Sonntag, 6. Februar 2011

Auf den Spuren der Musher


Ich wollte schon immer mal mit einem Hundeschlitten fahren. Neulich hat sich dieser Wunsch erfüllt, denn der Weihnachtsmann brachte mir einen Gutschein von www.huskystuff.ch und ehe ich mich versehen konnte, war ich auf dem Weg in die Schweiz, um einen Tag lang ein Abenteuer im Schnee zu erleben.

Morgens lernten wir die Hunde kennen, erfuhren eine Menge zum Thema Hundeschlitten und spannten die Hunde ein. Der Guide, Michi, zeigte uns wie man bremst und wie man den Schlitten wieder aufrichtet, wenn man hinfällt. Wieso zeigt er uns das, dachte ich mir… warum sollte der Schlitten denn bitte umfallen?

In meiner naiven Vorstellung hatte ich mir gedacht, in Ruhe auf dem Hundeschlitten zu stehen und durch eine schöne verschneite Berglandschaft zu fahren. Natürlich ging ich nicht davon aus, dass eine Fahrt mit dem Hundeschlitten Sport für Hund und Mensch sei. Nun, ich hatte mich getäuscht. Diese Schlittenfahrt war die anstrengendste Sportart, die ich je ausgeübt habt. Boxtraining ist was für Weicheier, eine Stunde rudern oder 10km laufen – das schafft doch jeder, aber Schlitten fahren…? Ja, es war extrem anstrengend. Aber warum?

Nun, die Fahrt ging nicht etwa geradeaus im gemäßigten Tempo kilometerweit durch den Schnee. Nein! Wir fuhren anfangs über eine Art Parcours und haben eine unendliche Anzahl von 90° Kurven überwunden, sind zahllose steile Hügel hoch und herunter gefahren, die ich nicht einmal zu Fuß bewältigen könnte und überwanden Brücken, über die man nur mit einer Kufe des Schlittens fuhr (der Rest des Schlittens hing einfach über dem Abgrund). Die Hunde kennen nur eine Geschwindigkeit: Vollgas! Egal, ob der Musher auf dem Schlitten steht oder nicht. Sie rasen um Felsbrocken herum und ziehen den Schlitten hinter sich her, ob der nun noch am Felsen klebt oder nicht. Sie überwinden Brücken auf dem kürzesten Weg und nehmen dabei gern in Kauf, dass der Ballast auf dem Schlitten (= Mensch) über dem Abgrund hängt. Getreu dem Motto: wer bremst, verliert – rasen die Hunde durch die Landschaft. 

Wunderschöne Winterlandschaft
 
Als ungeübter Fahrer hat man eigentlich nur 3 Möglichkeiten: Bremsen, sich am Schlitten festkrallen oder einfach loslassen. Letzteres ist keine gute Idee: ich habe es ausprobiert, als „meine“ vier Hunde den Schlitten über einen kleinen Hügel auf einen Felsen zusteuerten und mich die nackte Angst packte. Die Hunde rannten – befreit vom unnützen Ballast -  unbeirrt weiter und die Guides mussten sie wieder einfangen. Wie gut, dass Michi uns gezeigt hatte, wie man den Schlitten wieder aufrichtet, wenn er einmal umgefallen ist…. Ich machte mehrfach Gebrauch von diesem Wissen. Einfach war es nicht. Die Hunde können den Schlitten nicht ziehen, wenn er umgefallen ist. Sobald aber auch nur eine Kufe wieder Kontakt zum Boden hat, laufen sie sofort los. Man kann also entweder umständlich den Schlitten mit einer Bremse im Boden verankern und in Ruhe aufsteigen, oder man springt während des Aufstellens direkt auf und fährt sofort weiter.

Nach einer ca. einstündigen Fahrt, machten wir eine Pause. Bereits während der Fahrt hatte ich Mütze, Schal und Handschuhe ausgezogen, weil mir zu warm wurde. Nun zogen wir unsere Jacken aus und dampften regelrecht wie ein Kaltblut nach einer langen und schweren Kutschfahrt im Winter. Glücklicherweise gab es eine Stärkung in Form von frischem Brot und leckerem Schweizer Käse, heißem Tee, einer kräftigen Suppe und Schweizer Schokolade. 
 
Pause nach dem ersten Teil der Fahrt
Mein Schlitten

Meine Leaddogs - Silou und Mielikettu
 
Meine Wheeldogs Jankko und Jane

Michi bereitet das Essen vor
Dann setzten wir die Fahrt fort und es wurde nicht wirklich einfacher, aber so langsam entwickelten alle Teilnehmer eine gewisse Geschicklichkeit im Umgang mit dem Schlitten - sogar ich. Mein Schlitten landete weniger oft auf der Seite, ich konnte ihn immer schneller wieder aufrichten und wie man eine 90°-Kurve durch ein geschicktes Bremsmanöver überwindet, hatte ich auch gelernt.

Am späten Nachmittag kehrten wir zum Ausgangspunkt der Tour zurück und verluden Hunde und Equipment. Kurze Zeit später fand ich mich in einem Hotelbett wieder und war bis zum nächsten Tag nicht in der Lage, mich zu erheben. Eigentlich auch nicht am Tag darauf… und am Tag darauf ;-)

Aber: es war einfach genial! Ich würde es immer wieder machen. Es hat riesen Spaß gemacht. Man vergisst den Alltag und die Welt reduziert sich auf 4 Hunde, einen Schlitten und eine Bremse.

Ein großes Lob an Michi! Vielen Dank auch an meine fleißigen Schlittenhunde, Mielikettu, Silou, Jankko und Jane, die meine ungeschickten Fahrversuche so tapfer ertragen und mir einen unvergesslichen Tag bereitet haben!

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