Freitag, 28. Dezember 2012

Wie wichtig sind Obst & Gemüse beim Barfen?



Wenn es um pflanzliche Zutaten in der Ernährung von Hunden geht, scheiden sich die Geister. Man findet alle Extreme: Von der komplett veganen Ernährung eines Hundes, über riesige pflanzliche Anteile im Futter bis hin zur reinen Fleisch-, Knochen- und Innereienfütterung.

Samstag, 10. November 2012

Wie ersetzt man Knochen beim BARFEN?

Knochen stellen bei der Frischfütterung von Hunden einen wichtigen Bestandteil dar, denn sie liefern essenzielle Mineralstoffe und Spurenelemente. Sie sind entgegen der Auffassung von vielen Kritikern Bestandteil der natürlichen Ernährung eines jeden Beutefressers: Jeder Fuchs frisst die Knochen seiner Beute, ebenso wie jeder Wolf und jede Katze, die sich eine Maus fängt. Daher kann und sollte ein gesunder Hund, der an die Rohfütterung gewöhnt ist, sie (in rohem Zustand) in angemessener Menge fressen. Außerdem dienen Knochen natürlich der Zahnreinigung.

Allerdings gibt es Gründe, warum ein BARF-Plan keine RFK (Rohe, fleischige Knochen) enthält. Sei es, weil der Hund Knochen nicht verträgt (Symptome: z. B. Erbrechen, unverdautes Ausscheiden, Knochenkot bei kleinster Knochenmenge) oder weil er aufgrund einer Erkrankung (z. B. bei Bauchspeicheldrüsenentzündung oder Niereninsuffizienz) keine Knochen fressen darf, oder weil der Besitzer sich schlichtweg zu sehr vor der Knochenfütterung fürchtet, weil er schlechte Erfahrungen damit gemacht hat, der Hund zu sehr schlingt oder man der Sache einfach nicht traut.

Ein weiterer Grund könnte auch sein, dass der Hund gar kein Rohfutter verträgt und daher bekocht werden muss: Auch in dem Fall ist eine Knochenfütterung ausgeschlossen, denn Knochen dürfen niemals gekocht verfüttert werden!

Sonntag, 16. September 2012

Futtermitteldeklaration: Fleisch oder nicht Fleisch, das ist hier die Frage




Nachdem Bücher wie „Katzen würden Mäuse kaufen“ und „Hunde würden länger leben“ die Zusammensetzung von Tierfutter kritisch beleuchtet haben, warfen viele Tierhalter einen Blick auf das Futter, was täglich im Napf ihres Vierbeinigen Lieblings landet und stellten fest, dass dies offenbar nicht besonders artgerecht sein kann. Nachdem der größte Schock verdaut war, machten sie sich auf die beschwerliche Suche nach einem guten Futter für ihren vierbeinigen Liebling.

Auch ich habe mich vor Jahren auf diese Reise begeben, musste jedoch feststellen, dass sie nicht nur beschwerlich und oft ergebnislos ist, sondern offenbar auch eine Beschäftigung mit gesetzlichen Regelungen erfordert. Mir jedenfalls war vollkommen unklar, was sich hinter Begriffen wie "Tierische Nebenprodukte" oder "Geflügelfleischmehl" verbirgt, dies war mir jedoch wichtig zur Beurteilung der Futterqualität, denn ich wollte meinem Hund keine getreidebasierte Nahrung mehr füttern. So wühlte ich mich mit laienhafter Unkenntnis durch den Paragraphendschungel und stellte fest: Ich bin so klug als wie zuvor.

Samstag, 7. Juli 2012

Mein Hund frisst mir die Haare vom Kopf – oder auch: Die Ode an das Fett

Immer wieder liest man in Internetforen, dass Hunde mit den „normalen“ Futtermengen, die man bei BARF üblicherweise ansetzt (2‒4 % des Körpergewichts: große Hunde eher 2‒3 %, kleine eher 3‒4 %) nicht zurechtkommen und trotz immenser Futtermengen abnehmen. Die Hunde fressen dann meist utopisch große Fleischberge und sind dennoch zu dünn. Wie kommt es dazu und wie kann man entgegenwirken?

Die Erklärung ist eigentlich recht einfach: dem Hund fehlt es meist an Energie! Denn viel Futter heißt im  Umkehrschluss nicht unbedingt auch viel Energie.

Der Grund für die Energiearmut so mancher BARF-Portion ist das menschliche Bestreben, möglichst mageres Fleisch zu füttern, weil Fett schlichtweg in unseren Köpfen als „böse“ verankert ist. Nur zu gern kaufen wir für uns selbst fettreduziertes Essen, schneiden die Fettränder vom Fleisch ab und züchten sogar Schlachttiere, die möglichst wenig davon haben. So kommt es auch dazu, dass in vielen BARF-Läden oder –Shops recht mageres Fleisch angeboten wird. Für den Hund ist das aber fatal, denn Fett ist für ihn die Energiequelle Nummer 1!

Samstag, 19. Mai 2012

Happy Birthday Bayo!



Mein lieber Bayo-Bär, heute ist schon Dein 3. Geburtstag. Wir wünschen Dir von ganzem Herzen alles Gute, viel Spaß und vor allem Gesundheit für Deinen weiteren Lebensweg.

Wir hatten ein tolles gemeinsames Jahr: Über 1.800 km haben wir gemeinsam auf Spaziergängen, Fahrradfahrten oder beim Joggen gemeinsam zurückgelegt. Wir haben sehr viel Spaß gemeinsam gehabt und wir sind stolz auf Dich.

Nun, da Du 3 Jahre alt bist, giltst Du als körperlich und mental ausgewachsen. Aber wir konnten keine große Veränderung feststellen. Weder hast Du im letzten Jahr zugenommen, noch hast Du Dich charakterlich verändert. Es gab nie eine Rüpelphase, denn Du warst schon immer vernünftig. Du bist so ein braver Junge, stets geduldig und zurückhaltend - es sei denn, ein Nachbar oder gar ein Fremder wagt es, "Deinen" Garten zu betreten - dann wird gebellt, was das Zeug hält.


Du bist unser Kasper, Frauchens Wärmekissen auf dem Sofa und Herrchens Schoßhund. Du bringst uns täglich so viel Freude. Wir sind froh, dass wir Dich gefunden haben und wir hoffen, dass wir Dich noch sehr lange an unserer Seite haben dürfen.

Natürlich hat Frauchen wieder einen Leber-Buchweizen-Sesam-Kuchen gebacken. Lecker!


Herzlichen Glückwunsch auch an die Mashanga-Geschwister: Bayo, Bakari, Bakiri, Bhanu, Badu, Bahiya, Badawi, Boma-Sharif, Beyla und Banjoko.

Montag, 30. April 2012

Braucht man beim Barfen Zusätze?


Man findet sie mittlerweile in jedem Zoofachgeschäft: Nahrungsergänzungsmittel für Hunde. Ohne, kann man einen Hund scheinbar nicht ausgewogen mit BARF ernähren. Von simplen Mineralstoffmischungen, über Grünlippmuschelextrakt bis hin zu Bio-Hagebuttenmehl findet man eigentlich alles am Markt, was das Barferherz begehrt – und braucht? Das ist die Frage: sind all diese Zusätze bei einem gesunden Hund wirklich nötig?

Um zu beurteilen, ob man ohne jegliche Zusätze barfen kann, muss man zunächst einmal definieren, was BARF überhaupt ist. Es gibt verschiedene Ansätze und so verschieden wie die Ansätze sind, ist auch die Nährstoffversorgung der einzelnen Modelle. Von Billinghurst und Lonsdale, über Simon bis hin zu Messika / Schäfer. Die Aufteilung der Futterpläne nach „Tierischem und Pflanzlichem“ variiert sehr stark, manche Pläne beinhalten einen sehr hohen Knochenanteil, andere sehr viele Innereien. Es gibt also gar keine einheitliche Definition des Begriffs. Weil mir der Gedanke, einen Futterplan am Aufbau eines möglichen Beutetiers zu orientieren am sinnvollsten erscheint, habe ich mich für das Modell von Swanie Simon entschieden.

Ich beziehe mich also im folgenden auf die Definition, die hier zusammengefasst ist.

Nun zurück zur Frage, ob man beim Barfen wirklich Zusätze benötigt. Ich habe dazu einfach mal die Nahrungsbestandteile eines BARF-Futterplans mit den wissenschaftlich ermittelten Bedarfswerten des National Research Council (NRC) von Hunden abgeglichen und noch ein in Tierarztpraxen erhältliches Futter zum Vergleich aufgeführt. Dieser Futterplan enthält die von Swanie Simon vorgeschlagenen Zusätze und basiert auf den Daten eines 38 kg Hundes:

Nährstoffwerte BARF vs. Fertigfutter

Wie man gut sehen kann, werden mit diesem BARF-Plan nahezu alle Bedarfswerte gedeckt: mit der Ausnahme von Selen. Auch das häufig „gefürchtete“ Ca:P-Verhältnis wird angemessen eingehalten, es beträgt 1,4:1. Bei einigen Nährstoffen gibt es Überdeckungen, die jedoch die vom NRC angegebene Obergrenze nicht überschreiten und daher unproblematisch sind. Auch das Trockenfutter deckt fast alle Bedarfswerte, wobei der Gehalt an Vitamin K im Futter herstellerseitig nicht angegeben wurde. Bei Selen, Vitamin B2 und B3 (Nikotinsäure) erreicht man mit dem Futter eine Unterdeckung, überdeckt den Bedarf jedoch auch im Bereich von überdosierbaren Spurenelementen (z. B. Jod) oder Vitaminen (z. B. ADE = fettlöslich, also überdosierbar). Auch diese Überdeckungen sind unproblematisch. Das Ca:P-Verhältnis des Futters beträgt 1,3:1.

Schauen wir uns nun die Nährstoffe an, die mit BARF vermeintlich nicht gedeckt werden.

Zink

Die Bioverfügbarkeit und die Absorption von Zink in der Nahrung werden von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Dabei spielen diätische Antagonisten, die die Aufnahme von Zink stören (z. B. Phytinsäure, Phytat, die in Getreide stark vorkommen oder hohe Magenisum- und Calciumanteile in der Nahrung) eine Rolle, die Herkunft des Zinks (Zink aus Fleisch wird besser verwertet als Zink aus Getreide[1]) und die generelle Zufuhr (je mehr zugeführt wird, desto weniger wird absorbiert und umgekehrt).[2]

Die Bedarfszahl von 2 mg je kg Stoffwechselgewicht pro Tag geht von einer Bioverfügbarkeit von Zink in Höhe von 25 % aus[3], was für industriell hergestelltes Futter auch Sinn macht, weil es zu großen Teilen aus Getreide oder Soja besteht und meist im Hinblick auf Magnesium oder Calcium weitaus höhere Anteile aufweist als BARF. Insgesamt kann man davon ausgehen, dass die Bioverfügbarkeit von Zink bei gebarften Hunden wesentlich höher liegt als nur bei 25 %, weil ihre Nahrung wesentlich weniger aufnahmestörende Faktoren beinhaltet. Geht man von höheren Raten aus, so sinkt der Bedarfswert und somit wäre der tatsächliche Bedarf eines gebarften Hundes gedeckt, der sich vom Bedarf eines mit Getreide ernährten Hundes naturgemäß unterscheidet.

Nun könnte man meinen: was soll´s – eine zusätzliche Gabe von Zink kann ja nicht schaden. Sicher ist sicher. Das mag bis zu einem gewissen Punkt richtig sein, aber ein Zinküberschuss kann zu einem sekundären Kupfermangel führen.

Ein Hund, der mit BARF ernährt wird, benötigt also keine zusätzlichen Zink-Tabletten, um angemessen versorgt zu werden.

Selen

Laut NRC gibt es keine Studien, die den Selenbedarf an erwachsenen Hunden belegen. Der Bedarf ist also ein reiner Schätzwert, der nicht belegt ist. Vergleicht man die Selenzufuhr von BARF und z. B. Royal Canin Maxi, liefert BARF aber immerhin noch fast 50 % mehr Selen und kommt damit dem geschätzten Bedarfswert näher als ein unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten konzipiertes Trockenfutter.

Wer sich Sorgen um die eine ausreichende Versorgung mit Selen macht, kann seinem Hund Paranüsse oder Kokosraspel füttern. Letztere werden ohnehin gern eingesetzt, um den Hund wurmwidrig zu ernähren. Mit einem EL Kokosraspel pro Tag wäre der wissenschaftliche Schätzwert bei einem 38 kg Hund gedeckt.

Kalium

Der Mindestbedarf an Kalium beträgt 5,91 mg pro kg Stoffwechselgewicht. Man geht doch von einem Erhaltungsbedarf von 19,7 mg / kg Stoffwechselgewicht aus, weil auch bei diesem Mineralstoff die Aufnahme durch bestimmte Faktoren gehemmt wird: So steigt der Kaliumbedarf bei der Fütterung von Stärke bzw. Kohlenhydraten im Allgemeinen oder Cellulose recht stark an. Auch schwer verdauliche Futtermittel wie bindegewebsreiche Schlachtabfälle (wie sie oft in Trockenfuttern vorkommen) erhöhen den Bedarf.[6] Da diese Zutaten kaum in BARF Mahlzeiten zu finden sind, ist der Kalium-Bedarf bei roh ernährten Hunden geringer.

Was geschieht, wenn man die Zusätze weglässt?

Da die Frage beantwortet werden soll, ob man auch ohne Zusätze barfen kann, werde ich nun in den nächsten Schritten nach und nach Zusätze wie Kräuter, Nüsse / Samen, Salz und Lebertran aus dem Plan entnehmen und die Nährstoffversorgung überprüfen.

Futterplan ohne Nüsse / Samen, Kräuter und Salz

Nährstoffwerte BARF ohne Nüsse / Samen, Kräuter und Salz


Lässt man diese Komponenten aus dem Futterplan weg, zeigt die Tabelle eine leichte Unterversorgung mit Magnesium an. Aber stimmt das wirklich?

Magnesium


Auch die Absorption von Magnesium wird von der Aufnahme anderer Stoffe beeinflusst: so spielen auch hier die aufgenommene Menge an Phytinsäure aus Getreide und übermäßige Calciummengen eine Rolle.[4] Der Bedarfswert für Hunde (19,7 mg pro kg Stoffwechselgewicht und Tag) enthält bereits Sicherheitsaufschläge[5], die den Fakt berücksichtigen, dass Hunde Trockenfutter erhebliche Mengen an Getreide enthalten.

Für mit BARF ernährte Hunde liegen keine wissenschaftlichen Daten vor, es ist allerdings aufgrund der fleischbasierten Nahrung ohne Getreide von einem geringeren Bedarf auszugehen.

Kupfer

Auch der Kupferbedarf hängt von der Zufuhr anderer Nährstoffe ab. So beeinträchtigen hohe Mengen an Calcium, Zink und Eisen beispielsweise die Aufnahme.[7] Die Angaben des NRC beziehen sich auch bezüglich der Kupferversorgung auf einen Hund, der mit handelsüblichem Fertigfutter ernährt wird. Wie aus der Übersicht hervorgeht, liefert das Beispieltrockenfutter wesentlich mehr Calcium, Zink und Eisen als der BARF-Plan. Demzufolge ist davon auszugehen, dass der Kupferbedarf eines gebarften Hundes geringer ist als jener eines mit Fertigfutter ernährten Hundes.

Futterplan ohne Lebertran

Nährstoffwerte BARF ohne Lebertran

Streicht man den Lebertran vom Speiseplan, weist dieser einen Mangel an Vitamin D auf. Aber stimmt das wirklich?

Vitamin D

Ob Hunde Vitamin D überhaupt aus der Nahrung aufnehmen müssen, wird kontrovers diskutiert. Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass Hunde wie wir Menschen in der Lage sind, Vitamin D mit Hilfe von UV-Strahlung selbst zu synthetisieren. Andere Wissenschaftler behaupten das Gegenteil, nämlich, dass der Hund mit der Nahrung Vitamin D aufnehmen sollte. [8] Welchem Ansatz man Glauben schenkt, ist einem selbst überlassen. Ich persönlich gehe davon aus, dass Hunde Vitamin D nicht primär und vollständig mit der Nahrung aufnehmen müssen: Wie hätten sie sonst in der Vergangenheit ohne Vitamin D-Tabletten oder Lebertran überleben können?

Geht man davon aus, dass Hunde Vitamin D zumindest in Teilen selbst synthetisieren können, kann man auf die Gabe von Lebertran verzichten. Führt man Lebertran zu, sollte man dies aber in Maßen tun, denn die darin enthaltenen Vitamine A und D sind fettlöslich und somit überdosierbar. Für einen 38 kg Hund genügt ein reichlicher EL Lebertran pro Woche, um den Vitamin D Bedarf über die Nahrung zu decken.

Futterplan ohne Algen

Nährstoffwerte BARF ohne Algen

Streicht man auch noch die Algen vom Futterplan, so ergibt sich rechnerisch ein Jodmangel.

Jod


Auch bei Jod geht man von einer Interaktion verschiedener Mineralien aus. So beeinflussen hohe Gehalte an Calcium und Kalium die Absorption.[9] Hunde scheinen jedoch recht anpassungsreich in Bezug auf die Jodversorgung zu sein. So gab man Beagle-Welpen über einen längeren Zeitraum lediglich 5 µg pro kg KM und sie entwickelten keine klinischen Symptome eines Jodmangels, allerdings veränderten sich die Schilddrüsenwerte der Tiere. Nach einigen Monaten hatten sich die Werte bei gleich bleibender Jodzufuhr wieder normalisiert.[10] Für erwachsene Hunde geht man von einem Bedarfswert von 15 µg pro kg KM aus. Diese Werte sind mit Fleisch, Innereien, Knochen und Gemüse nicht zu erreichen.

Findet sich viel Seefisch im Futterplan, kann man auf eine zusätzliche Gabe von Algen verzichten, ansonsten stellen Algen einen sinnvollen Zusatz dar, um ausreichend Jod zuzuführen. Es reichen bereits kleinste Mengen an Algen aus, um den Bedarf zu decken. Für einen 38 kg Hund wären das täglich etwa 0,7–0,9 g der Alge Ascophyllum Nodosum. Achtung, Jod kann auch überdosiert werden, man sollte tunlichst vermeiden, größere Mengen Algen zu füttern.

Futterplan ohne Öle

Entfernt man das Öl aus dem Futterplan, entstehen im Hinblick auf Mineralien, Spurenelemente und Vitamine keine Defizite. Allerdings verschiebt sich das Fettsäurenspektrum, welches dem Hund zur Verfügung steht. Hunde haben einen Bedarf an essenziellen Fettsäuren (Omega-3 und Omega-6 Fettsäuren), den sie über die Nahrung decken müssen. Mit natürlich ernährten Beutetieren nehmen sie davon auch genug auf. Allerdings füttern die meisten Barfer ihre Hunde nicht mit Fleisch von Tieren aus reiner Weidehaltung oder von Wild, sondern meist von Tieren aus Massentierhaltung. Das Fleisch dieser Tiere weist ein Defizit an Omega-3-Fettsäuren auf[11], welches man durch die Gabe von Ölen mit einem hohen Omega-3-Fettsäurengehalt ausgleicht (z. B. Fischöl oder Leinöl). Achtung, der Vitamin E Bedarf des Hundes steigt mit der Aufnahme mehrfach ungesättigter Fettsäuren an. Es gibt also auch ein Zuviel von wertvollen Ölen. Es ist daher sinnvoll, diese Öle grundsätzlich sparsam einzusetzen und Varianten zu verwenden, die mit natürlichem Vitamin E angereichert sind oder z. B. Lachsöl mit etwas Weizenkeimöl zu ergänzen.

Bekommt der Hund genügend Fleisch von Tieren aus artgerechter Haltung bzw. Wildfleisch oder Seefisch zu fressen, kann man auf die Gabe von zusätzlichem Öl verzichten.

Fazit

Grundsätzlich ist zu erwähnen, dass wissenschaftliche Bedarfswerte nicht 1:1 auf gebarfte Hunde übertragen werden können, da sie basierend auf einer Nahrung ermittelt wurden, die im Gegensatz zu einer Ernährung mit BARF sehr viele diätische Antagonisten (wie z. B. hohe Getreide- oder Stärkemengen) liefert, die die Bioverfügbarkeit bestimmter Nährstoffe herabsetzen und daher die Bedarfswerte verzerren. Obendrein können Bedarfswerte immer nur eine Orientierung sein, da sie auf das individuelle Tier längst nicht zutreffen müssen. Man sollte demnach bei BARF nicht stur an Werten festhalten, die für diese Ernährungsform ohnehin nicht zutreffend sein können.

Geht man von einer höheren Bioverfügbarkeit bestimmter Nährstoffe bei einer fleischbasierten, getreidearmen /-freien Ernährung aus, benötigt man keinerlei Nahrungsergänzungsmittel, um einen gesunden Hund über BARF bedarfsgerecht zu ernähren. Es gibt jedoch einige Zusätze, die aufgrund der Tatsache, dass sich in den meisten Hundenäpfen kein Bio-Fleisch oder ausreichend Seefisch bzw. ganze Beutetiere wieder finden, Sinn machen. So ist eine Ergänzung des Futterplans mit Algen und Kräutern, Salz sowie Öl mit hohem Omega-3-Fettsäurengehalt durchaus sinnvoll. Eine Substitution mit anderen Nahrungsergänzungsmitteln ist nur dann angebracht, wenn der Hund z. B. keine Knochen fressen darf oder Innereien verschmäht.

Hat der Hund einen ausgewogenen Futterplan sollte die unüberlegte Gabe von diversen Mineralstoff- oder Vitaminmischungen oder auch von Heilkräutern hingegen tunlichst vermieden werden. Einerseits sind einige Nährstoffe durchaus überdosierbar, andererseits wird die Interaktion von Nährstoffen beeinflusst, sodass sekundäre Nährstoffmängel entstehen können. Und wie der Name Heilkraut schon sagt, sind diese zur Unterstützung im Krankheitsfall gedacht und kein normaler Nahrungsbestandteil.

Ergänzend will ich noch erwähnen, dass bestimmte Krankheiten zu Verschiebungen bestimmter Bedarfswerte führen können – in so einem Fall sollte dann, wie bei jeder anderen Ernährungsform für Hunde auch – eine Substition mit dem Tierarzt abgestimmt werden.

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Quellen

[1] Hortin AE et. al (1993): Bioavailability of zinc in ground beef. J Anim Sci. Jan; 71(1): 119‒23.
[2] NATIONAL RESEARCH COUNCIL (2006): Nutrient requirements of dogs and cats, National Science, S. 174 ff.
[3]NATIONAL RESEARCH COUNCIL (2006): Nutrient requirements of dogs and cats, National Science, S. 175
[4] NATIONAL RESEARCH COUNCIL (2006): Nutrient requirements of dogs and cats, National Science, S. 156
[5] Meyer/Zentek (2005): Ernährung des Hundes, S. 71
[6] Meyer/Zentek (2005): Ernährung des Hundes, S. 73 / NATIONAL RESEARCH COUNCIL (2006): Nutrient requirements of dogs and cats, National Science, S. 163
[7] Meyer/Zentek (2005): Ernährung des Hundes, S. 75
[8] NATIONAL RESEARCH COUNCIL (2006): Nutrient requirements of dogs and cats, National Science, S. 201
[9] NATIONAL RESEARCH COUNCIL (2006): Nutrient requirements of dogs and cats, National Science, S. 182
[10] NATIONAL RESEARCH COUNCIL (2006): Nutrient requirements of dogs and cats, National Science, S. 182‒183
[11] http://www.wyomingextension.org/agpubs/pubs/B920R.pdf


Nährwertdaten: Souci, S.W. et al. (2008): Food Composition and Nutrition Tables: Die Zusammensetzung der Lebensmittel, Nährwert-Tabellen / Meyer/Zentek (2005): Ernährung des Hundes / Dillitzer, N. (2012): Tierärztliche Ernährungsberatung: Diätetik und Fütterung von Hunden, Katzen, Reptilien, Meerschweinchen und Kaninchen

Samstag, 14. April 2012

Es war einmal… das Märchen vom hohen Fleischanteil

Viele Trockenfutterhersteller haben eine großartige Entdeckung gemacht, nämlich die, dass der Hund ein Fleischfresser ist. Seit einigen Jahren wächst die Anzahl der Futtersorten, die mit einem hohen Fleischanteil beworben wird. Ein Trend, der eigentlich zu begrüßen ist, wenn der suggerierte Fleischanteil denn tatsächlich so hoch ist, wie die Hersteller angeben.

Oftmals wird mit dem Versprechen geworben, ein Trockenfutter würde „70 % Fleisch“ enthalten. Was sehen Sie vor sich, wenn Sie an ein Hundefutter mit „70 % Fleisch“ denken? Wahrscheinlich etwas wie das hier, oder?

600 g Fleisch + 250 g gekochter Reis
Aber ist das, was Sie vor Ihrem geistigen Auge sehen auch das, was im Futtersack enthalten ist? Möglich. Aber nicht sicher. 

Sonntag, 18. März 2012

Wie erkenne ich ein gutes Dosenfutter?

Viele Hundehalter haben nicht die Möglichkeit, ihren Hund frisch zu füttern bzw. zu barfen, haben Angst davor, Fehler zu machen oder fürchten gefährliche Keime im Fleisch. In solchen Fällen empfehle ich meist, ein gutes Dosenfutter zu geben. So genanntes Feuchtfutter hat den Vorteil, dass es – wie der Name schon sagt – nicht trocken ist (was die Gefahr einer Magendrehung deutlich reduziert) und dass es ohne Konservierungsmittel sehr lange haltbar ist. Oftmals enthält es auch wesentlich hochwertigere Zutaten und kommt mit weniger Füllstoffen und Getreide aus als Trockenfutter. Es ist im Gegensatz zu Frischfleisch sehr leicht zu lagern und die Fütterung ist ähnlich unkompliziert wie bei Trockenfutter. Es vereint also die Möglichkeit einer recht natürlichen Nahrung mit der Unkompliziertheit von Trockenfutter. Einziger Nachteil von Feuchtfutter sind die im Vergleich zu Trockenfutter oft höheren Kosten (was zu einem Großteil den hochwertigeren Inhaltsstoffen geschuldet ist) und das ökologische Problem der höheren „Müllmenge“ durch die Art der Verpackung.

Für die Fraktion der Frischfütterer bzw. Barfer stellt Dosenfutter außerdem eine gute Alternative für Notzeiten (vergessen, Fleisch aufzutauen, Frischfleischbestellung zu spät ausgelöst) oder für Urlaube mit dem Hund dar.

Ein Hundefutter ist aber leider nicht per se hochwertig, nur weil es aus einer Dose kommt. Einige Hersteller pressen äußerst minderwertige Zutaten in gulaschähnliche Brocken mit Soße. Wie erkennt man also ein gutes Dosenfutter?

Montag, 13. Februar 2012

Happy Birthday Alastair!



Heute ist ein besonderer Tag, denn unser kleiner Alastair wird 4 Jahre alt. Unglaublich, wie die Zeit vergeht: Zog doch "erst gestern" ein kleiner Wollfuß bei uns ein, der unsere Meinung zu kleinen Hunden doch sehr auf den Kopf gestellt hat. Alastair ist nämlich ein ganzer Kerl und dazu auch noch sehr sportlich: 1.562 km haben wir im vergangenen Jahr gemeinsam zurück gelegt - laufend, Rad fahrend und schwimmend.

Mein lieber Ales, wir wünschen Dir für Dein neues Lebensjahr alles erdenklich Gute. Auf dass Du weiterhin gesund, munter und so süß bleibst.

Sonntag, 22. Januar 2012

Impfungen – einfach nur ein kleiner Pieks?

Jeder Hundehalter kennt sie, die jährlichen Wiederholungsimpfungen gegen Staupe, Hepatitis, Parvovirose, Tollwut, Leptospirose, Zwingerhusten und vielleicht noch Borreliose und Tetanus. Brav marschieren Millionen von Hundehaltern alljährlich zu ihrem Tierarzt und lassen fleißig „boostern“. Haben Sie sich mal gefragt, warum? Wir Menschen gehen nicht jährlich zur Wiederholungsimpfung gegen Mumps, Masern oder Röteln. Wieso ist das beim unseren geliebten Vierbeinern anders? Und noch viel wichtiger: Ist das überhaupt nötig und ist es so harmlos wie es scheint? Eigentlich ist nämlich schon längst klar, dass ein jährliches Impfschema vollkommen überholt ist. Warum sollte man also weiter daran festhalten, bringt es doch keinerlei Vor- sondern nur Nachteile für Gesundheit und Geldbeutel mit sich...

Sonntag, 8. Januar 2012

Warum Eiweiß nicht gleich Eiweiß ist


Als ich neulich durch das Internet surfte, viel mir ein Dokument[1] auf, das von Royal Canin herausgegeben wurde. Es ging darin, um die Deklaration von Hundefutter. Darin war die folgende Frage enthalten:
„Warum wird der Fleischanteil bei ROYAL CANIN nicht angegeben?“
Interessant dachte ich, denn das frage ich mich seit Jahren. Ist doch der Fleischanteil für einen Fleischfresser wie den Hund nicht gerade irrelevant. Oder etwa doch?

Die Antwort von Royal Canin lautet:
„Worauf es bei den Zutaten wirklich ankommt, das sind die Nährstoffe (Aminosäuren, Fette, Kohlenhydrate), die sie für Hunde und Katzen liefern. Die ernährungsphysiologische Qualität von Hunde- und Katzennahrung ist nicht abhängig vom Prozentsatz an Fleisch, das sie enthält, sondern vielmehr von der Menge, Qualität und Vielfalt an Nährstoffen sowie von deren Verdaulichkeit und Bioverfügbarkeit für den Organismus der Tiere.

Wird auf einer Packung nur der Fleischgehalt angegeben, so ist das keinerlei Garantie für die Qualität des Produkts, da diese nur von den ernährungsphysiologischen Eigenschaften des verwendeten Fleisches abhängig ist. Aus diesem Grund hat sich ROYAL CANIN dafür entschieden, die einzelnen Nährstoffe und deren Gehalte auf seinen Produkten anzugeben und nicht nur einfach die verwendeten Zutaten.“
Ach so, und ich dachte immer, das hätte andere Gründe... ;)

Spaß beiseite, ich denke, es ist eine gute Idee, sich ein Futter von Royal Canin genauer anzusehen und die Sinnhaftigkeit der Aussage vor allem in Hinblick auf das im Futter enthaltene Eiweiß etwas genauer zu prüfen. Eiweiß bzw. bestimmte, darin enthaltene Aminosäuren sind für den Hund essenziell. Das heißt, er kann ohne sie nicht leben. Ein Eiweißmangel führt zu verminderter Fresslust, Durchfällen oder Parasitenbefall und dazu, dass das Fell des Hundes langfristig stumpf und brüchig wird. Ist der Mangel extrem, kann es zu einer Anämie kommen.[2] Aber Eiweiß ist nicht gleich Eiweiß, wie wir gleich sehen werden.