BARF-Mythos #3: Rohes Fleisch macht Hunde krank

Beim Thema Hundefütterung scheiden sich die Geister. Jeder Hersteller ist der Meinung, das beste Futter zu produzieren und jeder Tierarzt ist sich sicher, das beste Futter zu empfehlen. Dabei gerät immer wieder das Thema BARF in die Kritik. Es gibt eine Reihe von Mythen um diese Ernährungsform, die jedoch meist in das Reich der Märchen und Sagen gehören, aber dennoch oft von Kritikern aufgeführt werden.

BARF-Mythos #3: Rohes Fleisch enthält Krankheitserreger, die dem Hund schaden


Es wird immer wieder behauptet, dass rohes Fleisch für Hunde schädlich sei, weil es Krankheitserreger enthält, die für Hunde sehr gefährlich sind. Nicht nur der Hund würde durch die Fütterung von rohem Fleisch geschädigt, nein, wenn der Hund mit diesen Erregern infiziert ist, steckt er damit automatisch auch seine menschlichen Gefährten an.

Nun, eins ist sicher: rohes Fleisch ist mit Sicherheit nicht keimfrei. Die Frage ist daher eher, ist es für Hunde wirklich schädlich, dieses Keim behaftete Fleisch zu fressen? Oder ist das Verdauungssystem eines Karnivoren etwa auf die Verdauung von rohem Fleisch eingestellt?

Kritische Betrachtung einer wissenschaftlichen Arbeit zum Thema

Um die Behauptung der Gefährlichkeit des rohen Fleisches und die Folgen von dessen Konsum zu untermauern, werden wissenschaftliche Arbeiten herangezogen. Aber was beweisen diese Arbeiten eigentlich? Liefern sie geeignete Hinweise? Ein gutes Beispiel hierfür ist die folgende Dissertation: „Durchfallerkrankungen bei Haustieren mit lebensmittelrelevanten pathogenen Bakterien“.

Die Autorin führt an, dass „Lebensmittelbedingte Infektionen mit thermotoleranten Campylobacter spp., Salmonella spp., Yersinia enterocolitica und EHEC […] zu den häufigsten Erregern von Durchfallerkrankungen bei Mensch und Tier in Deutschland“  zählen und dass eine „wichtige Quelle für die Infektion mit diesen Erregern […] in vielen Fällen der Verzehr von  Rohfleischprodukten, nicht ausreichend erhitzten Lebensmitteln oder kontaminierten Lebensmitteln oder auch der Kontakt mit infizierten Tieren.“ sei.1

Um diese These zu belegen, wurden 150 an Durchfall erkrankte Tiere und 150 gesunde Haustiere untersucht. Darunter befanden sich 50 Hunde, die an Durchfall litten und 50 gesunde Hunde.2

Die Halter dieser Tiere wurden mittels Fragebogen zu den Ernährungsgewohnheiten und anderen Eckdaten ihrer vierbeinigen Lieblinge befragt. Der Fragebogen enthielt im Hinblick auf die Fütterungsgewohnheiten folgende Antwortmöglichkeiten:

  • "Fertigfuttermittel (z.B. Dosenfutter, Trockenfutter)
  • Rohfleisch (z.B. Fleischknochen, Hackfleisch,Innereien)
  • Rohwurstprodukte (z.B. Mettwurst, Salami, roher Schinken)
  • erhitzte Wursterzeugnisse: Brühwurst, Kochwurst (z. B. gekochter Schinken, Leberwurst, Weißwurst, Presssack)"3

Anhand dieser Befragung wurden die Hunde in 3 Gruppen eingeteilt: Hunde, die mit rohen Produkten, erhitzten Produkten oder Futter unbekannter Herkunft ernährt wurden. Ein Blick in den Anhang der Dissertation verrät, dass jeder Hund, der Rohfleisch oder Rohwurstprodukte bekam, in die Gruppe der roh ernährten Hunde eingestuft wurde, ohne eine Gewichtung vorzunehmen.4 D. h. ein Hund, der ausschließlich rohes Fleisch und ab und zu mal ein Trockenfutter-Leckerli bekommt, gilt ebenso als roh ernährt wie ein Hund, der ausschließlich Trockenfutter frisst und vom Tisch mal ein Stück Salami bekommt. Ist eine solche Einteilung methodisch überhaupt trennscharf? Schließlich erhält man in Bezug auf die Ernährung der Tiere m. E. so keine abgrenzbare Vergleichsgrundlage. Und wäre es nicht ohnehin sinnvoller, die Faktoren isoliert zu betrachten, die in Verdacht stehen, ein Vorliegen pathogener Erreger zu begünstigen?

Die Kotproben sämtlicher Hunde wurden auf verschiedene pathogene Erreger untersucht. „Die Ergebnisse aller Untersuchungen ergaben, dass von 50 an Durchfall erkrankten Hunden 17 Hunde (34%) positiv auf ein oder zwei Pathogene getestet wurden. Neun der 17 positiven Hunde (53%) wurden mit Rohfleisch gefüttert. Insgesamt wurden 24 von 50 Hunden (48%) mit rohen Fleischprodukten gefüttert; von diesen 24 waren neun Hunde (37,5%) Pathogen positiv, 15 der 24 mit Rohfleisch gefütterten Hunde (62,5%) waren Pathogen negativ. 49 Hunde (98%) hatten die Möglichkeit zu Freilauf, darunter alle 17 positiven Hunde (100%).“5



Nun wird es verwirrend, denn die Begriffe Rohfleisch und Rohwurst werden verwechselt bzw. synonym verwendet. Oder die Autorin hat sich verzählt, denn aus ihrer Auswertungstabelle im Anhang gehen lediglich 4 von 17 positiv getesteten Hunden hervor, die Rohfleisch bekommen hatten. Demzufolge wurden nur 8 % der erkrankten Tiere, die Rohfleisch bekommen hatten, positiv auf pathogene Erreger getestet.

Und selbst wenn man nun Salami auch noch zu rohem Fleisch zählt, dann haben 53 % der positiv getesteten Hunde rohe Produkte und 47 % erhitzte Produkte erhalten. Ob diese Abweichung statistisch überhaupt relevant ist, lässt die Autorin offen, denn auf eine statistische Untersuchung hat sie schlichtweg verzichtet. Ich habe jedoch große Zweifel, dass hier ein statistisch signifikantes Ergebnis vorliegt, denn die Stichprobe ist im Vergleich zur Grundgesamtheit doch sehr klein und der prozentuale Unterschied ist gering. Außerdem erwähnt die Autorin zwar, dass 37,5 % der mit rohen Produkten gefütterten Hunde positiv auf pathogene Erreger getestet wurden, sie verschweigt aber, dass 40 % der mit erhitzten Produkten gefütterten, kranken Hunde auch positiv getestet wurden. Wieso bloß?

Aber was macht die Gruppe der gesunden Hunde? „In der Gruppe der gesunden Gegenkontrollen wurden 11 der 50 Hunde (22%) positiv auf mindestens ein Pathogen getestet. 4 der 11 positiven Hunde (36%) wurden mit Rohfleisch gefüttert. Insgesamt wurden 5 Hunde von 50 (10%) roh gefüttert; von diesen 5 waren 4 Pathogen positiv (80%), einer der mit Rohfleisch gefütterten Hunde war Pathogen negativ (20%). 45 Hunde (90%) hatten die Möglichkeit zu Freilauf, darunter 9 (86%) der 11 positiven Hunde“5

Abgesehen davon, dass ich die 11 positiv getesteten Hunde in der Tabelle nicht finden konnte (ich zählte nur 9 - hier liegt wohl ein Übertragungsfehler vor), geht aus der Auswertung hervor, dass 64 % der positiv getesteten Hunde keine rohen Produkte bekamen, 36 % hatten Rohprodukte gefressen. In diesem Fall war das Verhältnis also umgekehrt: mehr Hunde, die erhitzte Produkte bekommen hatten, wurden auf pathogene Erreger positiv getestet. Auf diesen Aspekt geht die Autorin nicht weiter ein, sie erwähnt lediglich, dass 80 % der mit Rohfleisch ernährten Hunde positiv getestet wurden.

Letztendlich schlussfolgert die Autorin: „Ein Rückschluss, den man aus den eigenen Ergebnissen ziehen kann ist, dass mit Rohfleisch gefütterte Hunde öfters an Durchfall leiden. Rohfleischfütterung scheint außerdem ein großes Risiko für Infektionen von Hunden mit Pathogenen zu sein. Hunde, die nicht mit Rohfleisch gefüttert wurden hatten im Großteil die Möglichkeit zu Freigang und da die Möglichkeit, sich über andere Kontaminationsquellen, wie verdorbenes Fleisch, kontaminiertes Wasser oder Wildtiere zu infizieren.“ 6

Welche Fragen bleiben offen?

Die Gruppierung der Hunde (roh ernährt, nicht roh ernährt) ist m.E. fragwürdig, denn auch Hunde, die theoretisch zu 99 % mit erhitzten Produkten und zu 1 % mit rohen Produkten ernährt wurden, werden der Gruppe "roh ernährt" zugeordnet, weil der Fragebogen keine Gewichtung vorsieht.

Außerdem grenzt die Autorin die Begriffe Rohwurst und Rohfleisch nicht klar voneinander ab, sondern verwendet sie teilweise synonym.

Zudem wurden die Ergebnisse nicht statistisch ausgewertet. Man kann nicht einfach aus "53 % ist größer als 47 %" eine Schlussfolgerung ziehen, ohne die Werte auf ihre statistische Signifikanz hin untersucht zu haben. Das ist unwissenschaftlich!

Wieso ist nur der Freilauf der nicht mit rohen Produkten gefütterten Hunde relevant? Immerhin hatten fast alle Hunde Freilauf. Dass der Freilauf nur bei den mit erhitzten Produkten ernährten Hunden relevant für deren Infektion mit pathogenen Erregern sein soll, nicht aber für die Tiere, die rohe Produkte erhielten, erscheint mir sehr inkonsequent.

Woher wissen wir, dass die Zusammensetzung der Gruppe der gesunden Hunde (86 % erhitzte Produkte, 8 % Rohprodukte, 6 % unbekannt) und der erkrankten Hunde (40 % erhitzte Produkte, 48 % Rohprodukte, 12 % unbekannt) nicht völlig willkürlich gewählt war? Leiden Hunde, die Rohprodukte verzehren wirklich viel häufiger an Durchfall oder wurde die Gruppe der an Durchfall erkrankten Hunde absichtlich so zusammengestellt? Letzteres würde die Auswerung natürlich etwas verzerren.

Ich sage nur: Traue nie einer Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast.

Der Hund und seine Magensäure

Zweifelsohne werden Hunde tagtäglich mit pathogenen Erregern konfrontiert und diese befinden sich auch in der Nahrung. Wie aber ist der hündische Körper dagegen gewappnet?

Meyer/Zentek bezeichnen den hohen Salzsäuregehalt des Magensaftes unserer vierbeinigen Freunde als „bemerkenswert“. Der ph-Wert des Magensaftes kann nämlich in Abhängigkeit von Futterzusammensetzung und Futtermenge einen Wert von 1 erreichen.  Fleisch, Fleischbrühe und sogar Wasser stimulieren die Magensäureproduktion, während  Zucker, Brot (Getreide) und Kartoffeln sie eher hemmen. Auch pflanzliche Eiweiße wie z.B. Soja haben eine weniger stimulierende Wirkung als Fleisch.7

Nun nimmt der Hund mit BARF ja sehr viel Fleisch und eher wenig zuckerhaltige Produkte zu sich, demzufolge sollte der ph-Wert des Magensaftes eines mit Fleisch ernährten Hundes während des Verdauungsprozesses sehr niedrig sein. (Im Gegensatz zu einem Hund, der eine auf Getreide basierende Nahrung zu sich nehmen muss.)

Und wie gefällt das den pathogenen Keimen? Campylobacter spp. fühlen sich bei einem ph-Wert von unter 5,5 und über 9,0 nicht wohl. Salmonella spp. tolerieren ph-Werte zwischen 4 bis 9,6. Yersinia enterocolitica vermehrt sich hervorragend zwischen ph-Werten über 4,4 und unter 9. Und E. coli Bakterien lieben ph-Werte zwischen 4,0 und 9,5.8

Was geschieht wohl mit diesen pathogenen Erregern, wenn sie mit dem sehr  niedrigen ph-Wert im Magen eines mit Fleisch ernährten Hundes konfrontiert werden? Genau, sie werden inaktiviert.

Man sollte offenbar vermeiden, Hunden ein Futter zu geben, welches kein Wasser enthält (z. B. Trockenfutter), welches wenig Fleisch enthält (z. B. Trockenfutter) oder welches viel Getreide enthält (z. B. Trockenfutter), da sonst nicht gewährleistet werden kann, dass eine ausreichend hohe Konzentration an Salzsäure im Magensaft vorhanden ist, was wiederrum ein Überleben von pathogenen Erregern begünstigt.

Ergebnis der Betrachtung

Man sollte sich auch wissenschaftliche Arbeiten genau hinsehen, bevor man ihnen Glauben schenkt. Die ausgewertete Arbeit beweist aus meiner Sicht nicht, dass der Verzehr von rohem Fleisch unweigerlich schwere Konsequenzen nach sich zieht. Dennoch stützen Tierärzte und Futtermittelhersteller ihre Argumentation auf derartige Arbeiten und schlussfolgern ganz selbstverständlich, dass rohes Fleisch für eine Art von Kaniden gefährlich sei, nämlich für den Haushund.

Offensichtlich besitzt ein gesunder Hund, der mit Fleisch ernährt wird, einen Magensaft, der pathogenen Erregern kein gutes Überlebensklima bietet. Alles andere wäre auch merkwürdig, denn es gibt auf dieser Welt 270 Arten von Raubtieren, die seit Jahrmillionen ausschließlich rohes Fleisch und teilweise sogar Aas zu sich nehmen. Nur für ein oder zwei Arten (Haushund, Hauskatze) soll diese Form der Ernährung seit kurzem gefährlich sein. Man darf nicht vergessen, dass der Haushund industrielles Futter erst seit Ende des Zweiten Weltkrieges in großer Ausbreitung (in Teilen der Erde bis heute nicht) kennt9 und sich jahrtausendelang mit rohen Schlachtabfällen, Essensresten und Müll „begnügen“ musste. Welcher Bauer hatte bitte schön Zeit, das Fleisch für seine 2 großen Rottweiler zu kochen? Das wurde natürlich roh serviert!

Wären Raubtiere nicht längst ausgestorben, wenn der Verzehr von rohem Fleisch für sie derart gefährlich wäre?

Man sollte auch nicht außer Acht lassen, dass Millionen von Menschen sich täglich gefährliche Rohwurstprodukte auf ihre Brote legen und nicht nur das: Was ist mit Sushi, Carpaccio oder einem leckeren Mettbrötchen? Das sind Nahrungsmittel, die Tag ein Tag aus millionenfach konsumiert werden, ohne dass dies unweigerlich zu schweren Erkrankungen führt.

Sicherlich, wer sich einen Hund ins Haus holt, wird automatisch mit einer Vielzahl von pathogenen Erregern konfrontiert. Ein Hund ist nun einmal nicht keimfrei, genau so wenig wie eine Notebooktastatur, die man im Zweifel genau so wenig ablecken sollte wie einen Hund... Daher sollte beim Thema Hund lieber ein Auge auf den hygienischen Umgang mit Tier und Futter haben, an Stelle natürliche Nahrung als etwas Gefährliches zu verteufeln.

Und wenn man schon verteufelt, dann bitte flächendeckend, denn nicht nur rohe Produkte enthalten pathogene Erreger: Allein in Kanada und den USA wurden in den letzten Jahren 12 Rückrufaktionen für mit Salmonellen kontaminiertem Fertigfutter durchgeführt.10

Fazit

Rohes Fleisch stellt seit Jahrmillionen die natürliche Nahrungsgrundlage von allen Raubtieren dar. Der nächste Verwandte des Hundes, der Wolf, frisst bei identischem Verdauungssystem ausschließlich rohe Nahrungsmittel. Das mag zwar kein Beweis für die Ungefährlichkeit von frischem, rohem Fleisch für den Hund sein, aber es ist wohl mehr als nur ein Indiz...

Weitere BARF-Mythen?

BARF Mythos #1: zu viel Fleisch, zu viel Eiweiß
BARF-Mythos #2: Barfen sei zu teuer
BARF-Mythos #4: Nicht alle Nährstoffe im richtigen Verhältnis
BARF-Mythos #5: Fleisch macht Hunde aggressiv


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_________________
1 Effenberger, T. (2008):  „Durchfallerkrankungen bei Haustieren mit lebensmittelrelevanten pathogenen Bakterien“, S. 1.
2 Effenberger, T. (2008):  „Durchfallerkrankungen bei Haustieren mit lebensmittelrelevanten pathogenen Bakterien“, S. 45 ff.
3 Effenberger, T. (2008):  „Durchfallerkrankungen bei Haustieren mit lebensmittelrelevanten pathogenen Bakterien“, S. 106.
4 Effenberger, T. (2008):  „Durchfallerkrankungen bei Haustieren mit lebensmittelrelevanten pathogenen Bakterien“, S. 107-114.
5 Effenberger, T. (2008):  „Durchfallerkrankungen bei Haustieren mit lebensmittelrelevanten pathogenen Bakterien“, S. 59.
6 Effenberger, T. (2008):  „Durchfallerkrankungen bei Haustieren mit lebensmittelrelevanten pathogenen Bakterien“, S. 74.
7 Meyer/Zentek (2005):  Ernährung des Hundes, S. 25.
8 Brinkmann, A. (2007): Vorkommen und Kontrolle lebensmittelrelevanter Mikroorganismen und Verbreitung von Shiga Toxin- bildenden Escherichia coli in verschiedenen Stadien der Rohwurstherstellung aus konventioneller und ökologischer Produktion, S. 13.
9 Thurston, M.E. (1996):  „The Lost History of the Canine Race“, S. 237.
10 Nestle, M. (2008):  „Pet Food Politics“, S. 18-19.

Kommentare

  1. Ich bin´s schon wieder mal ;-)
    Ich hab´ nochmal ne Frage und da ich mich hier gut aufgehoben fühle möchte ich sie hier stellen.

    Im cdVet - Forum schreibt ein User (der vorgibt sich sehr gut auszukennen und auch einen eigenen Hundeblog betreibt) u.a. folgendes: " ... dass das ständige Verfüttern von Frostfleisch kein Barfen im klassischen Sinn ist. Durch das Einfrieren gehen die Bakterien verloren und man muss in diesem Fall immer cdVet DarmAktiv zusetzen. Das vergessen nämlich viele und wundern sich dann, wenn es mit dem Barfen nicht klappt. Aber bei Frostfleisch is nix mit Darmflora." und weter:
    "Ohne Darmflora ist alles gar nichts. Das beste Gefrierfleisch nützt nichts, wenn die Darmflora es nur ungenügend verwerten kann.
    Ich sage nichts generell gegen Gefrierfleisch, obwohl ich frisch und stinkend immer vorziehen werde, aber wenn Gefrierfleisch, dann muss DarmAktiv gegeben werden."
    "Wenn du dem Kunden sagst, Gefrierfleisch ist gut, und dann nach einem halben Jahr ankommst und sagst, Gefrierfleisch ist doch nicht so der Burner, sondern Frischfleisch in der Stinkphase bzw. lecker Müffelpansen, dann fragt der sich auch, ob du eigentlich weißt was du willst.
    Biologisch-artgerecht heißt roh, frisch und mit lebenden Bakterien oder leicht angegammelt!"

    Soweit sogut bzw. schlecht, denn diese Infos haben mich gestern total verunsichert.
    Ich bin dann in den einzigen Barf-Shop dieser Stadt gegangen. Die Betreiber haben mehrere Ernährungsseminare bei Swanie Simon besucht, wirkten auf mich recht kompetent und waren im Umgang mit mir als Kundin unglaublich freundlich und waren für jede Frage offen. Dieses Futterlädchen vertreibt allerdings kein Frischfleisch, sondern nur Frostfleisch (dafür aber unglaublich vielfältig und günstig).
    Ich hab dann allesmögliche eingekauft und bat am Schluss um cdVet Darmaktiv. Das hatte er grade leider nicht da und fragte mich wozu ich es bräuchte. Ich gab ihm dann die Infos, die ich (wie ganz oben beschrieben))mir im Netz erlesen hatte ..., dass das verfüttern von Frostfleisch ja kein richtiges barfen im eigentlichen Sinne wäre, die (angeblich) wichtigen Bakterien durch das einfrieren flöten gingen und man deshalb immer, also täglich diese Darmaktiv verabreichen müsse.
    Er meinte dass das völliger Nonsens sei und wo ich das denn nur gelesen hätte und verwies wieder auf die unzähligen Ernährungseminare bei Swanie Simon und das er das dort noch nie gehört hätte. Die Urkunden in seinem Lädchen bewiesen bzw. bestätigten mir, dass er die Wahrheit sprach, zumindest was seine Teilnahme bei den Seminaren von S.S. anging.
    Er empfahl mir stattdessen lieber cdVet MicroMineral als Futterergänzung zu kaufen, wenn ich meinen Fellnasen was gutes tuen wolle.
    Hab ich dann auch gekauft und dennoch auf Darmaktiv gedrängt. Nun gut, er hat es jetzt bestellt und ich kann es die Tage abholen, trotzdem meinte er, dass das Stuss sei mit dem Frostfleisch und der Darmflora ...

    Nun frage ich mich natürlich, hat der gute Mann recht (denn er wirkte sehr erfahren, kompetent, freundlich, sachlich und auch ehrlich) oder wollte er meine Bedenken nur nicht bestätigen, weil er ja nunmal davon lebt Frostfleisch zu verkaufen und zu vertreiben und eben nicht Frischfleisch.

    Würde mich wie immer über eine kompetente Meinung/Antwort hier sehr freuen. :)
    Denn ich habe hier schon viel gutes gelernt und fühl mich daher mit meinen Fragen auch sicher und gut hier aufgehoben.

    Einen herrlichen und entspannten Sonntag wünschen Nicky und ihre beiden Fellnasen Murphy und Gizmo :-)

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  2. Hallo Nicky,

    viele "gute" Bakterien, die im Fleisch und vor allem in grünem Pansen zu finden sind, sind ziemlich kälteresistent. Sie vermehren sich zwar nur bei warmen Temperaturen, sterben aber nicht zwangsläufig bei Frost ab. Um Bakterien mit Kälte wirklich dauerhaft zu inaktivieren, müssen sie Temperaturen von unter -18 °C über einen längeren Zeitraum (Monate) ausgesetzt werden - und selbst das ist nicht immer sicher. Denk doch nur mal an Lebensmittelskandale im Zusammenhang mit pathogenen Erregern (Vogelgrippe, Salmonellen, EHEC) - in diesem Zusammenhang betonen Einrichtungen wie das Robert-Koch-Institut immer wieder, dass ein Einfrieren nicht ausreiche, um die Erreger abzutöten. Das trifft natürlich auch auf "gute Bakterien" zu.

    Abgesehen davon, dass viele Bakterien das Bad in der Magensäure des Hundes ohnehin nicht überleben - ob sie nun vorher mal gefroren wurden oder nicht, halte ich das Einfrieren von Fleisch in diesem Zusammenhang für unproblematisch.

    Ich frage mich auch, was die roh ernährten Hunde vor 1999 (Gründungsjahr cdVet) gemacht haben? Hatten die alle eine völlig zerstörte Darmflora? Nur mit Darmaktiv soll man "gute Bakterien" zuführen können? Das behauptet ja nicht einmal der Hersteller, er gibt an, dass man mit diesem Zusatz den Geruch und die Schmackhaftigkeit von Futtermitteln verbessern könne.

    Wenn Du dem Darm Deines Hundes etwas Gutes tun willst, dann gib ihm ab und zu etwas selbst gemachten Kefir - der enthält probiotische Kulturen.

    Außerdem ist es aus meiner Sicht viel wichtiger, dass man dem Hund nicht ständig mit völlig unnatürlicher, enzymtoter Nahrung (Fertigfutter) vollstopft, ihm bei jedem Durchfall gleich mal ein Antibiotikum verabreicht, ihm grundlos jedes Quartal ein chemisches Wurmmittel verabreicht etc.

    Wenn Dein Hund, unbehandeltes, rohes Futter in einer ausgewogenen Zusammenstellung bekommt, dann hast Du breits die beste Grundlage für ein gesundes Leben geschaffen - ob das Fleisch nun gefroren war oder nicht.

    Es lässt sich einfach auch nicht praktisch umsetzen, einem Hund ausschließlich Futter zu geben, welches nie gekühlt war, selbst wenn das Fleisch nicht eingefroren wird. Man müsste es direkt nach der Schlachtung vom Schlachthof abholen und dürfte es auch zuhause nicht im Kühlschrank lagern, denn auch bei +4°C fühlen sich die meisten Bakterien nicht so wohl wie bei 20-30°C.

    BARF bedeutet übrigens nicht: Biologisch artgerechtes, rohes, niemals gekühltes Futter, sonst würde es ja BARNGF heißen ;-)

    Lass Dich nicht verrückt machen. Man braucht keine Pillen und Tinkturen, um einen Hund gesund zu ernähren.

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  3. Das hast Du soooo toll geschrieben, perfekt!! Toller Beitrag!
    Dürfte ich ihn auf meiner Website verlinken???

    LG,
    Yvonne

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  4. Hallo Yvonne,

    natürlich, gern. Und vielen Dank für die Blumen.

    Liebe Grüße,
    Nadine

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  5. Hallo Nadine,

    danke!! Habe ihn auf unseren beiden Websites verlinkt.

    Ach so: ich habe mal wegen Deiner schönen Näpfe beim Hersteller nachgefragt: ein Napf kostet jetzt 198 €!!!!! :)

    LG,
    Yvonne

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  6. Hallo,

    Gratulation zu dieser fantastischen homepage. Meine Hündin Lilly und ich sind Barf-Anfänger und haben hier schon ganz viele Informationen gefunden (Tabelle!!! etc.). Vielen Dank!!!

    Gruß
    Lilly und Andreas

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  7. Hallo,

    super der Beitrag ist einfach klasse!!!

    Zu der Rohfuetterung:
    ich barfe meinen Hund schon ein Jahr... Durchfall hatte sie nicht ein einziges Mal!
    Vorher hatte sie staendig Verdauundsprobleme und Durchfall! Dabei dachten wir, dass wir ein qualitativ hochwertiges Trockenfutter gewaehlt hatten.

    Ich wuerde nie wieder zu Trockenfutter und co greifen!!!!

    Liebe Gruesse

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  8. Hallo!

    Hab eine Frage wegen dem Kopffleisch. Da wird ja Schilddrüse mitverarbeitet.. Und riskier ich dann nciht eine Überfunktion wenn ich die Hormone mitfüttere?

    LG Julia

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  9. Hallo Julia,

    das kommt drauf an... Eigentlich gehört der Kehlkopf nicht mit zum Kopffleisch, aber manche Anbieter verarbeiten das so. Daher sollte man eher keine Fleisch-Mixe kaufen, sondern Fleisch am Stück. Wenn Du Kopffleisch in Stücken kaufst und nicht gewolft, dann siehst Du genau, was enthalten ist und würdest auch bemerken, wenn der Kehlkopf vom Rind enthalten wäre. Bei gewolftem Fleisch ist das nicht möglich. Du kannst beim Hersteller fragen, ob ein Mix Schilddrüse enthält, oder nicht. Sieht auch Hinweis dazu im Buch auf S. 64.

    LG Nadine

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  10. Hallo zusammen, habe eine Frage zu den evtl. vorkommenden Würmern bzw. frühen Wurmstadien im Fleisch...Laut Online-Test von ESCCAP müsste ich zumindest meine jünger Labradorhündin 12 X im Jahr entwurmen!:-0 Vermutlich, da ich angekreuzt habe, dass sie hin- und wieder mal Hundkot frisst und auch den von anderen Tieren (Wild, Katze, Pferd, Kuh). Davon abgesehen heisst es weiter, weil ich Ernährung mit Frischfleisch und Innereien angekreuzt habe (Zitat): "Um Wurmstadien in Fleisch, Innereien und Schlachtabfällen unschädlich zu machen, wird empfohlen, die Zutaten über 1 Woche bei -17° bis -20° C einzufrieren oder über 10 Minuten mit einer Kerntemperatur im Inneren des Fleisches von 65°C zu erhitzen. Denn: Frisst ein Hund rohes Fleisch, Innereien oder Schlachtabfälle, die nicht entsprechend erhitzt oder eingefroren wurden, besteht die Gefahr, dass er sich mit Wurmstadien ansteckt, die im Fleisch verborgen sind." Da wir 1-2 Mal Rinderfleisch direkt vom Metzger verfüttern, habe ich nun Bedenken, ob das so eine gute Idee ist. Lt. unserer Barf-Beraterin sei es ratsam ca. 1 x pro Woche kein Frostfleisch, sondern eben frisches zu füttern... Was meint Ihr? Lieber doch nur tiefgeforenes Fleisch (natürlich aufgetaut ;-)) füttern?

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  11. Mich interessiert wahnsinnig die Antwort zu dem letzten Kommentar vom 17.12.2015
    Genau die gleiche Frage stelle ich mir.
    Danke!!!!

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  12. Im Fleisch "können" Würmer enthalten sein. Das heißt erstens nicht, dass sie enthalten sein müssen und zweitens noch längst nicht, dass der Hund Schaden davon nimmt. Erst recht nicht der Mensch. Warum es für den Menschen nicht wirklich relevant ist, hab ich auf S. 29 vom Buch sehr ausführlich beschrieben. Für Hunde scheint es insgesamt auch kein Problem zu sein. Solange das Immunsystem des Hundes in Ordnung ist (inkl. Darmflora) scheinen Hunde mit Würmern in Maßen (!) gut klar zu kommen. Welpen haben öfter mal Würmer, was am noch nicht voll entwickelten Immunsystem liegt und außerdem in Maßen nicht bedenklich scheint, sondern im Hinblick auf die Entstehung von Allergien eher vorteilhaft zu sein scheint. Selbst bei Menschen ist das nachgewiesen: Kinder, die mal Würmer hatten, leiden weniger häufig an Allergien. Erwachsene Hunde haben selten einen wirklich bedenklichen Wurmbefall und wenn, dann nur, wenn ihr Immunsystem geschädigt ist.

    Was ich machen würden: Dafür sorgen, dass das Immunsystem des Hundes gut funktionieren kann (kein Fertigfutter, keine unnötigen Antibiotika, keine unnötigen Impfungen, keine unnötigen sonstigen Medikamente, ggf. Aufbau der Darmflora), ganz normal rohes Fleisch etc. füttern, ohne sich wegen etwaigen Wurmbefalls fertig zu machen und ggf. zwei mal im Jahr den Kot untersuchen lassen. Dazu kann man regelmäßig auch noch wurmwidrige Futtermittel wie Kokosflocken und Kürbiskerne füttern. Sollte bei einer Untersuchung ein starker Wurmbefall vorliegen, kann man ja dann entwurmen. Ehrlich gesagt kenne ich aber keinen einzigen gesunden, gebarften Hund, bei dem jemals etwas gefunden wurde. Alle Barfer, die mir berichten, dass sie seit Jahren Kotproben untersuchen lassen, haben immer negative Proben... Das ist natürlich nicht wirklich statistisch aussagekräftig, aber schon ein Indiz dafür, dass das alles so falsch nicht sein kann ;)

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  13. Hier noch ein interessanter Artikel dazu: http://www.artgerecht-tier.de/kategorie/hunde/beitrag/hier-ist-der-wurm-drin.html

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  14. vielen Dank!!!, das sind sehr wertvolle Infos für unsere Welpenkäufer und führt mir wieder vor Augen wie gut die Frischfütterung für unsere Hunde ist..

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