Donnerstag, 17. Februar 2011

Die traurige Realität - schwarz auf weiß

Bayo distanziert sich von sinnlosen Behandlungen
und liest lieber ein gutes Buch


Heute möchte ich mal auf ein Buch aufmerksam machen, welches ich gerade gelesen und trotz der etwas populistischen Schreibweise als äußerst lesenswert eingestuft habe.

"Hunde würden länger leben, wenn...: Schwarzbuch Tierarzt" von Jutta Ziegler

Das Buch ist am 24.01.2011 erschienen und informiert Tierbesitzer auf 172 Seiten über die folgenschweren Machenschaften gewissenloser Tierärzte und deren Verflechtungen mit der Futtermittel- und Pharmaindustrie.

Der Titel erweckt zunächst vielleicht den Anschein, eine fanatische Gegnerin moderner Medizin hätte sich an eine Schreibmaschine gesetzt, um ihre Hasspredigt öffentlich zu machen. Nun, vielleicht sollte man erwähnen wie der vollständige Name der Autorin lautet, nämlich Dr. med. vet. Jutta Ziegler. Wie selbst der Laie unschwer erkennt, ist die Autorin Tierärztin. Nun, wie kommt sie auf die Idee, ein Buch mit einem so aggressivem Titel zu schreiben und ihren eigenen Berufsstand "zu verraten"?

Die Tatsachenberichte, die Dr. Ziegler in ihrem Buch beschreibt, sind leider weit verbreitete, traurige Realität. Fakten, über die der Hunde- bzw. Katzenbesitzer informiert sein sollte, bevor er den Göttern in weiß kopflos vertraut.

Dr. Ziegler berichtet sehr detailliert, auf welche Art Hunde und Katzen geradezu krank gefüttert, totgeimpft und medikamentenvergiftet werden - mit nur einem Ziel: den schnöden Mammon in der Tasche des Tiermediziners stetig zu vermehren.

Da werden Antibiotika als Allheilmittel betrachtet und wild jedem Tier injiziert, das nicht schnell genug vom Tisch springen kann. Da werden Wurmkuren verordnet, ohne dass Würmer nachgewiesen wurden. Da werden längst immunisierte Katzen und Hunde wieder und wieder geimpft. Da werden Spot-ons aufgeschwatzt und Hill's sowie Royal Canin als das Non-Plus-Ultra der Hundefütterung empfohlen. Und Tierhalter werden als "Tierquäler" beschimpft, weil sie ihre Hunde frisch füttern oder sich weigern, ihrem Tier das "gute Industriefutter" zu füttern. Panikmache und Abzocke auf breiter Front. Es ist einfach nur traurig und Dr. Ziegler übertreibt in Ihrem Buch leider kein bisschen!

Unglücklicherweise kann ich aus eigener Erfahrung von vielen ähnlichen Erlebnissen berichten:

  • Neo litt jahrelang unter chronischem Durchfall und kahlen Stellen im Fell: immer wieder wurden mir Hill's & Co. für einen Hund aufgeschwatzt, der - wie ich selbst später feststellte - hochgradig auf sämtliche Getreidesorten, Futtermilben und Konservierungsstoffe mit Durchfall und Haarausfall reagierte. Der Durchfall wurde dann mit Antibiotika behandelt. Für all jene, die nicht wissen, was ein Antibiotikum ist - es handelt sich dabei um ein Arzneimittel zur Behandlung bakterieller Infektionskrankheiten. Heute ist mir natürlich klar: eine Allergie ist KEINE bakterielle Infektionskrankheit! Durchfall ist IMMER nur ein Symptom und keine Krankheit, die man in jedem Fall mit einem Antibiotikum heilen kann. Die Tierärzte hätten lieber vernünftige Ursachenforschung betreiben sollen, zumal ich bereit war, jede Form von Diagnostik für meinen Hund, zu bezahlen.
  • Bayo entwickelte als Junghund einen Ausschlag. Hässlich, aber augenscheinlich ungefährlich. Ich ging zum Tierarzt, der machte das Licht aus, nahm eine UV-Lampe hervor und sagte: "Milben". Dann bekam Bayo ein Spot-on und Antibiotika für 2-Wochen. Füll all jene, die nicht wissen, was Milben sind - Milben sind auf jeden Fall keine Bakterien! Eine Abklatschprobe wurde nicht gemacht. Ein Besuch bei einem weiteren Tierarzt ergab: Bayo hatte keine Milben... ein Antibiotikum und auch das Spot-On waren natürlich unnötig gewesen. Bayo wurde in die Wanne geteckt und vom Pestizid befreit, die Tabletten landeten in der Mülltonne. Bayo´s Ausschlag verschwand nach der Gabe eines homöopatischen Mittels. 
  • Alastair wurde im Rahmen einer Routineuntersuchung einem Tierarzt vorgestellt. Dieser hörte ihn ab, schaute mich mitleidig an und sagte: "das Herz". Alastair sollte sofort ein Herzmedikament (Vetmedin) einnehmen, weil die Rasse ohnehin stark von Herzproblemen betroffen wäre. Lange würde Alastair nicht leben. Ich bestand auf ein Herzultraschall, was zunächst abgelehnt und für unnötig befunden wurde. Ich setzte mich durch und erfuhr, dass Alastair kerngesund ist. 
  • Bayo reagierte auf seine SHP-Impfung im Welpenalter mit Durchfall. Vorsichtshalber ging ich mit ihm zum Arzt, weil Welpen doch schnell dehydrieren können. Die Tierärztin wollte Bayo ein Antibiotikum injizieren. Der Durchfall, der wenige Stunden nach der Impfung auftrat, könne keine Impfreaktion sein. Auf keinen Fall. Daher sei ein Antibiotikum sehr wichtig, weil sich bestimmt fiese Bakterien im Darm tummeln würden. Ich lehnte das ab, gab Bayo 2 Tage lang Möhrensuppe sowie eine Elektrolytlösung und Bayo war wieder gesund...  
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    Die Liste ist schon aus meiner eigenen Erfahrung nahezu endlos fortsetzbar und im Buch von Dr. Ziegler findet man natürlich noch weitere Berichte dieser Art. Ich bin mit meinen Hunden über die Jahre hinweg vielleicht bei 20 verschiedenen Tierärzten vorstellig geworden und habe den Göttern in weiß jahrelang blind vertraut. Jahrelang wurde ich dabei immer wieder enttäuscht: Fehldiagnosen. Fehlbehandlungen. Horrende Kosten. Ich musste mich als Laie mit allerlei tiermedizinischen Fragen und Fachliteratur auseinandersetzen, um die gröbsten Behandlungsfehler bei meinen Tieren entdecken und verhindern zu können. Und nun bin ich der unbequeme, weil informierte Patientenbesitzer... 

    Ich kann allen Tierhaltern nur empfehlen, dieses Buch zu lesen und Dinge kritisch zu hinterfragen, um nicht über den Tisch gezogen zu werden. Dr. Ziegler beschreibt in ihrem Buch leider wahre Geschichten. Es geht gar nicht darum, die Schulmedizin zu verdammen oder ein fanatischer Impfgegner zu werden. Antibiotika und Impfungen sind sehr wichtig und können Leben retten, wenn sie richtig eingesetzt werden! Es geht auch nicht darum, einem ganzen Berufsstand die Kompetenz abzusprechen. Es geht einfach darum, sich ein bisschen zu informieren, gesunden Menschenverstand walten zu lassen und auch mal eine Behandlung kritisch zu hinterfragen. Jeder Mediziner hat ein langes Studium auf sich genommen und hat es in meinen Augen verdient, für gute Arbeit entsprechend entlohnt zu werden. Aber bitte keine unmoralische Abzocke, die nicht im Sinne des Tieres ist. Dieses Buch, auch wenn es etwas populistisch und teilweise ironisch geschrieben ist, hilft ganz eindeutig dabei, die eigene Wahrnehmung für diese Problematik zu schärfen.

    Es gibt sie übrigens noch: die moralischen und kompetenten Tierärzte! Ich habe nach langer Suche eine Tierärztin gefunden, der ich blind vertraue. Sie bietet in ihrer Praxis gar kein Fertigfutter an. Wenn sie meinem Hund ein Antibiotikum empfehlen würde, dann würde es der Hund ohne ein einziges Widerwort von mir augenblicklich bekommen! Sie hat es nur noch nie getan...

    Das Buch ist unter anderem bei Amazon.de erhältlich. Hier geht´s direkt zum Buch.

    Sonntag, 13. Februar 2011

    Happy Birthday Alastair!


    Heute ist ein besonderer Tag, denn unser kleiner Alastair wird 3 Jahre alt. Ihn lässt das natürlich kalt. Alastair bleibt cool - wie immer. Er ist ein ganz besonderer kleiner Hund. Unheimlich dickköpfig, unglaublich sportlich und unfassbar liebenswert. In seinem zweiten Lebensjahr haben wir viel trainiert. Alastair ist nun an die Reizangel gewöhnt und wir fahren, solange das Wetter es zulässt, mehrmals pro Woche gemeinsam Fahrrad. Alastair sitzt dabei nicht etwa in einem Fahrradkorb wie ein dicker Schoßhund. Nein! Alastair rennt unermüdlich über 10km vor dem Fahrrad her und erreicht dabei auf manch einem Kilometer eine Durchschnittsgeschwindigkeit von über 18km/h. Das ist schon erstaunlich. So ein sportlicher Cavalier braucht natürlich auch ein schönes Geschenk: Alastair bekommt ein wasserfestes Halsband/Leinen-Set im Brit-Style sowie ein Leuchthalsband für nächtliche Radtouren. Der obligatorische Leberkuchen mit drei Kerzen darauf, darf natürlich auch nicht fehlen.

    Mein lieber Ales, wir wünschen Dir für Dein neues Lebensjahr alles erdenklich Gute. Auf dass Du weiterhin gesund, munter und soooo süß bleibst.

    Sonntag, 6. Februar 2011

    Auf den Spuren der Musher


    Ich wollte schon immer mal mit einem Hundeschlitten fahren. Neulich hat sich dieser Wunsch erfüllt, denn der Weihnachtsmann brachte mir einen Gutschein von www.huskystuff.ch und ehe ich mich versehen konnte, war ich auf dem Weg in die Schweiz, um einen Tag lang ein Abenteuer im Schnee zu erleben.

    Morgens lernten wir die Hunde kennen, erfuhren eine Menge zum Thema Hundeschlitten und spannten die Hunde ein. Der Guide, Michi, zeigte uns wie man bremst und wie man den Schlitten wieder aufrichtet, wenn man hinfällt. Wieso zeigt er uns das, dachte ich mir… warum sollte der Schlitten denn bitte umfallen?

    In meiner naiven Vorstellung hatte ich mir gedacht, in Ruhe auf dem Hundeschlitten zu stehen und durch eine schöne verschneite Berglandschaft zu fahren. Natürlich ging ich nicht davon aus, dass eine Fahrt mit dem Hundeschlitten Sport für Hund und Mensch sei. Nun, ich hatte mich getäuscht. Diese Schlittenfahrt war die anstrengendste Sportart, die ich je ausgeübt habt. Boxtraining ist was für Weicheier, eine Stunde rudern oder 10km laufen – das schafft doch jeder, aber Schlitten fahren…? Ja, es war extrem anstrengend. Aber warum?

    Nun, die Fahrt ging nicht etwa geradeaus im gemäßigten Tempo kilometerweit durch den Schnee. Nein! Wir fuhren anfangs über eine Art Parcours und haben eine unendliche Anzahl von 90° Kurven überwunden, sind zahllose steile Hügel hoch und herunter gefahren, die ich nicht einmal zu Fuß bewältigen könnte und überwanden Brücken, über die man nur mit einer Kufe des Schlittens fuhr (der Rest des Schlittens hing einfach über dem Abgrund). Die Hunde kennen nur eine Geschwindigkeit: Vollgas! Egal, ob der Musher auf dem Schlitten steht oder nicht. Sie rasen um Felsbrocken herum und ziehen den Schlitten hinter sich her, ob der nun noch am Felsen klebt oder nicht. Sie überwinden Brücken auf dem kürzesten Weg und nehmen dabei gern in Kauf, dass der Ballast auf dem Schlitten (= Mensch) über dem Abgrund hängt. Getreu dem Motto: wer bremst, verliert – rasen die Hunde durch die Landschaft. 

    Wunderschöne Winterlandschaft
     
    Als ungeübter Fahrer hat man eigentlich nur 3 Möglichkeiten: Bremsen, sich am Schlitten festkrallen oder einfach loslassen. Letzteres ist keine gute Idee: ich habe es ausprobiert, als „meine“ vier Hunde den Schlitten über einen kleinen Hügel auf einen Felsen zusteuerten und mich die nackte Angst packte. Die Hunde rannten – befreit vom unnützen Ballast -  unbeirrt weiter und die Guides mussten sie wieder einfangen. Wie gut, dass Michi uns gezeigt hatte, wie man den Schlitten wieder aufrichtet, wenn er einmal umgefallen ist…. Ich machte mehrfach Gebrauch von diesem Wissen. Einfach war es nicht. Die Hunde können den Schlitten nicht ziehen, wenn er umgefallen ist. Sobald aber auch nur eine Kufe wieder Kontakt zum Boden hat, laufen sie sofort los. Man kann also entweder umständlich den Schlitten mit einer Bremse im Boden verankern und in Ruhe aufsteigen, oder man springt während des Aufstellens direkt auf und fährt sofort weiter.

    Nach einer ca. einstündigen Fahrt, machten wir eine Pause. Bereits während der Fahrt hatte ich Mütze, Schal und Handschuhe ausgezogen, weil mir zu warm wurde. Nun zogen wir unsere Jacken aus und dampften regelrecht wie ein Kaltblut nach einer langen und schweren Kutschfahrt im Winter. Glücklicherweise gab es eine Stärkung in Form von frischem Brot und leckerem Schweizer Käse, heißem Tee, einer kräftigen Suppe und Schweizer Schokolade. 
     
    Pause nach dem ersten Teil der Fahrt
    Mein Schlitten

    Meine Leaddogs - Silou und Mielikettu
     
    Meine Wheeldogs Jankko und Jane

    Michi bereitet das Essen vor
    Dann setzten wir die Fahrt fort und es wurde nicht wirklich einfacher, aber so langsam entwickelten alle Teilnehmer eine gewisse Geschicklichkeit im Umgang mit dem Schlitten - sogar ich. Mein Schlitten landete weniger oft auf der Seite, ich konnte ihn immer schneller wieder aufrichten und wie man eine 90°-Kurve durch ein geschicktes Bremsmanöver überwindet, hatte ich auch gelernt.

    Am späten Nachmittag kehrten wir zum Ausgangspunkt der Tour zurück und verluden Hunde und Equipment. Kurze Zeit später fand ich mich in einem Hotelbett wieder und war bis zum nächsten Tag nicht in der Lage, mich zu erheben. Eigentlich auch nicht am Tag darauf… und am Tag darauf ;-)

    Aber: es war einfach genial! Ich würde es immer wieder machen. Es hat riesen Spaß gemacht. Man vergisst den Alltag und die Welt reduziert sich auf 4 Hunde, einen Schlitten und eine Bremse.

    Ein großes Lob an Michi! Vielen Dank auch an meine fleißigen Schlittenhunde, Mielikettu, Silou, Jankko und Jane, die meine ungeschickten Fahrversuche so tapfer ertragen und mir einen unvergesslichen Tag bereitet haben!