Samstag, 10. Dezember 2011

Gut, besser, Hill’s™?

Welcher Tierhalter kennt sie nicht, die Produkte von Hill’s™? Nehmen doch prall gefüllte Vitrinen mit Futtersäcken, Dosen, Pröbchen und Werbematerialien des Seifenherstellers einen nicht geringen Platz in nahezu jeder Tierarztpraxis ein.

Seifenhersteller? Ja, denn Hill’s™ ist eine Marke des Konzerns Colgate-Palmolive, der jeder Hausfrau als Seifen- oder Zahnpastahersteller bekannt ist. Und es kann ja sicher auch nicht schaden, nebenbei noch den ein oder anderen Vierbeiner mit Futter zu versorgen und das äußerst erfolgreich, denn der Konzern setzte in 2010 über 2 Milliarden US-Dollar mit Tierfutter um[1]. Kein Wunder, predigen doch Tierärzte in 95 Ländern täglich das allgegenwärtige Mantra: nur Hill’s™ kommt in den Napf!

Aber warum eigentlich? Nun ja, Hill’s™ steht für von Tierärzten entwickeltes Spezialfutter für den Hund oder die Katze – mit den hochwertigsten Zutaten und ausgewogenem Nährstoffanteil, welches den gesundheits-, rasse- oder altersgerechten Anforderungen der Tiere in besonderem Maße gerecht wird, so der Seifenhersteller.

Schauen wir uns die Produktpalette von Hill’s™ mal etwas genauer an. Auf der Website werden dem Kunden viele Versprechungen gemacht. Alles, was Hill’s™ verspricht, ist ich entsprechend farblich hervorgehoben.

Mittwoch, 16. November 2011

Daumen dran!

Wussten Sie, dass Ihr Hund einen Daumen hat? Ja? Wussten Sie auch, dass er diesen zum Sprinten benötigt?

Hunde verfügen tatsächlich wie wir Menschen über fünf "Finger" und somit auch über einen Daumen - man nennt ihn Daumenkralle und er befindet sich etwas weiter oberhalb der anderen Krallen an den Vorderläufen. Es gibt auch einige Rassen, die eine doppelte Daumenkralle haben.

Bayos Daumenkralle
Die Daumenkralle hat tatsächlich eine Funktion, auch wenn sie im Stand nicht den Boden berührt. Im Galopp oder bei Wendungen hat diese Daumenkralle aber Kontakt zum Boden und entlastet damit die anderen Zehen. Die einzelnen Zehen sind durch Bänder miteinander verbunden und bei großen Belastungen wirken entsprechend große Kräfte auf Bänder und Knochen. Beim Galopp befindet sich in in bestimmten Phasen nur ein Vorderlauf auf dem Boden. In dieser Phase lastet - neben der Einwirkung weiterer physikalischer Kräfte - das gesamte Gewicht des Hundes auf den Zehen. Um diese "Last" zu verteilen und dem Vorderlauf mehr Halt zu geben, stützt die Daumenkralle den Vorderlauf ab. Wer nicht glaubt, dass dieser so weit oben liegende Daumen tatsächlich den Boden berührt, kann sich die Daumenkralle seines Hundes nach einem rasanten Spaziergang auf Waldboden oder Gras ansehen - die Kralle wird schmutzig oder mit Gras behangen sein und das kann ja schlecht passieren, wenn sie nur in der Luft schwebt.

Samstag, 15. Oktober 2011

Ein Albtraum für Hundehalter: die Magendrehung


Es gibt einige Erkrankungen bei unseren geliebten Vierbeinern, die Hundehaltern einen kalten Schauer über den Rücken jagen. Ganz oben auf der Liste steht „Krebs“ – kein Wunder, denn das ist gefolgt von Herzerkrankungen die häufigste Todesursache bei erwachsenen Hunden. Ein weiteres Syndrom, vor dem sich viele Hundehalter fürchten, ist die Magendrehung. Kein Wunder, denn wenn nicht sofort gehandelt wird, stirbt der Hund. Selbst Hunde, die binnen kürzester Zeit in eine Tierklinik gebracht und behandelt werden, überleben nicht immer. Wir sind bisher von einer Magendrehung verschont geblieben, aber Neo`s Freundin Bianca, eine Dobermannhündin, starb in Folge einer Magendrehung.


Was passiert bei einer Magendrehung?

Bei der Magendrehung, auch Magendilation genannt, dreht sich der Magen des Hundes um die eigene Achse. Dabei wird der Magenein- und ausgang abgeschnürt und durch den Verdauungsprozess entstehende Gase können nicht mehr entweichen. Der Magen gast auf und komprimiert umliegende Blutgefäße sowie Organe wie z. B. das Zwerchfell.  Dadurch können nicht mehr alle Organe mit Sauerstoff versorgt werden und das Tier erleidet einen Kreislaufkollaps.

Was sind die Symptome?

Häufige Symptome sind Unruhe, Speicheln, starkes Hecheln, blasse Schleimhäute, Würgen ohne zu erbrechen, plötzliches Fressen von Gras, Erde, oder Fell (Ausreißen des eigenen Fells). Hinzu kommt meist ein aufgeblähter, harter Bauch mit einer gespannten Bauchdecke oder Ausbuchtungen hinter den Rippen sowie ein schwacher Puls.

Stellt man derartige Symptome bei seinem Hund fest, gilt es SOFORT ein Tierarzt aufzusuchen! Eine Magendrehung ist lebensgefährlich und Minuten können über Leben oder Tod entscheiden.

Sonntag, 4. September 2011

Gesundes Fell - Ich glänze, also bin ich!


Man bezeichnet die Haut nicht umsonst als Spiegel der Seele. Ein glänzendes, sauberes Fell signalisiert auch beim Hund Gesundheit und Vitalität. Stumpfes Fell hingegen wirkt nicht nur unschön, es zeigt auch, dass etwas mit dem Hund nicht in Ordnung ist. Ursachen für stumpfes Fell können Fehlernährung oder das Vorliegen bestimmter Krankheiten sein. Manche Hunde wirken gesund, haben aber stumpfes Fell. Woran liegt das? Und wann und warum glänzt das Fell eigentlich?

Was ist Glanz?

Der Glanz von Fell ist ein physikalisches Phänomen. Für alle, bei denen die letzte Physikstunde schon etwas zurückliegt: Glanz entsteht, wenn gebündeltes Licht von einer Oberfläche spiegelnd reflektiert wird. Voraussetzung ist, dass die Fläche spiegelglatt ist. Treffen Lichtstrahlen also auf eine spiegelglatte Oberfläche, werden diese im gleichen Winkel wieder reflektiert wie sie auf die Oberfläche auftreffen (Einfallswinkel = Ausfallswinkel). Das Auge nimmt diesen Effekt als Spiegelbild der auftreffenden Lichtstrahlen, eben als Glanz wahr.

Je mehr Lichtstrahlen im gleichen Winkel reflektiert werden, desto stärker erscheint der Glanz. Der Glanz ist auch von der Farbe der Oberfläche abhängig: Je dunkler eine glatte Oberfläche ist, desto intensiver erscheint der Glanz, weil der Kontrast von „weißem Licht“, welches reflektiert wird, auf dunkler Oberfläche stärker erscheint als vor einer hellen.

Treffen Lichtstrahlen hingegen auf raue Oberflächen, wird das Licht diffus reflektiert (Einfallswinkel ≠ Ausfallswinkel), es entsteht der Eindruck von Mattheit. Glanz hängt also einerseits vom Vorhandensein von Lichtstrahlen und andererseits von der Oberflächenbeschaffenheit sowie der Farbe der Oberfläche ab.

Sonntag, 21. August 2011

Die BARF „Todsünden“ – was sollte man nie tun?

 Barfen ist eigentlich eine ganz einfache Sache. Das Futter für den Hund selbst zusammen zu stellen, muss man nicht vermeintlichen Experten überlassen. Immerhin haben Hunde jahrtausendelang mit und neben dem Menschen gelebt und wurden ernährt – auch ohne industrielles Futter, ohne Nährwerttabellen und ohne Taschenrechner. Man muss keine Wissenschaft aus der Fütterung machen, es gibt aber einige Dinge, die man vermeiden sollte, weil sie zu Problemen führen können. Die folgende Liste zeigt die wichtigsten Dinge, die man beachten sollte - sie fasst auch die häufigsten Anfängerfehler zusammen und hilft, grobe Fehler zu vermeiden.


Nie gekochte Knochen verfüttern - Lebensgefahr! 

Kocht man Knochen, so werden sie spröde und porös. Sie können splittern und lebensgefährlich sein. Knochen IMMER roh füttern.

Nicht einseitig füttern - Mangelernährung! 

Eine abwechslungsreiche Ernährung ist der Grundstein für die Bedarfsdeckung aller lebenswichtigen Nährstoffe. Man sollte daher am besten Fleisch, Innereien und Knochen von 2 - 3 verschiedenen Tieren füttern und auch beim Gemüse oder Getreide immer unterschiedliche Sorten verwenden. Natürlich sollte man dabei auf Verträglichkeit achten. Die Fütterung von exotischen Fleischsorten ist nicht nötig. Es empfiehlt sich außerdem, sich eine Fleischsorte vorzubehalten, die man grundsätzlich nicht füttert (z. B. Pferd). Sollte der Hund mal eine Allergie entwickeln, kann man mit dieser Sorte eine Ausschlussdiät machen. Die Voraussetzung dafür ist, dass der Hund die Fleischsorte noch nie zu sich genommen hat.

Nicht zu energiearm füttern – Leber- und Nierenschäden! 

Jeder Organismus braucht Energie. Diese gewinnt der Hund am effizientesten und natürlichsten aus Fett. Viele Hunde vertragen aber auch Kohlenhydrate. Eiweiß soll nicht als Energiequelle dienen, weil bei der Verstoffwechselung von Eiweiß Abbauprodukte entstehen. Das ist völlig normal. Wenn der Hund aber überwiegend Eiweiß zur Energieversorgung nutzen muss, dann entstehen zu viele Eiweißabbauprodukte und das überfordert auf Dauer Leber und Nieren. Also niemals dauerhaft zu mageres Fleisch füttern. Das Fleisch sollte 15-25 % Fett enthalten. Ist dem nicht so, kann man ganz einfach Butter, Schweineschmalz oder andere Fette sowie auch Hirse oder Reis zufüttern. Fett ist für Hunde nicht schädlich. Man darf die menschlichen Ansprüche hier nicht auf den Hund übertragen. Ein Indiz für eine zu energiearme Ernährung ist die Futtermenge. Braucht der Hund bei normaler Aktivität auffällig viel Futter, dann sollte man dringend die Energiemenge im Futter überprüfen. Grundsätzlich gilt aber auch für jeden Hund: durchwachsenes Fleisch verwenden! Als kleine Orientierung mal folgendes Beispiel: Hunde brauchen z. B. im Schritt 4,2 kJ pro km pro kg KM im Schritt, 4,2 kJ im Trab und 5,6 kJ im Galopp. Wenn ein 25 kg Hund also 1h trabt und dabei ca. 15 km zurücklegt, dann braucht er dafür 1.600 kJ oder auch 41g Fett zusätzlich zum Grundumsatz.

Fleisch nie unter Luftabschluss auftauen lassen – Lebensgefahr!  

Das Bakterium Clostridium botulinum könnte sich im Fleisch vermehren und einen Giftstoff ausschütten, der für Hunde tödlich ist. Das Bakterium vermehrt sich aber nur unter Luftabschluss. Also einfach den Deckel der Fleischdose etwas öffnen
.

Kein Rohes Schweinefleisch füttern – Lebensgefahr! 

Es kann das Aujeszky-Virus enthalten, das eine für Hunde tödliche Krankheit hervorrufen kann. Das Virus stirbt allerdings ab, wenn man das Schweinefleisch lange genug kocht. Dann kann auch das verfüttert werden.

Kein Schilddrüsengewebe (Kehlkopf oder Kopffleisch-Mixe) füttern – Schädigung der Schilddrüse! 

Die darin enthaltenen Schilddrüsenhormone können die Funktion der Schilddrüse beeinflussen und bei Hunden eine eigentlich sehr seltene Schilddrüsenüberfunktion provozieren. Dies kann den gesamten Hormonhaushalt durcheinander bringen. Vor allem Hunde mit Schilddrüsenerkrankungen sollten gar keine Nahrungsmittel mit Schilddrüsengewebe zu sich nehmen. Am besten beim Fleischlieferanten nachfragen, ob die Schilddrüse bei entsprechenden Fleisch-Mixen entfernt wurde. Bei Geflügel befindet sich die Schilddrüse übrigens nicht im oberen Bereich des Halses, sondern weiter unten, in Richtung Brust.

Wenig jodhaltige Algen füttern – Schädigung der Schilddrüse! 

Jod hat einen großen Einfluss auf die Schilddrüse. Hunde tolerieren zwar auch große Mengen an Jod (bis zu 85 mcg/kg KM und Tag gelten als ungefährlich), aber viele Lebensmittel sind in Deutschland bereits mit Jod angereichert und eine Überversorgung kann eine Schilddrüsenunterfunktion herbeiführen. Man sollte lieber nachrechnen, wie viel Jod man mit den Algen zuführt und nicht einfach Pi mal Daumen einen EL über´s Futter geben.

Zusätze in Maßen füttern - Überversorgung! 

Es gibt allerlei Zusätze, die man einem Hund als Barfer verabreichen kann. Aber man sollte diese unbedingt sparsam und mit Verstand einsetzen. Lebertran z. B. enthält sehr viel Vitamin A und D. Diese beiden Vitamine sind nicht wasserlöslich und können daher überdosiert werden. Vorsicht ist auch bei calciumhaltigen Zusätzen wie Muschelkalk oder Eierschalenpulver geboten. Auch Kräutermixe enthalten oft sehr viel Calcium. Heilkräuter sollte man nur zweckmäßig einsetzen und niemals dauerhaft füttern. Selbst hochwertige Öle sollte man nicht in großen Mengen füttern, da der hohe Anteil an ungesättigten Fettsäuren den Vitamin E Bedarf des Hundes erhöht. Besser die Packung genau studieren und im Zweifel auf unnötige Zusätze verzichten.

Nicht unverhältnismäßig füttern – Mangelernährung / Überversorgung! 

Man sollte bei der Zusammenstellung der Rationen auf gewisse Verhältnisse achten. Der Anteil an tierischen Zutaten sollte bei 70 – 80 % liegen und zu 50 % aus Muskelfleisch, 20 % aus grünem Pansen/Blättermagen, 15 % aus Innereien und 15 % aus rohen fleischigen Knochen bestehen. Wenn man dieses Verhältnis einhält (es orientiert sich am Beutetier), stellt man eine optimale Versorgung mit allen wichtigen Nährstoffen sicher. Füttert man aber z. B. zu viele Knochen, dann nimmt der Hund zu viel Calcium zu sich und das führt dann zu Nierenerkrankungen, Magnesiummangel oder Gelenksfehlbildungen. Außerdem begünstigt eine sehr calciumhaltige Ernährung Magendrehungen. Ebenso verhält es sich mit der Gabe von zu vielen oder zu wenigen Innereien. Führt man z. B. in viel zu großen Mengen Leber zu, so nimmt der Hund zu viel Vitamin A zu sich. Füttert man zu wenig, fehlen dem Hund wertvolle Vitamine. Das kann aber nicht passieren, wenn man die o.g. Verhältnisse einhält. Diese Excel-Tabelle hilft bei der Berechnung.

Wenig thiaminasehaltigen, rohen Fisch füttern – Vitamin B Mangel! 

Thiaminase vernichtet das Vitamin B1 und ist z. B. in Karpfen, Hering, Hecht, Kabeljau, Flunder oder Thunfisch enthalten. Füttert man zu viel und dauerhaft derartige Fische, kann ein Vitamin B Mangel entstehen. Gibt man dem Futter gleichzeitig Bierhefe hinzu, kann man den Verlust wieder ausgleichen. Thiaminase wird durch Erhitzen zerstört.

Wenig oxalsäurehaltige oder phytinsäurehaltige Nahrungsmittel füttern – Calciummangel! 

Oxalsäurehaltige Lebensmittel wie Mangold, Spinat, Grünkohl, Rharbarber und Amaranth sollte man in Maßen füttern, da sie die Aufnahme von Calcium hemmen. Gleiches gilt für phytinsäurehaltige Nahrungsmittel wie Getreide.

Schlussendlich sollte man natürlich auch beachten, dass es einige Lebensmittel gibt, die schlichtweg giftig für Hunde sind. Hier gibt es eine Liste dieser Dinge.

Eine ganz schön lange Liste, oder? Aber keine Sorge, daran gewöhnt man sich schnell. Das Wort "Todsünden" ist dabei auch sicher etwas übertrieben. Bei einigen der genannten Dinge ist die Gefahr nicht besonders groß bei anderen muss man eher aufpassen, weil sie recht häufig vorkommen und fatale Konsequenzen haben können.

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Sonntag, 31. Juli 2011

Zahnstein beim Hund – was kann man tun?


Auch Hunde leiden an Zahnstein und dies hat meist übel riechende und schmerzhafte Folgen. Außerdem bedeutet es natürlich, dass Zähne früher oder später gänzlich verloren gehen können. Als Ursachen kommen genetische Faktoren wie der pH-Wert im Maul, die Speichelzusammensetzung oder die Kopfgröße- und Form des Hundes, aber vor allem auch eine ungeeignete Ernährung in Frage. Abgesehen von einer regelmäßigen Zahnpflege kann also eine Futterumstellung durchaus dazu führen, dass Zahnsteinentstehung eingedämmt werden kann. So kann die Zahngesundheit bis ins hohe Alter erhalten werden.



Was ist Zahnstein eigentlich?

Zahnstein bildet sich aus bakteriellen Belägen, die durch Einlagerung von Mineralien (Phosphor, Calcium, Magnesium) verhärten. Die bakteriellen Beläge entstehen vor allem durch die Aufnahme kohlenhydratreicher Nahrung, da die darin enthaltenen Zuckerverbindungen als Haftvermittler für die Bakterien fungieren und ein ideales Klima für deren Vermehrung schaffen.1 Folgen von Zahnstein können neben einem entsprechendem Maulgeruch chronische Entzündungen mit Rückbildung des Zahnfleisches sein. Bakterien können sich dadurch entlang des Zahnes zur Wurzel hin ausbreiten und zu einer Lockerung des Zahnhalteapparates bis hin zur Knochenauflösung führen – die Zähne fallen letztendlich aus.

Normalerweise sind Caniden wegen ihrer natürlicherweise sehr kohlenhydratarmen Ernährung und ihrer kegelförmigen Zähne, die eine selbstreinigende Wirkung haben, nicht so stark von Zahnerkrankungen betroffen.1 Die Gabe von getreide- oder gar rohrzuckerhaltiger Nahrung wie etwa kommerzielles Fertigfutter und züchterische Bemühungen (immer kleinere Kopfformen) begünstigen jedoch die Entstehung von Zahnstein beim Hund, sodass immer mehr Hunde auf den OP-Tischen der Tierärzte landen, um sich einer Zahnsteinentfernung zu unterziehen.

Wie kann man gegen Zahnstein vorbeugen?

Wichtig ist zunächst, eine kohlenhydratarme Nahrung zu verfüttern: kommerzielle Trockenfutter oder Feuchtfutter mit Getreide- oder Stärkeanteil kommen hier nicht in Frage. Außerdem sollte der Hund regelmäßig geeignetes Kaumaterial bekommen, sodass durch die mechanische Einwirkung die Zähne gereinigt werden. Hierzu eignen sich natürlich rohe Knochen wie etwa Rinderbrustbein oder Kalbsrippen (Achtung: niemals gekochte Knochen verfüttern!), aber auch getrocknete Büffelhaut hervorragend. Es ist auch günstig, möglichst große Fleischbrocken zu verfüttern, die der Hund erst kauen muss, weil auch dieser Vorgang die Zähne reinigt.

Handelsübliche Zahnreinigungs-Kauknochen auf Getreide- oder Stärkebasis wie etwa Pedirgree Denta Stix/Denta Rask, Bosch Goodies Dental, Hill's Hundesnacks Oral Care, Bozita Oral Fresh oder Hunter Tasty Tooth Bone Kauknochen usw. sollte man meiner Meinung nach nicht anbieten. Diese Produkte enthalten alle samt Inhaltsstoffe, die bakterielle Beläge begünstigen. Ein Blick auf die Liste der Inhaltsstoffe gibt Aufschluss: Getreide, Stärke, Zucker… Zudem sind diese Kausnacks auch nicht hart genug, um eine wirkliche mechanische Einwirkung auf die Zähne zu haben.

Als sinnvolle Ergänzung zum Futter eignet sich zudem die Alge Ascophyllum Nodosum. Sie verhindert die Anhaftung von Zahnbelägen und führt bei bestehendem Zahnstein dazu, dass vorhandener Zahnstein weicher wird. Dadurch kann er einfacher mit einem Zahnreiniger entfernt werden.

Aber Achtung, die Alge enthält sehr viel Jod, sodass sie sparsam dosiert werden sollte. Hunde bis 10 kg bekommen 0,15 g pro Tag (Achtung! Mini-Hunde dürfen nur 0,05 g pro Tag bekommen!), Hunde von 1025 kg: 0,3 g pro Tag und Hunde über 25 kg: 0,6 g  pro Tag. Man benötigt also eine Feinwaage, um die Mengen abzumessen oder einen Dosierlöffel aus der Apotheke (0,3 g entsprechen 0,5 ml). Wird der Hund gebarft und enthält sonst keine weiteren Jodgaben, so erreicht man mit diesen kleinen Mengen keine Jodüberdosierung. 500 g der Alge kosten ca. 56 Euro. Man sollte dringend darauf achten, nur auf Schadstoffe (wie Quecksilber) geprüfte Algen zu verwenden und einen Anbieter zu wählen, der gleichbleibende Jodgehalte garantiert. Die Mengenangaben beziehen sich auf einen  Jodgehalt von 0,05 %. Man muss beim Hersteller nachfragen, ob konstante Jodgehalte garantiert werden, bevor man Algen kauft. Das ist nur selten der Fall!

Auch regelmäßiges Zähneputzen mit einer für Hunde geeigneten Zahncreme kann Zahnsteinbildung vorbeugen.

Die Entfernung von Zahnstein

Bei einigen Hunden hilft aber alles nichts: egal wie sehr man sich auch bemüht, es bildet sich Zahnstein. Ist der Zahnstein noch nicht stark verbreitet, kann man ihn nach mehrwöchiger Gabe der Alge Ascophyllum Nodosum mit einem handelsüblichen Zahnreiniger selbst entfernen, sofern man den Hund darauf trainiert hat, still zu halten. Bayo hat keinerlei Probleme mit Zahnstein, Alastair (3 Jahre) hingegen schon. Ich habe den Zahnstein vor der Gabe der Alge versucht, zu entfernen, was mir jedoch nicht gelang. Nachdem Alastair die Algen einige Zeit ins Futter bekommen hatte, konnte ich den leichten Zahnstein sehr gut entfernen.

Auf den vorher/nachher Bildern kann man gut erkennen, dass der Zahnstein und die Verfärbungen verschwunden sind.

Leichter Zahnstein deutlich zu sehen
Betroffene Zähne nach der Behandlung
Zahnreiniger

Wer sich nicht zutraut, die Zähne des Hundes selbst zu reinigen, sollte jedoch möglichst bald einen Tierarzt aufsuchen, der eine Reinigung der  Zähne anbietet. In vielen Praxen wird eine  Zahnsteinentfernung per Ultraschall und durch dental-medizinische Handinstrumente angeboten. Dabei werden die Zähne gereinigt und vom Zahnstein befreit und anschließend poliert, um erneute Ablagerungen zu verhindern. Leider geht diese Behandlung oft mit einer Vollnarkose einher, da die wenigsten Hunde bei dieser ungewohnten Behandlung still und regungslos liegen bleiben. Hinzu kommt, dass in schweren Fällen auch Zähne gezogen werden müssen. Die Kosten belaufen sich auf etwa 100150 Euro. Die Behandlung ist aber wichtig bei Hunden, die zu Zahnstein neigen.

Fazit

Die Vorbeugung gegen Zahnstein mit einer gesunden, kohlenhydratarmen Nahrung und entsprechender Knochenfütterung ist ein wichtiger Baustein für die Zahngesundheit des Hundes. Getreidehaltige Kauknochen sollten unbedingt gemieden werden. Hat sich einmal Zahnstein gebildet, sollte er unbedingt entfernt werden, um Folgeerkrankungen zu vermeiden.

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1 Meyer/Zentek (2005): Ernährung des Hundes, S. 178.

Sonntag, 10. Juli 2011

BARF Mythos #6: BARF ist zu kompliziert und zu zeitaufwendig

Beim Thema Hundefütterung scheiden sich die Geister. Jeder Hersteller ist der Meinung, das beste Futter zu produzieren und jeder Tierarzt ist sich sicher, das beste Futter zu empfehlen. Dabei gerät immer wieder das Thema BARF in die Kritik. Es gibt eine Reihe von Mythen um diese Ernährungsform, die jedoch meist in das Reich der Märchen und Sagen gehören, aber dennoch oft von Kritikern aufgeführt werden. Gehen wir den Vorurteilen doch mal auf den Grund und schauen sie uns etwas genauer an. Denn meistens sind sie wirklich frei erfunden und verunsichern Tierhalter nur sinnlos...


BARF Mythos #6: BARF sei viel zu kompliziert, denn kein normaler Mensch ist in der Lage, einen Futterplan für seinen Hund ohne die Hilfe eines Tierarztes zu erstellen. Man muss schließlich alle Bedarfswerte auswendig lernen und komplizierte Berechnungen anstellen. Außerdem ist BARF viel zu zeitaufwendig, da man jede einzelne Zutat abwiegen muss.

Dies ist ein Vorurteil gegenüber BARF, was sich leider auch sehr hartnäckig hält. Aber stimmt das? Muss man Veterinärmedizin studiert haben, um in der Lage zu sein, das Hundefutter selbst zuzubereiten?

Man sollte sich in diesem Punkt fragen, wie Hunde gefüttert wurden, bevor es Fertigfutter gab und wie Hunde in Gegenden überleben, in denen es noch heute kein Fertigfutter gibt. Wie um Himmels Willen fütter(te)n diese Leute ihre Hunde?

Nun werden Kritiker gleich wieder aufschreien, dass diese Menschen halt sehr viel falsch mach(t)en bei der Fütterung und dass die Lebenserwartung der Hunde durch die Einführung von Fertigfutter schließlich gestiegen sei, weil nun die Nahrung „zu jeder Mahlzeit im optimalen Verhältnis“ vorliegt. Nun, das stimmt leider nicht wirklich. Der älteste bekannte Hund wurde 29 Jahre alt und bekam nie Trockenfutter zu Gesicht. Er starb 1939 – damals gab es noch gar kein Fertigfutter. Auch der zweitälteste Hund der Welt bekam kein Fertigfutter.[1] Aber auch eine aktuelle Studie zeigt, dass die Lebenserwartung von Hunden wesentlich höher – im Schnitt um 3 Jahre (!) verlängert – ist, wenn ein Hund nicht mit industriellem Futter, sondern ausschließlich mit einer selbst erstellten Ration ernährt wird.[2] So falsch und schwer kann es also offenbar gar nicht sein, das Futter für den geliebten Vierbeiner selbst zu erstellen...

Die Futterration für einen Hund selbst zu erstellen, ist nicht kompliziert. Unsere Vorfahren haben es auch geschafft. Natürlich kann man nicht einfach Gehacktes in den Napf geben und denken, der Hund sei damit gut ernährt. Aber wenn man sich an ein paar grundlegende Dinge hält und den Hund abwechslungsreich ernährt, dann kann man gar nichts falsch machen.

Dieses Grundlagenwissen muss man sich aber unbedingt aneignen! Dazu ist es nicht notwendig, ein kompliziertes, wissenschaftliches Buch zu lesen. Ich empfehle dafür entweder mein Buch oder aber das insgesamt 78-Seiten umfassende Büchlein von Swanie Simon. Hat man das gelesen, ist man sehr gut gewappnet und muss keine Angst haben, Fehler zu machen.

Die Grundlagen – unkompliziert & kurz erklärt

Ein Hund ist kein reiner Fleischfresser, er ist ein Beutefresser. Daher macht es keinen Sinn, ihn ausschließlich von Tartar zu ernähren. Um eine sinnvolle Aufteilung der Zutaten vorzunehmen, muss man keine komplizierte Berechnung vornehmen. Man orientiert sich einfach an einem möglichen Beutetier, z. B. an einem Hasen oder einem Schaf. Ein Beutetier besteht ja nicht nur aus Muskelfleisch, es hat auch Knochen, Innereien, Fell usw. In all diese Bestandteilen stecken verschiedene, wichtige Nährstoffe. Ohne jetzt vertiefend darauf einzugehen, sollte die Ration eines gesunden Hundes ungefähr folgendermaßen aufgeteilt sein:

Die Ration sollte zu 70-80 % aus tierischen Zutaten bestehen. Die restlichen 20-30 % des Futters bilden pflanzliche Inhaltstoffe – denn frei lebende Hunde fressen auch den Kot von Pflanzenfressern bzw. das Fell des Beutetiers – mit den Faserstoffen versucht macht, diesen Umstand nachzuahmen, außerdem liefern sie wichtige Nährstoffe und im Fall von Getreide auch Energie.

Der Anteil der tierischen Inhaltsstoffe sollte auch sinnvoll aufgeteilt werden: ca. 50 % durchwachsenes Muskelfleisch, 20 % Pansen/Blättermagen, 15 % Innereien und 15 % Rohe, fleischige Knochen (½ Knochen, ½ Fleisch). Warum ist das so? Ganz einfach: Ein Beutetier besteht zu 5-14 % aus reinen Knochen. Bei großen Tieren (eher hoher Knochenanteil), könnte ein Hund nicht alle Knochen fressen, bei kleinen Tieren (eher niedriger Knochenanteil) schon. Daher geht man von einem Mittelwert aus.

Ebenso verhält es sich mit den anderen Komponenten – sowohl Innereien als auch Muskelfleisch liegen nun einmal in einem gewissen Anteil ganz natürlich im Beutetier vor. Orientiert man sich daran, ist das Verhältnis optimal, da ein Hund in der Natur auch keine andere Kombination (wie etwa Unmengen an Innereien oder Knochen) vorfinden würde.

Nun muss man nur noch darauf achten, nicht immer die selben Zutaten zu verfüttern, sondern bei Fleischsorten, Innereien, Knochen und Gemüse auf Abwechslung zu achten. Da man keine ganzen Beutetiere füttern kann, ergänzt man das Futter mit einem hochwertigen Öl, Lebertran, rohen Eiern und ein paar Kräutern, Nüssen/Samen und Algen. Das war´s schon. Klingt immer noch zu kompliziert? Hier gibt es eine kleine Rechenhilfe, mit der man die Ration komplett berechnen lassen kann.

Komplizierter wird es eigentlich nur, wenn der Hund krank ist und man z. B. im Rahmen einer Nierendiät oder weil der Hund allergisch auf gewisse Futtermittel reagiert, auf spezielle Anforderungen achten muss. Aber bei derartigen Spezialfällen kommt aber auch kein Fertigfutter in Frage…

Ist diese Ration denn bedarfsdeckend?

Ich habe mir mal die Mühe gemacht und habe eine so erstellte Ration im Hinblick auf Vitamine, Mineralien, Spurenelemente und Aminosäuregehalt nach den Bedarfswertangaben des NRC zu überprüfen. Und? Überraschung: alle Nährstoffe liegen bedarfsgerecht vor! Also weder eine Unter- noch eine Überdeckung. Ganz ohne tägliches Abwiegen, nachrechnen und auch ganz ohne veterinärmedizinisches Studium. Im Vergleich habe ich übrigens die Bedarfsdeckung durch ein von Tierärzten empfohlenes Trockenfutter betrachtet. Ergebnis: Unterdeckung einiger Mineralien, massive Überdeckung bei einigen Nährstoffen. Mehr dazu hier.

Am Anfang ist man natürlich noch unsicher. Ständig ist man in Sorge, Fehler zu machen und man ist versucht, alles abzuwiegen, auszurechnen und zu hinterfragen. Aber mit der Zeit stellt sich eine gewisse Routine ein und man hat irgendwann ganz gut im Blick, wie viel ungefähr 300 g Muskelfleisch sind. Ich kann mittlerweile sogar 0,9 g Algen ohne Waage ziemlich genau treffen und meinen letzten ausgedruckten Futterplan für die Hunde, habe ich vor einigen Jahren von der Wand genommen. Geändert hat er sich übrigens nicht: Auch wenn ich über die Jahre mehr dazu gelernt und viel gelesen habe – eine Anpassung meines Futterplans war nie nötig.

Der Zeitaufwand

Es ist natürlich richtig: es ist viel zeitsparender, einen Futtersack zu öffnen, einen Messbecher voll Futter zu entnehmen und dem Hund zu kredenzen. Keine Frage – praktischer geht es gar nicht. Aber ist BARF wirklich so inakzeptabel zeitaufwendig? Ich habe mal die Zeit berechnet, die ich damit verbringe, die Hunde zu füttern – von der Bestellung des Fleischs im Internet, über das Einsortieren des Fleischs in den Gefrierschrank und den Gang in den Keller, um es wieder hervorzuholen, bis hin zum Pürieren des Gemüses und dem letztendlichen Anrichten des Menüs. Es sind 7 Minuten pro Tag. Schreiben von Blogbeiträgen mal nicht eingerechnet ;-)

Natürlich hängt diese Zahl davon ab, woher man die Zutaten bezieht – kauft man Fleisch beim Schlachthof, dauert alles länger und hat man dazu noch keine Gefriertruhe, wird es nahezu unmöglich. Die meisten Barfer bestellen aber portioniertes, rohes Fleisch im Internet und lagern es bequem in einer Kühltruhe ein.

Und ja, 7 Minuten sind mehr als 2 Minuten, die man vielleicht für den Kauf und die „Zubereitung“ eines Fertigfutters benötigt. Aber wer nicht einmal 5 Minuten mehr Zeit am Tag für seinen Hund aufbringen möchte, der sollte sich ernsthaft darüber Gedanken machen, ob ein Haustier das Richtige ist. Denn Spaziergänge, Ausbildung, Fellpflege usw. nehmen weitaus mehr Zeit in Anspruch… Wer natürlich darauf aus ist, sehr viel Zeit zu sparen, soll ruhig zum Fertigfutter greifen: wenn der Hund eine verkürzte Lebenserwartung hat, spart man so richtig viel Zeit ein ;-)

Fazit

Barfen ist weder sonderlich kompliziert, noch ist es unerträglich zeitaufwendig. Man sollte sich allerdings unbedingt gewisses Grundlagenwissen aneignen, um Fehler bei der Fütterung zu vermeiden. Dazu reicht es aus, ein Buch zum Thema zu lesen. Man sollte auch keine Religion aus dem Thema machen. Es geht ja nur darum, einen Hund zu füttern. Nicht mehr und nicht weniger.

Sicherlich ist die Fütterung von Fertigfutter wesentlich einfacher, aber sie kann eben auch Nachteile wie eine geringere Lebenserwartung nach sich ziehen. Und außerdem: wer möchte den jeden Tag das Gleiche essen? Also ich nicht…


Weitere BARF-Mythen?

BARF-Mythos #1: zu viel Fleisch, zu viel Eiweiß
BARF-Mythos #2: Barfen sei zu teuer
BARF-Mythos #3: Rohes Fleisch macht Hunde krank
BARF-Mythos #4: Nicht alle Nährstoffe im richtigen Verhältnis
BARF-Mythos #5: Fleisch macht Hunde aggressiv 


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[1] http://www.guardian.co.uk/world/2004/jul/12/australia.davidfickling
[2] Lippert/Sapy (2003): Relation between the domestic dog’s well-being and life expectancy, S. 14

Samstag, 9. Juli 2011

Was man tief in seinem Herzen besitzt....

... kann man nicht durch den Tod verlieren. Heute vor zwei Jahren bist Du, mein Lieber Neo, in meinen Armen für immer eingeschlafen. Seitdem ist nicht ein einziger Tag vergangen, an dem ich nicht an Dich gedacht habe. Oft sehe ich die schrecklichen Bilder Deines letzten Tages vor mir und die Ohnmacht, die ich damals empfand, holt mich ein. Sie ist so erdrückend, so allgegenwärtig in diesen Momenten. Viel öfter jedoch denke ich an die wunderbaren Stunden, Monate und Jahre, die wir gemeinsam verbringen durften. Und in diesen Momenten bin ich glücklich, auch wenn Du nicht mehr bei mir bist. Du fehlst mir und bleibst unvergessen...mein grinsender Freund.

Neo 24.03.2000 - 09.07.2009






Samstag, 18. Juni 2011

BARF Mythos #5: Fleisch macht Hunde aggressiv

Beim Thema Hundefütterung scheiden sich die Geister. Jeder Hersteller ist der Meinung, das beste Futter zu produzieren und jeder Tierarzt ist sich sicher, das beste Futter zu empfehlen. Dabei gerät immer wieder das Thema BARF in die Kritik. Es gibt eine Reihe von Mythen um diese Ernährungsform, die jedoch meist in das Reich der Märchen und Sagen gehören, aber dennoch oft von Kritikern aufgeführt werden.

BARF Mythos #5: Rohes Fleisch bzw. Fleisch im allgemeinen löst bei Hunden aggressives Verhalten aus und steigert das Jagdverhalten


Auch diese Vorurteil hält sich nach wie vor sehr hartnäckig. Immer wieder wird davor gewarnt, Hunden rohes Fleisch zu servieren, da dies automatisch Aggressionen hervorrufen kann. Offenbar stellt man sich einen Hund vor, der durch den Genuss von Fleisch in eine Art Blutrausch versetzt wird… Ein Ammenmärchen, welches schon ziemlich alt ist: In einem Hundeernährungsbuch aus dem Jahre 1960 fand ich unter der Überschrift „Sogenannte Volksweisheiten“ den folgenden Satz: „Fleisch macht die Hunde „falsch“ und wild“. Eine Aussage, die der Autor sogleich widerlegt. Seiner Ansicht nach führt eine unsachgemäße Behandlung und schlechte Zuchtauswahl zu Aggressionen und nicht etwa Fleisch.[1]

Auch heute – über 50 Jahre später – gibt es keine Studien, die den Zusammenhang zwischen Rohfleischfütterung und Aggressionen oder Jagdtriebsteigerungen bei Hunden belegen konnten: „Eine Korrelation zwischen der BARF-Fütterung und erhöhter Aggression oder auch verstärkter Jagdleidenschaft wurde in keiner wissenschaftlich belastbaren Studie nachgewiesen, jedoch sollte der Umkehrschluss, dass kein mit Fertigfutter gefütterter Hund zum Jagen neigt, diese These hinreichend widerlegen.“ [2]

In Deutschland werden 87% aller Hunde hauptsächlich mit Fertigfutter ernährt, 11% aller Hunde erhalten Fertigfutter zusätzlich zu anderer Nahrung.[3] Tausendfach pro Jahr ereignen sich Beißvorfälle. Wie wahrscheinlich ist es wohl, dass diese Angriffe ausschließlich von Hunden ausgehen, die rohes Fleisch bekommen haben, wenn doch die meisten Hunde doch Fertigfutter erhalten…? Mangels Datengrundlage lässt sich diese Frage nicht beantworten, aber es gibt natürlich wissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema Futter und Aggression.


Der Zusammenhang zwischen Fütterung und Aggressionen

Aggressionen bei Hunden können sehr vielfältige Ursachen haben: so werden genetische oder biochemische Ursachen angeführt, aber auch krankheitsbedingte Ursachen (Aggressivität in Verbindung mit bestimmten Erkrankungen). Traumata können Aggressionen auslösen, aber auch Angst und Schmerz. Ohne vertiefend auf die Ursachen eingehen zu wollen, spielt aber interessanterweise auch die Ernährung eine Rolle:

„So fördern größere Mengen qualitativ minderwertiger Eiweiße die Neigung zu gesteigerter Aggressivität bzw. zu ausgeprägter Territorialverteidigung. In diesem Zusammenhang kommt dem Ammoniak und den Aminosäuren Tyrosin und Tryptophan besondere Bedeutung zu, da sie die Bildung von Metaboliten beeinflussen, die für das Verhalten von Hunden bedeutsam sind.“[4]

Für Hunde minderwertige Eiweiße sind aufgrund ihrer ungünstigen Aminosäurenzusammensetzung z. B. Futtermittel pflanzlicher Herkunft (z. B. Maiskleber, Weizenkleber)[5] wie sie oft in kommerziellen Fertigfuttern in großen Anteilen vorkommen. In diesen Futtermitteln kommt wenig Tryptophan, dafür aber verhätlnismäßig mehr lange, neutrale Aminosäuren (LNAA) wie z.B. Tyrosin vor. Tryptophan ist eine essenzielle Aminosäure die vor allem in Fleisch, Milchprodukten und Eiern vorkommt, weniger jedoch in Getreide[6]. Als biosynthetische Vorstufe des Neurotransmitters Serotonin (im Volksmund bekannt als Glückshormon), hat es u.a. Auswirkungen auf die Stimmung eines Lebewesens. Eine verminderte Serotoninbildung kann möglicherweise zu einer aggressiveren Reaktion auf Reize führen.

Glücklicher durch optimales Aminosäurenprofil

Wie aber kann die Rationsgestaltung einen Einfluss auf die Serotoninfreisetzung haben? Die meisten Proteine haben einen geringen Tryptophan-Anteil (Trp) und einen hohen Anteil an LNAA. Diese LNAA konkurrieren mit Tryptophan um das gleiche Transportsystem durch die Blut-Hirn-Schranke, sodass die Fütterung proteinreicher Nahrung den Trp:LNAA Quotienten erniedrigt und den Transport von Tryptophan durch die Blut-Hirn-Schranke verringert. Je schlechter das in der Nahrung vorliegende Verhältnis zwischen Trp und LNAA ist, desto ausgeprägter ist dieser Effekt. Diäten mit geringerem Eiweißgehalt (aber entsprechendem Fett- oder Kohlenhydratgehalt) und besserer Aminosäurenzusammensetzung führen im Gegensatz dazu zu einem höheren Trp:LNAA Quotienten, der den Transport von Tryptophan über die Blut-Hirn-Schranke fördert.[7]

Der Einfluss von Energieträgern

Und welchen Einfluss haben Kohlenhydrate oder Fett? Kohlenhydratreiche Rationen stimulieren die Insulinsekretion. Das vermehrt ausgeschüttete Insulin steigert die Aufnahme derjenigen LNAA in die Muskelzellen, die mit Tryptophan in das Gehirn gelangen. Da nun der Trp:LNAA Quotient höher ist, gelangt mehr Tryptophan in das Gehirn. In Bezug auf den Fettgehalt der Nahrung findet ein anderer Prozess statt: Die Erhöhung freier Fettsäuren im Blut nach der Nahrungsaufnahme führt zur Verdrängung des an Albumin gebundenen Anteils von Tryptophan. Das so freigesetzte Tryptophan wird vermehrt in das Gehirn transportiert und steht nun aus diesem Grund vermehrt für die Synthese von Serotonin zur Verfügung.[8] Im Übrigen hat auch der im Zusammenhang mit BARF oft praktizierte Fastentag einen positiven Effekt auf die Stimmung des Hundes, denn Tierversuche belegen, dass es bei kurzzeitigem Fasten zu einer erhöhten Tryptophanverfügbarkeit im Gehirn und daher zu einer gesteigerten Serotoninsynthese kommt.

Weniger Aggression nach Futterumstellung

In Studien wurde übrigens eine Verbesserung der Aggressionsprobleme bei Hunden durch das Umstellen der Fütterung auf eine selbst zubereitete Schonkost auf Lammfleischbasis mit geringem Proteingehalt beobachtet. Ob die Verbesserung aufgrund mangelnder Zusatzstoffe (Farbstoffe, Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker im Trockenfutter) oder der Veränderung der Proteinquelle eingetreten ist, konnte nicht abschließend geklärt werden.[9] Interessant ist jedoch: die Hunde waren aggressiver als sie noch kommerziell hergestelltes Futter bekamen.

Zusammenfassend kann man sagen: Ein Hund, der eine auf Fleisch basierende Nahrung zu sich nimmt, in der er eine optimale Aminosäurenzusammensetzung und zudem einen niedrigen Proteingehalt (siehe BARF-Mythos #1) sowie ausreichend Fett vorfindet, wird weniger wahrscheinlich aggressiv sein als ein Hund, der aufgrund des hohen Anteils pflanzlicher Proteine im kommerziellen Fertigfutter eine ungünstige Aminosäurenzusammensetzung in seiner Nahrung und dafür einen höheren Proteingehalt vorfindet, auch wenn dieser hohe Anteile an Kohlenhydraten zu sich nimmt.

Andere fütterungsbedingte Aspekte

Ein weiterer Aspekt, der zwar nicht isoliert im Zusammenhang mit Fleisch, allerdings mit einer optimalen Fütterung steht und Aggressionen auslösen kann, ist Schmerz. Es ist hinlänglich bekannt, dass Schmerzen Aggressionen verursachen können.[10] Es gibt viele Hunde, die kommerzielle Futtermittel nicht vertragen. Sie reagieren mit Unverträglichkeiten und Allergien auf Getreide, Futtermilben, Zusatzstoffe oder sogar bestimmte Fleischsorten, die sich durch Magen-Darm-Probleme oder Hautreaktionen bemerkbar machen.[11] Natürlich verursachen derartige Unverträglichkeiten oftmals auch Schmerzen und diese können eben auch ein aggressives Verhalten nach sich ziehen. Mit BARF ist es relativ einfach, sich auf die Bedürfnisse eines Hundes einzustellen und Futtermittel zu vermeiden, die der Hund nicht verträgt und die ihm Schmerzen bereiten. Bei einem kommerziellen Futter ist das vollkommen unmöglich, da nicht nachvollziehbar ist, welche Zutaten sich nun genau im jeweiligen Futter wiederfinden. Das erschwert erstens die Suche nach dem Auslöser der Unverträglichkeit und zweitens natürlich dessen Vermeidung bei der Fütterung.

Fazit

Rohes Fleisch macht Hunde nicht aggressiv. Ganz im Gegenteil: Eine getreidebasierte Nahrung wie sie oft mit kommerziellem Hundefutter zugeführt wird, fördert die Entstehung von Aggressionen, da wichtige Aminosäuren im Futter fehlen. Eine fleischbasierte, natürliche Enrährung hingegen kann Aggressionen sogar verringern, weil die Aminosäurenzusammensetzung der Nahrung besser ist.

Weitere BARF-Mythen?

BARF-Mythos #1: zu viel Fleisch, zu viel Eiweiß
BARF-Mythos #2: Barfen sei zu teuer
BARF-Mythos #3: Rohes Fleisch macht Hunde krank
BARF-Mythos #4: Nicht alle Nährstoffe im richtigen Verhältnis 
BARF Mythos #6: BARF ist zu kompliziert und zu zeitaufwendig

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_____________________________
[1] Donath (1960): Hunde – gesund ernährt, S. 162.
[2] Hinger, M. (2008): BARFen - ein alternatives Ernährungskonzept?, in: Zeitschrift für Ganzheitliche Tiermedizin, 01/2008, S. 24 ff.
[3] http://de.statista.com/statistik/daten/studie/174762/umfrage/verwendungshaeufigkeit-von-fertigfutter/
[4] Meyer/Zentek (2010): Ernährung des Hundes, S. 137.
[5] Meyer/Zentek (2005): Ernährung des Hundes, S. 102 ff.
[6] Meyer/Zentek (2005): Ernährung des Hundes, S. 249.
[7] Köhler, K. (2005): Evaluierung von somatischen Ursachen für Verhaltensveränderungen beim Hund in der tierärztlichen Praxis, S. 19. 
[8] http://www.aerzteblatt.de/V4/archiv/artikel.asp?id=9630
[9] Köhler, K. (2005): Evaluierung von somatischen Ursachen für Verhaltensveränderungen beim Hund in der tierärztlichen Praxis, S. 18-19.
[10] Köhler, K. (2005): Evaluierung von somatischen Ursachen für Verhaltensveränderungen beim Hund in der tierärztlichen Praxis, S. 19.
[11] Meyer/Zentek (2005): Ernährung des Hundes, S. 187

Sonntag, 5. Juni 2011

BARF Mythos #4: Nicht alle Nährstoffe im richtigen Verhältnis

Beim Thema Hundefütterung scheiden sich die Geister. Jeder Hersteller ist der Meinung, das beste Futter zu produzieren und jeder Tierarzt ist sich sicher, das beste Futter zu empfehlen. Dabei gerät immer wieder das Thema BARF in die Kritik. Es gibt eine Reihe von Mythen um diese Ernährungsform, die jedoch meist in das Reich der Märchen und Sagen gehören, aber dennoch oft von Kritikern aufgeführt werden.

BARF Mythos #4: Beim Barfen kann man nicht sicherstellen, dass alle Nährstoffe in jeder Mahlzeit im richtigen Verhältnis vorliegen, deswegen führt BARF zu Fehl-, Unter- oder Überversorgungen


Das ist eine Aussage, die gern von Futtermittelherstellern, aber auch von Tierärzten angebracht wird. Der Hund müsse in jeder Mahlzeit, jeden erdenklichen Nährstoff im exakt richtigen Verhältnis vorfinden. Dies könne nur mit Fertigfutter sichergestellt werden.

Offenbar scheint aber der Hund einzige Lebewesen auf dieser Erde zu sein, der in jedem Futterbrocken eine homogene Zusammensetzung vorfinden muss, denn weder wild lebende Hunde, noch der Wolf, noch Menschen ernähren sich auf diese Weise…

Man stelle sich vor, man müsste sich Sorgen machen, weil man zum Frühstück nur ein Müsli, mittags Spaghetti mit Tomtensoße und abends einen Salat gegessen hätte: zu wenig Protein, zu wenig Magnesium, zu wenig Calcium, ... Nein, man isst einfach am nächsten Tag zum Frühstück einen Joghurt mit einer Banane, mittags ein Steak mit Kartoffeln un Pilzen und abends einen Käseteller und schon sieht die Ernährungsbilanz über die zwei Tage schon ganz anders aus.

Einen Blick auf die Ernährung (unregelmäßige, oft einseitige Nahrungsaufnahme) des Wolfes, der so eng mit dem Haushund verwandt ist, dass insbesondere der Verdauungskanal nahezu identisch ist, spare ich mir an dieser Stelle. Denn ein Hund ist nun einmal kein Wolf. Der Energiebedarf ist geringer, die Lebensumstände sind völlig anders und ein Chihuahua sieht nun einmal gar nicht aus wie ein Wolf. Betrachten wir lieber ganz konkret den Haushund.


Die Ernährung des Hundes in der Vergangenheit

Irgendwann, vor tausenden von Jahren schloss sich der Wolf dem Menschen an und entwickelte sich zum Haushund wie wir ihn heute kennen. Man schätzt, dass es den Haushund  seit etwa 10.000 Jahren gibt.1 Das erste „Fertigfutter“ für Hunde wurde 1860 (Spratt's Patent Meat Fibrine Dog Cakes) entwickelt – also nicht bereits vor 10.000 Jahren. Bis in Industrieländern dessen flächendeckende Ausbreitung begann, vergingen noch einmal fast 100 Jahre, in machen Ländern sogar noch mehr...2 Wie hat der Hund es bloß geschafft, so viele tausend Jahre zu überleben, ohne dass er in jeder Mahlzeit alle Nährstoffe im optimalen Verhältnis vorfand? Wie konnte er nicht nur überleben, sondern sogar so ernährt werden, dass er als Arbeitstier (Schlittenhund, Jagdhund, Zugtier) große Leistungen erbringen konnte?

Nicht nur, dass es nicht alle Nährstoffe im richtigen Verhältnis vorlagen, es gab oftmals überhaupt nichts Gutes. Denn der Hund bekam Essensreste und diese entsprachen natürlich den Lebensbedingungen der damaligen Hundehalter – und die waren nun einmal oft sehr einfach. Kein Mensch achtete darauf, dass Hunde in jeder Mahlzeit alle Nährstoffe im optimalen Verhältnis vorfanden, auch wenn es bereits vor 3.000 Jahren Luxushunde gab, die ganze spezielle Mahlzeiten genießen durften.

Weder in meinem ältesten Hundebüchern (Walther Busack „Die Hunderassen in Wort und Bild“, 1943 oder Prof. Dr. W. F. Donath „Hunde – gesund ernährt“, 1960) noch in modernen, wissenschaftlichen Publikationen (Helmut Meyer/Jürgen  Zentek, „Ernährung des Hundes“, 2010) konnte ich die Anforderung  „alle Nährstoffe in jeder Mahlzeit im richtigen Verhältnis“ finden. Demzufolge scheint eine derartige Rationsgestaltung nicht nötig zu sein.

Zusammensetzung der Nahrung mit BARF

Man wird nicht in jeder BARF-Mahlzeit alle Nährstoffe im optimalen Verhältnis zusammenstellen können, aber das ist auch gar nicht nötig.

Bayo bekommt an dem meisten Tagen 300 g Muskelfleisch, 140 g Pansen, 100 g Innereien, 100 g fleischige Knochen, 150 g Gemüse, 50 g Fett, 0,9 g Seealgen, ein paar Nüsse/Samen, etwas Bierhefe und 1 EL Omega-3-6-Öl. Damit erhält er fast täglich einen Großteil aller wichtigen Nährstoffe, Energie und auch Ballaststoffe, die er benötigt.

Von bestimmten Nährstoffen gibt es an einigen Tagen mal mehr, mal weniger. So gibt es an manchmal 100 g Rinderleber (reich an Vitamin A) und dann wieder 100 g Rinderniere (reich an Selen), aber der Bedarf wird über einen Zeitraum von wenigen Tagen dennoch gedeckt.

Einige Kritiker selbst erstellter Futterrationen führen an, dass die stoßweise Deckung des Nährstoffbedarfs zu Problemen führen kann. Dabei nennen sie Beispiele wie ich es auf einer Website fand:

„Beispiel: Die Deckung des Calciumbedarfs über die stoßweise Verabreichung des 10-fachen Tagesbedarfs (z.B. durch Knochenfütterung) alle 10 Tage zu einer ansonsten calciumarmen Ration (mit vielleicht noch falschem Ca:P-Verhältnis) kann die hormonelle Mineralstoff-Regulation (Calcitonin, Parathormon, Cholecalciferol) im Körper aushebeln und die Verwertung anderer Elemente (Kupfer, Zink , die sowieso schon oft unterversorgt sind) behindern.“3

Was hat eine derartige Vorgehensweise mit BARF zu tun? Würde ich Bayo nur alle 10 Tage seine Knochenration geben, dann  müsste der arme Kerl fast 1 kg Knochen auf einmal fressen, was mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Verstopfung führen würde. Ebenso verhält es sich, wenn man die Innereien-Ration nur alle 10 Tage verabreichte, nur dass diese wahrscheinlich zu Durchfall führen würde. Würde ich Bayo nur alle 10 Tage seine Gemüseration kredenzen, ließe er vermutlich den gefüllten Napf stehen...

Es ist ganz und gar nicht die Idee von BARF, die Einzelbestandteile in derart großen Portionen auf derart lange Zeiträume zu verteilen. Die meisten Barfer füttern die Knochen- oder Innereienportion verteilt auf 3 Tage pro Woche, d. h. der Hund erhält nur an jedem zweiten Tag mal etwas mehr, mal etwas weniger Calcium, aber auf 2 Tage verteilt beträgt das Ca:Ph-Verhältnis wieder 1,5. Das ist einerseits überhaupt nicht mit dem düsteren Szenario zu vergleichen, welches im o.g. Zitat aufgezeigt wird und ist andererseits für einen Körper auch unproblematisch, da der nicht auf einen exakt kontinuierlichen Zufluss sämtlicher Nährstoffe angewiesen ist.


Fazit

Es ist gar nicht nötig, dass in jeder Mahlzeit, die ein Hund zu sich nimmt, alle Nährstoffe im optimalen Verhältnis vorliegen müssen. Daher spielt es auch keine Rolle, dass eine BARF-Mahlzeit nicht vollkommen homogen zusammengesetzt ist. Kein Tier auf dieser Welt ernährt sich auf diese Weise. Eher wird über eine abwechslungsreiche Ernährung ein ausgewogener Zufluss an Nährstoffen verteilt auf mehrere Mahlzeiten sichergestellt.


Weitere BARF-Mythen?

BARF-Mythos #1: zu viel Fleisch, zu viel Eiweiß
BARF-Mythos #2: Barfen sei zu teuer
BARF-Mythos #3: Rohes Fleisch macht Hunde krank
BARF-Mythos #5: Fleisch macht Hunde aggressiv

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_______________________
1 Ziemen, E. (2010): "Der Hund", S. 125.
2 Thurston, M.E. (1996):  „The Lost History of the Canine Race“, S. 235 ff.
3 http://www.heiltierarzt.de/hunde-katzen-richtige-ernaehrung/barfen-biologisch-artgerechte-rohfuetterung.htm

Sonntag, 22. Mai 2011

BARF-Mythos #3: Rohes Fleisch macht Hunde krank

Beim Thema Hundefütterung scheiden sich die Geister. Jeder Hersteller ist der Meinung, das beste Futter zu produzieren und jeder Tierarzt ist sich sicher, das beste Futter zu empfehlen. Dabei gerät immer wieder das Thema BARF in die Kritik. Es gibt eine Reihe von Mythen um diese Ernährungsform, die jedoch meist in das Reich der Märchen und Sagen gehören, aber dennoch oft von Kritikern aufgeführt werden.

BARF-Mythos #3: Rohes Fleisch enthält Krankheitserreger, die dem Hund schaden


Es wird immer wieder behauptet, dass rohes Fleisch für Hunde schädlich sei, weil es Krankheitserreger enthält, die für Hunde sehr gefährlich sind. Nicht nur der Hund würde durch die Fütterung von rohem Fleisch geschädigt, nein, wenn der Hund mit diesen Erregern infiziert ist, steckt er damit automatisch auch seine menschlichen Gefährten an.

Nun, eins ist sicher: rohes Fleisch ist mit Sicherheit nicht keimfrei. Die Frage ist daher eher, ist es für Hunde wirklich schädlich, dieses Keim behaftete Fleisch zu fressen? Oder ist das Verdauungssystem eines Karnivoren etwa auf die Verdauung von rohem Fleisch eingestellt?

Kritische Betrachtung einer wissenschaftlichen Arbeit zum Thema

Um die Behauptung der Gefährlichkeit des rohen Fleisches und die Folgen von dessen Konsum zu untermauern, werden wissenschaftliche Arbeiten herangezogen. Aber was beweisen diese Arbeiten eigentlich? Liefern sie geeignete Hinweise? Ein gutes Beispiel hierfür ist die folgende Dissertation: „Durchfallerkrankungen bei Haustieren mit lebensmittelrelevanten pathogenen Bakterien“.

Die Autorin führt an, dass „Lebensmittelbedingte Infektionen mit thermotoleranten Campylobacter spp., Salmonella spp., Yersinia enterocolitica und EHEC […] zu den häufigsten Erregern von Durchfallerkrankungen bei Mensch und Tier in Deutschland“  zählen und dass eine „wichtige Quelle für die Infektion mit diesen Erregern […] in vielen Fällen der Verzehr von  Rohfleischprodukten, nicht ausreichend erhitzten Lebensmitteln oder kontaminierten Lebensmitteln oder auch der Kontakt mit infizierten Tieren.“ sei.1

Um diese These zu belegen, wurden 150 an Durchfall erkrankte Tiere und 150 gesunde Haustiere untersucht. Darunter befanden sich 50 Hunde, die an Durchfall litten und 50 gesunde Hunde.2

Die Halter dieser Tiere wurden mittels Fragebogen zu den Ernährungsgewohnheiten und anderen Eckdaten ihrer vierbeinigen Lieblinge befragt. Der Fragebogen enthielt im Hinblick auf die Fütterungsgewohnheiten folgende Antwortmöglichkeiten:

  • "Fertigfuttermittel (z.B. Dosenfutter, Trockenfutter)
  • Rohfleisch (z.B. Fleischknochen, Hackfleisch,Innereien)
  • Rohwurstprodukte (z.B. Mettwurst, Salami, roher Schinken)
  • erhitzte Wursterzeugnisse: Brühwurst, Kochwurst (z. B. gekochter Schinken, Leberwurst, Weißwurst, Presssack)"3

Anhand dieser Befragung wurden die Hunde in 3 Gruppen eingeteilt: Hunde, die mit rohen Produkten, erhitzten Produkten oder Futter unbekannter Herkunft ernährt wurden. Ein Blick in den Anhang der Dissertation verrät, dass jeder Hund, der Rohfleisch oder Rohwurstprodukte bekam, in die Gruppe der roh ernährten Hunde eingestuft wurde, ohne eine Gewichtung vorzunehmen.4 D. h. ein Hund, der ausschließlich rohes Fleisch und ab und zu mal ein Trockenfutter-Leckerli bekommt, gilt ebenso als roh ernährt wie ein Hund, der ausschließlich Trockenfutter frisst und vom Tisch mal ein Stück Salami bekommt. Ist eine solche Einteilung methodisch überhaupt trennscharf? Schließlich erhält man in Bezug auf die Ernährung der Tiere m. E. so keine abgrenzbare Vergleichsgrundlage. Und wäre es nicht ohnehin sinnvoller, die Faktoren isoliert zu betrachten, die in Verdacht stehen, ein Vorliegen pathogener Erreger zu begünstigen?

Die Kotproben sämtlicher Hunde wurden auf verschiedene pathogene Erreger untersucht. „Die Ergebnisse aller Untersuchungen ergaben, dass von 50 an Durchfall erkrankten Hunden 17 Hunde (34%) positiv auf ein oder zwei Pathogene getestet wurden. Neun der 17 positiven Hunde (53%) wurden mit Rohfleisch gefüttert. Insgesamt wurden 24 von 50 Hunden (48%) mit rohen Fleischprodukten gefüttert; von diesen 24 waren neun Hunde (37,5%) Pathogen positiv, 15 der 24 mit Rohfleisch gefütterten Hunde (62,5%) waren Pathogen negativ. 49 Hunde (98%) hatten die Möglichkeit zu Freilauf, darunter alle 17 positiven Hunde (100%).“5



Nun wird es verwirrend, denn die Begriffe Rohfleisch und Rohwurst werden verwechselt bzw. synonym verwendet. Oder die Autorin hat sich verzählt, denn aus ihrer Auswertungstabelle im Anhang gehen lediglich 4 von 17 positiv getesteten Hunden hervor, die Rohfleisch bekommen hatten. Demzufolge wurden nur 8 % der erkrankten Tiere, die Rohfleisch bekommen hatten, positiv auf pathogene Erreger getestet.

Und selbst wenn man nun Salami auch noch zu rohem Fleisch zählt, dann haben 53 % der positiv getesteten Hunde rohe Produkte und 47 % erhitzte Produkte erhalten. Ob diese Abweichung statistisch überhaupt relevant ist, lässt die Autorin offen, denn auf eine statistische Untersuchung hat sie schlichtweg verzichtet. Ich habe jedoch große Zweifel, dass hier ein statistisch signifikantes Ergebnis vorliegt, denn die Stichprobe ist im Vergleich zur Grundgesamtheit doch sehr klein und der prozentuale Unterschied ist gering. Außerdem erwähnt die Autorin zwar, dass 37,5 % der mit rohen Produkten gefütterten Hunde positiv auf pathogene Erreger getestet wurden, sie verschweigt aber, dass 40 % der mit erhitzten Produkten gefütterten, kranken Hunde auch positiv getestet wurden. Wieso bloß?

Aber was macht die Gruppe der gesunden Hunde? „In der Gruppe der gesunden Gegenkontrollen wurden 11 der 50 Hunde (22%) positiv auf mindestens ein Pathogen getestet. 4 der 11 positiven Hunde (36%) wurden mit Rohfleisch gefüttert. Insgesamt wurden 5 Hunde von 50 (10%) roh gefüttert; von diesen 5 waren 4 Pathogen positiv (80%), einer der mit Rohfleisch gefütterten Hunde war Pathogen negativ (20%). 45 Hunde (90%) hatten die Möglichkeit zu Freilauf, darunter 9 (86%) der 11 positiven Hunde“5

Abgesehen davon, dass ich die 11 positiv getesteten Hunde in der Tabelle nicht finden konnte (ich zählte nur 9 - hier liegt wohl ein Übertragungsfehler vor), geht aus der Auswertung hervor, dass 64 % der positiv getesteten Hunde keine rohen Produkte bekamen, 36 % hatten Rohprodukte gefressen. In diesem Fall war das Verhältnis also umgekehrt: mehr Hunde, die erhitzte Produkte bekommen hatten, wurden auf pathogene Erreger positiv getestet. Auf diesen Aspekt geht die Autorin nicht weiter ein, sie erwähnt lediglich, dass 80 % der mit Rohfleisch ernährten Hunde positiv getestet wurden.

Letztendlich schlussfolgert die Autorin: „Ein Rückschluss, den man aus den eigenen Ergebnissen ziehen kann ist, dass mit Rohfleisch gefütterte Hunde öfters an Durchfall leiden. Rohfleischfütterung scheint außerdem ein großes Risiko für Infektionen von Hunden mit Pathogenen zu sein. Hunde, die nicht mit Rohfleisch gefüttert wurden hatten im Großteil die Möglichkeit zu Freigang und da die Möglichkeit, sich über andere Kontaminationsquellen, wie verdorbenes Fleisch, kontaminiertes Wasser oder Wildtiere zu infizieren.“ 6

Welche Fragen bleiben offen?

Die Gruppierung der Hunde (roh ernährt, nicht roh ernährt) ist m.E. fragwürdig, denn auch Hunde, die theoretisch zu 99 % mit erhitzten Produkten und zu 1 % mit rohen Produkten ernährt wurden, werden der Gruppe "roh ernährt" zugeordnet, weil der Fragebogen keine Gewichtung vorsieht.

Außerdem grenzt die Autorin die Begriffe Rohwurst und Rohfleisch nicht klar voneinander ab, sondern verwendet sie teilweise synonym.

Zudem wurden die Ergebnisse nicht statistisch ausgewertet. Man kann nicht einfach aus "53 % ist größer als 47 %" eine Schlussfolgerung ziehen, ohne die Werte auf ihre statistische Signifikanz hin untersucht zu haben. Das ist unwissenschaftlich!

Wieso ist nur der Freilauf der nicht mit rohen Produkten gefütterten Hunde relevant? Immerhin hatten fast alle Hunde Freilauf. Dass der Freilauf nur bei den mit erhitzten Produkten ernährten Hunden relevant für deren Infektion mit pathogenen Erregern sein soll, nicht aber für die Tiere, die rohe Produkte erhielten, erscheint mir sehr inkonsequent.

Woher wissen wir, dass die Zusammensetzung der Gruppe der gesunden Hunde (86 % erhitzte Produkte, 8 % Rohprodukte, 6 % unbekannt) und der erkrankten Hunde (40 % erhitzte Produkte, 48 % Rohprodukte, 12 % unbekannt) nicht völlig willkürlich gewählt war? Leiden Hunde, die Rohprodukte verzehren wirklich viel häufiger an Durchfall oder wurde die Gruppe der an Durchfall erkrankten Hunde absichtlich so zusammengestellt? Letzteres würde die Auswerung natürlich etwas verzerren.

Ich sage nur: Traue nie einer Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast.

Der Hund und seine Magensäure

Zweifelsohne werden Hunde tagtäglich mit pathogenen Erregern konfrontiert und diese befinden sich auch in der Nahrung. Wie aber ist der hündische Körper dagegen gewappnet?

Meyer/Zentek bezeichnen den hohen Salzsäuregehalt des Magensaftes unserer vierbeinigen Freunde als „bemerkenswert“. Der ph-Wert des Magensaftes kann nämlich in Abhängigkeit von Futterzusammensetzung und Futtermenge einen Wert von 1 erreichen.  Fleisch, Fleischbrühe und sogar Wasser stimulieren die Magensäureproduktion, während  Zucker, Brot (Getreide) und Kartoffeln sie eher hemmen. Auch pflanzliche Eiweiße wie z.B. Soja haben eine weniger stimulierende Wirkung als Fleisch.7

Nun nimmt der Hund mit BARF ja sehr viel Fleisch und eher wenig zuckerhaltige Produkte zu sich, demzufolge sollte der ph-Wert des Magensaftes eines mit Fleisch ernährten Hundes während des Verdauungsprozesses sehr niedrig sein. (Im Gegensatz zu einem Hund, der eine auf Getreide basierende Nahrung zu sich nehmen muss.)

Und wie gefällt das den pathogenen Keimen? Campylobacter spp. fühlen sich bei einem ph-Wert von unter 5,5 und über 9,0 nicht wohl. Salmonella spp. tolerieren ph-Werte zwischen 4 bis 9,6. Yersinia enterocolitica vermehrt sich hervorragend zwischen ph-Werten über 4,4 und unter 9. Und E. coli Bakterien lieben ph-Werte zwischen 4,0 und 9,5.8

Was geschieht wohl mit diesen pathogenen Erregern, wenn sie mit dem sehr  niedrigen ph-Wert im Magen eines mit Fleisch ernährten Hundes konfrontiert werden? Genau, sie werden inaktiviert.

Man sollte offenbar vermeiden, Hunden ein Futter zu geben, welches kein Wasser enthält (z. B. Trockenfutter), welches wenig Fleisch enthält (z. B. Trockenfutter) oder welches viel Getreide enthält (z. B. Trockenfutter), da sonst nicht gewährleistet werden kann, dass eine ausreichend hohe Konzentration an Salzsäure im Magensaft vorhanden ist, was wiederrum ein Überleben von pathogenen Erregern begünstigt.

Ergebnis der Betrachtung

Man sollte sich auch wissenschaftliche Arbeiten genau hinsehen, bevor man ihnen Glauben schenkt. Die ausgewertete Arbeit beweist aus meiner Sicht nicht, dass der Verzehr von rohem Fleisch unweigerlich schwere Konsequenzen nach sich zieht. Dennoch stützen Tierärzte und Futtermittelhersteller ihre Argumentation auf derartige Arbeiten und schlussfolgern ganz selbstverständlich, dass rohes Fleisch für eine Art von Kaniden gefährlich sei, nämlich für den Haushund.

Offensichtlich besitzt ein gesunder Hund, der mit Fleisch ernährt wird, einen Magensaft, der pathogenen Erregern kein gutes Überlebensklima bietet. Alles andere wäre auch merkwürdig, denn es gibt auf dieser Welt 270 Arten von Raubtieren, die seit Jahrmillionen ausschließlich rohes Fleisch und teilweise sogar Aas zu sich nehmen. Nur für ein oder zwei Arten (Haushund, Hauskatze) soll diese Form der Ernährung seit kurzem gefährlich sein. Man darf nicht vergessen, dass der Haushund industrielles Futter erst seit Ende des Zweiten Weltkrieges in großer Ausbreitung (in Teilen der Erde bis heute nicht) kennt9 und sich jahrtausendelang mit rohen Schlachtabfällen, Essensresten und Müll „begnügen“ musste. Welcher Bauer hatte bitte schön Zeit, das Fleisch für seine 2 großen Rottweiler zu kochen? Das wurde natürlich roh serviert!

Wären Raubtiere nicht längst ausgestorben, wenn der Verzehr von rohem Fleisch für sie derart gefährlich wäre?

Man sollte auch nicht außer Acht lassen, dass Millionen von Menschen sich täglich gefährliche Rohwurstprodukte auf ihre Brote legen und nicht nur das: Was ist mit Sushi, Carpaccio oder einem leckeren Mettbrötchen? Das sind Nahrungsmittel, die Tag ein Tag aus millionenfach konsumiert werden, ohne dass dies unweigerlich zu schweren Erkrankungen führt.

Sicherlich, wer sich einen Hund ins Haus holt, wird automatisch mit einer Vielzahl von pathogenen Erregern konfrontiert. Ein Hund ist nun einmal nicht keimfrei, genau so wenig wie eine Notebooktastatur, die man im Zweifel genau so wenig ablecken sollte wie einen Hund... Daher sollte beim Thema Hund lieber ein Auge auf den hygienischen Umgang mit Tier und Futter haben, an Stelle natürliche Nahrung als etwas Gefährliches zu verteufeln.

Und wenn man schon verteufelt, dann bitte flächendeckend, denn nicht nur rohe Produkte enthalten pathogene Erreger: Allein in Kanada und den USA wurden in den letzten Jahren 12 Rückrufaktionen für mit Salmonellen kontaminiertem Fertigfutter durchgeführt.10

Fazit

Rohes Fleisch stellt seit Jahrmillionen die natürliche Nahrungsgrundlage von allen Raubtieren dar. Der nächste Verwandte des Hundes, der Wolf, frisst bei identischem Verdauungssystem ausschließlich rohe Nahrungsmittel. Das mag zwar kein Beweis für die Ungefährlichkeit von frischem, rohem Fleisch für den Hund sein, aber es ist wohl mehr als nur ein Indiz...

Weitere BARF-Mythen?

BARF Mythos #1: zu viel Fleisch, zu viel Eiweiß
BARF-Mythos #2: Barfen sei zu teuer
BARF-Mythos #4: Nicht alle Nährstoffe im richtigen Verhältnis
BARF-Mythos #5: Fleisch macht Hunde aggressiv


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1 Effenberger, T. (2008):  „Durchfallerkrankungen bei Haustieren mit lebensmittelrelevanten pathogenen Bakterien“, S. 1.
2 Effenberger, T. (2008):  „Durchfallerkrankungen bei Haustieren mit lebensmittelrelevanten pathogenen Bakterien“, S. 45 ff.
3 Effenberger, T. (2008):  „Durchfallerkrankungen bei Haustieren mit lebensmittelrelevanten pathogenen Bakterien“, S. 106.
4 Effenberger, T. (2008):  „Durchfallerkrankungen bei Haustieren mit lebensmittelrelevanten pathogenen Bakterien“, S. 107-114.
5 Effenberger, T. (2008):  „Durchfallerkrankungen bei Haustieren mit lebensmittelrelevanten pathogenen Bakterien“, S. 59.
6 Effenberger, T. (2008):  „Durchfallerkrankungen bei Haustieren mit lebensmittelrelevanten pathogenen Bakterien“, S. 74.
7 Meyer/Zentek (2005):  Ernährung des Hundes, S. 25.
8 Brinkmann, A. (2007): Vorkommen und Kontrolle lebensmittelrelevanter Mikroorganismen und Verbreitung von Shiga Toxin- bildenden Escherichia coli in verschiedenen Stadien der Rohwurstherstellung aus konventioneller und ökologischer Produktion, S. 13.
9 Thurston, M.E. (1996):  „The Lost History of the Canine Race“, S. 237.
10 Nestle, M. (2008):  „Pet Food Politics“, S. 18-19.

Donnerstag, 19. Mai 2011

Happy Birthday Bayo!

Mein lieber Bayo, heute ist Dein 2. Geburtstag. Wir wünschen Dir alles Gute, viel Spaß und vor allem Gesundheit für Deinen weiteren Lebensweg.

Wir hatten ein tolles gemeinsames Jahr: über 8.400 Stunden haben wir gemeinsam auf Spaziergängen, Fahrradfahrten, kuschelnd auf dem Sofa, einfach schlafend oder im Büro arbeitend verbracht. Im Sommer sind wir gemeinsam geschwommen und im Winter hast Du gelernt, Dein Frauchen auf einem Dog Scooter zu ziehen. Du bist unser Clown, unser Beschützer, unsere Schönheit, unser Sonnenschein, unser Schoßhund und unser Kuscheltier. Du frisst uns die Haare vom Kopf und bringst uns jeden Tag zum Lachen. Für kein Geld der Welt würden wir Dich hergeben. Wir hoffen, dass wir Dich noch sehr lange an unserer Seite haben dürfen.

Natürlich gibt es auch Geschenke: einen Leber-Dinkel-Haselnuss-Kuchen sowie getrocknete Rinderkopfhautstücke. Lecker!

Herzlichen Glückwunsch auch an die Mashanga-Geschwister: Bayo, Bakari, Bakiri, Bhanu, Badu, Bahiya, Badawi, Boma-Sharif, Beyla und Banjoko.

Das letzte Jahr in Bildern:

Juni 2010: Bayo am See

Juli 2010: Bayo im Garten
August 2010: Mal eine Ganzkörperaufnahme

September  2010: Bayo am Mittelmeer

Oktober 2010: Bayo hat etwas entdeckt

November 2010: Bayo sieht gern fern

Dezember 2010: Bayo spielt im Schnee

Januar 2011: Bayo hat alles im Blick

Februar 2011: Bayo im Wald

März 2011: Bayo beim Spiel mit der Reizangel

April 2011: Bayo hat sich an der Pfote verletzt
und muss Schuhe tragen - er nimmt das tapfer hin



Mai 2011: Bayo genießt die Sonne

Samstag, 14. Mai 2011

BARF-Mythos #2: Barfen sei zu teuer

Beim Thema Hundefütterung scheiden sich die Geister. Jeder Hersteller ist der Meinung, das beste Futter zu produzieren und jeder Tierarzt ist sich sicher, das beste Futter zu empfehlen. Dabei gerät immer wieder das Thema BARF in die Kritik. Es gibt eine Reihe von Mythen um diese Ernährungsform, die jedoch meist in das Reich der Märchen und Sagen gehören, aber dennoch oft von Kritikern aufgeführt werden. Gehen wir den Vorurteilen doch mal auf den Grund und schauen sie uns etwas genauer an. Denn meistens sind sie wirklich frei erfunden und verunsichern Tierhalter nur sinnlos...

BARF-Mythos #2: Barfen sei viel teurer als den Hund mit Fertigfutter zu ernähren

Es wird immer wieder behauptet, dass BARF gegenüber Fertigfutter einfach viel zu teuer wäre. Die monatlichen Kosten wären kaum tragbar, vor allem für große Hunde wie Rhodesian Ridgebacks. Aber stimmt diese Aussage wirklich? Und wenn ja, wie kommt das? Ein Vergleich fällt hier sehr leicht, denn jeder Hersteller gibt entsprechende Fütterungsempfehlungen bekannt, die Preise der Futtersorten sind ebenfalls leicht zusammen zu tragen und so kann man eine ganz einfach eine Vergleichskalkulation erstellen:

Kosten mit BARF

Bayo frisst monatlich 6 kg Muskelfleisch (2,80 €/kg), 2,8 kg Pansen (1,55 €/kg), 2 kg Innereien (1,50 €/kg),  2 kg rohe fleischige Knochen (1,50 €/kg), 3 kg Obst/Gemüse (2,00 €/kg), etwas über 1 kg Butter oder Schweineschmalz (5,13 €/kg), 500 g Hirse (4,00 €/kg) oder 2kg Kartoffeln (1,20 €/kg) und dazu noch etwas Öl oder Kräuter. Die Knochen und das Fett bekomme ich eigentlich geschenkt, weshalb meine Kosten noch etwas geringer sind, aber grundsätzlich kann man sagen:

⇒ Monatliche Kosten: 45 €


Kosten mit Trockenfutter

Auf dem Fertigfutter-Markt gibt es eine nahezu unendliche Auswahl an Trockenfuttern – vom so genannten Supermarkt-Futter bis hin zur Premiumqualität. Die Preise für die einzelnen Futtersorten unterscheiden sich sehr stark. Daher erstelle ich mal eine Übersicht verschiedener Trockenfuttersorten:
  • Pedigree Complete Adult Maxi mit Geflügel & Reis (2,00 €/kg), 400 g/Tag = 25,20 €
  • Marengo Premium (3,89 €/kg), 400 g/Tag = 46,68 €
  • Platinum Adult Lamb & Rice (3,53 €/kg), 460 g/Tag = 48,71 €
  • Orijen Adult (5,11 €/kg), 400 g/Tag = 61,32 €
  • Hill's Canine Adult Large Breed Huhn (4,04 €/kg), 405 g/Tag = 49,09 €
  • Lupovet Poulet Suisse (4,07 €/kg), 420 g/Tag = 51,28 €

⇒ Monatliche Kosten: 25–58 €

Kosten mit Dosenfutter

Auch Feuchtfutter gibt es in unterschiedlichen Preiskategorien, meist ist es deutlich teurer als Trockenfutter, es enthält jedoch oftmals auch viel mehr Fleisch:
  • Pedigree Pur (2,50 €/kg), 1.600 g/Tag = 112,00 €
  • Marengo Wolfshappen (6,50 €/kg), 600 g/Tag* = 109,20 €
  • Terra Canis (4,70 €/kg), 760 g/Tag = 100,02 €
  • Lunderland (4,00 €/kg), 760 g/Tag* =  85,12 €
  • Hill's Canine Adult (5,40 €/kg)), 1.875 g/Tag = 283,50 €
*kein Alleinfutter, weitere Kosten für Gemüse + Mineralstoffmischung kommen hinzu, ca. 10 €/Monat


⇒ Monatliche Kosten: 95–240 €


Kritische Betrachtung

Die Zusammensetzung

Wie man sieht, bestehen deutliche Preisunterschiede zwischen den einzelnen Futtersorten und Fütterungsarten. Wie kommt es aber dazu? Ganz einfach, wenn ein Futter zu einem sehr günstigen Preis angeboten wird, dann enthält es schlichtweg wenig der preistreibenden Komponenten im Futter: Fleisch & Co. Das macht natürlich den Vergleich der Futtersorten einzig und allein bezogen auf den Preis etwas schwierig. Ein Vergleich der eingesetzten tierischen Komponenten im Futter gibt jedoch Aufschluss:

BARF: 77%

Trockenfutter:
  • Pedigree Complete Adult Maxi mit Geflügel & Reis: keine Angabe, Hauptbestandteil Getreide
  • Marengo Premium: 60 % (in der Feuchtsubstanz)
  • Platinum Adult Lamb & Rice: 70 %
  • Orijen Adult: 70 %
  • Hill's Canine Adult Large Breed Huhn: 30 %
Dosenfutter:
  • Pedigree Pur: 60 %
  • Hill's Canine Adult: 12 %
  • Marengo Wolfshappen: 70 %*
  • Terra Canis: 50 %
  • Lunderland: 70 %*
*kein Alleinfutter: Gemüse muss hinzugefügt werden, ca. 30%

Wenn man nun z. B. BARF mit dem preiswerten Trockenfutter von Pedigree vergleichen will, dann vergleicht man Äpfel mit Birnen, denn das Trockenfutter von Pedigree enthält kaum Fleisch & Co.: es besteht zum Großteil aus Getreide und bei dem enthaltenen tierischen Anteil weiß man nicht, ob es sich um wertvolle Bestandteile handelt, oder einfach nur bindegewebsreiche Schlachtabfälle. Würde man eine BARF-Mahlzeit erstellen, die nur 10 % Fleisch enthält und zu 90 % aus Reis besteht, dann wäre diese noch billiger als das billigste Trockenfutter….


Die Deklaration

Selbst bei den hochwertigen Futtersorten (Anteil tierischer Erzeugnisse > 50%) muss man aufpassen, denn die Angabe des Fleischanteils ist oft irreführend. Einige Hersteller wiegen den Fleischanteil als Feuchtmasse, den Getreide-Anteil allerdings als Trockenmasse: so verschiebt sich das Ergebnis natürlich zugunsten des angegebenen Fleischanteils.

Hier ein kleines Rechenbeispiel dazu:
Eine Futterration besteht in der Feuchtmasse aus 200 g Hirseflocken und 800 g Fleisch. Sie enthält somit     80 % Fleisch. Verarbeitet man diese Masse nun zu einem Trockenfutter, dann erhält man ca. 600 g einer trockenen Masse, die zu 200 g aus Hirseflocken und nur noch 320 g aus Fleisch besteht. Dieses Trockenfutter hat also bei einer Betrachtung der Trockenmasse nur noch 62 % Fleisch. Bei BARF ist es übrigens umgekehrt, denn Gemüse/Obst enthält noch mehr Wassser als Fleisch: 200 g Gemüse und 800 g Fleisch ergeben in der Trockenmasse ein Verhältnis von 91 % Fleisch zu 9 % Gemüse.

Außerdem weiß man leider selten, welche tierischen  Komponenten im Fertigfutter vorkommen und selbst wenn die Hersteller die Inhaltsstoffe offen deklarieren, sind die Inhaltsstoffe nicht immer wirklich ernährungsphysiologisch sinnvoll für den Hund. Marengo Premium ist z. B. im Vergleich zu BARF preiswerter und es enthält auch 60 % tierische Zutaten (jedenfalls in der Feuchtsubstanz), aber die bestehen fast ausschließlich aus Rindergrieben. Das sind s. g. bindegewebsreiche Schlachtabfälle, die man gemäß wissenschaftlicher Erkenntnisse1 nur in Maßen füttern sollte.

Eigentlich ist BARF nur mit s. g. Vollfleischdosen vergleichbar, bei denen man wirklich weiß, welche Zutaten verarbeitet wurden und mit denen man einen wirklich hohen Fleischanteil im Futter sicherstellen kann: aber wie die Berechnung zeigt, ist die Fütterung derartiger Dosen deutlich preisintensiver als BARF.


Kann gutes Futter wirklich billig sein?

Dass BARF eigentlich gar nicht teurer sein kann als ein wirklich vergleichbares, hochwertiges Futter mit einem hohen Fleischanteil, hat einen ganz einfachen betriebswirtschaftlichen Hintergrund:

Wenn man 1 kg Fleisch kauft, zahlt man dafür eben ca. 2,80 €/kg. Als Trockenmasse kostet 1 kg Fleisch dann ca. 6,50 €. Ein Futtermittelhersteller verfügt sicherlich über andere Einkaufskonditionen, aber auch er wird das Fleisch nicht geschenkt bekommen. Der Hersteller muss die Zutaten verarbeiten, in Dosen abfüllen oder zu Brocken pressen, das Produkt verpacken und lagern. Er muss das Futter vermarkten (hat also Marketing- und Vertriebsausgaben) und es von A nach B transportieren lassen. Dadurch entstehen entsprechende Kosten, die natürlich auf das Produkt umgelegt werden. Außerdem möchte der Hersteller natürlich gern noch etwas an dem Futter verdienen - ein weiterer Preisaufschlag. Der Händler, an den der Hersteller das Futter vertreibt, hat auch gewissen Kosten (Lagerkosten, Personalkosten, etc.) zu decken und so nimmt auch er einen Preisaufschlag vor. Diese Aufschläge spiegeln sich in jedem Futter wider.

Wie soll es also möglich sein, dass der Kilopreis eines Futters preiswerter sein soll als unverarbeitetes Fleisch (1 kg Trockenfleisch = 6,50 €)? Das ist schlichtweg nicht möglich und deswegen ist die Ursache für geringe Preise auch schnell identifiziert: zu wenig Fleisch im Futter.

Fazit

Wie die Berechnung zeigt, liegen die absoluten monatlichen Kosten mit BARF eher im Mittelfeld. Was man jedoch bedenken sollte, ist die Zusammensetzung des Futters. Hunde sind bekanntermaßen Karnivore, d. h. sie ernähren sich hauptsächlich von Fleisch & Co. Sie fressen natürlich auch andere Futterkomponenten, aber tierische Bestandteile sollten den Hauptteil der Nahrung ausmachen. Das gewährleisten nur Futtersorten, die noch teurer sind als BARF...

Ergo: BARF ist preiswerter als vergleichbare Fertigfutter!

Weitere BARF-Mythen?
BARF-Mythos #1: zu viel Fleisch, zu viel Eiweiß
BARF-Mythos #3: Rohes Fleisch macht Hunde krank
BARF-Mythos #4: Nicht alle Nährstoffe im richtigen Verhältnis
BARF-Mythos #5: Fleisch macht Hunde aggressiv

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1 Meyer/Zentek (2005): Ernährung des Hundes, S.102 f.: "... Die genannten bindegewebsreichen Schlachtabfälle [u.a. Grieben] sind weniger wertvoll als die Mägen [Pansen, Blättermagen]. Sie sind zwar eiweißreich, doch das Eiweiß hat eine weniger günstige Aminosäurenzusammensetzung und wegen kreuzförmiger Vernetzung der Eiweißfäden auch eine geringere Verdaulichkeit. [...] Die Mineralstoff- und Vitaminausstattung ist ungünstiger als beim Fleisch. [...] Bei einseitiger Fütterung steigt der Besatz an Clostridien, auch im Dünndarm, außerdem kommt es infolge verstärkter mikrobieller Umsetzungen im Dickdarm zu Flatulenz und schmierigem, übel riechendem, oft dunkel bis schwarz gefärbtem Kot. In der Ration sollten nicht mehr als 4-5 g Trockensubstanz/kg KM/Tag aus diesen Produkten stammen."