstoff wird auf die Faktoren eingegangen, die die Aufnahme von Nährstoffen behindern oder begünstigen – überall prangt die Überschrift „Absorption“ oder „Absorption and Bioavailability“. Aber dafür ist es notwendig, das gesamte Werk zu lesen und nicht nur die Bedarfswert-Tabellen im Anhang aufzuschlagen und sich mit diesen zu befassen.

So findet sich z. B. auf S. 174 das folgende Zitat für das Beispiel Zink (Übersetzung in der Fußnote)[3]:
The absorption of dietary Zn is largely a function of other substances in the diet that alter its bioavailability. Most animal products [...] are free of constituents that interfere with Zn absorption and […] amino acids derived from meat digestion may actually improve the absorption of Zn. Vegetable products are more likely to contain chemicals that interfere with Zn absorption, the most notable of these being phytate.
Ein ähnliches Bild ergibt sich, wenn man die „Klinische Diätetik der Kleintiere“ studiert, auch dort finden sich zahlreiche Anmerkungen, hier unter dem Begriff „Verfügbarkeit“, z. B. auf S. 87:
Ob ein Futtermittel im Hinblick auf die darin enthaltenen Mineralstoffe ausreichend ist, ist nicht immer vorherzusagen, da die Verfügbarkeit der Mineralstoffe von einer Reihe von Faktoren bestimmt wird. […] Warum Mineralstoffe aus Futtermitteln tierischen Produkten in der Regel besser genutzt werden als Mineralstoffe aus pflanzlichen Produkten, wird auch durch den „Fleischfaktor“-Effekt erklärt: Die Resorption des im Fleisch enthaltenen verwertbaren Mineralstoffs, der darauf beruht, dass andere Nährstoffe im Futtermittel verstärkt werden. Außerdem enthält Fleisch im Gegensatz zu Pflanzen keine Faktoren, die die Verwertung der Mineralstoffe entgegenwirken und diese verringern, wie es beispielsweise bei Phytat, Oxalat, Goitrogenen und bestimmten Ballaststoffen der Fall ist.
Weiter auf S. 95 am Beispiel Zink:
Für Kleintierfutter ist ein Zinkmangel vermutlich ein größeres Problem als ein Überschuss, da: (1) Zink in höheren Mengen relativ unbedenklich ist und (2) seine Verwertbarkeit durch eine Reihe anderer Faktoren verringert wird (Phytat, hohe Gehalte an Kalzium […]). Die antagonistische Wirkung des Kalziums ist am größten in Gegenwart von Phytat, was die Bildung hochgradig unlöslicher Komplexe aus Phytat, Kalzium und Zink auslöst.
Offensichtlich spielt die (Bio)verfügbarkeit also auch für unsere Vierbeiner eine große Rolle, denn auch dort gibt sie Auskunft darüber, wie viel eines zugeführten Nährstoffs dem Organismus tatsächlich zur Verfügung steht. Bestimmte Futterkonstellationen beeinflussen die Bioverfügbarkeit. So spielt die Herkunft des Nährstoffes ebenso eine Rolle wie die Anwesenheit s. g. Störstoffe (auch Antinährstoffe, diätische Antagonisten) wie etwa Phytat (vorkommend in Mais, Weizen, Soja etc.) oder Oxalsäure (vorkommend in Rhabarber, Roter Beete etc.).


Was hat die Bioverfügbarkeit mit den Bedarfswerten zu tun?

Die Bioverfügbarkeit existiert also und ist bei sowohl bei der menschlichen als auch hündischen Ernährung von Bedeutung. Wie aber kann die Verfügbarkeit von Nährstoffen mit Bedarfswerten in Verbindung gebracht werden? Ganz einfach: Sie beeinflusst die Höhe der Bedarfswerte. Besitzt ein Nährstoff unter Berücksichtigung der oben genannten Faktoren eine hohe Bioverfügbarkeit, so ist der Bedarfswert geringer als bei einer niedrigen Bioverfügbarkeit. Liegt ein Nährstoff also in einer schlecht verwertbaren Form vor oder wird von anderen Stoffen in seiner Aufnahme gehemmt (z. B. durch Phytat), so erhöht sich der Bedarfswert. Im Bereich der Humanernährung wird das berücksichtigt, wie etwa am Beispiel des Zinkbedarfs ersichtlich (Übersetzung in der Fußnote):
The bioavailability of zinc in vegetarian diets is reduced if phytate content in the diet is high, resulting in low zinc status… Yet, the requirement for dietary zinc may be as much as 50 percent greater for vegetarians.[4]
Ein Mensch, der sehr hohe Phytatgehalte in seiner Nahrung vorfindet, weil er beispielsweise viel Mais, Weizen oder Soja konsumiert, hat einen wesentlich höheren Zink-Bedarf als jemand, der eher fleischlastig isst. Der Unterschied zeigt sich im eklatanten Unterschied beim Bedarfswert für Vegetarier: Er ist doppelt so hoch wie der eine "Fleischessers"! Nun ist es so, dass wir Menschen je nach Präferenz und Verfügbarkeit verschiedene Ernährungskonzepte verfolgen. Die einen sind Veganer, die anderen Vegetarier und wieder andere essen auch oder fast nur Fleisch. Dieser Umstand spiegelt sich dann korrekterweise in den Bedarfswerten wider.

Die Bedarfswerte für Vierbeiner hingegen berücksichtigen nur eine Ernährungsform, nämlich jene, die in Industrieländern heute am weitesten verbreitet ist: Getreidebasiertes Fertigfutter. Über 90 % der Hund werden so ernährt. Sich an denen zu orientieren, ist auch notwendig, denn eigentlich sind diese Bedarfswerte dafür gedacht, ein bedarfsdeckendes Fertigfutter konzipieren zu können. Betrachtet man z. B. wie sich das Futter der Laborhunde zur Ermittlung des Zinkbedarfs zusammengesetzt hat, so wird deutlich, dass Bedarfswerte auf eine bestimmte Art der Zusammensetzung abzielen, die mit artgerechter Ernährung nicht viel zu tun hat.

Laborfutter zur Ermittlung des Zinkbedarfs für Hunde (100 g):[5]
Sojamehl: 40 g
Maiskörner: 35 g
Zucker: 10 g
Schmalz: 10 g
Vitaminmischung: 1 g
Zink: 4 g
Calcium: 0,3–2 g
Augenscheinlich enthalten 75 % der Bestandteile dieses Laborfutters den Stoff Phytat, der die Aufnahme von Zink hemmt. Im Bedarfswert wird dem Rechnung getragen, indem davon ausgegangen wird, dass nur 25 % des aufgenommenen Zinks überhaupt bioverfügbar sind. Das erhöht den Bedarfswert auf das Vierfache.

In einer BARF-Ration befinden sich aber kaum Futtermittel, die solche Störstoffe liefern und zudem stammt das Zink auch noch aus tierischen Zutaten, wird also besser aufgenommen. Weitere Faktoren wie geringere Calciumgehalte bei BARF spielen ebenfalls eine Rolle. Die Bioverfügbarkeit des Zinks ist in einer BARF-Ration daher wesentlich höher als in einem Trockenfutter mit Mais, Weizen und Soja, also muss der Bedarfswert auch geringer sein. Das ist auch der Grund dafür, warum der „offizielle Bedarfswert“ mit natürlichen Futtermitteln nicht erreicht werden kann, sich aber auch nach Jahren kein Zinkmangel beim korrekt gebarften Hund einstellt.

Leider gibt es keine offiziellen Bedarfswerte für gebarfte Tiere, sondern nur die NRC-Bedarfswerte, die für Fertigfutter gelten. Die unterschiedliche Ernährungsbasis zu ignorieren und mit NRC-Werten bei gebarften Hunden zu rechnen, ist methodisch nicht korrekt, denn dabei wird die Bedeutung der Bioverfügbarkeit, die ganz offensichtlich keine Erfindung der Barfer-Szene ist, komplett außer Acht gelassen.



__________________________
[1] http://www.spektrum.de/lexikon/ernaehrung/bioverfuegbarkeit/1124

[2] https://www.nal.usda.gov/sites/default/files/fnic_uploads/DRIEssentialGuideNutReq.pdf

[3] Übers. d. Verf.: Die Absorption von Zn in der Nahrung ist weitgehend abhängig vom Vorhandensein anderer Substanzen in der Ernährung, die die Bioverfügbarkeit verändern. Die meisten Tierprodukte [ ...] sind frei von Bestandteilen, die die Zn -Absorption beeinflussen und [ ...] Aminosäuren, die aus der Fleischverdauung stammen, verbessern die Aufnahme von Zn tatsächlich. Pflanzliche Produkte neigen eher dazu, Stoffe zu enthalten, die die Zn-Absorption beeinflussen, die wichtigste davon ist Phytinsäure.

[4] NRC (2006): Dietary Reference Intakes: The Essential Guide to Nutrient Requirements, S. 344. 
Übers. d. Verf.: „Die Bioverfügbarkeit von Zink in einer vegetarischen Ernährung verringert sich, wenn der Phytatgehalt in der Nahrung hoch ist, was zu einem niedrigen Zinkstatus führt... Der Zinkbedarf kann für Vegetarier um 50 % höher sein.“

[5] Robertson, B. & Burns, M. (1963): „Zinc metabolism and the zinc-deficiency syndrome in the dog”

Mittwoch, 11. Januar 2017

Jetzt BARF Forschung unterstützen!

Wer sich mal etwas intensiver mit der Forschung rund um die artgerechte Ernährung von Hunden befasst hat, dem wird schnell klar, dass objektive Studien Mangelware sind. Wenn es um BARF geht, kennt die Forschung nur eine Richtung: Rohes Futter soll gefährlich sein. Tausende von Hundehaltern berichten aber genau das Gegenteil.

Sie stellen ihre Hunde auf BARF um und auf einmal verschwinden viele Gesundheitsprobleme und selbst wenn gar keine bestanden, macht der Hund gesünderen Eindruck: glänzendes Fell, weniger Hundegeruch, saubere Zähne & Ohren. Natürlich ist eine artgerechte Ernährung kein Allheilmittel, aber wenn die Tierhalterberichte flächendeckend so stark positiv sind, wie kann es dann sein, dass die Forschung andere Ergebnisse hervorbringt?

Damit die positiven Geschichten rund um BARF endlich mehr werden als eine große Anzahl von Anekdoten, hat sich ein kleines Forscherteam aus Finnland vorgenommen, unabhängig zu forschen und zu beweisen, was wir Tierhalter schon längst vermuten: Die Ernährung hat einen großen Einfluss auf die Gesundheit unserer Hunde und BARF ist ein positiver Faktor dabei.

Nun ist Forschung aber recht kostenintensiv und selbstverständlich haben die großen Futtermittelkonzerne überhaupt gar kein Interesse daran, eine Forschung zu finanzieren, die belegt, dass BARF dem Industriefutter überlegen ist. Also sind wir gefragt! Lasst uns per Crowdfunding Geld für die wenigen Wissenschaftler sammeln, die davon überzeugt sind, dass sich BARF positiv auf unsere Tiere auswirkt.

Jeder kann einen Beitrag leisten. Jeder Euro zählt! Und für wen auch das nicht finanzierbar ist, der kann die Aktion gern teilen und somit für eine Verbreitung sorgen.

JETZT BARF-Forschung UNTERSTÜTZEN
(Auf der Seite nach unten scrollen für den deutschen Text)

Auf der Seite findet Ihr sämtliche Details zum Crowdfunding-Projekt von Prof. Dr. Anna Hielm-Björkman. Ich durfte sie übrigens persönlich kennen lernen und mich mit ihr stundenlang über für gebarfte Hunde unpassende NRC-Bedarfswerte und die Vorteilhaftigkeit von Frischfütterung austauschen. Ihr eigener Hund Lyra wird natürlich gebarft. Keine Frage! In den kommenden Tagen werde ich ein Interview mit ihr veröffentlichen.



Mittwoch, 16. November 2016

Der Weg durch den Fertig-BARF-Dschungel

BARF ist artgerecht, BARF ist gesund, BARF ist natürlich. Soweit so gut. Aber BARF erscheint vor allem Neulingen häufig etwas kompliziert und aufwendig. Aus diesem Grund wagen viele Tierhalter den Einstieg in die Rohfütterung mit Fertig-BARF-Menüs. Das ist ein guter Anfang! Mittlerweile gibt es sehr viel Auswahl, allerdings entspricht leider nicht alles, wo BARF drauf steht, tatsächlich auch dem Beutetiermodell (mehr dazu…). Es tummeln sich leider viele Pseudo-BARF-Menüs am Markt. Deswegen kommt es durchaus vor, dass die Fütterung solcher Menüs viel komplizierter ist als es auf den ersten Blick erscheint. Denn einige Sorten werden erst dann richtige BARF-Rationen, wenn sie geschickt und wohl durchdacht miteinander kombiniert werden. Aber gerade das ist für einen BARF-Neuling doch das Problem, denn es erfordert recht umfangreiches Vorwissen. Jene, die sich dieses Wissen noch nicht angeeignet haben, fragen sich sicherlich: Woran erkennt man denn nun ein gutes Fertig-BARF-Menü? Was sind die Fallstricke und worauf muss man achten?

Unklare Deklaration

Der Vorteil von BARF ist u. a., dass man genau weiß, was man füttert. Man kennt jede Komponente und kann entscheiden, ob etwas gefüttert werden soll oder nicht. Das ist bei Fertig-BARF leider nicht immer der Fall. Ähnlich wie bei Fertigfutter findet man dort mehr und mehr die halboffene Deklaration vor.

Beispiel für offene Deklaration:

40% Kronfleisch vom Rind, 16 % Hühnerhälse, 12 % Rinderpansen, 8 % Karotten, 5 % Spinat, 5 % Apfel, 4% Rinderleber, 4% Rinderniere, 4 % Rindermilz, 1 % Lachsöl, 0,8 % Petersilie, 0,1 % Ascophyllum Nodosum ( Seealgen), 0,1 % Dorschlebertran

In diesem Beispiel sind alle Inhaltsstoffe genau nachvollziehbar. Hier kann der Tierhalter sehr gut nachvollziehen, welche Komponenten verarbeitet wurden.

Beispiel für halboffene Deklaration:

64 % Rind (z. B. Fleisch, Pansen, Leber), 16 % Huhn, 18 % Gemüse und Obst, 2 % Öle, Kräuter und Algen

Diese Form der Deklaration ist problematisch: Der Käufer weiß nicht, wie sich „Rind“ und „Huhn“ genau zusammensetzen. Es ist unklar, welche Öle verwendet wurden, ob sich Knochen im Futter befinden, ob genügend Innereien vorhanden sind und in welcher Menge nun die Algen dosiert wurden. Dort sollte man nach Details fragen.

Unpassender Pflanzenanteil

Obst und Gemüse versorgen den Vierbeiner mit Ballaststoffen. Diese benötigt er dringend (mehr dazu…). Allerdings sollte der Obst- und Gemüseanteil bei BARF 20 % der Ration nicht überschreiten. Zu hohe Anteile an Pflanzenmaterial senken die Verdaulichkeit der Ration und erzeugen unnötig große Kotmengen. Auch sollten bestimmte Sorten nicht enthalten sein (z. B. Erbsen, Kohl, Bohnen, Avocados), weil diese ungeeignet oder sogar für Hunde giftig sind. Getreide, Pseudo-Getreide oder Kartoffeln können bei BARF durchaus auch eingesetzt werden, aber die Gesamtmenge sollte 12 % nicht überschreiten, weil große Mengen Kohlenhydrate durchaus Nachteile haben können (mehr dazu…).

Achtung, manche Anbieter führen die Komponenten einzeln auf, damit es nicht so viel erscheint: 10 % Kartoffeln, 10 % Karotten, 10 % Hafer, 5 % Amaranth, 4 % Apfel – Das wäre zu viel!

Fehlendes Muskelfleisch

Ein weiteres Problem, was auftreten kann, ist fehlendes oder zu wenig Muskelfleisch. An Stelle von richtigem Fleisch sind in manchen Menüs bindegewebsreiche Schlachtabfälle z. B. Euter, Knorpel & Sehnen, Kehlkopf, Strossen, Hoden, Lunge als Hauptproteinquelle enthalten oder das eingesetzte Fleisch ist Separatorenfleisch. Diese Zutaten sind in großen Mengen ungeeignet, denn diese Bestandteile liefern kein hochwertiges Protein mit passender Aminosäurenzusammensetzung (mehr dazu…). Viel Bindegewebe wirkt sich außerdem negativ auf die Kotbeschaffenheit aus und kann Blähungen erzeugen. Der Anteil der bindegewebsreicher Schlachtabfälle sollte insgesamt 5 % nicht überschreiten.

Zu Matsch gewolft

Auch bis zur Unkenntlichkeit fein gewolfte, fast schon pastöse Fertig-Menüs können ein Problem sein. Auf diese Weise kann man nicht mehr erkennen, was verarbeitet wurde. Fein gewolft sieht Kehlkopf auch nicht anders aus als Muskelfleisch. Woher weiß der Halter, was er nun füttert? Das mag durch eine gleichzeitige offene Deklaration aufgefangen werden, aber leider ist es auch so, dass die bakterielle Belastung steigt, je feiner gewolft wird (die vergrößerte Oberfläche und der bessere Sauerstoffkontakt begünstigen das). Und die Verdaulichkeit ist aufgrund schnellerer Magenpassage ebenfalls geringer (mehr dazu…). Besser sind grob gewolfte Menüs oder noch besser noch Varianten mit Stücken drin.

Zu geringer Fettanteil

Viele Halter stellen auf BARF um, weil sie kohlenhydratarm füttern möchten. Der Ansatz ist gut, aber dann muss natürlich der Fettgehalt der Ration ansteigen, um die Energieversorgung des Tieres sicherzustellen. Muss der Körper dauerhaft Proteine als Energiequelle nutzen, schädigt das die Nieren und die Leber des Hundes. Aus diesem Grund sollte der Fettanteil eines Menüs mindestens 10 % betragen. Wichtig ist auch, dass dieser Fettanteil sich aus den richtigen Fetten ergibt: Es müssen hauptsächlich tierische Fette sein, da sonst der Körper mit der s. g. Lipidperoxidation belastet wird. Öle, eignen sich dazu also nicht und schaden mehr als dass sie nutzen (mehr dazu…). Ist nicht genug Fett enthalten, kann es durch den Halter nachträglich ergänzt werden.

Schilddrüsengewebe

Das Verfüttern von Schilddrüsengewebe führt immer wieder dazu, dass Hunde beim Tierarzt landen. Die Folge ist eine s. g. Thyreotoxicosis factitia, also eine Art Schilddrüsenüberfunktion durch die überhöhte Zufuhr von Schilddrüsenhormonen. Dies kann den gesamten Hormonhaushalt durcheinander bringen. Daher sollte das Fertig-BARF-Menü am besten frei von Schilddrüsengewebe sein. Die Schilddrüse befindet sich bei Säugetieren im Kehlkopf, bei Vögeln im Brustbereich. Also sollte kein Kehlkopf in der Mischung verarbeitet sein oder die Schilddrüse muss entfernt werden. Auch bei Kopf- und Schlundfleisch sollte man Obacht geben. Am besten lässt man sich vom Anbieter bestätigen, dass kein Schilddrüsengewebe verarbeitet wurde.

Ungünstige Innereienmenge und -verteilung

Dass BARF nur dann BARF ist, wenn das Beutetiermodell berücksichtigt wird, gilt auch im Hinblick auf die eingesetzten Innereien. Da Innereien die wichtigsten Vitamin- und auch Mineralstofflieferanten bei BARF sind, sollte die Menge und Verteilung bestimmten Regeln folgen, denn nicht jede Innerei liefert die gleiche Nährstoffdichte (mehr dazu…). Leider findet man immer wieder Menüs, die die Verhältnisse im Beutetier nicht wirklich gut abbilden. Es gibt verschiedene Ausprägungen der Problematik:

Zu geringer Anteil

Das Menü sollte idealerweise zu etwa 12 % aus Innereien bestehen, 10 % sind auch in Ordnung oder auch 15 %. Darunter sind Leber, Niere und Milz zu verstehen, aber auch Herz und Lunge. Euter und Kehlkopf sind keine Innereien, auch Pansen oder andere Mägen werden nicht diesem Bereich zugeordnet.

Zu hoher Anteil

Manchmal werden auch zu große Mengen eingesetzt. Vor allem Herz und Lunge findet man in manchen Menüs in Größenordnungen, die mit dem Aufbau eines Beutetiers nichts gemein haben. Ein typisches Beutetier wie ein Kaninchen besteht etwa zu 0,3 % aus Herz und zu 0,5 % aus Lunge. Aus diesem Grund machen größere Mengen nicht unbedingt Sinn.

Ungünstige Zusammensetzung

Auch das kann ein Problem sein. Der Hauptteil der genannten 12 % an Innereien, die im Futter vorhanden sein müssen, sollten mindestens 1/3 Leber und Niere, Milz, Herz sowie Lunge zu gleichen Teilen sein. Am wichtigsten ist Leber! Es ist also nicht sinnvoll, wenn in einem Menü 20 % Lunge, 10 % Herz und 5 % Leber enthalten sind. Das entspricht nicht der Aufteilung im Beutetier und würde außerdem eher nährstoffarme Innereien zuführen. Die wichtigsten Innereien sind tatsächlich Leber, gefolgt von Niere und Milz. Ob jetzt noch Herz oder Lunge (in entsprechend geringen Mengen) vorhanden ist, spielt eine eher untergeordnete Rolle.


Falsche Knochenmengen

Die Berücksichtigung des Beutetiermodells und damit die Einhaltung einer korrekten Zusammensetzung der Ration scheitert sehr häufig bei der verwendeten Menge an den rohen, fleischigen Knochen (RFK = ½ Knochen, ½ Fleisch). Diese liefern dem Hund sehr viel Calcium, Phosphor, aber auch Magnesium, Natrium und Zink. Aber sie sind auch nicht besonders leicht verdaulich. Daraus folgt, dass ein nicht korrekte Mengen an RFK Mineralstoffmängel oder Verdauungsprobleme wie Knochenkot (mehr dazu hier…) oder Verstopfungen provozieren können. Denn Beutetiere, wie ein Hund sie fressen könnte, bestehen nur zu 4–8 % aus blanken Knochen und das muss auch so umgesetzt werden.

Zu geringer Anteil

Der RFK-Anteil sollte bei gemischten Knochen ca. 12 %, bei weichen Knochen ca. 16 % betragen, sonst ist die Deckung des Bedarfs an den genannten Mineralstoffen nicht gewährleistet. Auch hier sind gewisse Abweichungen natürlich tolerierbar - die Natur kennt keine Feinwaagen oder Nährwerttabellen. Unter weichen RFK werden Knochen mit geringerem Mineralstoffgehalt, also z. B. Hühnerhälse, Hühnerflügel, Hühnerkarkassen etc. verstanden. Bei gemischten RFK kommen noch härtere Knochen wie etwa Lammrippen oder Rinderbrustbein hinzu. Es muss also auf die Zusammensetzung geachtet werden – auch aus diesem Grund ist die bereits genannte offene Deklaration sehr wichtig.

Zu hoher Anteil

In einigen Menüs finden sich RFK-Anteile, die weit jenseits der genannten 12 % oder 16 % liegen. Teilweise werden Mengen von bis zu 50 % verarbeitet oder gar keine RFK. Ein solches Menü sollte man nicht dauerhaft und alleinig füttern. In dem Fall sollte dann eine Kombination mit einem Futter erfolgen, in dem gar keine RFK enthalten sind oder eben umgekehrt, sodass letztendlich der bereits genannte Anteil ungefähr erreicht wird.

Knorpel als Calciumlieferant

In einigen Menüs werden Knorpel als Calciumlieferant verarbeitet. So finden sich dann zu große Mengen an Kehlkopf, Luftröhre oder Gelenkknorpel im Menü, ohne die normalen Verhältnissen im Beutetier zu berücksichtigen. Knorpel weist aber leider nur einen Calciumgehalt von ca. 40 mg pro 100 g auf – also sogar weniger als in Milchprodukten oder Pansen. Im Gegensatz dazu liefern die bei BARF üblicherweise eingesetzten RFK um die 2.000 mg pro 100 g. Um es zu verdeutlichen: Ein 30 kg Hund müsste 4 kg (!) Knorpel am Tag fressen, um seinen Bedarf an Calcium zu decken, aber nur 80 g ganz normale RFK, um das gleiche Ergebnis zu erreichen. Es ist also naheliegend, dass eine ausreichende Calciumversorgung mit Knorpel nicht erreichbar ist. Hinzu kommt, dass Knorpel insgesamt nicht besonders nährstoffreich und das enthaltene Protein schwer verdaulich ist – es ist also nicht sinnvoll, größere Mengen davon zu verarbeiten. Aus diesen Gründen sollte der Anteil an Knorpel im Menü 2 % nicht überschreiten, stattdessen sollte eine ausreichende Menge RFK enthalten sein.

Unpassende Öle

Hunde haben einen gewissen Bedarf an essenziellen Fettsäuren. Diese Fettsäuren sind in natürlichen Beutetieren in ausreichender Menge und vor allem in einem idealen Verhältnis enthalten. Leider hat die konventionelle Haltung (s. g. Massentierhaltung) einen negativen Effekt auf die Fettsäurenzusammensetzung der Schlachttiere. Aus diesem Grund müssen BARF-Rationen mit Omega-3-Fettsäuren-lastigen Ölen ergänzt werden. (mehr dazu hier…) Aufgrund der bereits genannten Gefahr der Lipidperoxidation sollten diese Öle auch nur zu diesem Zweck und in geringen Mengen eingesetzt werden. Am besten eigenen sich hierfür Fischöle, weil darin bestimmte Fettsäuren (z. B. EPA, DHA) in einer Form vorliegen, die der Hund direkt nutzen kann. Bei Pflanzenölen ist dies nicht der Fall. Dort muss der Hund selbst die Umwandlung vornehmen. Allerdings kann er das nur in geringem Umfang. Hinzu kommt, dass Pflanzenöle nachgewiesenermaßen das Fortschreiten von Nierenerkrankungen begünstigen, weshalb es sicher sinnvoll ist, sie auch bei gesunden Tieren gar nicht erst einzusetzen. Sonnenblumenöl, Maiskeimöl oder Olivenöl sind daher ungeeignet. Aus diesem Grund sollte das Futter am besten Fischöle (1 % der Ration) oder gar keine Öle enthalten. In letzterem Fall kann der Tierhalter das Öl ganz einfach selbst ergänzen.

Notwendige Supplemente

In einem Beutetier ist alles enthalten, was ein Hund benötigt, um sich bedarfsgerecht zu ernähren. Leider ist es heute nicht jedem Tierhalter möglich, komplette Beutetiere mit Haut und Haar aus Weidehaltung zu füttern. Daher ist es fast immer notwendig, bestimmte Supplemente einzusetzen, um etwa den Jod- oder Vitamin-D-Bedarf des Tieres zu decken oder ein Missverhältnis an Fettsäuren auszugleichen, weil das Fleisch aus s. g. Massentierhaltung stammt. Werden keine RFK gefüttert, muss außerdem auch Calcium supplementiert werden.

Fehlende Supplemente

Unter den heutigen Umständen ist es fast immer nötig, jodhaltige Seealgen (Ascophyllum Nodosum) und Fischöl zum Ausgleich der Fettsäuren und ggf. auch Lebertran als Vitamin-D-Lieferanten zu ergänzen. Einige BARF-Menüs enthalten diese Supplemente nicht (manchmal übrigens aufgrund gesetzlicher Bestimmungen im Hinblick auf die Deklaration als Allein- oder Ergänzungsfuttermittel). Dies ist nicht weiter tragisch und für Allergiker sogar von Vorteil, denn der Tierhalter kann diese Zusätze problemlos selbst ergänzen, sodass eine Bedarfsdeckung stattfindet. Die Zusätze zu dosieren, ist einfach, sodass einer ausgewogenen Ration nichts im Wege steht.

Falsch dosierte Supplemente

In einigen Menüs sind die genannten Supplemente zwar enthalten, aber entweder zu niedrig oder zu hoch dosiert. Seealgen und Lebertran sollten etwa zu 0,1 % in der Ration enthalten sein, Fischöle zu 1 % und Calciumcitrat (falls keine RFK enthalten sind) zu 1,2 %. Eine Überdosierung kann dabei genauso schädlich sein wie eine Unterdosierung. Wobei in beiden Fällen entweder durch eine geschickte Kombination mit einem Menü, welches keine Supplemente enthält oder eben durch nachträgliche Ergänzung, Abhilfe geschaffen werden kann.

Fragwürdige Supplemente

Immer wieder stolpert man bei Fertig-BARF über dubiose Supplemente, die aus unerklärlichen Gründen in den Menüs landen. Einige davon sind einfach nur unnötig, andere nachteilig und einige wiederum sogar gesundheitsschädlich, weil giftig für Hunde oder in gewissen Mengen auch problematisch. Die Liste ist nicht vollständig. Im Zweifel sollte man sich informieren, ob ein Supplement wirklich sinnvoll ist.

Beispielsweise sollten folgende Supplemente nicht enthalten sein:

Algenkalk / Calciumcarbonat: Trifft Calciumcarbonat auf die Salzsäure, die sich im Magensaft des Hundes befindet, so entsteht Calciumchlorid und Kohlensäure. Letztere wird aus dem Magen ausgetrieben und entfällt somit als Säurungsfaktor. Die eigentlich starke Magensäure wird damit weniger effektiv. Zudem reißt die aufsteigende Kohlensäure winzige Mengen an Magensaft mit sich (ähnlich wie beim Sprudelwasser in einem Glas) und reizt damit die Speiseröhre. Da viele Hunde ohnehin schon unter einem Mangel an Magensäure und damit verbundenem Sodbrennen leiden, ist die Verwendung von Calciumcarbonat als Calcium-Quelle häufig nicht von Vorteil.

Traubenkernextrakt: Trauben sind giftig für Hunde. Es ist noch nicht erforscht, welcher Inhaltsstoff in den Rebenfrüchten zum Nierenversagen führt. Ist es die Haut? Sind es die Kerne? Vielleicht der Saft? Das eingesetzte Spritzmittel? Wie hoch darf die Dosis genau sein? Solange das unklar ist, sollte vorsichtshalber nichts von der Traube gefüttert werden.

Heilerde: Diese Erden binden Mineralstoffe, sodass sie dem Körper nicht mehr zur Verfügung stehen. Außerdem wirken sie magensafthemmend, was häufig kontraproduktiv ist. Heilerde sollte nur im Bedarfsfall (z. B. Durchfall) und dann auch nicht mit den Mahlzeiten, sondern dazwischen verfüttert werden.

Heilpflanzen: (siehe unten)

Synthetische Zusätze

Dieser Punkt wird meistens als s. g. Ernährungsphysiologische Zusatzstoffe gekennzeichnet. In den seltensten Fällen handelt es sich bei diesen Zusätzen, um Vitamine oder Mineralstoffe natürlichen Ursprungs. Es sind in der Regel synthetische Supplemente. Das widerspricht eigentlich dem Gedanken einer naturnahen Ernährung mit BARF, bei der eben solche Inhaltsstoffe vermieden werden sollten. Leider stehen synthetische Vitamine zudem im Verdacht, gesundheitsschädlich zu sein. Manche sind sogar krebserregend, sodass sie im Humanbereich schon seit Jahrzehnten verboten sind (z. B. Vitamin K3). Ein gut konzipiertes Menü ist bedarfsdeckend und kommt ganz ohne synthetische Zusatzstoffe aus. Es gibt auch natürliche Vitamine, z. B. aus Ölauszügen oder Pflanzenextrakten, aber die sind wesentlich teurer als die synthetische Variante. Man sollte also beim Anbieter nachfragen, was genau eingesetzt wird, um sicherzugehen.

Heilpflanzen

Ein weiteres Problem, was in einigen Fertig-BARF-Menüs auftritt, ist die unüberlegte Zugabe von Heilpflanzen. Es gibt einige Kräuter, die man problemlos als Futterkräuter einsetzen, also dauerhaft füttern kann. Aber nur weil ein Kraut bei bestimmten Erkrankungen hilfreich sein kann, heißt es nicht, dass die Dauergabe bei einem gesunden Tier sinnvoll ist. Leider werden auch manchmal für Hunde giftige Pflanzen verwendet (bei Katzen ist das übrigens noch problematischer, weil sie wesentlich empfindlicher sind). Daher sind Heilpflanzen im Fertig-BARF mit Vorsicht zu genießen und im Zweifel abzulehnen.

Futterkräuter: z. B. Petersilie, Brennnessel, Löwenzahn, Giersch, Alfalfa, Dill oder Klee.

Heilpflanzen: z. B. Weidenrinde, Teufelskralle, Beinwell, Himbeerblatt oder Mariendistel, Chlorella, Yamswurzel, Schwarzkümmelsamen, Yucca.

Man sollte vorsichtshalber einen Kräuterfachkundigen fragen, bevor man eine Pflanze dauerhaft füttert, die nicht geeignet ist. Einige Anbieter neigen auch dazu, die verwendete Kräutermischung nicht näher zu definieren. In der Deklaration ist dann nur von „Kräuter“ die Rede. In dem Fall sollte man nachfragen, um welche Kräuter es sich handelt.

Zusammenfassung

Im Folgenden sind die Punkte, die es zu beachten gilt, noch einmal tabellarisch aufgezeigt. Für manche Probleme mit Fertig-BARF-Menüs gibt es eine einfache Lösung. Ist zum Beispiel in einem Menü zu viel Knochen enthalten und es gibt eins mit wenig Knochen, dann kann man diese Menüs im Wechsel füttern, um das Verhältnis auszugleichen. Bei einigen Menüs fehlen lediglich Fett oder notwendige Zusätze – diese kann man problemlos nachträglich hinzufügen. Bei einigen Fertig-BARF-Rationen besteht aber noch Verbesserungspotenzial.

Beachtet man einige Zusammenhänge und findet man das oder die richtigen Menüs, ist Fertig-BARF sicherlich ein guter Weg, um schnell und unkompliziert ein artgerechtes Futter zur Verfügung zu stellen. Wem der Weg durch den Fertig-BARF-Dschungel zu mühsam erscheint, der kann natürlich auch einfach barfen ;)