Mittwoch, 16. November 2016

Der Weg durch den Fertig-BARF-Dschungel

BARF ist artgerecht, BARF ist gesund, BARF ist natürlich. Soweit so gut. Aber BARF erscheint vor allem Neulingen häufig etwas kompliziert und aufwendig. Aus diesem Grund wagen viele Tierhalter den Einstieg in die Rohfütterung mit Fertig-BARF-Menüs. Das ist ein guter Anfang! Mittlerweile gibt es sehr viel Auswahl, allerdings entspricht leider nicht alles, wo BARF drauf steht, tatsächlich auch dem Beutetiermodell (mehr dazu…). Es tummeln sich leider viele Pseudo-BARF-Menüs am Markt. Deswegen kommt es durchaus vor, dass die Fütterung solcher Menüs viel komplizierter ist als es auf den ersten Blick erscheint. Denn einige Sorten werden erst dann richtige BARF-Rationen, wenn sie geschickt und wohl durchdacht miteinander kombiniert werden. Aber gerade das ist für einen BARF-Neuling doch das Problem, denn es erfordert recht umfangreiches Vorwissen. Jene, die sich dieses Wissen noch nicht angeeignet haben, fragen sich sicherlich: Woran erkennt man denn nun ein gutes Fertig-BARF-Menü? Was sind die Fallstricke und worauf muss man achten?

Unklare Deklaration

Der Vorteil von BARF ist u. a., dass man genau weiß, was man füttert. Man kennt jede Komponente und kann entscheiden, ob etwas gefüttert werden soll oder nicht. Das ist bei Fertig-BARF leider nicht immer der Fall. Ähnlich wie bei Fertigfutter findet man dort mehr und mehr die halboffene Deklaration vor.

Beispiel für offene Deklaration:

40% Kronfleisch vom Rind, 16 % Hühnerhälse, 12 % Rinderpansen, 8 % Karotten, 5 % Spinat, 5 % Apfel, 4% Rinderleber, 4% Rinderniere, 4 % Rindermilz, 1 % Lachsöl, 0,8 % Petersilie, 0,1 % Ascophyllum Nodosum ( Seealgen), 0,1 % Dorschlebertran

In diesem Beispiel sind alle Inhaltsstoffe genau nachvollziehbar. Hier kann der Tierhalter sehr gut nachvollziehen, welche Komponenten verarbeitet wurden.

Beispiel für halboffene Deklaration:

64 % Rind (z. B. Fleisch, Pansen, Leber), 16 % Huhn, 18 % Gemüse und Obst, 2 % Öle, Kräuter und Algen

Diese Form der Deklaration ist problematisch: Der Käufer weiß nicht, wie sich „Rind“ und „Huhn“ genau zusammensetzen. Es ist unklar, welche Öle verwendet wurden, ob sich Knochen im Futter befinden, ob genügend Innereien vorhanden sind und in welcher Menge nun die Algen dosiert wurden. Dort sollte man nach Details fragen.

Unpassender Pflanzenanteil

Obst und Gemüse versorgen den Vierbeiner mit Ballaststoffen. Diese benötigt er dringend (mehr dazu…). Allerdings sollte der Obst- und Gemüseanteil bei BARF 20 % der Ration nicht überschreiten. Zu hohe Anteile an Pflanzenmaterial senken die Verdaulichkeit der Ration und erzeugen unnötig große Kotmengen. Auch sollten bestimmte Sorten nicht enthalten sein (z. B. Erbsen, Kohl, Bohnen, Avocados), weil diese ungeeignet oder sogar für Hunde giftig sind. Getreide, Pseudo-Getreide oder Kartoffeln können bei BARF durchaus auch eingesetzt werden, aber die Gesamtmenge sollte 12 % nicht überschreiten, weil große Mengen Kohlenhydrate durchaus Nachteile haben können (mehr dazu…).

Achtung, manche Anbieter führen die Komponenten einzeln auf, damit es nicht so viel erscheint: 10 % Kartoffeln, 10 % Karotten, 10 % Hafer, 5 % Amaranth, 4 % Apfel – Das wäre zu viel!

Fehlendes Muskelfleisch

Ein weiteres Problem, was auftreten kann, ist fehlendes oder zu wenig Muskelfleisch. An Stelle von richtigem Fleisch sind in manchen Menüs bindegewebsreiche Schlachtabfälle z. B. Euter, Knorpel & Sehnen, Kehlkopf, Strossen, Hoden, Lunge als Hauptproteinquelle enthalten oder das eingesetzte Fleisch ist Separatorenfleisch. Diese Zutaten sind in großen Mengen ungeeignet, denn diese Bestandteile liefern kein hochwertiges Protein mit passender Aminosäurenzusammensetzung (mehr dazu…). Viel Bindegewebe wirkt sich außerdem negativ auf die Kotbeschaffenheit aus und kann Blähungen erzeugen. Der Anteil der bindegewebsreicher Schlachtabfälle sollte insgesamt 5 % nicht überschreiten.

Zu Matsch gewolft

Auch bis zur Unkenntlichkeit fein gewolfte, fast schon pastöse Fertig-Menüs können ein Problem sein. Auf diese Weise kann man nicht mehr erkennen, was verarbeitet wurde. Fein gewolft sieht Kehlkopf auch nicht anders aus als Muskelfleisch. Woher weiß der Halter, was er nun füttert? Das mag durch eine gleichzeitige offene Deklaration aufgefangen werden, aber leider ist es auch so, dass die bakterielle Belastung steigt, je feiner gewolft wird (die vergrößerte Oberfläche und der bessere Sauerstoffkontakt begünstigen das). Und die Verdaulichkeit ist aufgrund schnellerer Magenpassage ebenfalls geringer (mehr dazu…). Besser sind grob gewolfte Menüs oder noch besser noch Varianten mit Stücken drin.

Zu geringer Fettanteil

Viele Halter stellen auf BARF um, weil sie kohlenhydratarm füttern möchten. Der Ansatz ist gut, aber dann muss natürlich der Fettgehalt der Ration ansteigen, um die Energieversorgung des Tieres sicherzustellen. Muss der Körper dauerhaft Proteine als Energiequelle nutzen, schädigt das die Nieren und die Leber des Hundes. Aus diesem Grund sollte der Fettanteil eines Menüs mindestens 10 % betragen. Wichtig ist auch, dass dieser Fettanteil sich aus den richtigen Fetten ergibt: Es müssen hauptsächlich tierische Fette sein, da sonst der Körper mit der s. g. Lipidperoxidation belastet wird. Öle, eignen sich dazu also nicht und schaden mehr als dass sie nutzen (mehr dazu…). Ist nicht genug Fett enthalten, kann es durch den Halter nachträglich ergänzt werden.

Schilddrüsengewebe

Das Verfüttern von Schilddrüsengewebe führt immer wieder dazu, dass Hunde beim Tierarzt landen. Die Folge ist eine s. g. Thyreotoxicosis factitia, also eine Art Schilddrüsenüberfunktion durch die überhöhte Zufuhr von Schilddrüsenhormonen. Dies kann den gesamten Hormonhaushalt durcheinander bringen. Daher sollte das Fertig-BARF-Menü am besten frei von Schilddrüsengewebe sein. Die Schilddrüse befindet sich bei Säugetieren im Kehlkopf, bei Vögeln im Brustbereich. Also sollte kein Kehlkopf in der Mischung verarbeitet sein oder die Schilddrüse muss entfernt werden. Auch bei Kopf- und Schlundfleisch sollte man Obacht geben. Am besten lässt man sich vom Anbieter bestätigen, dass kein Schilddrüsengewebe verarbeitet wurde.

Ungünstige Innereienmenge und -verteilung

Dass BARF nur dann BARF ist, wenn das Beutetiermodell berücksichtigt wird, gilt auch im Hinblick auf die eingesetzten Innereien. Da Innereien die wichtigsten Vitamin- und auch Mineralstofflieferanten bei BARF sind, sollte die Menge und Verteilung bestimmten Regeln folgen, denn nicht jede Innerei liefert die gleiche Nährstoffdichte (mehr dazu…). Leider findet man immer wieder Menüs, die die Verhältnisse im Beutetier nicht wirklich gut abbilden. Es gibt verschiedene Ausprägungen der Problematik:

Zu geringer Anteil

Das Menü sollte idealerweise zu etwa 12 % aus Innereien bestehen, 10 % sind auch in Ordnung oder auch 15 %. Darunter sind Leber, Niere und Milz zu verstehen, aber auch Herz und Lunge. Euter und Kehlkopf sind keine Innereien, auch Pansen oder andere Mägen werden nicht diesem Bereich zugeordnet.

Zu hoher Anteil

Manchmal werden auch zu große Mengen eingesetzt. Vor allem Herz und Lunge findet man in manchen Menüs in Größenordnungen, die mit dem Aufbau eines Beutetiers nichts gemein haben. Ein typisches Beutetier wie ein Kaninchen besteht etwa zu 0,3 % aus Herz und zu 0,5 % aus Lunge. Aus diesem Grund machen größere Mengen nicht unbedingt Sinn.

Ungünstige Zusammensetzung

Auch das kann ein Problem sein. Der Hauptteil der genannten 12 % an Innereien, die im Futter vorhanden sein müssen, sollten mindestens 1/3 Leber und Niere, Milz, Herz sowie Lunge zu gleichen Teilen sein. Am wichtigsten ist Leber! Es ist also nicht sinnvoll, wenn in einem Menü 20 % Lunge, 10 % Herz und 5 % Leber enthalten sind. Das entspricht nicht der Aufteilung im Beutetier und würde außerdem eher nährstoffarme Innereien zuführen. Die wichtigsten Innereien sind tatsächlich Leber, gefolgt von Niere und Milz. Ob jetzt noch Herz oder Lunge (in entsprechend geringen Mengen) vorhanden ist, spielt eine eher untergeordnete Rolle.


Falsche Knochenmengen

Die Berücksichtigung des Beutetiermodells und damit die Einhaltung einer korrekten Zusammensetzung der Ration scheitert sehr häufig bei der verwendeten Menge an den rohen, fleischigen Knochen (RFK = ½ Knochen, ½ Fleisch). Diese liefern dem Hund sehr viel Calcium, Phosphor, aber auch Magnesium, Natrium und Zink. Aber sie sind auch nicht besonders leicht verdaulich. Daraus folgt, dass ein nicht korrekte Mengen an RFK Mineralstoffmängel oder Verdauungsprobleme wie Knochenkot (mehr dazu hier…) oder Verstopfungen provozieren können. Denn Beutetiere, wie ein Hund sie fressen könnte, bestehen nur zu 4–8 % aus blanken Knochen und das muss auch so umgesetzt werden.

Zu geringer Anteil

Der RFK-Anteil sollte bei gemischten Knochen ca. 12 %, bei weichen Knochen ca. 16 % betragen, sonst ist die Deckung des Bedarfs an den genannten Mineralstoffen nicht gewährleistet. Auch hier sind gewisse Abweichungen natürlich tolerierbar - die Natur kennt keine Feinwaagen oder Nährwerttabellen. Unter weichen RFK werden Knochen mit geringerem Mineralstoffgehalt, also z. B. Hühnerhälse, Hühnerflügel, Hühnerkarkassen etc. verstanden. Bei gemischten RFK kommen noch härtere Knochen wie etwa Lammrippen oder Rinderbrustbein hinzu. Es muss also auf die Zusammensetzung geachtet werden – auch aus diesem Grund ist die bereits genannte offene Deklaration sehr wichtig.

Zu hoher Anteil

In einigen Menüs finden sich RFK-Anteile, die weit jenseits der genannten 12 % oder 16 % liegen. Teilweise werden Mengen von bis zu 50 % verarbeitet oder gar keine RFK. Ein solches Menü sollte man nicht dauerhaft und alleinig füttern. In dem Fall sollte dann eine Kombination mit einem Futter erfolgen, in dem gar keine RFK enthalten sind oder eben umgekehrt, sodass letztendlich der bereits genannte Anteil ungefähr erreicht wird.

Knorpel als Calciumlieferant

In einigen Menüs werden Knorpel als Calciumlieferant verarbeitet. So finden sich dann zu große Mengen an Kehlkopf, Luftröhre oder Gelenkknorpel im Menü, ohne die normalen Verhältnissen im Beutetier zu berücksichtigen. Knorpel weist aber leider nur einen Calciumgehalt von ca. 40 mg pro 100 g auf – also sogar weniger als in Milchprodukten oder Pansen. Im Gegensatz dazu liefern die bei BARF üblicherweise eingesetzten RFK um die 2.000 mg pro 100 g. Um es zu verdeutlichen: Ein 30 kg Hund müsste 4 kg (!) Knorpel am Tag fressen, um seinen Bedarf an Calcium zu decken, aber nur 80 g ganz normale RFK, um das gleiche Ergebnis zu erreichen. Es ist also naheliegend, dass eine ausreichende Calciumversorgung mit Knorpel nicht erreichbar ist. Hinzu kommt, dass Knorpel insgesamt nicht besonders nährstoffreich und das enthaltene Protein schwer verdaulich ist – es ist also nicht sinnvoll, größere Mengen davon zu verarbeiten. Aus diesen Gründen sollte der Anteil an Knorpel im Menü 2 % nicht überschreiten, stattdessen sollte eine ausreichende Menge RFK enthalten sein.

Unpassende Öle

Hunde haben einen gewissen Bedarf an essenziellen Fettsäuren. Diese Fettsäuren sind in natürlichen Beutetieren in ausreichender Menge und vor allem in einem idealen Verhältnis enthalten. Leider hat die konventionelle Haltung (s. g. Massentierhaltung) einen negativen Effekt auf die Fettsäurenzusammensetzung der Schlachttiere. Aus diesem Grund müssen BARF-Rationen mit Omega-3-Fettsäuren-lastigen Ölen ergänzt werden. (mehr dazu hier…) Aufgrund der bereits genannten Gefahr der Lipidperoxidation sollten diese Öle auch nur zu diesem Zweck und in geringen Mengen eingesetzt werden. Am besten eigenen sich hierfür Fischöle, weil darin bestimmte Fettsäuren (z. B. EPA, DHA) in einer Form vorliegen, die der Hund direkt nutzen kann. Bei Pflanzenölen ist dies nicht der Fall. Dort muss der Hund selbst die Umwandlung vornehmen. Allerdings kann er das nur in geringem Umfang. Hinzu kommt, dass Pflanzenöle nachgewiesenermaßen das Fortschreiten von Nierenerkrankungen begünstigen, weshalb es sicher sinnvoll ist, sie auch bei gesunden Tieren gar nicht erst einzusetzen. Sonnenblumenöl, Maiskeimöl oder Olivenöl sind daher ungeeignet. Aus diesem Grund sollte das Futter am besten Fischöle (1 % der Ration) oder gar keine Öle enthalten. In letzterem Fall kann der Tierhalter das Öl ganz einfach selbst ergänzen.

Notwendige Supplemente

In einem Beutetier ist alles enthalten, was ein Hund benötigt, um sich bedarfsgerecht zu ernähren. Leider ist es heute nicht jedem Tierhalter möglich, komplette Beutetiere mit Haut und Haar aus Weidehaltung zu füttern. Daher ist es fast immer notwendig, bestimmte Supplemente einzusetzen, um etwa den Jod- oder Vitamin-D-Bedarf des Tieres zu decken oder ein Missverhältnis an Fettsäuren auszugleichen, weil das Fleisch aus s. g. Massentierhaltung stammt. Werden keine RFK gefüttert, muss außerdem auch Calcium supplementiert werden.

Fehlende Supplemente

Unter den heutigen Umständen ist es fast immer nötig, jodhaltige Seealgen (Ascophyllum Nodosum) und Fischöl zum Ausgleich der Fettsäuren und ggf. auch Lebertran als Vitamin-D-Lieferanten zu ergänzen. Einige BARF-Menüs enthalten diese Supplemente nicht (manchmal übrigens aufgrund gesetzlicher Bestimmungen im Hinblick auf die Deklaration als Allein- oder Ergänzungsfuttermittel). Dies ist nicht weiter tragisch und für Allergiker sogar von Vorteil, denn der Tierhalter kann diese Zusätze problemlos selbst ergänzen, sodass eine Bedarfsdeckung stattfindet. Die Zusätze zu dosieren, ist einfach, sodass einer ausgewogenen Ration nichts im Wege steht.

Falsch dosierte Supplemente

In einigen Menüs sind die genannten Supplemente zwar enthalten, aber entweder zu niedrig oder zu hoch dosiert. Seealgen und Lebertran sollten etwa zu 0,1 % in der Ration enthalten sein, Fischöle zu 1 % und Calciumcitrat (falls keine RFK enthalten sind) zu 1,2 %. Eine Überdosierung kann dabei genauso schädlich sein wie eine Unterdosierung. Wobei in beiden Fällen entweder durch eine geschickte Kombination mit einem Menü, welches keine Supplemente enthält oder eben durch nachträgliche Ergänzung, Abhilfe geschaffen werden kann.

Fragwürdige Supplemente

Immer wieder stolpert man bei Fertig-BARF über dubiose Supplemente, die aus unerklärlichen Gründen in den Menüs landen. Einige davon sind einfach nur unnötig, andere nachteilig und einige wiederum sogar gesundheitsschädlich, weil giftig für Hunde oder in gewissen Mengen auch problematisch. Die Liste ist nicht vollständig. Im Zweifel sollte man sich informieren, ob ein Supplement wirklich sinnvoll ist.

Beispielsweise sollten folgende Supplemente nicht enthalten sein:

Algenkalk / Calciumcarbonat: Trifft Calciumcarbonat auf die Salzsäure, die sich im Magensaft des Hundes befindet, so entsteht Calciumchlorid und Kohlensäure. Letztere wird aus dem Magen ausgetrieben und entfällt somit als Säurungsfaktor. Die eigentlich starke Magensäure wird damit weniger effektiv. Zudem reißt die aufsteigende Kohlensäure winzige Mengen an Magensaft mit sich (ähnlich wie beim Sprudelwasser in einem Glas) und reizt damit die Speiseröhre. Da viele Hunde ohnehin schon unter einem Mangel an Magensäure und damit verbundenem Sodbrennen leiden, ist die Verwendung von Calciumcarbonat als Calcium-Quelle häufig nicht von Vorteil.

Traubenkernextrakt: Trauben sind giftig für Hunde. Es ist noch nicht erforscht, welcher Inhaltsstoff in den Rebenfrüchten zum Nierenversagen führt. Ist es die Haut? Sind es die Kerne? Vielleicht der Saft? Das eingesetzte Spritzmittel? Wie hoch darf die Dosis genau sein? Solange das unklar ist, sollte vorsichtshalber nichts von der Traube gefüttert werden.

Heilerde: Diese Erden binden Mineralstoffe, sodass sie dem Körper nicht mehr zur Verfügung stehen. Außerdem wirken sie magensafthemmend, was häufig kontraproduktiv ist. Heilerde sollte nur im Bedarfsfall (z. B. Durchfall) und dann auch nicht mit den Mahlzeiten, sondern dazwischen verfüttert werden.

Heilpflanzen: (siehe unten)

Synthetische Zusätze

Dieser Punkt wird meistens als s. g. Ernährungsphysiologische Zusatzstoffe gekennzeichnet. In den seltensten Fällen handelt es sich bei diesen Zusätzen, um Vitamine oder Mineralstoffe natürlichen Ursprungs. Es sind in der Regel synthetische Supplemente. Das widerspricht eigentlich dem Gedanken einer naturnahen Ernährung mit BARF, bei der eben solche Inhaltsstoffe vermieden werden sollten. Leider stehen synthetische Vitamine zudem im Verdacht, gesundheitsschädlich zu sein. Manche sind sogar krebserregend, sodass sie im Humanbereich schon seit Jahrzehnten verboten sind (z. B. Vitamin K3). Ein gut konzipiertes Menü ist bedarfsdeckend und kommt ganz ohne synthetische Zusatzstoffe aus. Es gibt auch natürliche Vitamine, z. B. aus Ölauszügen oder Pflanzenextrakten, aber die sind wesentlich teurer als die synthetische Variante. Man sollte also beim Anbieter nachfragen, was genau eingesetzt wird, um sicherzugehen.

Heilpflanzen

Ein weiteres Problem, was in einigen Fertig-BARF-Menüs auftritt, ist die unüberlegte Zugabe von Heilpflanzen. Es gibt einige Kräuter, die man problemlos als Futterkräuter einsetzen, also dauerhaft füttern kann. Aber nur weil ein Kraut bei bestimmten Erkrankungen hilfreich sein kann, heißt es nicht, dass die Dauergabe bei einem gesunden Tier sinnvoll ist. Leider werden auch manchmal für Hunde giftige Pflanzen verwendet (bei Katzen ist das übrigens noch problematischer, weil sie wesentlich empfindlicher sind). Daher sind Heilpflanzen im Fertig-BARF mit Vorsicht zu genießen und im Zweifel abzulehnen.

Futterkräuter: z. B. Petersilie, Brennnessel, Löwenzahn, Giersch, Alfalfa, Dill oder Klee.

Heilpflanzen: z. B. Weidenrinde, Teufelskralle, Beinwell, Himbeerblatt oder Mariendistel, Chlorella, Yamswurzel, Schwarzkümmelsamen, Yucca.

Man sollte vorsichtshalber einen Kräuterfachkundigen fragen, bevor man eine Pflanze dauerhaft füttert, die nicht geeignet ist. Einige Anbieter neigen auch dazu, die verwendete Kräutermischung nicht näher zu definieren. In der Deklaration ist dann nur von „Kräuter“ die Rede. In dem Fall sollte man nachfragen, um welche Kräuter es sich handelt.

Zusammenfassung

Im Folgenden sind die Punkte, die es zu beachten gilt, noch einmal tabellarisch aufgezeigt. Für manche Probleme mit Fertig-BARF-Menüs gibt es eine einfache Lösung. Ist zum Beispiel in einem Menü zu viel Knochen enthalten und es gibt eins mit wenig Knochen, dann kann man diese Menüs im Wechsel füttern, um das Verhältnis auszugleichen. Bei einigen Menüs fehlen lediglich Fett oder notwendige Zusätze – diese kann man problemlos nachträglich hinzufügen. Bei einigen Fertig-BARF-Rationen besteht aber noch Verbesserungspotenzial.

Beachtet man einige Zusammenhänge und findet man das oder die richtigen Menüs, ist Fertig-BARF sicherlich ein guter Weg, um schnell und unkompliziert ein artgerechtes Futter zur Verfügung zu stellen. Wem der Weg durch den Fertig-BARF-Dschungel zu mühsam erscheint, der kann natürlich auch einfach barfen ;)


Kommentare:

Christine Kirchner hat gesagt…

Hallo Nadine,

danke für diese schöne Zusammenfassung. Ich betreibe einen kleinen Barf-Shop in Wuppertal und habe u.a. auch zwei Hersteller mit Fertig-Barf im Programm. Bei meiner regelmäßigen Recherche nach Herstellern habe ich jedoch keinen einzigen gefunden, der alle die oben beschriebenen Punkte zu 100% umsetzt. Trotzdem bin ich mit den beiden, die ich hier jetzt habe sehr zufrieden. Allerdings rate ich allen meinen Kunden, die unterschiedlichen Sorten immer zu kombinieren, um damit die Schwachstellen des einzelnen Produktes abzufangen. Das klappt in der Regel sehr gut und meine Kunden sind zufrieden ... und vor allem - was das Wichtigste ist - deren Fellnasen auch langfristig gesund :)

Unknown hat gesagt…

Hallo Nadine,
der Artikel ist super! Die Diskussion über fertige Menüs ist nämlich manchmal gut anstrengend, da ist der Link zum Blog eine tolle Kurzfassung 😉

Ich bin auch schon auf einige Menüs gestoßen und wollte vom Hersteller wissen, was genau drin ist. Die Antwort war erschreckend. "Das könne man nicht genau sagen, außer mit der Chargen-Nummer, da die Zusammensetzung schwankt." Was heißt, man müsste nach jedem Kauf erst erfragen, was man gekauft hat.
Ich habe an der Stelle aufgegeben und bis heute nicht mal einen guten Innereien-Mix gefunden 😯

Nadine Wolf hat gesagt…

Es gibt sowas leider immer, also Hersteller, die nicht veröffentlichen wollen, was sich genau im Menü befindet. Wer genau wissen will, was er füttert, muss dann eben nach einem anderen Anbieter Ausschau halten. Einer der Gründe, die für den Umstieg auf BARF von den Tierhaltern immer wieder genannt werden, ist aber das Wissen um die verwendeten Komponenten. Zum Glück gibt es ganz viele Fertig-BARF-Anbieter, die vollständig offen deklarieren. Als Kunde hat man also die Wahl und wer suchet, der findet auch. Es ist zugegebenermaßen bei allen Fertigprodukten nicht so einfach, so individuell zu füttern wie das bei BARF der Fall ist. Aber irgendwo muss man Abstriche machen, wenn man es einfach, bequem und unkompliziert haben will.

Anonym hat gesagt…

Hallo Nadine,
unsere Chihuahua Hündin 1,4kg hatte im November 2015 eine Bauchspeicheldrüsenentzündung und leidet an primärer Epilepie.die elastase im Stuhl war normal vor 14 Tagen. Nun meine Frage: ich füttere zur Zeit Terra canis Lamm für Mini Hunde. Am besten verträgt sie Lamm.Hirse, Reis..... verträgt sie leider nicht.Da das Futter nur 3,8% Fett hat und keine Kohlenhydratquelle,kann das auf die Dauer schlecht für leber und Nieren sein? Mit dem Fettgehalt bin ich auch vorsichtig wegen den Bauchspeicheldrüse.Am liebsten wäre mir,ich könnte das Terra Canis weiter füttern,da sie das am besten verträgt.Falls an fett,Mineralien,Vitaminen oder so etwas fehlt,könnte man da was dazu füttern zum terra canis? Liebe grüße

Anonym hat gesagt…

Hallo,

nach ein wenig Recherche bin ich leider nicht fündig geworden. Ich barfe - nicht mit Fertigmischungen. Meine Überlegung ist nun, wenn ich im Urlaub bin und meinen Hund für - sagen wir mal 2-3 Wochen - zu Verwandten gebe, empfinde ich BARF als einen eher größeren Umstand für diejenigen. Sicher kann man jeden instruieren und Gefrierschränke eventuell vollstopfen (doch eher schwierig). Alles geht und wer den Hund liebt, der wird ihn gerne so füttern. Dennoch, man weiß nie, ob man aus irgendeinem Grund den Hund nicht mal sehr spontan zu jemanden geben muss, den man vielleicht nicht erst in die Barfwelt einweisen will und den man auch nicht mit Eingefrorenem versorgen kann (Krankheit oder weiß der Geier...in 15 Jahren gibt es einfach mal Situationen, die der Improvisation bedürfen).
Auch bei einer mehrtägigen Alpenwanderung mit Hund frage ich mich, welches Futter ich da im Rucksack haben könnte...
Ich stolpere immer wieder über sogenannte Trockenmischungen, die angeblich das Preykonzept "nachahmen". (schon ein Widerspruch an sich aber so ließt es sich beim Hersteller "Orijen") Also Zusammensetzung der Nährstoffe wie beim Beutetier - angeblich. Was mich interessieren würde: Wäre solch ein Futter für einige Tage zwischendrin mal ok oder würde das schon mal gar nicht gehen, da hier Umstellungsreaktionen erfolgen würden (Durchfälle etc..).
Zerreisst mich jetzt nicht in der Luft, weil ich so eine Frage stelle...
Oder habt ihr andere Ideen, was man in einer "Notsituation" machen könnte?

VG

Helenna

Nadine Wolf hat gesagt…

Hallo Helenna,

es gibt wohl einige Trockenfleischmischungen, die tatsächlich zu 7 % aus Trockengemüse und 93 % aus Trockenfleisch bestehen. Das ist dann aber nie in Form von Pellets, sondern eben getrocknete Einzelstücke.

Ich gebe in Notsituationen einfach Feuchtfutter (Dosen oder Würste). Da gibt es ein paar Anbieter, die offen deklarieren (also wirklich jede Zutat einzeln und mit Mengenangabe nennen) und sowas gebe ich dann auf Reisen oder wenn ich die Hunde länger bei meiner Mutter lasse, die nicht so große Kühlkapazitäten hat.

Ich persönlich halte einfach gar nichts von trockener Nahrung. Bei mir bekommen die Hunde mal ein Stück Trockenfleisch zum kauen, aber trockene Hauptnahrung gibt es hier nicht. Wasser ist der wichtigste Nährstoff überhaupt und Beutetiere bestehen eben immer zu 70 % aus Wasser.

Und klar, was auch immer mal an Notfutter gibt: Es sollte vorher auf Verträglichkeit getestet werden.

LG, Nadine

Lukas hat gesagt…

Hier in Frankfurt gibt es viele, die nicht mit den Infos rausrücken und wenn man fragt, was im Menü drinne ist, bekommt man oftmals banale Antworten, womit man genauso schlau ist, wie früher. Ich greif deshalb nur zu den Produkten, wo die Hersteller auch alles transparent halten. Toller Beitrag und gute Denkanstöße.

LG Lukas

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