Dienstag, 21. Juni 2016

Falsch, falscher, Pseudo-BARF – wie man es nicht machen sollte….

BARF ist eigentlich einfach. BARF ist keine Religion. BARF ist keine Wissenschaft. BARF ist nicht der heilige Gral der Hundefütterung. Aber wenn man barft, dann richtig! Denn BARF umfasst bestimmte Konzeptregeln, die es zu beachten gilt: Nämlich die Orientierung am Beutetier. Es sind einfache Regeln, aber sie existieren und sie sind wichtig. Immer wieder trifft man im Internet, bei Seminaren oder sogar in Büchern auf so genannte BARF-Futterpläne, die so viel mit BARF gemein haben wie AC/DC mit den Wildecker Herzbuben. Auch manche Ernährungsberater, THP oder Tierärzte erstellen leider solche Pseudo-BARF-Pläne, die alles vernachlässigen, was aus ernährungsphysiologischer Sicht sinnvoll wäre oder auch nur im Ansatz etwas mit dem Aufbau einer BARF-Ration zu tun hat. Schade eigentlich.

Menschen machen Fehler, das ist normal. Niemand ist unfehlbar. Allerdings ist auffällig, dass manche Pseudo-BARF-Rationen den Eindruck erwecken, als hätte der Ersteller sich nicht einmal über die grundlegendsten Regeln von BARF informiert, nennt das Ergebnis aber trotzdem BARF-Plan. Vielleicht weil sich das dann besser verkauft. Das ist einfach nur traurig. Glücklicherweise gibt es natürlich auch ganz viele richtig konzipierte Futterpläne, aber um die soll es heute nicht gehen. Betrachten wir die häufigsten Fehler in (Pseudo-)BARF-Rationen.


Unpassender Pflanzenanteil

Hier gibt es zwei Tendenzen: Entweder, es werden viel zu hohe Anteile an pflanzlichen Komponenten eingesetzt oder gar keine. Wer die Verhältnisse im Beutetier „nachahmen“ will, kann dies aber unmöglich umsetzen, indem er die Ration zu 50 % aus Pflanzen gestaltet. Sei es mit massenhaft Obst und Gemüse (inkl. Kartoffeln), Getreide oder Pseudo-Getreide. Ein gewisser Pflanzenanteil in der Nahrung ist sinnvoll und wichtig, aber mehr als 20, maximal 30 % wenn mit Getreide gefüttert wird, sollten es nicht sein.

Auch der umgekehrte Fall, nämlich das völlige Weglassen von Ballaststofflieferanten, ist häufig zu finden. Sicherlich, manche Hunde vertragen rohes Obst und Gemüse nicht, aber dann gehören geringe Mengen an Flohsamenschalen oder anderer Ballaststofflieferanten in den Napf oder eben komplette Beutetiere mit Haut und Haar (ein Suppenhuhn aus dem Supermarkt ist kein komplettes Beutetier!).

Ob nun zu hoher oder zu niedriger Pflanzenanteil, beide Vorgehensweisen haben mit BARF, also der Orientierung an der ursprünglichen Ernährung von Wölfen, überhaupt gar nichts zu tun. Es handelt sich um einen klassischen Fall von Pseudo-BARF. Welcher wild lebende Fleischfresser nimmt denn bitte Beutetiere auf, die zur Hälfte aus Kartoffeln bestehen? Welcher Beutefresser frisst gar keine pflanzlichen Anteile? Ein Futterplan, der so aufgebaut ist, folgt nicht den BARF-Konzeptregeln und sollte daher auch nicht BARF-Plan genannt werden. Mehr zum Thema Obst und Gemüse bei BARF ist hier zu finden, zum Thema Getreide / Kartoffeln hier.


Fehlende tierische Komponenten / falscher Aufbau

Auch dieses Phänomen trifft man in Bezug auf die Verteilung der tierischen Komponenten im Futterplan häufig an. Entweder fehlen wichtige Bestandteile wie richtiges Muskelfleisch (Pansen und Bindegewebe sind kein Muskelfleisch!), Innereien oder RFK (rohe, fleischige Knochen) komplett oder sind in einer Höhe im Plan integriert, die ebenfalls nicht den Verhältnissen im Beutetier entspricht.

Es mag gute Gründe geben, die dazu führen, dass bestimmte Komponenten nicht gefüttert werden dürfen (z. B. bei CNI)) oder schlichtweg nicht beschaffbar sind (z. B. bei Futtermittelallergien), aber dann sollte man sie auch ersetzen. Ein Hund, der keine RFK verträgt, kann natürlich keine bekommen, aber dann muss diese Komponente substituiert werden. Ebenso verhält es sich mit Innereien. Welches typische Beutetier hat denn gar keine Leber, keine Nieren etc.? Nein, auch 0,5 % Leber der Gesamtration bilden nicht die Verhältnisse im Beutetier ab. Es muss mehr sein! Und welches Beutetier besteht zu 70 % aus Knochen oder enthält gar keine? Es gibt einen guten Grund, warum in einem BARF-Plan jeweils 15 % des tierischen Anteils aus Knochen und Innereien besteht und das ist die Orientierung am Beutetier. Bei BARF baut man Beutetiere nach. Wer das ohne Anpassung vernachlässigt, barft nicht, der betreibt Pseudo-BARF. Punkt. Weitere Informationen zur Wichtigkeit von Innereien sind hier und Knochen hier zu finden.

Ungeeignete Energieträger

Über die große Bedeutung von Fett in den naturgemäß kohlenhydratarmen BARF-Rationen informierte bereits vor Jahren dieser Artikel, aber die Problematik ist noch immer aktuell. Auch wenn heute erfreulicherweise viele Futterpläne einen guten Fettgehalt aufweisen, so muss man immer wieder staunen, welche abstrusen Quellen für Fett ausgesucht werden. Da sieht man esslöffelweise Maiskeimöl oder andere Pflanzenöle in den Futterplänen, Fettpulver oder sogar Margarine.

Es ist wichtig, zu wissen, welche Fette und Öle man zu welchem Zweck einsetzt. Eigentlich ist es ganz simpel: Tierische Fette (Rindertalg, Lammfett etc.) zur Energieversorgung, Omega-3-überschüssiges (z. B. Leinöl) oder besser DHA / EPA-haltiges Öl (z. B. Fischöl) in geringen Mengen zum Fettsäurenausgleich, sofern überhaupt notwendig.

Nein, Öle mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren wie Sonnenblumenöl etc. sollten nicht zur Energieversorgung eingesetzt werden. Nein, Weizenkeimöl eignet sich weder zum Fettsäurenausgleich, noch als sinnvoller Vitamin-E-Lieferant in diesem Zusammenahng. Und nein, auch Kokosöl ist beim gesunden Hund keine dauerhaft geeignete, alleinige Fettquelle. Was beim Einsatz von Fetten und Ölen bei BARF zu beachten ist, steht in diesem Artikel

Unnötige Zusätze

Ein weiteres Problem in den BARF-Rationen sind vollkommen unnötige Zusätze. Ob diese nun im Futterplan integriert werden, um abstruse Bedarfswerte zu erfüllen, die auf gebarfte Hunde nicht zutreffen oder aus wirtschaftlichen Motiven des Verkäufers, ist unerheblich.

Da findet man merkwürdige Komplettmischungen mit synthetischen Vitaminen, Zinktabletten oder Calciumcarbonat. Bei BARF für einen gesunden Hund benötigt man 1-3 einzelne Zusätze – je nachdem, was der Hund nun genau zu fressen bekommt und wie er gehalten wird. Wird Fleisch aus artgerechter Fütterung eingesetzt oder einmal wöchentlich Seefisch gefüttert, braucht man lediglich ein paar Gramm Seealgen (eine Dose reicht mehrere Jahre), mehr nicht! Das funktioniert aber nur bei BARF, nicht unbedingt bei Pseudo-BARF.

Sicherlich, es gibt Fälle, in denen ist es notwendig wird, einzelne Nährstoffe zu supplementieren, z. B. wenn der Hund keine Knochen fressen darf oder die Aufnahme von Innereien gänzlich ablehnt. Auch sind Nahrungsergänzungsmittel im Krankheitsfall durchaus sinnvoll. Aber einen normalen, vollständigen BARF-Plan für ein gesundes Tier mit Zink- oder Calciumsupplementen zu ergänzen, ist nicht notwendig.

Natürlich ist nachvollziehbar, woher der Drang rührt, wissenschaftliche Bedarfswerte erfüllen zu wollen. Allerdings ist es notwendig, sich dann auch im Detail mit Bedarfswerten auseinanderzusetzen. Lediglich eine Tabelle aufzuschlagen und die für Fertigfutter-Hunde konzipierten Daten 1:1 auf gebarfte Tiere zu übertragen, ist nicht möglich und auch nicht nachvollziehbar. Mehr dazu hier.

Fragwürdige Futter- oder Nahrungsergänzungsmittel

Es ist immer wieder erheiternd, bis hin zu erschreckend, welche Futter- bzw. Nahrungsergänzungsmittel teilweise in BARF-Plänen integriert werden. Von Gesundheitselixieren, über Heilerde (diese sollte NUR gegeben werden um im AKUTEN Fall Giftstoffe zu binden also z. B. bei Durchfall) bis hin zu Dingen, die schlichtweg im Napf nichts zu suchen haben. Die Liste ist endlos.

Da gibt es abstruse Zusätze, die Traubensaft enthalten, Vitaminmischungen mit Yucca-Palmenextrakt (beides giftig für Hunde) oder es finden sich Beinwell oder andere Heilkräuter in Kräutermischungen zur Dauergabe. Man stolpert auch über unpassende Futtermittel wie Erdnüsse, Kondensmilch oder Kidneybohnen.

Sicherlich, es ist kein Problem, wenn der Hund hin und wieder eine Erdnuss bekommt, die Kondensmilchpackung auslecken darf oder mal ein paar Bohnen in Essensresten mitfrisst. Aber wozu werden diese Dinge als dauerhaftes Futtermittel in einen BARF-Plan integriert? Das macht keinen Sinn und hat weder mit BARF etwas zu tun, noch mit einer sinnvollen Ergänzung des Futterplans.

Nüsse und Kräuter können durchaus ihren Platz im Futterplan finden, dann doch aber bitte sinnvoll ausgewählt und schon gar nicht nach dem Gießkannenprinzip. Und manche Supplemente dienen schlichtweg der Gewinnorientierung findiger Geschäftsleute. Was für Hunde allgemein giftig ist, steht hier.

Unsinnige Umsetzung in der Praxis

Leider machen sich manche Barfer (oder ihre Berater) zusätzlich das Leben schwer, indem die Fütterung an sich so umständlich oder abwegig gestaltet wird, dass dem Besitzer entweder die Lust am Barfen vergeht oder der Hund sogar in der Tierklinik landet.

Da wird stundenlanges Gemüseraspeln, -kochen und anschließendes Pürieren vorgeschlagen, damit der arme Neubarfer dann einen Tag lang in der Küche steht, um mühevoll eine Komponente zuzubereiten, die man in 10 Minuten mit einem Mixer hätte herstellen kann. Es wird verlangt, alles genau zu berechnen, abzuwiegen und am besten noch die gesamte Küche nach der Fütterung des Hundes zu desinfizieren. Auch manche Mengenangaben in Futterplänen machen dem Barfer einen unkomplizierten Umgang mit der Fütterung unmöglich, denn montags soll es bitte 187 g Pansen geben…. Oder es wird die gesamte RFK- oder Innereien-Wochenportion im Futterplan an einem Tag vorgesehen, sodass der Hund wahlweise Verstopfung oder Durchfall bekommt. Warum nur?

Es gibt natürlich noch weitere typische Fehler (siehe Liste), die im Zusammenhang mit BARF immer wieder auftreten. Zwar wird man aus Fehlern sprichwörtlich klug, aber wenn man sie leicht vermeiden kann, indem man sich kurz darüber informiert, ist doch zumindest dem Hund geholfen.

Fazit

Fehler passieren, das ist normal. Aber einige Probleme im Hinblick auf die Ernährung des Hundes mit BARF kann man umgehen, indem man sich einfach an die Konzeptregeln hält. Dafür muss man sich nicht auf die letzte Nachkommastelle an die Verteilung der Komponenten halten (es spielt also z. B. keine Rolle, ob man nun 12 % ,15 % oder 17 % Innereien füttert), aber wer diese Regeln gänzlich ignoriert, betreibt Pseudo-BARF und vernachlässigt gleichzeitig ernährungsphysiologische Zusammenhänge, die allerdings in der artgerechten Ernährung des Hundes eine große Rolle spielen. Gerade in beauftragten Futterplänen sollten diese Fehler nicht auftauchen. Von daher sollte man sich versichern, dass das, was man gekauft bzw. selbst erstellt hat, wirklich ein BARF-Plan ist, wenn man denn barfen will…

Nicht falsch verstehen: Jeder kann seinen Hund füttern wie er will. Ob Fertigfutter, Essensreste, Selbstgekochtes, Rohfütterung, Prey, BARF oder vielleicht sogar ABAM. Aber wenn man die BARF-Konzeptregeln nicht berücksichtigt, heißt es eben nicht BARF, sondern trägt einen anderen Namen. Das sollte man beim Auftreten von etwaigen Problemen dann auch besonders stark betonen. Also nur behaupten, dass man barft, wenn man es auch macht. Sonst ist wieder BARF schuld daran, wenn etwas schief geht ;)


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallo Nadine,

aufgrund deiner zahlreichen Quellenangaben in deinen Texten, bin ich neugierig geworden auf das berüchtigte Buch "Ernährung des Hundes" von Meyer/Zentek und habe es mir zugelegt. Nun bin ich fleißig am Lesen und fast zeitgleich lese ich in diesem Artikel, dass du dich gegen Weizenkeimöl aussprichst, während M/Z es empfehlen. Könntest du mir kurz erläutern, warum du sagst, dass es sich weder als Fettsäurenausgleich, noch als Vitamin-E-Lieferant eignet?
Eine Freundin hat kürzlich bei Zenteks Institut für Tiernahrung einen Futterplan (allerdings für selbstgekochtes - der Hund hat Probleme mit roher Nahrung) erstellen lassen, in dem genau das empfohlen wurde, wovon du abrätst: 5 % Pflanzenöle. Erst auf Nachfragen bekam sie die Antwort, sie dürfe auch zu gleichen Teilen mit tierischen Fetten mischen. Außerdem wurde der Fleischanteil reduziert aufgrund von zu viel Eiweiß und der Anteil an Kohlenhydraten wurde erhöht.
Bestehen so große Unterschiede zwischen BARF und selbst gekochten, obwohl wenn es sich (abgesehen von Pansen) in der Zutatenzusammenstellung sehr ähnlich ist? Statt Knochen gibt es Knochenmehl und Eierschalenpulver im Wechsel, aber dafür entscheiden sich ja auch viele Barfer aus unterschiedlichsten Gründen.
Ich hatte bisher immer den Eindruck, dass der Herr Zentek DER Mann in Sachen Hundeernährung ist und bin nun etwas enttäuscht, dass er sich eher gegen BARF auszusprechen scheint. Jedenfalls kritisiert er in seinem Buch offen die fleischlastige, eiweißreiche Kost (Quelle: M/Z (2013): Ernährung des Hundes, S. 134, 135) und spricht sich für sein Baukastenprinzip aus: 35%-45% Fleisch + 45%-55% Getreideprodukte + 5% rohfaserreiche Ergänzungen/Gemüse + 5% Pflanzenöl oder tierische Fette (Quelle: M/Z (2013): Ernährung des Hundes, S. 132)
Ich hoffe, mein Beitrag kommt nicht unangemessen rüber. Ich möchte nichts schlecht reden, ich habe bloß einige ernst gemeinte Fragen, auf die ich keine Antwort finde und die mich verunsichern beim Zusammenstellen des Futters.

LG, Sandra

Nadine Wolf hat gesagt…

Liebe Sandra,
kritisch nachfragen ist immer gut ;) Deine Fragen sind überhaupt gar nicht unangemessen.
Warum sich Weizenkeimöl nicht eignet? Schau mal diesen Artikelan. Wenn Du dann noch googlest, wie das Verhältnis von Omega-3:Omega-6 in diesem Öl ist und mal schaust, wie wenig Vitamin E darin enthalten ist, dann siehst Du, was ich meine. Weizenkeimöl enthält nicht einmal genug Tocopherol, um sich selbst zu stabilisieren (Haltbarkeit 6-8 Wochen). Geschweige denn, um noch die Lipidperoxidation anderer Fettsäuren aus anderen Quellen einzudämmen. Warum M/Z oder andere es empfehlen, ist eine Frage des Blickpunktes. Ja, mit Weizenkeimöl kann man essenzielle Fettsäuren zuführen. Aber, wir Barfer wollen möglichst naturnah füttern. Das ist ein Aspekt, den M/Z vernachlässigen. Sie zielen nur darauf ab, alle notwendigen Fettsäuren zuzuführen, aber nicht unbedingt darauf, dass diese in einem Verhältnis zueinander stehen wie es in einem Wildtier oder zumindest artgerecht gehaltenen Tier der Fall wäre. Wir Barfer gehen da einfach ein Stück weiter, was die Anforderungen betrifft und wollen nicht nur n-3 und n-6 Fettsäuren in ausreichender Menge zuführen, sondern eben erreichen, dass diese in angemessenem Verhältnis zueinander stehen. Dieser Anforderung messen eben M/Z keine große Bedeutung bei, weil es nicht unbedingt Ziel ist, das Tier möglichst naturnah zu ernähren, sondern vielleicht eher darauf (das ist meine persönliche Vermutung) möglichst wirtschaftlich und praktisch so zu ernähren, dass erst einmal alle Bedarfswerte gedeckt sind. Und dass die Fettsäuren in einem bestimmten Verhältnis zueinander stehen müssen, ist kein definierter Bedarfswert, sondern eben nur eine Anforderung, die uns die Natur vorgibt. In der Natur ist es so, also muss das richtig sein. Es gibt dazu ja mittlerweile auch im Humanbereich genug Forschung, so ist das nicht. Aber manchen (Fach)Leuten ist es einfach nicht wichtig, daher lauten die Empfehlungen anders. Vermute ich ;)
Das ist m. E. auch der Grund dafür, warum Rationen nach M/Z so hohe Gehalte an Kohlenhydraten enthalten. Reis & Co. sind billig und in jedem Supermarkt zu beschaffen. Die Frage ist also, was ist das Ziel bei der Fütterung? Einfach nur bedarfsdeckend (das ist natürlich auch mit einem kohlenhydratreichen Futterplan zu erreichen) oder möglichst artgerecht? Artgerecht bedeutet ja Orientierung an der ursprünglichen Lebensweise einer Spezies, also Orientierung an der Ernährung von Wölfen. Und Wölfe fressen nun einmal in der Regel Beutetiere, die einen Kohlenhydratanteil von 2 % aufweisen und nicht 50 %. Aus Barfer-Sicht sprechen eben zu viele Argument gegen den Einsatz von so vielen Kohlenhydraten, siehe dieser Artikel. Das heißt ja nicht, dass man das nicht trotzdem so machen kann. Wir Barfer wollen es nur nicht, weil es eben nicht artgerecht ist und somit den BARF-Prinzipien nicht entspricht.

Nadine Wolf hat gesagt…

Wenn man, basierend auf der Anforderung „möglichst artgerecht“, für den Hund kochen will, entspricht die Aufteilung ebenfalls der einer BARF-Ration, nur mit einem Knochensupplement. Nur weil das Futter gekocht ist, muss es nicht plötzlich kohlenhydratreich werden, jedenfalls nicht, wenn man das Beutetierprinzip berücksichtigen möchte. Aber wie gesagt, darauf zielen M/Z nicht ab. Dort soll einfach nur Futter für den Hund gekocht werden, mit dem er alle Nährstoffe enthält. Das Ziel wird auch erreicht. Naturnahe Fütterung geht aber eben einen Schritt weiter.
Bezüglich der Thematik „eiweißreich“, kannst Du Dir mal die Ausführungen von Prof. Zentek zum Thema BARF in seiner BARF-Broschüre durchlesen (falls Du Willens bist, 20 Euro für 40 Seiten auszugeben). Dort wirst auf S. 26/27 auch Rationen sehen, die gar keine Kohlenhydratlieferanten (abgesehen von etwas Grünzeug) enthalten. Übrigens ist eine eiweißreiche Ration auch nicht gleich eine BARF-Ration. Mehr dazu hier. Es ist alles eine Frage der Fettmenge. Eine normale BARF-Ration liefert gerade einmal so viel Eiweiß wie notwendig ist, um den Bedarf des Hundes zu decken. Von eiweißreich (das wäre eine erhebliche Überschreitung des Erhaltungsbedarfs) kann da nicht die Rede sein.
Ich hoffe, das hilft Dir weiter.

LG, Nadine

Anonym hat gesagt…

Guten Morgen Nadine, da hast du dir aber richtig Zeit genommen - danke!
Es ist natürlich schade, dass Herr Zentek in seiner neuen Auflage ein Kapitel zum Thema BARF veröffentlicht, die Rationen dann aber so anpasst, dass viele Kohlenhydrate enthalten sind - was im Endeffekt der Definition von BARF nicht mehr gerecht wird.

Und nochmal zu den Ölen: Ein Wechsel zwischen Lachsöl und Leinöl ist bei BARF zu empfehlen? Wenn es Fisch gibt, kann das Öl an dem Tag komplett wegfallen? Und mein Hund wird auch nicht direkt umfallen, wenn er zwischendurch mal etwas von meinem Kürbiskern- oder Weizenkeimöl bekommt? ;-)

LG, Sandra

Nadine Wolf hat gesagt…

Zum Glück kann ich noch aus alter Schreibmaschinen-Zeit mit 10 Fingern schreiben, sonst wäre das nicht möglich ;)

Tja, es lässt sich nur darüber spekulieren, warum die 40 Seiten aus dem Buch herausgelöst und einzeln für fast 20 Euro verkauft werden... vielleicht liegt es einfach daran, dass das Hauptbuch sonst zu dick wird und die Druckkosten wesentlich höher sind. Oder an anderen Gründen... Übrigens scheint es so zu sein, dass viele Veterinäre eine andere Vorstellung davon haben, was BARF bedeutet. Jedenfalls lassen übliche Futterpläne darauf schließen.

Man kann das machen, muss es aber nicht. Man kann auch nur Fischöl geben. Wenn die Ration zu ca. 20 % aus Seefisch besteht oder man ausschließlich Fleisch aus artgerechter Haltung füttert, kann man das Öl komplett weglassen. Und nein, der Hund fällt nicht direkt tot um, wenn das Fettsäurenverhältnis unnatürlich ist. Es ist aber nicht abzusehen, was geschieht, wenn das dauerhaft der Fall ist. Es sind dann einfach zu viele entzündungsfördernde Fettsäuren vorhanden. Das ist nicht nur unnatürlich, sondern scheint auch bestimmte Erkrankungen zu fördern.

Anonym hat gesagt…

Hallo liebe Nadine,
vielen Dank für Deinen wunderbaren Blog und auch Dein Buch. Beides hat mir so sehr geholfen. Mein 6 jähriger Cavalier freut sich auf jeden Fall jeden Tag auf sein Futter.
Eine Frage hätte ich aber: Bayo hat so einen tollen Hundenapf! Ich hab schon mehrfach die Suche gestartet auf Deinem Blog, aber nicht den Hauch einer Ahnung, was das für einer sein könnte. Vielleicht kannst Du Abhilfe schaffen :-)
Liebste Grüße, Sina

Nadine Wolf hat gesagt…

Hallo Sina,

dieser Napf verfolgt mich... Er ist extrem teuer (wir hatten ihn mal in einem Ausverkauf mit einem Riesenrabatt bekommen). Du findest ihn unter http://www.arwedson.de/onlineshop/Exklusives/Porzellannapf-Insignia.html

Viele Grüße
Nadine

Sasa hat gesagt…

Und hier möchte ich auf jeden Fall mal "Danke" sagen. Was zu den Innereien gehört, wusste ich, aber welche kommen wirklich in Frage und wie viel sollten es sein abgestimmt auf den eigenen Hund. Wenn ich vorher verunsichert war, jetzt nicht mehr. Vielen Dank!

Anonym hat gesagt…

"Ich hatte bisher immer den Eindruck, dass der Herr Zentek DER Mann in Sachen Hundeernährung ist und bin nun etwas enttäuscht, dass er sich eher gegen BARF auszusprechen scheint. Jedenfalls kritisiert er in seinem Buch offen die fleischlastige, eiweißreiche Kost (Quelle: M/Z (2013): Ernährung des Hundes, S. 134, 135) und spricht sich für sein Baukastenprinzip aus: 35%-45% Fleisch + 45%-55% Getreideprodukte + 5% rohfaserreiche Ergänzungen/Gemüse + 5% Pflanzenöl oder tierische Fette (Quelle: M/Z (2013): Ernährung des Hundes, S. 132)"

"Dieser Anforderung messen eben M/Z keine große Bedeutung bei, weil es nicht unbedingt Ziel ist, das Tier möglichst naturnah zu ernähren, sondern vielleicht eher darauf (das ist meine persönliche Vermutung) möglichst wirtschaftlich und praktisch so zu ernähren, dass erst einmal alle Bedarfswerte gedeckt sind."

Hallo,
hat M/Z seine Meinung geändert in Bezug auf Barf und wenn ja, warum?

Ich meine das Artgerecht das Ziel sein sollte und nicht wirtschaftlich und praktisch, alles andere geht in Richtung Industrie Nahrung.

LG, Josef

Nadine Wolf hat gesagt…

Hallo Josef,

die Aufteilung, die Du genannt hast, findet man schon seit jeher in dem Buch. Prof. Zentek hat also seine Meinung nicht geändert. Das Buch ist aber eben kein BARF-Buch. In den neueren Auflagen finden sich auch BARF-Rezepte ohne Kohlenhydratlieferanten, aber das Thema ist für Tiermediziner eben recht neu und widerspricht in vielen Punkten dem, was bisher an Universitäten gelehrt wurde. Vor allem aber widerspricht es der Zusammensetzung von Fertigfuttern. Auch das wird einen Grund haben.

Soweit ich Prof. Zentek erlebt habe, lehnt er BARF nicht ab. Er weist auf gewissen Risiken hin, aber er teilte mir z. B. auch mal mit, dass man einen Hund auch ohne Kohlenhydratlieferanten ernähren und stattdessen Fett als Energiequelle einsetzen könne. Aber wie gesagt, es handelt sich bei seinem Buch um das Grundlagenwerk für Veterinäre und "besonders artgerecht und absolut natürlich" wird an den Universitäten nicht gelehrt...

LG, Nadine

Anonym hat gesagt…

Hallo Nadine,

danke für deine schnelle Antwort.

"Soweit ich Prof. Zentek erlebt habe, lehnt er BARF nicht ab. Er weist auf gewissen Risiken hin"
Welche bitte sollen das sein?

"aber das Thema ist für Tiermediziner eben recht neu und widerspricht in vielen Punkten dem, was bisher an Universitäten gelehrt wurde."
Was bitte wird dort den angehenden Tierärzten gelehrt in Bezug auf optimale Hundeernährung und war diese Lehre vor 1960 - 70 die selbe?

LG, Josef

Nadine Wolf hat gesagt…

Den angehenden Tiermedizinern wird im Moment gelehrt, dass z. B. Kohlenhydrate sehr wichtig wären für Hunde, dass BARF-Pläne nicht bedarfsdeckend seien, dass man zwingend ein Ergänzungsfuttermittel geben muss, dass die Belastung von rohem Fleisch mit Pathogenen wie Bakterien oder Würmern dazu führt, dass gebarfte Hunde häufiger krank sind, daher häufiger Antibiotika benötigen und deswegen an Resistenzen Schuld sind, dass gebarfte Hunde ständig verwurmt sind, dass durch gebarfte Hunde, die Hepatitis übertragen, Schwangerschaftsabbrüche die Folge sind usw.

Was vor 1960 der Fall war, weiß ich nicht. Aber vermutlich wurde da in Bezug auf die Fütterung von Hunden und Katzen gar nicht eingegangen, weil Tierärzte damals nicht unbedingt für Fiffi & Minka zuständig waren, sondern für Nutztiere...

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