Dienstag, 18. Oktober 2016

Über Glückshormone, Impulskontrolle und überflüssige Kohlenhydrate

Immer wieder gibt es in der Hundewelt Themen, die große Aufmerksamkeit erregen und über die heiß debattiert wird. Darunter die alljährliche Diskussion zur Frage „Kohlenhydrate in der Hundeernährung“. Immer wieder werden Gründe genannt, warum diese unbedingt in den Hundenapf gehören. Vor 3 Jahren tauchte eine Studie auf, in der angeblich nachgewiesen wurde, dass Hunde generell in höherem Maße als Wölfe in der Lage wären, Kohlenhydrate zu verdauen. Ein Segen für die Verteidiger von Stärke & Co. bis eine neuere Untersuchung nur ein Jahr später belegte, dass wohl doch nicht alle Hunde mehr Gene zur Stärkeverdauung hätten als Wölfe, sondern nur einige (mehr dazu hier...). Schade eigentlich.

Aber es dauerte nicht lange und da brachten die Kohlenhydratbefürworter eine neue Argumentation hervor. Impulskontrolle und Glücklichsein. Ein Hund bräuchte angeblich Kohlenhydrate in der Nahrung, um sich unter Kontrolle zu halten, sich besser zu konzentrieren, weniger aggressiv zu sein und insgesamt glücklicher. Kaum war diese „neue“ Erkenntnis verbreitet, versuchten Hundehalter Erziehungsprobleme oder einfach arttypisches Verhalten (z. B. Abneigung gegen fremde Artgenossen, Ablenkung durch Fortpflanzungsgelüste, Auslebung von züchterisch intendierten Eigenschaften wie Jagd-, Hüte- oder Schutztrieb) mit massenhaft Kohlenhydraten in der Nahrung zu therapieren. Zum Leidwesen der geplagten Tierbesitzer meist mit wenig Erfolg. Schade eigentlich, denn es ist natürlich verlockend, eine einfache Lösung für ein komplexes Problem präsentiert zu bekommen.

Kann man mit der Nahrung Einfluss nehmen?

Dennoch ist etwas dran, an der Behauptung, man könne die Stimmung eines Hundes mit dem Futter beeinflussen. Grund dafür ist das sagenumwobene Tryptophan (Trp). Eine für Hunde essenzielle Aminosäure, die die biosynthetische Vorstufe des Neurotransmitters Serotonin (im Volksmund bekannt als Glückshormon) ist und das Verhalten durchaus beeinflussen kann. Eine verminderte Serotoninbildung kann möglicherweise zu einer aggressiveren Reaktion auf Reize führen, die Konzentrationsfähigkeit und Impulskontrolle negativ beeinflussen oder einfach unglücklich machen.

Wie aber kann es überhaupt zu einer verminderten Serotoninbildung aus Trp kommen? Zunächst einmal kann dafür ursächlich sein, dass sich insgesamt nicht genügend von dieser Aminosäure im Futter befindet. Ein artgerecht ernährter Hund wird in der Regel ausreichend Trp in der Nahrung vorfinden, da es in Fleisch, Milchprodukten und Eiern vorkommt. Anders sieht es aus mit Futtermitteln, die man sowieso als eher ungeeignet für einen Beutefresser einstufen würde, z. B. Getreidegluten, Geflügelmehle oder Soja. In diesen Futtermitteln ist wenig Trp, dafür aber verhältnismäßig mehr lange, neutrale Aminosäuren (LNAA) wie z.B. Tyrosin enthalten. Und weil diese LNAA mit Tryptophan um das gleiche Transportsystem durch die Blut-Hirn-Schranke konkurrieren, kann es zu einer mangelnden Bildung von Serotonin kommen. Je schlechter das in der Nahrung vorliegende Verhältnis zwischen Trp und LNAA ist, desto ausgeprägter ist dieser Effekt.

Betrachtet man die genaue Aminosäuren-Zusammensetzung verschiedener Rationen, wird klar, dass das Verhältnis von Trp:LNAA sich stark unterscheidet. So sind bei einer typischen BARF-Ration 1,4 % des Proteins tatsächlich Trp, bei einem gewöhnlichen Trockenfutter (z. B. 52 % Kartoffelflocken, 20 % Sojaextraktionsschrot, 17 % Geflügelmehl, 10 % Fett) ist der Anteil mit 1,1 % wesentlich geringer. Wichtig ist also in jedem Fall, dass sich die Eiweißträger der Ration aus hochwertigem Protein zusammensetzen und nicht etwa bindegewebsreiche Schlachtabfälle oder minderwertiges pflanzliches Protein enthalten.

Was hat das alles mit Kohlenhydraten zu tun?

Die meisten Proteinlieferanten verfügen insgesamt über einen geringen Tryptophan-Anteil (Trp) und einen hohen Anteil an LNAA – bei Eiweiß aus pflanzlicher Quelle oder minderwertigen Proteinlieferanten ist das aber viel stärker ausgeprägt. Durch die Nutzung desselben Carriersystems gelangt daher verhältnismäßig weniger Trp ins Gehirn. Kohlenhydratreiche Rationen stimulieren die Insulinsekretion. Durch das Insulin wird die Aufnahme der Kohlenhydrate in die Zellen ermöglicht, aber auch der Einstrom von Aminosäuren. Das steigert die Aufnahme derjenigen LNAA in die Muskelzellen, die sonst zusammen mit dem Trp in das Gehirn gelangen. Durch das Absinken der freien Aminosäuren im Blut steigt der Trp:LNAA Quotient an und es gelangt mehr Trp ins Gehirn.

Auch der Gesamtproteingehalt der Nahrung spielt eine Rolle, wenn es um die Stimmung der Tiere geht. In Studien wurde nachgewiesen, dass proteinreiche Rationen zu gesteigertem Aggressionsverhalten führen können. In diesem Zusammenhang gerät BARF immer wieder in die Kritik, da dieser Ernährungsform zu unrecht ein zu hoher Proteingehalt nachgesagt wird. Auch deswegen wird empfohlen, durch große Mengen an Kohlenhydraten, den Proteingehalt zu senken. Berechnet man allerdings den tatsächlichen Eiweißanteil einer BARF-Ration, stellt man fest, dass das nicht notwendig ist, da die Menüs nicht mehr Protein liefern als andere Futtersorten. Warum das so ist, zeigt der nächste Abschnitt.

Der Einfluss von Fetten

Fette sind für Hunde die natürlichen Energielieferanten schlechthin. In Beutetieren kommen kaum Kohlenhydrate vor. Deswegen wird bei BARF-Rationen ein niedriger Kohlenhydratanteil, dafür aber ein angemessener Fettanteil angestrebt - sofern das Tier gesund ist. Dies hat zur Folge, dass der Proteingehalt einer BARF-Ration auch ohne große Mengen an Kohlenhydratlieferanten eher niedrig ist. Denn je mehr Fett eine Ration enthält, desto weniger muss der Hund aufgrund des höheren Energiegehaltes davon fressen und desto geringer ist auch der Eiweißgehalt des Futters. BARF enthält also nicht besonders viel Protein, sondern meist genau so viel wie ein typisches Fertigfutter – trotz des geringen Kohlenhydratanteils.

NährstoffBARF-Ration, 30 kg Hund, ca. 1270 kcal50 % Fleisch & Knochen + 50 % Getreide, ca. 1270 kcalRoyal Canin Maxi, 30 kg Hund, 1270 kcal
Protein84 g83 g83 g
Fettgehalt95 g59 g54 g
Kohlenhydrate10 g93 g127 g


Fett ist aber nicht nur ein Energielieferant. Auch bei der Serotoninsynthese spielt es eine entscheidende Rolle, denn die Aufnahme von Kohlenhydraten ist natürlich nicht die einzige Lösung des Körpers, wenn es darum geht, ausreichende Mengen des „Glückshormons“ zu produzieren. Dieser Fakt wird immer verschwiegen, wenn es darum geht, Kohlenhydratmassen zu preisen. Warum nur...?

Da es in der Natur nur wenige Kohlenhydratlieferanten gibt (Getreide & Zucker sind schließlich eine Erfindung des Menschen), verfügt der Körper selbstverständlich auch über andere Wege, um für einen glücklichen Vierbeiner zu sorgen. In diesem Zusammenhang kommt dem Fettgehalt der Nahrung eine große Bedeutung hinzu: Trp wird zum größten Teil an Albumin gebunden im Blut transportiert. Aber auch freie Fettsäuren nutzen Albumin als Transportsystem. Die Erhöhung freier Fettsäuren im Blut nach der Nahrungsaufnahme führt zur Verdrängung des an Albumin gebundenen Anteils von Trp. Das so freigesetzte Trp wird vermehrt in das Gehirn transportiert und steht nun in größeren Mengen für die Synthese von Serotonin zur Verfügung. Es braucht also nicht zwingend Kohlenhydrate, um ausreichende Mengen an Trp durch die Blut-Hirn-Schranke zu transportieren, die natürlichen Energielieferanten der Hunde, nämlich Fette, tun es auch.

Der Einfluss von anderen Nährstoffen

Entscheidend für eine ausreichende Serotoninsynthese ist auch, dass das Tier genügend Vitamin B6 aufnimmt, da dies die Synthese verstärkt (oder bei einem Mangel eben einschränkt). Dieses Vitamin befindet sich also vor allem in Leber, Eiern und Fleisch, jedoch ist es licht- und hitzeempfindlich, sodass diese Futtermittel roh verabreicht werden sollten, um eine entsprechende Versorgung sicherzustellen.

Wichtig ist außerdem, dass das Tier genug Vitamin B3 aufnimmt. Ist dies nicht der Fall, muss der Körper dies aus Tryptophan selbst synthetisieren. Dabei wird natürlich die zur Serotoninsynthese zur Verfügung stehende Menge an Tryptophan reduziert. Vitamin B3 ist zwar nicht hitzeempfindlich, jedoch können Hunde es nur aus tierischen Quellen (z. B. Leber, Fleisch) wirklich gut verwerten. In pflanzlichen Quellen liegt das Vitamin in gebundener, schwer verwertbarer Form vor und ist für das Tier fast nutzlos.

Zur Umwandlung von Trp über das Zwischenprodukt 5-HTP wird außerdem Magnesium benötigt. In Futtermitteln kommt Magnesium vor allem in Getreide oder Saaten vor, allerdings befindet sich darin auch ein sekundärer Pflanzenstoff namens Phytinsäure, der die Bioverfügbarkeit von Magnesium stark einschränkt. Je nach Anteil in der Nahrung so stark, dass nur noch ein Drittel der aufgenommenen Menge vom Körper überhaupt genutzt werden kann. Daher eignen sich Knochen, Innereien und Fleisch besser als Magnesiumlieferanten.

Weitere Faktoren und Nachteile der Kohlenhydratlieferanten

Es gibt noch weitere Faktoren, die die Serotoninsynthese behindern können. Darunter fallen zum Beispiel Stress oder Insulinresistenz. Letzteres ist nachvollziehbar, da die Zellen nicht mehr empfindlich genug auf Insulin reagieren.

Betrachtet man die Situation genauer, so fällt auf, dass die üblichen Kohlenhydratlieferanten offensichtlich die Serotoninsynthese verstärken können, gleichzeitig jedoch wieder behindernd wirken. Bestehen 50 % der Ration z. B. aus Getreide, so nimmt das Tier insgesamt weniger Vitamin B6 auf (Getreide muss gekocht werden, demnach wird das Vitamin zerstört) und hat auch noch weniger Vitamin B3 zur Verfügung, weil Großteile der Ration nun durch einen unpassenden Vitamin-Lieferanten besetzt werden, der nur gebundenes Vitamin B3 liefert. Auch etwa 70 % des aufgenommenen Magnesiums können nicht mehr genutzt werden, weil die im Getreide befindlichen Störstoffe die Bioverfügbarkeit stark herabsetzen.

Vergleicht man eine BARF-Ration mit typischem Fettanteil mit einer Ration, die zu 50 % aus Getreide besteht hinsichtlich der Nährstoffversorgung, ergibt sich folgendes Bild:

NährstoffBARF-Ration, 30 kg Hund, ca. 1270 kcalMax. verwertbar50 % Fleisch & Knochen + 50 % Getreide, ca. 1270 kcalMax. verwertbar
Vitamin B321,5 mg21,3 mg19,9 mg14,2 mg
Vitamin B62,1 mg2,1 mg1,4 mg0,8 mg
Magnesium240 mg168 mg245 mg74 mg
Protein84 g64 g83 g62 g

Neben dem niedrigeren Gehalt an den genannten Vitaminen fehlt es der getreidereichen Ration obendrein auch an Kalium, Kupfer, Selen, Vitamin B2, B12, B5 und Biotin. Die Gehalte liegen sogar so niedrig, dass keine Bedarfsdeckung mehr stattfindet.

Dem Tier stehen also weniger Nährstoffe insgesamt und auch weniger Co-Faktoren zur Serotoninsynthese zur Verfügung. Der Grundbedarf ist bei zwar gedeckt, aber es ist nicht klar, ob der Bedarfswert eine optimale Serotoninsynthese berücksichtigt oder nur das Überleben des Tieres sichert. Schaut man sich die Studien an, aus denen die Bedarfswerte abgeleitet wurden an, wird dort zumindest nicht auf solche Aspekte eingegangen.

Nun könnte man argumentieren, dass man dann doch eine Vitamin- und Mineralstoffmischung einsetzen könnte, um das durch die großen Kohlenhydratmengen geschaffene Defizit auszugleichen. Aber wozu? Warum sollte jemand einen teuren, synthetischen Zusatz verfüttern wollen, nur damit er so große Mengen Getreide verfüttern kann? Synthetische Vitamine sind nachgewiesenermaßen gesundheitsschädlich.

Diese Nachteile treffen auf Rationen, die auf den Serotoninsynthese fördernden Effekt von Fetten setzen, nicht zu. Man erreicht also mit der Fütterung einer eher fettreichen Nahrung insgesamt bessere Effekte und muss auch weitere Nachteile einer kohlenhydratreichen Ernährung (mehr hier...) nicht in Kauf nehmen. Wieso um alles in der Welt also unbedingt so kohlenhydratreich füttern? Nur, um dann auch noch Zusätze kaufen zu müssen...? Das ergibt keinen Sinn – außer natürlich, man ist ein Anbieter solcher Supplemente oder kohlenhydratreicher Fertigfutter. Dann kann man sich damit eine goldene Nase verdienen und sollte auch stark bemüht sein, zu verbreiten, dass viele Kohlenhydrate von Vorteil sind…

Warum hat es dann in Studien trotzdem funktioniert?

Es gibt eine Reihe von Studien, die sich mit dem Einfluss des Trp-Gehalts der Nahrung, der Futterproteinmenge und der Zuführung von Kohlenhydraten auf das Verhalten von Hunden beschäftigen. Und das Ergebnis ist meist, dass die Tiere sich durch die Zugabe von Trp bzw. die Senkung des Proteingehalts weniger aggressiv verhalten oder aber, dass sie sich durch die Zufuhr von Kohlenhydraten direkt vor einer Aufgabe, besser konzentrieren können.

Wieso funktioniert das? Nun, der Grund hierfür ist, dass die Tiere in den Studien meist ein Futter mit einem sehr geringen Anteil an Trp erhalten, weil die Proteinlieferanten minderwertig oder auch fragwürdig sind. Die Futtermischung aus einer Studie (DeNapoli, J. S. (2000)) sieht z. B. so aus:

37 % Mais, 18 % Geflügelmehl, 16 % Maisstärke, 10 % Tierisches Fett, 3 % Getrocknetes Ei, 10 % Zellulose, 2 % Geschmackverstärker, 2 % Dicalcium Phosphat, 1 % Pflanzenöl, 1 % Mineralstoffe, 0,3 % Vitamine, 0,01 % Etoxyquin.

Fügt man dieser Gruselration dann Trp einzeln hinzu, kann natürlich die Serotoninsynthese erhöht werden. Gebarfte Hunde finden aber in ihrer Ration ohnehin schon größere Mengen Trp vor und genügend Fett, sodass sie bereits eine andere Ausgangsbasis haben als der arme Studien-Hund, der o. g. Mischung fressen muss und vielleicht noch Stress hat, weil er an einer Studie teilnehmen muss.

Außerdem fallen bei genauerer Betrachtung der Studien folgende Aspekte auf: Erstens wurden den Hunden in den proteinreichen Rationen wesentlich höhere Mengen an Protein zugeführt als das bei BARF der Fall wäre (130 g für einen 30 kg Hund, an Stelle von 84 g bei BARF) und zweitens sind die verwendeten Proteinquellen zu 95 % minderwertig (siehe o.g. Zusammensetzung). Diese Erkenntnisse können also nicht einfach auf BARF übertragen werden. Es ist nachgewiesen, dass ein hoher Anteil minderwertiger Proteine das Aggressions- und Territorialverhalten von Hunden steigert. BARF liefert aber kaum minderwertiges Protein. Aus den Studien kann also nicht einfach geschlossen werden, dass eine Proteinreduktion bei BARF sinnvoll wäre, um aggressives Verhalten einzuschränken, sondern nur, dass eine Proteinreduktion bei Rationen mit minderwertigen Proteinen sinnvoll sein kann. Studien an gebarften Tieren wurden nicht durchgeführt.

Untersuchungen, in denen sich Hunde nach der Verabreichung von Kohlenhydraten besser auf eine Aufgabe konzentrieren konnten, sind ebenfalls schwer in die Praxis übertragbar oder vielmehr sind die Schlüsse, die daraus gezogen werden, mitunter unzulässig. In den Studien bekamen die Tiere eine Glukoselösung. Glukose ist ein Einfachzucker, der sehr schnell verfügbar ist, also „sofort ins Blut geht“, wie man umgangssprachlich sagt. Eine kohlenhydratbasierte Ernährung mit Getreide oder Kartoffeln liefert aber keine oder kaum Glukose, sondern s. g. Polysaccharide. Diese müssen vom Körper erst aufgespalten werden und sind eben nicht so schnell verfügbar. Man kann nicht einfach die kurzzeitige Gabe einer Glukoselösung mit allgemein kohlenhydratreicher Ernährung gleichsetzen. Wenn man die Effekte erreichen will, die in solchen Studien ermittelt wurden, muss man kurz vor dem Training Traubenzucker füttern und nicht etwa die Ration zu 50 % aus Kohlenhydraten gestalten. Abgesehen davon wurden solche Untersuchungen natürlich nie an gebarften Tieren durchgeführt. Ganz im Gegenteil: Unprofessionellerweise wurde überhaupt gar nicht analysiert, wie die Tiere ernährt wurden.

Fazit für Barfer

Ein gebarfer Hund benötigt keine großen Mengen an Kohlenhydraten, um ausreichend Serotonin zu synthetisieren. Denn es ist bereits mehr Trp in der BARF-Ration enthalten als in Fertigfutter, der Proteinanteil ist nicht zu hoch und Fette in der Nahrung fördern die Synthese des "Glückshormons" genau so gut wie Kohlenhydrate. Zudem nehmen gebarfte Tiere vergleichsweise mehr verfügbare Co-Faktoren auf, die die Serotoninsynthese verstärken.

Natürlich kann aber jeder Hundehalter am eigenen Tier ganz einfach testen, ob es durch mehr Kohlenhydrate eine erwünschte Verhaltensänderung zeigt, indem er versuchsweise die BARF-Variante mit 10 % Getreide ausprobiert. Der geringe Getreideanteil ist für das Tier vollkommen unproblematisch, solange keine Unverträglichkeit vorliegt. Es spricht also nichts dagegen, einen Test zu wagen. Er wird vermutlich nur nicht das gewünschte Ergebnis im Hinblick auf Trainingserfolge oder aggressives Verhalten haben, denn mit BARF erhält das Tier bereits alles, um genug Serotonin zu bilden. Für Verhaltensprobleme gibt es leider fast nie eine einfache Lösung. Es bleibt nur der Gang zu einem guten Trainer, Fleiß, richtiges Management sowie Geduld und noch mehr Geduld…


Quellen:

DeNapoli, J. S. (2000): Effect of dietary protein content and tryptophan supplementation on dominance aggression, territorial aggression, and hyperactivity in dogs
Engin, A. et al. (2015): Tryptophan Metabolism: Implications for Biological Processes, Health and Disease
Meyer, H. / Zentek, J. (2013): Ernährung des Hundes
Miller, H. C. et al. (2010): SElf-Control Without a „Self“? Common Self-Control Processes in Humans and Dogs

National Reserach Council (2006): Nutrient Requirements of Dogs and Cats

Mittwoch, 5. Oktober 2016

Ernährungsberatung – braucht man das?

Es ist immer schwierig, einen sachlichen und objektiven Beitrag über das eigene Tätigkeitsfeld zu schreiben. Ich versuche es dennoch.

Viele Tierhalter, die sich für BARF interessieren, werden mit der Frage konfrontiert, ob sie nun einen Ernährungsberater mit einer Futterplanerstellung beauftragen sollten oder nicht. Für die einen ist das nämlich reine Geldverschwendung, andere sind sich einig, dass es ohne professionell erstellten Plan keine Chance gibt, den eigenen Hund gesund zu ernähren.

Ob das wirklich notwendig ist, kann man nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten. Wie so oft im Leben, kommt es auf die Umstände an.

Was beinhaltet Ernährungsberatung überhaupt?

Was macht eigentlich so ein Ernährungsberater? Was kann man als Kunde erwarten? Und warum weichen die Preise so extrem ab?

Ernährungsberatung reicht im Prinzip von einfachen Tipps zur Ernährung bis hin zur kompletten und umfassenden Begleitung im Falle von Erkrankungen. Es gibt kein klar definiertes Beratungspaket, was man als Kunde erwarten kann. Deswegen variieren Umfang, Qualität und Preis der Leistung sehr stark.

Meiner Meinung nach beinhaltet eine professionelle Ernährungsberatung folgende Punkte:
  • Gründliche Anamnese (Erhebung aller relevanten Daten zum Tier: z. B. Gewicht, Größe, Alter, Horomonstatus, Bewegung pro Tag, bisheriges Futter, Kotkonsistenz, Unverträglichkeiten, etwaige Krankheiten) 
  • Erfragung der Halterpräferenzen (Häufigkeit der Fütterung, gewünschte Zusätze, Fleischsorten, mit Fastentag, ohne Fastentag etc.)
  • Erstellung des Futterplans (Basisgerüst, Beispielplan), basierend auf den Angaben mit Nennung von etwaigen Nahrungsergänzungsmitteln verschiedener Anbieter
  • Bereitstellung von Zusatzinformationen zur Umstellung, Warnung vor Gefahren, Erläuterung des Vorgehens, Auflistung der Futtermittel, Erläuterung wichtiger Informationen (z. B. Wichtigkeit des Fettgehalts in der Nahrung) etc.
  • Beantwortung von Fragen zum Futterplan
Dieser Prozess nimmt in meiner Beratung mindestens 2–3 h Zeitaufwand in Anspruch. Die Informationen müssen ausgewertet, der Plan berechnet und angepasst und die Fragen des Halters müssen beantwortet werden etc. Je komplexer der Fall, desto mehr Aufwand. Mit manchen Kunden telefoniert man allein eine Stunde, um Unklarheiten abzuklären. Das alles kostet natürlich Zeit und kann nicht mal eben Tür und Angel gemacht werden.

Ein einfacher Futterplan, auf einer einzigen A4-Seite ohne Sonderwünsche des Kunden und Erläuterungen, kann auf Knopfdruck in 5 Minuten erstellt werden. Der Rest kostet einfach sehr viel Zeit. Und weil nicht jeder Ernährungsberater alle Punkte erfüllt, schwanken auch die Preise so extrem. Am Markt ist zwischen kostenlos, über 25 Euro bis hin zu 180 Euro quasi alles zu finden.

Die Qualität der Futterpläne unterscheidet sich in der Praxis ebenfalls extrem. Ich habe schon s. g. BARF-Pläne für 50­–150 Euro gesehen, die in etwa so aussahen (dieser Plan des Grauens ist ein Beispiel, das zeigt, wie man es nicht macht):


Mehr nicht! Keine Erläuterungen, keine Hinweise, keine konkreten Futtermittel. Dafür künstliche Zusätze, jede Menge Pflanzenöl und Kohlenhydratlieferanten. Das ist kein BARF-Plan, sondern ein teurer Pseudo-BARF-Plan. Pläne in der Art habe ich immer wieder zur Überprüfung auf dem Tisch... Ein BARF-Anfänger könnte mit diesem Plan nicht wirklich viel anfangen, denn es fehlen sämtliche Hinweise, die es zu beachten gilt.

Auf der anderen Seite habe ich auch wirklich gute Pläne für 20 Euro gesehen, an denen es nichts, rein gar nichts auszusetzen gab. Vermutlich muss der Ersteller in dem Fall aber nicht von seiner Tätigkeit als Ernährungsberater leben, sondern macht das zum Spaß. So wie ich das jahrelang gemacht habe.

Wer sich also mit dem Gedanken trägt, sich beraten zu lassen, sollte sich ganz genau überlegen, was er erwartet und wie viel Geld er ausgeben möchte. In diesem Fall hilft es oft, sich eine Leistungsübersicht des Beraters zuschicken zu lassen oder Freunde und Bekannte nach Erfahrungen und Empfehlungen zu fragen.

Nicht immer ist preiswert schlecht und teuer gut. Allerdings kann man selten für sehr wenig Geld sehr viele Informationen und Hilfestellungen erwarten. Wer einen umfassenden Plan haben möchte, muss damit rechnen, dass dessen Erstellung viel Zeit kostet, die zu vergüten ist. Leute, die Geld mit ihrem Job verdienen müssen, können nicht kostenlos arbeiten. Das ist in anderen Berufen auch so: Schließlich erwartet auch niemand, eine 2–3-stündige Arbeitsleistung beim Frisör, Kfz-Meister oder Rechtsanwalt gratis oder für 10 Euro zu erhalten ...  Wer sich mit weniger umfangreichen Informationen zufrieden gibt und sich lieber noch selbst informiert, kann natürlich Geld sparen.

So findet man z. B. in Foren oder Facebook-Gruppen gratis Hilfe, wobei dort in der Regel erwartet wird, dass man sich vorher grundlegend informiert. Auch manche BARF-Shops bieten z. B. kostenlose Basispläne an und beraten natürlich auch (in dem Fall sollte man übrigens dann auch dort kaufen - nicht die kostenlose Beratung abstauben und im Internet bestellen - das gehört sich nicht!). Allerdings bleibt verständlicherweise während des Verkaufs nicht die Zeit, wirklich alles zu erzählen, was man über BARF wissen muss. Außerdem ist die Beratung nicht immer gut oder sinnvoll, es gibt auch genug erschreckende Falschberatungen. (O-Ton aus gruseligen BARF-Shop-Beratungen: "Fett brauchen Sie nicht zu füttern.", "Innereien sind gefährlich", "Ja, Sie brauchen unbedingt diese 10 Zusätze, anders geht BARF nicht.") Sich in einem guten Shop beraten zu lassen, ist aber sicher ein Anfang, um sich zu informieren, aber es ist dann meistens notwendig, sich zusätzlich noch zum Thema einzulesen.

Und da sind wir auch schon bei der Frage für wen eine professionelle Beratung sich eigentlich gar nicht eignet…

Wer braucht keine Ernährungsberatung?

Vermutlich schneide ich mir nun mit den folgenden Sätzen ins eigene Fleisch, denn für mich stellt die Ernährungsberatung tatsächlich einen Teil meines Einkommens dar. Aber man muss Kunden auch ehrlich beraten und es ist so: Nicht jeder braucht einen Futterplan. Die meisten Leute kommen gut ohne zurecht. Das ist Fakt. Es kommt nicht selten vor, dass ich Interessenten von einer Beratung abrate, weil ich den Eindruck habe, dass der Tierhalter sich bereits selbst umfangreich informiert hat. Wozu soll jemand beraten werden, der das alles schon weiß?

Ich gebe zu, ich habe mir nie einen Plan erstellen lassen. Aber ich hatte Zeit und Lust, mich mit dem Thema zu befassen. Nachdem ich beschlossen hatte, zu barfen, habe ich erst im Internet und in Büchern gelesen, habe dann einen Futterplan selbst berechnet und ihn dann ganz stolz in ein Forum gestellt, wo er erstmal verbessert wurde. Danach habe ich dann vorsichtshalber noch alle Beiträge in dem Forum gelesen, hab dort Fragen gestellt, stundenlang über das Ca:P-Verhältnis debattiert und habe nach einem passenden BARF-Shop für mich gesucht. Das hat sehr viel Zeit gekostet, wirklich sehr sehr viel Zeit. Jeder weiß, wie schnell man Stunden in Foren oder Blogs „vertrödeln“ kann…Zeit ist Geld! Das darf man nicht vergessen. In all den Stunden hätte ich auch arbeiten und Geld verdienen können ;)

Wer sich zum Thema BARF belesen will, wird schnell merken, dass es sehr viele, auch widersprüchliche, Informationen gibt und man erst einmal herausfiltern muss, was nun richtig ist und was nicht. Mir hat das nichts ausgemacht, denn das Thema war sehr spannend und ich habe diese Zeit nicht als „Opfer“ gesehen, sondern als Gewinn, auch wenn es ein Zeitfresser war. Aber ich war Studentin und hatte Zeit und es war mein neuer Freizeitspaß, mein leidenschaftliches Hobby und mittlerweile ist es mein Job.

Wer sich also für solche Themen interessiert, sich gern allein an Neues heranwagt und der auch die Zeit dafür hat, der braucht keinen Futterplan vom Profi. Nein, auch nicht für einen Welpen. Nein, auch nicht für einen großwüchsigen. Nein, wirklich nicht. BARF ist ja keine Wissenschaft. Es ist einfach. Man muss nur die Regeln kennen und umsetzen. Was die Sache zeitaufwändig macht, ist das Herausfiltern von nutzlosen oder falschen Informationen, die eigene Unsicherheit zu überwinden oder das Diskutieren in irgendwelchen Foren...

Mit etwas Selbstvertrauen, passender Literatur (Internet, Bücher) und genug Zeit kann man sich das alles selbst zusammensuchen. Oder man lässt sich von Freunden oder in Foren helfen. Aber man muss sich die Zeit nehmen und auch Lust dazu haben.

Für wen ist Ernährungsberatung geeignet?

Nicht jeder ist so gestrickt und lernt gerne neue Themengebiete auf eigene Faust kennen. Viele Leute sind genervt von Foren oder haben einfach zwei Kinder, einen Job und noch den Hundesport. Und deswegen gibt es eben für jene, die nicht die Muße haben oder auch die, die sehr unsicher sind und einfach etwas Halt haben möchten, die professionelle Futterplanberatung.

Wer also keine Zeit hat, erst einmal 60 Stunden lang alles mögliche zu lesen und sich dabei zu verzetteln, oder dem das einfach zu aufwändig ist, bei den Informationen im Internet oder selbst in den Büchern Spreu von Weizen zu trennen oder dem das Thema nicht wirklich liegt, der ist mit einer professionellen Ernährungsberatung gut bedient. Auch Tierhaltern, die sehr viel Angst davor haben, Fehler zu machen, ist mit einem Berater an der Seite geholfen. Man bekommt eben im Idealfall alle Informationen schön auf 10 Seiten zusammengefasst aufbereitet und muss nur noch losfüttern. Der Berater erspart das stundenlange Recherchieren und gibt Sicherheit.

Relevant wird die Ernährungsberatung aber vor allem dann, wenn das Tier krank ist und begleitend zur Therapie durch den Tierarzt oder Tierheilpraktiker eine spezielle Diät notwendig ist. Nicht selten kommt es vor, dass „hoffnungslose“ Fälle mit dauerhaften Durchfall oder anderen Problemen als letzte Hoffnung beim Ernährungsberater landen und der es tatsächlich schafft, dem Tier mit einem guten Futterplan zu helfen.

Auch diese Dinge kann man sich mit entsprechendem Interesse alle selbst anlesen. Aber auch das kostet Zeit und in dem Fall dann auch Geld. Dann ist fundiertes Wissen und Erfahrung notwendig. Sich dieses Wissen anzueignen, ist aufwändig. Weiterbildungen, Seminare und Fachliteratur sind unerlässlich, denn ab einem bestimmten Punkt helfen das Internet und Foren nicht weiter. Gerade wenn es um Krankheiten geht, muss man etwas gründlicher recherchieren. Ich habe z. B. über die Jahre ungefähr 300 Bücher über Ernährung, Erkrankungen, Anatomie und Physiologie von Hunden und Katzen gesammelt, besuche immer wieder Fortbildungen und lese Studien. Und manche dieser Bücher und Kurse sind wirklich teuer... Aber was soll´s? Das gehört nun einmal dazu.

Wie finde ich einen guten Ernährungsberater?

Wenn es denn ein Berater sein soll, so muss überlegt werden, wo man denn einen passenden findet. Diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten, denn es gibt keine zentrale Stelle, die irgendeine Form von Prüfung durchführt.

Der Beruf des Ernährungsberaters ist nicht geschützt. So kann sich jeder so nennen, auch wenn überhaupt gar kein Wissen oder keine adäquate Ausbildung zu Grunde liegen. Der Kunde steht also vor dem Problem, wem er vertrauen soll und welche Anhaltspunkte er nutzen kann. Leider ist selbst das Prädikat Tierarzt oder Tierheilpraktiker kein Garant für eine solide Kenntnisse im Bereich Ernährung oder auch Diätetik und vor allem nicht in Bezug auf BARF (siehe dieser Artikel).

Es bleibt also nur, sich zu informieren, welche Art der Weiterbildung der Berater gemacht hat (es gibt von Wochenendkursen bis hin zur umfangreichen Ausbildung alles). Wichtig ist auch, dass es bei dieser Ausbildung dann auch wirklich um BARF geht und nicht um Pseudo-BARF. Was nützt eine 3-jährige Intensivfortbildung zum Thema Ernährung, wenn BARF nur am Rande erwähnt wird und sich sonst die ganze Zeit alles um Fertigfutter dreht?

Empfehlungen von Freunden und Bekannten sind natürlich ebenfalls eine gute Möglichkeit, einen geeigneten Berater zu finden. Ansonsten ist es so wie bei allen Beratern… es gibt gute und schlechte ;)