Montag, 4. Juli 2016

Tierarzt vs. Neubarfer – Krieg der Welten?

Eins vorweg: Ich bin sicherlich niemand, der vorschnell urteilt und ich halte auch nichts von pauschalisierten Beschuldigungen in Richtung Tierärzteschaft. Denn es gibt sie überall, die schwarzen Schafe und natürlich auch die guten Vertreter einer Zunft. Ob nun in weißem Kittel, im Anzug oder im Blaumann. In jedem Berufszweig.

Dennoch schlage ich oft die Hände über dem Kopf zusammen, wenn Freunde, Bekannte, Kunden oder einfach Tierhalter, die sich in Foren oder Facebook-Gruppen äußern, von ihrem ersten Tierarzt-Besuch als Neubarfer berichten. Natürlich gibt es sie, die Tierärzte, die vernünftig mit der Thematik BARF umgehen, sich den Futterplan der Tierhalter ansehen, eventuell Korrekturen vornehmen, ihnen Tipps geben und so dafür sorgen, dass der Hund wirklich gut ernährt wird. Aber leider scheint ein Teil der Veterinäre einen gegenteiligen Kurs zu fahren: Wenn es um BARF geht, wird in den Praxen schon mal rot gesehen, dann wird gepöbelt, beschuldigt und gelogen, was das Zeug hält.

Die Vorwürfe reichen von „Der Hund erhält mit BARF auf keinen Fall genug Nährstoffe!“ über „Rohes Fleisch? Da bekommen Ihre Kinder garantiert Würmer und Salmonellen!“ bis hin zu „Verantwortungslos! Sie füttern Ihren Hund in den Nierentod! Er wird Ihretwegen sterben!“ Würde man eine Liste der unangemessenen, unbelegten, teilweise beleidigenden und völlig unsinnigen Aussagen einiger Tierärzte zum Thema BARF erstellen, sie würde diesen Blog sprengen. Einiger Tierärzte, nicht aller Tierärzte, wohlgemerkt.

Wie kommt es zu dieser Ablehnung?

Die Theorien darüber, weshalb die Mehrheit der Veterinäre BARF abzulehnen scheint, sind vielfältig. In Foren wird heiß spekuliert, ob Tierärzte vielleicht keinen Nutzen von gesunden Tieren hätten und deswegen BARF ablehnten: Schließlich würde Fertigfutter den Hund erst krank machen und somit den Weg für eine dauerhafte Behandlung ebnen. Oder ob sie alle samt von der Futtermittellobby geschmierte Marionetten seien, die sich an Spezialdiäten eine goldene Nase verdienten. Auch diese Liste ist übrigens endlos und meiner Meinung nach ebenso falsch. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass die meisten Abiturienten, die sich für ein veterinärmedizinisches Studium entscheiden, dies tun, weil sie Tiere lieben und mit Tieren arbeiten wollen. Nicht mehr und nicht weniger. Würde es ihnen nur ums Geld gehen, würden sie Investmentbanker, Schönheitschirurgen oder Rechtsanwälte werden – die Chancen, sich in diesen Berufszweigen in die Riege der oberen Zehntausend einzureihen, sind deutlich größer. Geld wird vermutlich nicht im Vordergrund stehen.

Das Problem scheint eher zu sein, dass die meisten Tierärzte sich mit dem Thema BARF nie wirklich im Detail auseinandergesetzt haben. Die Ernährung von Hunden ist im Studium nicht Fokusthema. BARF ist gar kein verpflichtender Lehrinhalt! Dazu gibt es ggf. einzelne Wahlpflichtveranstaltungen. Zu behaupten, Tierärzte würden sich nicht intensiv mit der Ernährung befassen, mag überheblich klingen, wenn ich als Laie das sage. Daher sage ich es nicht, sondern lasse Zahlen sprechen: Unlängst hat eine Umfrage unter Tierärzten[1] ergeben, dass sich 50 % der befragten Veterinäre nicht im Stande sähen, eine kompetente Ernährungsberatung durchzuführen, 28 % wendeten sich bei Fragen zur Ernährung hilfesuchend an die Futtermittelindustrie, 82 % hätten noch nie eine Fortbildung zum Thema Ernährung besucht (beraten also basierend auf den wenigen Vorlesungen zum Thema im Studium). Und dass, obwohl 90 % der Befragten der Ansicht waren, fütterungsrelevante Fragen nähmen zu.

Da haben wir es! Die Mehrheit der Tierärzte ist mit dem Thema schlicht und einfach gar nicht vertraut. Das verwundert auch nicht, denn Veterinäre sollen schließlich von Goldfisch, über Golden Retriever bis hin zu Golden American Saddlebred alles behandeln können. Sie sollen Dermatologe, Kardiologe sowie Chirurg sein und jetzt auch noch Ernährungsberater. Und bei allen Fachgebieten sollen sie auf dem neusten Stand sein, also ständig Fortbildungen besuchen und sich natürlich noch leidenschaftlich um die Patienten in ihrer Praxis kümmern. Am besten Tag und Nacht. Und idealerweise gratis. Wer soll das leisten? Es ist schlichtweg nicht möglich, ein Spezialist in allen Belangen zu sein. Aber genau das wird von ihnen verlangt... zu unrecht! Und natürlich, einige Tierärzte meinen leider auch, ein Halbgott in weiß und damit automatisch ein Ernährungsspezialist zu sein, ganz ohne tiefergehende Kenntnisse. An dieser Stelle herrscht auch in der universitären Ausbildung großer Anpassungsbedarf.

Was man auch nicht vergessen darf: Häufig ist es so, dass Tierärzte nur von Horrorgeschichten rund um BARF hören oder sie haben jene unglückseligen Fälle „gebarfer“ Hunde auf den Behandlungstischen, bei denen etwas schief gegangen ist und da kann man die Wut des Mediziners auch verstehen. Man muss aber auch betonen, dass es sich bei diesen Fällen eher nicht um BARF handelt, sondern immer um abenteuerliche Futterzusammenstellungen á la „Hackfleisch aus dem Supermarkt und mehr nicht“ oder "Einmal im Monat gibt es die gesamte Knochenration auf einmal". Das hat aber mit BARF rein gar nichts zu tun. BARF berücksichtigt immer das Beutetierprinzip, sonst ist es kein BARF, sondern RF. Mehr dazu in diesem Artikel.

Und dann kommt eine Tatsache hinzu, die tatsächlich an mafiöse Strukturen erinnert, für die aber die Tierärzte auch nichts können: Fortbildungen, die zum Thema Ernährung angeboten werden, sind fast immer Veranstaltungen der Futtermittelindustrie. Die Logos großer Futtermittelhersteller zieren häufig die Unterlagen bei solchen Weiterbildungen. Jeder Barfer weiß, dass diese nichts mit BARF am Hut haben. Wie hoch ist also die Wahrscheinlichkeit, dass in den Veranstaltungen BARF befürwortend oder auch nur neutral beleuchtet wird…?

Und selbst wenn sich Seminare um Rohfütterung drehen, so wird im Grunde meist gar nicht BARF diskutiert, sondern meist Pseudo-BARF - nämlich kohlenhydratbasierte Rohfütterungsmethoden, die den Einsatz einer ganzen Reihe von Supplementen zu erfordern scheinen und nichts mit dem Beutetierprinzip gemein haben.

Es wird auch gemunkelt, dass es regelrechte Anti-BARF-Seminare geben soll, bei denen „Fakten zu BARF“ beleuchtet, gruselige Bilder von deformierten Skeletten angeblich gebarfter Hunde gezeigt und eine Argumentation Pro-Fertigfutter geliefert werden. Aber das ist bestimmt nur ein Gerücht…


Wo ist eigentlich das Problem?

Diese Fakten haben natürlich Auswirkungen auf die Praxis, denn dort geschieht Folgendes: Der mehr oder weniger gut informierte Neubarfer (die alten Hasen lassen sich von den Horrorszenarien nicht mehr abschrecken) geht mit seinem Hund – vielleicht ist es sogar ein Welpe – zum Tierarzt und antwortet auf die Frage: „Was füttern Sie?“, ganz unschuldig, ehrlich und auch ein bisschen stolz: „BARF!“ (der Altbarfer sagt vermutlich einfach: Dosenfutter xy, um sich nicht wieder einen Vortrag anhören zu müssen). Und dann sieht er sich leider häufig (man muss es betonen: nicht immer!) mit den übelsten Schimpftiraden konfrontiert. Meistens entbehren die jedoch jedweder Grundlage, zumindest, wenn man sie mal genau hinterfragt. Und genau das sollte ein Hundehalter dann auch tun, wenn er sich denn schon in so eine unglückliche Situation manövriert hat. Welche Vorurteile gegenüber BARF führen also dazu, dass der verunsicherte Tierhalter mit Panik in den Augen die Praxis verlässt, um bei Facebook darüber zu berichten und sich erneut Mut machen zu lassen…? Denn genau das geschieht. Kaum ein BARF-Neuling wird sofort die Segel streichen und aufgeben. Im Zweifel macht er dann vielleicht Fehler in der Rationsgestaltung. Leider eine verpasste Chance, denn ein Tierarzt, der sachlich mit dem Thema umgeht, kann aufklären und beraten. Eine pauschale Panikmache führt nur selten dazu, dass der Neu-Barfer seine Gefriertruhe wieder verkauft und stattdessen ins Fertigfutter-Regal greift…. Das nur am Rande. Schauen wir uns die typischen Aussagen an, die von einem Kritiker für gewöhnlich kommen:

„In Studien wurde nachgewiesen: Mit BARF kommt es zu Skelettfehlentwicklungen…“

Zunächst einmal gibt es so gut wie gar keine Studien zu BARF. Da liegt bereits der Hase im Pfeffer: Es gibt Untersuchungen, die sich mit Rohfütterung oder Pseudo-BARF befassen, aber nicht mit BARF (Definition hier: Beutetierprinzip). In den oft zitierten Studien wird dann z. B. ein Wurf Schäferhundwelpen mit einer Mischung aus 20 % rohem Fleisch und 80 % Reis aufgezogen, die Hunde entwickeln (wie überraschend!) gesundheitliche Probleme[2] und Schuld ist natürlich BARF. Diese Ration ist aber nicht BARF, sondern ist irgendwo zwischen verantwortungslos und schlichtweg dämlich (sorry) anzusiedeln. Nie wurde offiziell untersucht, wie Welpen sich mit einer korrekt konzipierten BARF-Ration entwickeln. Man sieht es lediglich an nunmehr zehntausenden Beispielen in der Praxis (ja, ich weiß, alles Anekdoten) und es ist klar, dass es Beutefressern in Freiheit ebenfalls gelingt, sich bedarfsdeckend zu ernähren – ja, auch im Wachstum! Das Argument, dass BARF besonders für Welpen ein Problem sei, ist regelrecht lächerlich. Gerade im Wachstum ist es wichtig, das Tier möglichst hochwertig und artgerecht zu ernähren. Nur ein kleines Beispiel: Im Trockenfutter für Hunde im Wachstum stecken meist Unmengen (ca. 40-50 %) an Kohlenhydraten und dass, obwohl Welpen bis zum 4. Lebensmonat nachgewiesenermaßen nicht ausreichend Amylase (= Enzym zur Kohlenhydratverdauung) bilden können, um einen so hohen Getreideanteil überhaupt zu verwerten. Das soll "ausgewogen" und "perfekt auf den Hund abgestimmt" sein...? Also bitte!

Wenn also irgendwer mit Studien kommt, sollte man mal nach den konkreten Untersuchungen fragen ;) Und wenn der Kritiker dann mit Freeman, Heinze & Co. kontert, dann fragt man, ob in den Studien wirklich BARF untersucht wurde (nein, natürlich nicht!). Man kann auch fragen, wie die Wolfswelpen es schaffen, gesund aufzuwachsen – nur mit Beutetierfütterung, auch im Zoo. Warum funktioniert es beim Wolf und beim Hund nicht? Wieso gibt es mittlerweile so viele Praxisbeispiele bei Hunden, in denen es immer funktioniert hat? Täglich erstellen zertifizierte Ernährungsberater oder gut informierte Hundehalter BARF-Pläne für Welpen (auch für Irische Wolfshunde, Molosser und andere "problematische Rassen") und noch nie wurde ein Problem bekannt. Warum nicht? Das wäre doch ein riesen Eklat, der definitiv von allen BARF-Kritikern öffentlich ausgeschlachtet würde. Warum bleibt das aus...? Hinterfragen hilft fast immer…

„BARF ist nicht bedarfsdeckend…“

Auch bei dieser Aussage muss man konkret nachfragen: Mit welchen Bedarfswerten wurde die Analyse durchgeführt? Und wurde überhaupt BARF untersucht? Aus der Literatur geht eindeutig hervor, dass typische Bedarfswerte von einer angepassten Bioverfügbarkeit der Nährstoffe ausgehen (mehr dazu hier), weil Fertigfutter eben anders verwertet wird als frische Nahrung. Wurde das berücksichtigt? Welche Werte wurden also verwendet? Man sollte einen Kritiker daher immer fragen, wie BARF definiert wird (vorausgesetzt, man weiß das selbst...) und wie die korrekte Aufteilung zu erfolgen hat. Wie hat wohl der Kritiker seine selbst durchgeführte Analyse der Ration gestaltet und mit welchen Faktoren hat er die NRC-Bedarfswerte angepasst hat, um die richtigen Ergebnisse zu ermitteln? ;) Im Übrigen sind korrekt konzipierte BARF-Rationen selbstverständlich bedarfsdeckend. Ja, ich weiß, ich bin ein Laie und habe natürlich überhaupt gar keine Ahnung. Daher zitiere ich Prof. Zentek an dieser Stelle: „Es ist ohne weiteres möglich, Hunde mit selbst hergestellten Rationen ausgewogen zu füttern. Allerdings muss die Zusammenstellung passen, sonst besteht die Gefahr der Unterversorgung an Nährstoffen.“ Man muss also einfach nur wissen, wie die Ration korrekt aufzubauen ist. Und nein, dafür braucht man weder Kohlenhydratberge, noch ein Mineralfutter: In seinem Buch "Rohfütterung (BARF) bei Hund und Katze: Möglichkeiten, Risiken und Probleme" zeigt er verschiedene Rationen, die low-carb und zusatzfrei und seiner Meinung nach dennoch bedarfsdeckend sind.


„Ein gebarfter Hund muss alle 4 Wochen entwurmt werden!“

Das ist eine Empfehlung, die viele Tierärzte von der s. g. European Counsel Companion Animal Parasites (ECCAP) übernehmen. Den Ausführungen dieser „unabhängigen, nicht gewinnorientierten“ Organisation (Zum Thema Unabhängigkeit: einfach mal nach dem Begriff ECCAP zusammen mit den Namen bekannter Pharmakonzerne z. B. „Bayer Animal Health ESCCAP“ bei Google suchen), die sich mit Parasiten beschäftigt, ist das tatsächlich so zu entnehmen. Allerdings sollte man schon den gesamten Text lesen, denn aus den Empfehlungen geht ebenfalls hervor: „Dies heißt jedoch nicht, dass Hunde und Katzen aus parasitologischer Sicht grundsätzlich nicht roh ernährt werden dürfen. Wichtig ist nur, dass das Fleisch vor dem Verfüttern ausreichend tief und lange eingefroren wird, um enthaltene Parasitenstadien sicher abzutöten. Gewährleistet ist dies aber nur, wenn das Fleisch mindestens eine Woche bei -17 ° bis -20 °C tiefgefroren bleibt.“[3] Das handhaben fast alle Barfer so. Hat der Kritiker diese Passage etwa verschwiegen? Die Lösung ist also einfach, das Fleisch einzufrieren…? Offenbar muss man wirklich genau nachfragen...


„Gebarfte Hunde übertragen Salmonellen!“

Zunächst einmal gibt es natürlich keine offizielle Studie, bei der untersucht wurde, ob gebarfte Hunde diesbezüglich eine größere Gefahr darstellen als Tiere, die Fertigfutter erhalten. Es wurde nur untersucht, ob Salmonellen im Kot enthalten sind. Ja, sind sie - wie bei Fertigfutter-Hunden auch. Das GesundeHunde-Forum hat vor Jahren den Kot von 300 gebarften Hunden bei Laboklin untersuchen lassen und die Durchsatzrate war genauso hoch wie Laboklin generell für Hunde angibt. (Ja, ich weiß, alles Junk-Science) Also sind durchaus Salmonellen im Kot. Und natürlich darf man nicht vergessen, dass es theoretisch möglich ist, dass ein Hund seinen Besitzer mit Salmonellen infiziert, es jedoch praktisch nicht vorkommt. Fragt man beim Robert-Koch-Institut nach, so erfährt man, dass Hunde ihre Halter in der Praxis nicht infizieren. Das liegt vermutlich daran, dass niemand Hundekot mit bloßen Händen anfasst, um sich danach ins Gesicht zu greifen… Die fast 20.000 Salmonellosen pro Jahr in Deutschland werden also über andere Übertragungswege ausgelöst. Hier ist also mal wieder von einem theoretischen Risiko ohne Praxisrelevanz die Rede, was man durch simples Händewaschen und etwas (Küchen)hygiene komplett beseitigen kann. Auch hier lohnt es sich, nachzufragen, wie viele Halter gebarfter Hunde sich bereits laut offizieller Statistik infiziert hätten – wenn das Risiko so hoch wäre, gäbe es mit Sicherheit dokumentiere Fälle. Die gibt es aber nicht. Und dass, obwohl eine Salmonellose meldepflichtig ist ;)


Und nun?

Es gibt noch zahlreiche weitere Beispiele für Mythen rund um BARF und wenn man sich näher mit ihnen befasst, stellt man immer wieder fest, dass sie mit Tatsachen rein gar nichts gemein haben. Was aber soll man tun, wenn man sich als Neubarfer im Krieg der Welten wiederfindet und nicht weiß, wie man sich korrekt verhalten sollte? Ganz einfach, man wechselt den Tierarzt. Es gibt mittlerweile genug Veterinäre, die sich mit BARF sehr gut auskennen und die Patientenbesitzer gern und kompetent dazu beraten. Man muss sich nicht mit einem Tierarzt herumstreiten, sich Vorwürfe anhören oder gar beschimpfen lassen, wenn es genug Kollegen gibt, die vernünftig mit der Thematik umgehen, auf echte Gefahren hinweisen und aufklären. Man sucht sich eine Praxis, in der man sich mit seinen Tieren gut aufgehoben und beraten fühlt und schon hat sich das Problem erledigt. Nicht vergessen: Der Kunde ist König, auch beim Tierarzt. Und wenn man mit seinem bisherigen Tierarzt in allen anderen Belangen super zurechtkommt, dann kann man doch auch für „alles außer Tiernahrung“ in der bisherigen Praxis bleiben und sich mit dem Mediziner darauf einigen, sich in Ernährungsfragen an einen zertifizierten Ernährungsberater, anderen Tierarzt oder Tierheilpraktiker zu wenden. Im humanmedizinischen Bereich ist das schließlich auch völlig normal. Oder holt sich jemand Ernährungstipps beim Augenarzt? Sicherlich nicht. Und auch ein Tierarzt muss und kann nicht alles wissen. Warum auch? Es gibt über alles Spezialisten.

Kopf hoch! Irgendwann findet man einen Tierarzt, bei dem man sich wohl fühlt und der kompetent und freundlich zum Thema BARF berät oder zumindest deswegen nicht haltlos kritisiert. 



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Quellen:
[1] R. Bergler; S. Wechsung; E. Kienzle, T. Hoff; B. Dobenecker (2016): Ernährungsberatung in der Kleintierpraxis – ein Arbeitsfeld für spezialisierte Tierärzte
[2] Kawaguchi, K. et al. (1993): NUTRITIONAL SECONDARY HYPERPARATHYROIDISM OCCURRING IN A STRAIN OF
GERMAN SHEPHERD PUPPIES
[3] European Scientific Counsel Companion Animal Parasites (2014): Bekämpfung von Würmern (Helminthen) bei Hunden und Katzen, S. 7

Kommentare:

Peter Lustig hat gesagt…

Ich gehe hier zu 100% mit. Das deckt sich mit meinen Erfahrungen. Allerdings bin ich in der guten Lage eine TÄ zu haben, die zwar kein BARF anbietet aber der Sache recht offen gegenüber steht.
Ich kann es allerdings auch verstehen, dass man vergräzt reagiert wenn man man den 10. Hund auf dem Tisch hat der einen Darmverschluss hat weil er zu viel Knochen bekommen hat und der Besitzer was von BARF faselte. Bei dem Stress, dem manche TA ausgesetzt sind, sich dann noch eingehend mit dem Thema Futter zu beschäftigen ist auch eine gewisse Kunst.
Interessant finde ich allerdings das viele vergessen haben, dass es bis vor 26-27 Jahren im Osten nichts anderes gab als selbstgemachte Futterrationen (von Goldi mal abgesehen). Da sind die Hunde auch nicht reihenweise mit Nierenschäden und Gebäudedeformationen umgekippt.

Barfer hat gesagt…

"Eine pauschale Panikmache führt nur selten dazu, dass der Neu-Barfer seine Gefriertruhe wieder verkauft und stattdessen ins Fertigfutter-Regal greift…. "

ist genau Sinn und Zweck der Panikmache.

Nadine Wolf hat gesagt…

@Peter Lustig: Ja, irgendwann findet man einen TA, der dahingehend offen ist. Und ich kann natürlich auch verstehen, dass TÄ wütend sind, wenn Tiere völlig unnötig zu schaden kommen, weil die Halter Fehler machen. Aber man muss da ganz klar differenzieren: Ein Hund, der 70 % RFK im Napf vorfindet und dann einen Darmverschluss bekommt, wird eben nicht gebarft. Das ist ganz klar kein BARF. Und dann kann man sich nicht hinstellen und behaupten, BARF wäre gefährlich. Dann muss man schon genau genug sein und klarstellen: Konzeptlose Rohfütterung kann gefährlich sein. Diese Aussage ist ja durchaus richtig und vor solchen Gefahren muss natürlich auch gewarnt werden. Und genau da ist das Problem. Viele TÄ stellen sich dann nicht hin und klären die Kunden darüber auf, was BARF wirklich ist (sie könnten da ja einen Futterplan erstellen und diesen in Rechnung stellen), sondern wettern einfach pauschal in Richtung BARF. Und das ist einfach nicht richtig.
Lustig übrigens, den Vergleich mit der DDR ziehe ich auch immer wieder heran. Goldi kam erst Mitte oder Ende der 80er Jahre auf den Markt und ob es dann verfügbar war, ist ja noch einmal eine ganz andere Frage gewesen. Vorher bekam kein DDR-Hund irgendein Fertigfutter und noch heute gibt es viele Länder, in denen so gefüttert wird wie wir das damals gemacht haben. Meine ungarischen Verwandten halten z. B. Schäferhunde. Die bekommen Schlachtabfälle und Essensreste, Fertigfutter können sie sich nicht leisten. Es ist schon erstaunlich, dass all diese Schäferhunde immer steinalt (ca. 15 Jahre) werden. An der guten medizinischen Versorgung kann das nicht liegen...

@Barfer: Sinnhaftigkeit und Effektivität sind aber zwei verschiedene Dinge. Sinn und Zweck der Prohibition war es, dass die Leute weniger Alkohol trinken. Und was hat es gebracht? Die Leute haben heimlich getrunken... Es hat also gar nichts gebracht. Und genau so ist es mit der Panikmache (im Unterschied zu einer objektiven Warnung vor Gefahren). Natürlich soll die bezwecken, dass die Leute stattdessen gleich beim TA Royal Canin oder Hills kaufen. Das machen sie aber nicht (mehr). Sie heulen sich bei ihren Hundeleuten oder in Facebook-Gruppen aus und dort wird ihnen stets gesagt: "Wechsele den TA und schreib am besten noch eine schlechte Bewertung, damit andere gewarnt sind!" Als ich meinen ersten Hund auf BARF umgestellt hab, wurde ich von meiner damaligen TÄ sogar angebrüllt. Sie wurde ganz rot im Gesicht, so hat sie geschrien. Warum ich denn so geizig wäre und dem Hund nicht einfach Fertigfutter geben würde, so teuer wäre das doch nicht etc... Dass ich schon mehrere Hundert Euro an sie gezahlt hatte, damit sie die Ursache der Erkrankungen meines Hundes (im Übrigen Futtermittelallergie) erkennt und ihm hilft und ich ja bereits jahrelang jede Art von FeFu ausprobiert hatte, hatte sie bei diesem Vorwurf wohl übersehen... Funktioniert hat es natürlich trotzdem ganz offensichtlich nicht. Nachdem ich den Hund auf BARF umgestellt hatte, war er innerhalb von einer Woche von seinem jahrelangen Leid befreit und natürlich gab es dann keinen Weg mehr zurück.

Peter Lustig hat gesagt…

Joa nur gibts halt keine Definition von BARF wie du in deinem Artikel anmerkst - da denkt es sich jeder anders und die wenigsten wissen auch wirklich was es ist. Es fehlt einfach eine Definition.

Was mal interessant wäre, wäre wie die Zähne der Hunde deiner Verwandten aussehen bzw was sie für Knochen geben. Wölfe sollen wohl nicht all zu gute Zähne haben um so älter sie sind.
Ich schiebe solche hohen Alter nicht auf die Fütterung (wobei die sicher ihren Anteil hat) sondern einfach auf eine pragmatische Zuchtselektion (oder gar keine Selektion). Die Langlebigkeit ist meines Wissens hauptsächlich ein Faktor der durch Gene bestimmt wird.
Nichts desto trotz es täten mal wirklich »objektive« Untersuchungen zur Fütterung von Hunden in der Hundeforschung Not. Das macht halt sehr viel Arbeit und gerade so Unsicherheitsfaktoren wie "bekommt auch Essensreste" werden sicherlich das Bild auch verwässern.

Ich merke aber bei den Eskapaden, dass ich sehr sehr froh über meine TÄ sein kann. :)

Nadine Wolf hat gesagt…

Eigentlich gibt es eine Definition - aus den einzelnen Buchstaben B-A-R-F lässt sich diese ja gut ableiten. Im Grunde impliziert das "A" einfach das Beutetiermodell. Und von da aus ist die Definition dann recht eng: zumindest scheiden abwegige Zusammenstellungen á la 70 % Knochen oder 40 % Kartoffeln gleich von vorne herein aus. Wer ein Beutetier "nur ungefähr" nachahmt, verhindert schon die häufigsten Fehler, die gemacht werden.

Ich würde sagen, die Zähne dieser Hunde waren altersentsprechend: verfärbt, abgenutzt, auch mal ein Zahn abgebrochen, aber meist vollzählig. Die Hunde, die ich kenne, wurden mit allen Knochen gefüttert, die im Haushalt übrig blieben.

Wie alt ein Lebewesen wird, ist natürlich auch genetisch bedingt, aber andere Faktoren spielen eben auch eine große Rolle. Ein Schäferhund stirbt ja nicht mit 6 Jahren an Altersschwäche, sondern eher an einer Erkrankung. Und diese treten durchaus fütterungsbedingt auf. Aus dem Humanbereich weiß man z. B. dass die Krebsentstehung zu ca. 35 % von der Ernährung beeinflusst wird. Das wird beim Hund nicht anders sein. Auch das s. g. metabolische Syndrom ist bei Tieren bekannt. Man kann eine Katze sehr wohl mit einem kohlenhydrathaltigen Futter in die Insulinresistenz füttern und damit Diabetes auslösen. Und schon verwandelt sich eine genetische Lebenserwartung von 15 oder 18 Jahren dann in 8 Jahre.
Es wurde auch erforscht, dass Hunde, die mit einer fleischbasierten Nahrung aufgezogen werden, im Vergleich zur FeFu-Gruppe signifikant weniger häufig an HD erkrankten. Gelenkerkrankungen führen z. B. häufig dazu, dass Tiere eingeschläfert werden müssen, obwohl ihre Zeit eigentlich noch nicht abgelaufen ist.

Die Belgier Lippert und Sapy haben untersucht, durch welche Faktoren die Lebenserwartung des Hundes beeinflusst wird. Da wurden einige Eckdaten betrachtet z. B. Geschlecht, Rasse, Größe und Ernährung. Ergebnis der Untersuchung war beispielsweise, dass die Ernährung einen signifikanten Einfluss auf die Lebenserwartung hat. Tiere, die zu 100 % mit FeFu ernährt wurden, lebten den Forschern zu Folge durchschnittlich 2,7 Jahre kürzer als ein Tiere, die gar kein FeFu bekamen. Das ist schon eine Hausnummer und sehr interessant.

Anonym hat gesagt…

Wie immer geht es ums Geld, denn mit selbst zusammengestellten Rationen lassen sich die Futtermittelkonzerne nicht finanzieren. Also muss man ja Gründe finden und die Tierhalter verunsichern. Wird wohl bei einigen auch Früchte tragen. Aber es ziehen ja schon andere Futterwolken auf - Fertigbarf. Es gibt da bestimmt auch gute Anbieter, nur die Gefahr ist groß, dass da auch mit billigen Rohstoffen und nicht ganz so qualitätsorientiert produziert wird.
Der Markt ist ja noch relativ jung, daher wird man erst sehen was für den Hund dabei herauskommt. Beifuttermischungen zu Fleischkost wo alles enthalten sein soll was Hund braucht, gibt es ja auch schon zu kaufen. Wobei da sicher auch nicht alles 100pro passen könnte. Wenn die Futtermittelindustrie ihre Forschungen, die sie ja so penibel zum Wohle des Hundes betreiben, hernehmen und ja so genau wissen was in den Hund rein muss, dass hinten der Rest wohlgeformt und mit erträglichem Odeur wieder rauskommt, dann müsst doch schon längst geklärt sein, dass natürliche Rohstoffe dem Hunde zuträglicher sind.
Aber darum ist es ja den Herstellern von Fertigfutter nie gegangen. War höchstens eine Nebenerkenntnis. Es geht darum billige Rohstoffe effizient an den Hund zu bringen und ihn wenigstens eine Zeit lang am Leben zu erhalten, damit der Verdacht, dass Futter könnte am vorzeitigen Ableben beteiligt sein, erst gar nicht aufkommt. Denn letztendlich verdienen ja alle mehr, wenn Hund krank wird. Der nächste Kandidat steht ja schon in den Startlöchern.
Eine ganze Industrie von Züchtern, TierärztInnen, Therapeuten, Händlern und Bedarfsartikelhersteller und eben die Futtermittelhersteller freuen sich über unsere Hundeliebe und dass nicht immer alles optimal läuft.
Wie bei uns Menschen auch. Wir sollen auch Geld für viel Falsches, was wir nicht brauchen um zu überleben, konsumieren um uns dann unsere Wehwehchen kurieren zulassen und das ein Leben lang.
Wobei, ums Geld kann es der Tierärzteschaft bei diesem Thema nicht gehen, da sie ja genug an den gebarften Hunden verdienen müssten, gemessen an dem wie sie dagegen wettern. Die Kundschaft bliebe ja erhalten, wenn sie sich neutral dem Thema nähern und auch gegenüber dem barfenden Tierhalter verhielten.

Liebe Grüße
Mexxin

Nadine Wolf hat gesagt…

"Wobei, ums Geld kann es der Tierärzteschaft bei diesem Thema nicht gehen, da sie ja genug an den gebarften Hunden verdienen müssten, gemessen an dem wie sie dagegen wettern." Haha! So kann man es natürlich auch betrachten ;) Stimmt eigentlich, wenn BARF so gefährlich ist und auf jeden Fall Mangelerscheinungen, Darmverschlüsse und Nierenerkrankungen zur Folge hat, dann muss das ja irgendwer wieder in Ordnung bringen...

Gut, ich denke tatsächlich nicht, dass es den meisten TÄ um Geld geht. Ich hab zwei TÄ und die eine ist ja nicht wirklich begeistert von BARF. Aber sie liebt Tiere, das merkt man. Man sieht es schon daran, wie viel Zeit sie sich bei ängstlichen Exemplaren lässt und wie liebevoll sie sie anfasst. Sie denkt trotzdem, dass Fertigfutter das Beste ist und ich habe den Eindruck, sie glaubt das wirklich aus einer inneren Überzeugung heraus. Genau so, wie ich das früher geglaubt habe... Ich hatte bei ihr noch nie den Eindruck, dass sie sich bereichern will und ich denke, einem Tier zu schaden (auch durch falsche Fütterungsempfehlungen), ist ihr ein Graus. Ich bin davon überzeugt, dass sie wirklich davon ausgeht, dass BARF irgendwie gefährlich ist und diese Gefahr durch FeFu zur Sicherheit des Hundes umgangen werden kann. Das ist sicherlich von TA zu TA unterschiedlich, aber dass (zumindest seitens der TÄ) ein großer Plan dahinter steht, alle Tiere krank zu füttern, das glaube ich irgendwie nicht.

Doggenbändiger hat gesagt…

Liebe Nadine,
grundsätzlich sehe ich das zu den TA genau wie du, aber: "Schuster bleib bei deinen Leisten" heißt es so schön, d.h. wenn der TA keine Ahnung von Ernährung hat, dann soll er es wenigstens zugeben. Kein Kunde verlangt Allwissenheit in allen Bereichen der Kleintierpraxis. Nicht umsonst stelle ich fest, dass sich zunehmend TA spezialisieren, oder das in größeren Praxen mit mehreren TA jeder sein Spezialgebiet hat.
Unsere damalige TÄ hat schon die Hände über den Kopf geschlagen das wir unsere Katzen barfen. Sie hat uns damals sogar fast genötigt den seinerzeit neu erfundenen und nicht gerade preiswerten BARF-Bluttest zu machen. War natürlich alles OK.
Als wir dann mit unseren kleinen Doggerich bei ihr waren, ist sie fast ausgeflippt das wir den barfen. Nach knapp einem Jahr waren wir dann mal wieder zum impfen, allerdings bei ihrer Kollegin, die sich auf Orthopädie spezialisiert hatte. Die ist dann auch fast ausgeflippt, was für ein klasse Gebäude der Rüde hat. Die Antwort auf die Frage nach dem Futter machte sie dann nachdenklich.
Jetzt sind wir bei einer Gemeinschaftspraxis. Die erstellen zwar keine BARF_Futterpläne, wissen aber wer so etwas machen kann. Da die auch in der Welt der Homöopathie und Naturheilkunde zuhause sind, bekommt man dort auch z.B. den Tipp, bei einer Verletzung etwas Ingwer zu füttern.
Das ist das was ich oben meinte. Auch wenn die etwas nicht wissen oder können, kennen sie aber andere Experten die weiterhelfen können.

Anonym hat gesagt…

Das Tierernährung im Tiermedizinstudium nicht gelehrt wird ist so nicht korrekt. Es ist sogar ein Staatsexamensprüfungsfach und wird 5 Semester lang ausführlich unterrichtet. Dabei ist auch BARF einer der Inhalte. Vielleicht war das früher anders, aber die neue Generation von Tierärzten kennt sich durchaus mit Fütterungskonzepten aus. BARF kann genial sein, bei bestimmten Krankheiten auch besser als Fertigfutter. Das Fehlerpotenzial ist jedoch schließlich und endlich bedeutend höher. Wer schlecht informiert barft schadet seinem Hund mehr, als jemand der Aldi Futter verwendet. Neulinge sollten sich deshalb von einem Fachtierarzt für Tierernährung ( 5 Jahre Facharztausbildung) oder einem Tierarzt mit Zusatzbezeichnung beraten lassen.

Nadine Wolf hat gesagt…

Und bei der Tierernährung geht es dann ausschließlich um Hunde? ;) Oder etwa hauptsächlich um Rinder, Schweine etc.? Möglicherweise unterscheiden sich die Lehrinhalte auch von Uni zu Uni, aber die Vetmed-Studenten, die ich befragt habe, bestätigten mir durch die Bank weg, dass sie im Studium nicht besonders viel über die Ernährung von Hunden gelernt hätten. Es wäre eher um Schlachttiere gegangen. Und eine Kuh ist nun einmal kein Hund. BARF wäre gar kein Inhalt. Einige TÄ absolvieren sogar bei Swanie Simon die BARF-Berater-Ausbildung. Wieso sollten sie das tun, wenn sie schon 5 Jahre lang intensivst dazu geschult worden wären?

Die Frage ist auch, wie viel Prozent der derzeit praktizierenden, niedergelassenen TÄ während des Studiums eine fundierte Ausbildung in Sachen BARF absolviert haben. Sicherlich verändern sich Lehrinhalte über die Jahre, aber inwieweit kann ein Tierhalter aktuell auf das Wissen seines derzeitigen TA bauen? Und warum haben so viele TÄ in der Befragung angegeben, sie würden sich mit der Fütterung von Hunden nicht auskennen? Nach 5 Jahren ausführlichem Unterricht doch sehr verwunderlich. Vermutlich müssen Tierhalter einfach noch eine ganze Weile warten, bis die TÄ flächendeckend ihre Praxen eröffnen, die zu BARF beraten können und wollen.

Ich bin mir nicht sicher, ob man einem Hund mit "schlechtem BARF" mehr schadet als mit Aldi-Futter. Das würde implizieren, dass quasi jeder Hund, der vor 1900 auf diesem Planten gelebt hat, in einer Weise ernährt wurde, die ihm schadet. Schließlich gab es kein Fertigfutter. In der DDR wäre dann fast jeder Hund bis 1990 in schadhafter Art und Weise gefüttert worden. Denn natürlich haben die Leute nicht gebarft, sie haben relativ konzeptlos vor sich hin gefüttert. Essensreste, Schlachtabfälle etc. Das wird noch heute in vielen Ländern der Welt so praktiziert. Es scheint den Hunden nicht geschadet zu haben. Ganz im Gegenteil: Aus einer belgischen Untersuchung ging sogar hervor, dass Hunde, die Hausmannskost bekommen, statistisch gesehen länger lebten, als Tiere, die Fertigfutter fraßen. Die Lebenserwartung sank durch das Fertigfutter um 25 %. Es ist stark zu bezweifeln, dass all diese Tierhalter einen ausgereiften Futterplan hatten ;) Von daher halte ich diese Aussage für zumindest fragwürdig. Wobei ich natürlich nicht unterstützen möchte, dass jemand konzeptlos füttern sollte. Man muss sich natürlich an die BARF-Konzeptregeln halten. Das ist wichtig und auch sinnvoll.

Mit den Fachtierärzten für Tierernährung ist es so eine Sache: Nicht jeder ist wirklich auf BARF spezialisiert. Dass, was einige Veterinäre unter BARF verstehen, hat ja gar nichts mit dem Konzept gemein, sondern ist einfach nur teilweise rohes Futter oder Pseudo-BARF. Man muss also auch da aufpassen, dass man ein einen TA gerät, der sich wirklich mit BARF auskennt. Aber das kann man ja ganz einfach durch Nachfragen in Erfahrung bringt. Man muss sich ja nur einen bereits erstellten Futterplan für einen gesunden Hund zeigen lassen: Tauchen dort z. B. 50 % gekochte Kartoffeln oder irgendwelche Mineralfuttermischungen auf, dann ist bereits fraglich, ob der TA wirklich in der Lage, oder besser gesagt Willens ist, einen echten BARF-Plan zu erstellen oder ob er lieber an Pseudo-BARF festhält.

Anonym hat gesagt…

Genauso ist es mir auch ergangen. Tierarzt 1 sagte zu mir , ich wäre verrückt einen Welpen zu barfen, es wäre der größte und nun kommt das schlimme Wort mit S. HD und ED würde ich bei meinem Hund fördern. Was heisst fördern, er würde es bekommen! Wenn es dann unbedingt barfen sein müsste, dann Teilbarf mit dem üblichen Trockenfutter vom Tierarzt. Es müsste auch ein Futterplan von der Uni München erstellt werden. Meine Argumente verliefen im Sande.

Es gibt ja noch mehr Tierärzte.
Tierarzt 2: Ich war wieder ehrlich auf die Frage, was füttern sie. Ich kann nicht lügen, da bekomme ich einen roten Kopf und ausserdem wollte ich nun die Reaktion testen. Es kam, dass ist doch prima, juhu dachte ich noch, jemand der Garten versteht. Meine Freude dauerte Ca. 30 Sekunden, da hatte er eine Mineralstoffmischung in der Hand, die ich haben müsste, da sonst Mangelerscheinungen vorprogrammiert sind. Chemie in Dosen, nein Danke. Da kippte die Stimmung etwas. Es folgte ein Vortrag über Salmonellen. Die würden nur vernichtet bei 6o Grad. Alle Hinweise, dass der Hund, eine starke Magensäure usw. hat, verliefen ins Leere. Das Trockenfutter aus dem Verkehr gezogen worden sind, tat er mit der Bemerkung ab, die Weisheit kommt wohl aus dem Internet.

Tierarzt 3: Sagt barfen ist gut, sie hat selber aber keine Ahnung. Sie behandelt ihn aber wie jeden Hund, ohne Vorurteile. Das muss ich jetzt erst einmal so akzeptieren. Sie untersucht Kotproben vorher auf Würmer, ist auch schon mal etwas, davor wollte man nur Tabletten verkaufen.

Der nächste Tierarzt wäre nun 40 km entfernt und im Notfall , ohne Auto, nicht so günstig, also gehe ich jetzt erstmal diesen Kompromiss ein.

Die Vorhersagungen HD und ED, haben sich nicht erfüllt. Ich war ehrlich gesagt sehr nervös, als mein Hund mit 15 Monaten in Narkose lag. Er ist langsam und vor allen Dingen gleichmäßig gewachsen. ED NEG, A1 und A2 Hüfte.

Ich lasse mich vom barfen nicht abbringen und mache mich nicht verrückt. Dieser Blog und das Buch von Nadine haben mir wahnsinnig dabei geholfen. Danke.

P.Wagner hat gesagt…

Danke Nadine für deinen sehr objektiven Beitrag!
Mir ging es als Neubarfer genau so!
War mit dem 5 Monate alten Junghund zum Tierarzt. Auf die Frage "was füttern sie" mit "Barfen" geantworten und ein "um Gottes willen, ihr Hund bekommt Salmonellen, Würmer......"
Und ganz ruhig geantwortet, ich hätte mich informiert und wüsste was ich tue!

Mein Hund ist jetzt 5 Jahre alt und bis auf einen kleine Baustelle (öfters Schmodderohren) ist er kerngesund.

Aus sicherer Quelle weiß ich übrigens, dass diese Tierärztin mittlerweile auch barft - und das freut mich!

Jeder hat die Möglichkeit, sich über Barfen zu informieren - auch Tierärzte und schön, dass so langsam auch da ein Umdenken stattfindet.

Es gibt ein schönes Sprichwort: man beißt nicht die Hand, die einen füttert - viele Tierarztpraxen sind durch die Futtermittelindustrie gesponsert und dementsprechen empfehlen die Tierärzte auch die Futtersorten ihrer Sponsoren.

Klar können Hunde einen Schaden nehmen, wenn man einfach nur Fleisch füttert ohne sich zu informieren!
Andererseits sehe ich häufig Hunde, die mit Fertigfutter gefüttert werden und auch krank sind, z.B. Fehlstellungen der Beine haben, nierenkrank sind! Da fragt niemand nach.....

Dr Anne Becher hat gesagt…

Als Pferdetierärztin und Betriebswirtin, dies sich seit dem Studium vor über 10 Jahre nicht mehr mit der Fütterung von Kleintieren beschäftigt hat, möchte ich hier ein gutes Wort für meine Kollegen einlegen:
Bei BARF handelt es sich um eine relative neue Methode, bei der einige Grundsätze komplett dem wiedersprechen, was auch ich noch in der Uni gelernt habe.
Der Betriebswirt spricht hier von einem Change-Prozess und setzt sich schon jahrelang mit dem Thema Widerstand gegen Veränderung auseinander.
Die Neurobiologen haben das Thema in den letzten 10 Jahren ausführlich beackert: Bei Veränderungsprozessen müssen im Gehirn tatsächlich neue Verbindungen zwischen den Nerven wachsen und das tun sie am besten unter ruhigen Bedingungen. Die Veränderung ist also eine riesen Herausforderung für das menschliche Gehirn.
Ein tierärztliches Gehirn will zu allererst mal Tieren helfen und dann lernt es von der 1. Stunde in der Uni an, nur wissenschaftlichen Studien zu vertrauen. Die im Artikel beschriebenen Reaktionen meiner Kollegen sind also neurobiologisch ganz klar erklärbar durch jahrelang ausgebaute Nervenautobahnen. Zusätzlich dauern Veränderungen im Gehirn im Tierarztalltag noch mal länger als normal, denn der ist durch Notfälle alles anderes als ruhig.
Deshalb bitte ich um etwas Geduld mit meinen Kollegen, solange es noch nicht mehr wissenschaftliche Studien gibt. Und um diesen Umstand schneller zu ändern, könnte ja auch eine Doktorarbeit mit Crowdfunding finanziert werden.
Am Schluss möchte ich der Autorin dieses Artikels noch dafür danken, dass Sie geschrieben hat, dass wir Tierärzte sicher einen anderen Job ergriffen hätten, wenn es uns nur um Geld ginge. Wir haben alle einen kleinen Samariter auf der Schulter sitzen, der den Tieren helfen will – beim Geldverdienen hindert der eher: www.tieraerzteberater.de/kleiner-samariter-tierarzt-geld-verdienen

Anonym hat gesagt…

Bei Barf handelt es sich nicht um eine neue Methode, das was Neu ist das Wort/Begriff Barf.
Früher in den 70er Jahren in Deutschland war das normale Hundeernährung, vom Schlachter Fleischknochen, Essensreste vom Mittagstisch, Eigelb usw. usw. Leider haben sich sehr viele Hundehalter durch die Futtermittel - Industrie manipulieren lassen, auch durch Tierärzte und auch aus bequemlichkeit. Industrie - Futter für Hunde ist ein Milliarden Geschäft und genau darum geht es, ums Geldverdienen. Da wird ein so mancher Schwach und erzählt irgend welche Märchen von den armen nichts wissenden so geplagten Tierärzten die nur Helfen wollen, bis zur den Lügen der Futtermittel - Industrie. Die Praxen sind überfüllt, Industrie freut sich. Das alles auf Kosten unserer Haustiere. Zum Glück gibt es Menschen die sich nicht Verdummen lassen, die sich nicht von Prof. "Sowiso" beeindrucken lassen und sich auch nicht Kaufen lassen. Von Ute Ziegler bis Grimm und auch hier auf diesen Blog. Das freut mich und unseren Hunden um so mehr.

Nadine Wolf hat gesagt…

Bei uns Ossis gab es bis Ende der 80er Jahre kein Fertigfutter... hier ging es also "bis vor kurzem" ganz ohne industrielles Hundefutter. Es gibt auch heute noch Länder, in denen Fertigfutter nicht so stark verbreitet ist wie bei uns. Früher ging es auch ohne Nährwerttabellen & Co. und bisher konnte mir noch keiner eine Studie vorlegen, die bewiesen hat, dass die Tiere damals mangelernährt gewesen wären, ganz im Gegenteil, so erfreuten sich z. B. Deutsche Schäferhunde aus der DDR kurz nach der Wende extremer Beleibtheit. Die wurden in die ganze Welt verkauft, ohne je einen Brocken Trockenfutter oder Nahrungsergänzungsmittel zu den Schlachtabfällen bekommen zu haben. Die Tierärzte hier haben das damals als normal angesehen - es gab ja kein Fertigfutter zu kaufen. Was damals ging, geht natürlich auch heute.

Das Problem ist eher, dass den Veterinären von morgen in den Universitäten von heute oftmals beigebracht wird, dass BARF die Wurzel allen Übels ist. Erst kürzlich berichtete mir ein Vet-Med-Studi von einer Wahlpflichtveranstaltung zum Thema BARF. Inhalte: BARF sei gefährlich wegen der Pathogene (dadurch würden Schwangerschaftsabbrüche ausgelöst), außerdem sei eine Mangelernährung eine zwingende Folge und ganz wichtig: gebarfte Hunde seien häufiger krank, würden daher wesentlich öfter mit Antibiotika behandelt und trügen daher Mitschuld an AB-Resistenzen... (genau, weil Barfer dafür bekannt sind, ihrem Hund bei jedem Pickel oder mal ein bisschen weichem Kot ein AB verabreichen zu lassen - wie oft hab ich schon NEIN! gesagt...)
Das sind die Lehrinhalte aus einer deutschen Hochschule. Mir wurde von mehreren TÄ außerdem bestätigt, dass sie bei BARF-Weiterbildungen von großen Futtermittelherstellern gewesen seien. Dort würden z. B. Röntgenbilder von deformierten Hunden gezeigt - BARF sei Dank.

Nun, wenn das die Informationen sind, die Veterinäre für gewöhnlich bekommen, wundert mich nichts mehr...

Anonym hat gesagt…

Hallo Nadine,
ich weiß, in Ostdeutschland gibt es noch Den Schäferhund. Tolle Hunde. In Altenburg kenne ich einen Züchter.

Gott sei Dank gibt es noch einige Veterinäre die keine Mitläufer der Futtermittel - Industrie sind, ihr Gehirn eingeschalten und eigene Meinung haben.

LG, Josef

Dipl.Ing. Stefan hat gesagt…

Stefan

Hallo, ich klink mich mal auch kurz in die Diskussion ein.
Wir haben einige Hunde zu Haus, dem nach stand früher immer mal wieder ein Tierarztbesuch auf dem Zettel.
Ich kenne fast alle Tierärzte oder Kliniken im Umkreis.
Nicht EINER weiss übers BARF'en bescheid, wenn man gut weg kommt ist es zumindest Akzeptanz , DASS ist dann aber auch schon das höchste der Gefühle.
Nadine, ich habe aus eigener Erfahrung hart lernen müssen an Tierärzten kein gutes Haar zu lassen, Warum?
Ganz einfach, für das wichtigste Thema der Tiergesundheit, nämlich die artgerechte Ernährung als wichtigste Grundlage(für mich bis zu 99%) keinen Draht zu haben und sich mit Halbwahrheiten bis hin zur Ignoranz als hochintelligenter Mensch (TIERARZTSTUDIUM!!!)
von der Futtermittelindustrie, der Pharmaindustrie, der Tierärztekammer usw. vor den Karren spannen zu lassen, der hat in meinen Augen wirklich den falschen Beruf gewählt.
Mittlerweile geht es nicht mehr um die Gesundheit unserer Tiere, Ethik wird durch Monethik ersetzt. Der Wille war vielleicht mal vorhanden.
Nein, DEN Tierarzt zeig mir, der nicht an sein Geld denkt wenn es um Impfungen geht, Spot-ons oder DIÄT-Futter, stell mal Fragen zu diesen Themen! Wir sind geheilt!
UUUUnd glaubt mir es wird nicht besser.
Warum sagt der Herr TA denn nicht wenn es um Futter geht, geht zum BARF-Berater? Warum suchen sich denn die Tierärzte keine Zusammenarbeit?
Ein Anruf oder eine Visitenkarte wäre doch die Lösung?
Neiiin, THP's :".....alles Scharlatane die die Gesundheit Ihres Hundes gefährden!"
Die Herren in Weiss haben STUDIERT!
Alle anderen sind ja nur dumme Schwätzer, dass wir aber oft die letzte Rettung Ihrer KUNSTFEHLER sind, wenn das arme Geschöpf AUSTHERAPIERT ist, daaas darf ja nicht sein!
Ich schreib mich in Rage.....
Punkt.
Danke für Deinen BLOG, schönes Ding!
Tierärzte haben was gut zu machen an unseren Lieben.
Denkt mal drüber nach!
Nadine, nimm sie nicht in Schutz, haben sie sich NOCH!!! nicht verdient!
Danke!

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