Jetzt geht´s um die Wurst – haufenweise Fakten zum Output bei BARF

Hund der Kot absetzt
Heute geht es um ein Thema, bei dem viele Leute wohl eher die Nase rümpfen: Hundekot. Für die meisten Menschen ist er, zu Recht, nur ein ärgerliches Hindernis auf so manchem Gehweg, für viele Hundehalter jedoch gibt das Häufchen Aufschluss über die Futterqualität und den Gesundheitszustand des Hundes. Konsistenz, Form, Farbe, Menge, Häufigkeit des Kotabsatzes und eventuelle Hinweise auf „Mitbewohner“ – all diese Eigenschaften liefern Informationen und geben manchmal auch Grund zur Sorge. Aus diesem Grund sollte jeder Hundehalter hin und wieder einen genaueren Blick auf den Output des Hundes werfen.

Was ist normal? Ab wann muss man sich Gedanken machen, ob mit dem geliebten Tier etwas nicht stimmt? Diese Fragen stellen sich gerade Neu-Barfer, denn nach der Futterumstellung finden meist dramatische Veränderungen statt. Fakt ist: Mit der Umstellung auf BARF muss der Hundehalter sich vom Häufchen immer gleicher Farbe und Konsistenz verabschieden. Denn viele Futtermittelhersteller scheuen keine Mühen, um ihr Futter so zu optimieren, dass es den „perfekten“ Kot zur Folge hat – schließlich ist das ein Qualitätsindikator für viele Tierhalter. Mit BARF verändern sich allerdings einige Dinge: Dadurch, dass das Futter nun so abwechslungsreich ist und ständig andere Komponenten im Napf landen, ändern sich Farbe und Konsistenz täglich und weil BARF eine wesentlich größere Verdaulichkeit aufweist, als die meisten Fertigfutter, sinkt die Kotmenge zur Freude der Tierhalter enorm. Während letzteres erwünscht und vom Halter gern gesehen wird, wirft ersteres häufig Fragen auf und verunsichert.

Kot, was ist das eigentlich?

Die unverdaulichen Bestandteile der Nahrung, die zusammen mit Darmbakterien und körpereigenen Substanzen wie Darmschleimhautzellen, Sekreten aus Verdauungsdrüsen oder Gärungs- und Fäulnisprodukten über den Enddarm ausgeschieden werden, bezeichnet man als Kot oder auch Fäzes.

Die Gallenfarbstoffe Bilirubin und Biliverdin, die im Darm abgebaut werden, geben dabei dem Kot seine charakteristische Farbe, während der als von Menschen als unangenehm betrachtete Geruch durch Fäulnisgase und Gärungsprodukte wie Skatol und Indol entsteht. Je nach Futterzusammensetzung und Gesundheitszustand des Tieres kann der Geruch auch variieren. Nach Zufuhr überhöhter Mengen tierischer Eiweiße, insbesondere bindegewebsreicher Schlachtabfälle, kann der Geruch sehr faulig sein. Die Intensität des Geruchs nimmt mit sinkendem Wassergehalt ab.[1]

Je nach Futterzusammensetzung weist der Kot unterschiedliche Zusammensetzungen auf. Bei BARF ist beispielsweise der Gehalt an Rohprotein und Rohfett wesentlich höher als bei der Gabe von Dosen- oder Trockenfutter und es finden sich nahezu keine Kohlenhydrate mehr darin. Der ph-Wert des Kots liegt für gewöhnlich zwischen 6-7.[2]

Interessant zu wissen

In Studien wurde der Kot von Wölfen untersucht. Aus einer dieser Studien geht z. B. hervor, dass sich in der Losung der Tiere 0,3 % Beeren, 1,9 % Pflanzenmaterial und etwa 3,4 % anderen Bestandteile wie Blätter, Äste und Steine befinden.[3] Das ist nicht gleichzusetzen mit dem Anteil dieser Dinge in der Nahrung, denn im Kot sind schließlich nur die unverdaulichen Reste von Nahrung nachweisbar. Das bedeutet, dass ein Wolf weit mehr als 0,3 % Beeren aufnehmen muss, um im Kot 0,3 % nachweisen zu können. Warum Wölfe "freiwillig" Pflanzenmaterial und andere unverdauliche Bestandteile aufnehmen, ist übrigens nicht bekannt. Man vermutet, dass diese Dinge den Darm von Parasiten und Haaren befreien oder als Brechmittel dienen.[4]

Der Kot von Hunden enthält zahlreiche Bakterien, darunter auch krankheitsauslösende Mikroorganismen. Diese befinden sich auch immer im Kot gesunder Tiere, denn die Darmflora, die ebenfalls die Kotzusammensetzung beeinflusst, besteht immer aus „guten“ (Symbionten) und „schlechten“ (Pathogene) Bakterien. Erst, wenn das Gleichgewicht dieser Bakterien durcheinander gerät (z. B. durch eine Behandlung mit Antibiotika oder eine falsche Futterzusammensetzung), überwiegen die Krankheitserreger und das Tier erkrankt letztendlich.[5] In dem Fall kann ein Aufbau der Darmflora mit Darmbakterien oder eine anderweitige, geeignete Behandlung notwendig werden, die mit dem Tierheilpraktiker oder Tierarzt abzustimmen ist.

Zusätzlich zu den natürlicherweise im Kot vorkommenden Bakterien, können sich auch Krankheitserreger (Bakterien oder Parasiten) darin befinden, die dort nicht hingehören. Das führt dann häufig zu entsprechenden Symptomen wie z. B. Durchfall oder sichtbaren Würmern im Kot, was letztendlich behandlungsbedürftig ist. Bei Verdacht auf eine Erkrankung kann eine Kotsammelprobe beim Tierheilpraktiker oder Tierarzt abgegeben und untersucht werden, um eine passende Behandlung durchführen zu können. Eine s. g. prophylaktische Entwurmung oder grundsätzliche Antibiotika-Gabe bei Durchfall ist jedoch nicht sinnvoll.

Häufigkeit des Kotabsatzes

Wie oft ein Hund Kot absetzt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die Zusammensetzung der Nahrung spielt dabei eine zentrale Rolle. Je höher die Verdaulichkeit einer Ration, desto geringere Kotmengen sind zu erwarten und desto seltener wird Kot abgesetzt. Hohe Gehalte an Ballaststoffen (z. B. aus Getreide) erhöhen die Kotmenge. Daher ist es nicht verwunderlich, dass gebarfte Hunde nicht so häufig und insgesamt weniger Kot absetzen. Schließlich sind die Rationen sehr gut verdaulich, denn es befinden sich keine unnötigen Füllstoffe im Futter.

Macht ein Hund, der beispielsweise mit Trockenfutter ernährt wird, noch drei Häufchen am Tag, kann es nach der Umstellung auf BARF passieren, dass dieser Hund nur noch einmal am Tag oder sogar nur einmal alle zwei Tage Kot absetzt. Das ist noch kein Grund zur Sorge. Setzt ein Hund drei Tage lang kein Kot ab, so sollte umgehend ein Tierarzt aufgesucht werden. Es könnte eine ernsthafte Verstopfung oder sogar ein Darmverschluss vorliegen.

Die Rasse und Größe des Hundes haben ebenfalls einen Einfluss auf die Häufigkeit des Kotabsatzes: größere Rassen tendieren dazu, häufiger zu koten als kleinere Tiere.[6]


Form und Konsistenz

Kot kann in verschiedene Kategorien eingeordnet werden. So wird zwischen geformtem und ungeformten Kot sowie hinsichtlich der Konsistenz zwischen flüssigem, breiartigem oder hartem Kot unterschieden. Die folgende Übersicht[7] zeigt die verschiedenen Typen von Stuhlformen angelehnt an die Bristol-Stuhlformen-Skala. Die Typen 3 und 4 gelten als ideal.


Übersicht Hundekot


Was ist eigentlich Durchfall?

Bei vielen Tierhaltern läuten sofort die Alarmglocken, wenn der Kot des Hundes nicht die gewünschte Konsistenz (Typ 3 oder 4) aufweist, sondern etwas flüssiger oder breiartig ausfällt, denn Durchfall gilt im Allgemeinen als bedenklich. Das ist auch korrekt, denn Durchfall ist ein Symptom für eine Erkrankung. Der Körper versucht sich auf diesem Wege von z. B. Krankheitserregern zu befreien und scheidet sie daher schnellstmöglich aus. Aber nicht jeder ungeformte und breiartige Kot ist sofort gefährlich.

Von Durchfall spricht man erst, wenn das Tier mehrfach am Tag flüssigen bis wässrigen Kot absetzt (Typ 7). Wenn das Häufchen also ab und zu und auch nicht wiederholt am Tag lediglich breiartig ist, liegt noch kein Durchfall vor. Damit gibt es grundsätzlich auch erst einmal keinen Grund zur Sorge. Wie der Kot geformt ist, hängt nämlich nicht nur davon ab, ob ein Tier krank oder gesund ist, sondern schlichtweg auch davon, was das Tier gefressen hat. Einige Futtermittel wie z. B. Leber neigen dazu, eher flüssigen Kot zu erzeugen. In dem Fall wäre Besorgnis also vollkommen unbegründet. Denn eine Veränderung der Kotkonsistenz in Abhängigkeit von der Nahrungsaufnahme ist vollkommen natürlich. Setzt ein Tier allerdings dauerhaft und ausschließlich Kot der Typen 5-7 ab, so sollte ein Tierheilpraktiker oder Tierarzt aufgesucht werden.

Ein weiterer Faktor, der eine Rolle spielt, ist der Gemütszustand des Tieres. Ist ein Hund sehr gestresst, weil er zum Beispiel Angst vor einem Tierarztbesuch hat, so kann es auch zu einer plötzlichen Darmentleerung mit breiartigem bis flüssigem Kot kommen. Auch ein solches Ereignis ist – zumindest was die körperliche Verfassung des Hundes anbelangt – nicht behandlungsbedürftig, sondern weist auf eine extreme Stresssituation hin. Der gesamte Körper befindet sich dann in Alarmbereitschaft und es kann daher zu einer plötzlichen Darmentleerung kommen.

Auch wenn ein Tier tatsächlich mal unter Durchfall leidet, ist es nicht immer notwendig, einen Tierarzt aufzusuchen. Liegt ein akuter Durchfall (1-2 Tage Dauer) vor, z. B. weil das Tier den Mülleimer geplündert und etwas Verdorbenes gefressen hat) UND das Allgemeinbefinden des Tieres ist ansonsten gut (!), so kann der Halter dem Tier meist mit einer Moro‘schen Möhrensuppe selbst behandeln.

Rezept Moro'sche Möhrensuppe

500 g Karotten schälen, kleinschneiden und mindestens eine Stunde lang in 1 l Wasser mit 3 g Salz kochen. Nach der Kochzeit wird die Masse püriert und mit etwas Wasser wieder zu 1 l aufgefüllt.


Dazu wird der Hund zunächst 24 h gefastet und im Anschluss wird die Suppe mehrfach am Tag in kleinen Portionen verabreicht. Am Folgetag kannst meist schon begonnen werden, wieder Fleisch anzubieten. Dazu eignet sich am besten leicht verdauliches Fleisch (z. B. Hühnerbrust), was abgekocht und weiterhin mit der Suppe vermengt wird. Die Suppe wird anschließend über mehrere Tage ausgeschlichen.

Zeigt der Hund ein schlechtes Allgemeinbefinden (z. B. tritt gleichzeitig Fieber oder Erbrechen auf), hält der Durchfall länger als 1-2 Tage an oder liegt gar chronischer (immer wiederkehrender) Durchfall vor, so sollte natürlich umgehend ein Tierheilpraktiker oder Tierarzt aufgesucht werden. Es könnte eine ernsthafte Erkrankung oder Vergiftung dahinter stecken. Das gilt insbesondere für Welpen, da die recht schnell dehydrieren können und allgemein empfindlicher sind.

Farbe

Auch die Farbe des Kots gibt Aufschluss über das aufgenommene Futter oder den Gesundheitszustand des Hundes. Bei BARF ist insbesondere charakteristisch, dass die Farbe Veränderungen unterworfen ist. Der immer gleichfarbige Kot, den Halter von Tieren kennen, die Fertigfutter bekommen, kann bei gebarften Tieren häufig nicht erwartet werden. Dadurch, dass die Nahrung Einfluss auf die Farbe des Kots haben kann und BARF sehr abwechslungsreich ist, wird sich das auch im Kot widerspiegeln. Die folgende Übersicht[8] zeigt typische Kotfarben und mögliche Gründe für die Färbung.

Brauner Kot
Brauner Kot: helles bis dunkles Braun ist normal
Rötlicher Kot
Rötlicher Kot: Bei Fütterung von roter Beete normal (auch der Urin kann sich dann rötlich färben), tritt rötlicher Kot anderweitig auf, sollte ein Tierarzt aufgesucht werden.
Grünlicher Kot
Grünlicher Kot: Bei vermehrter Aufnahme von Gras oder grünem Blattgemüse normal, ansonsten ein Hinweis auf Probleme mit der Gallenblase.
Weißer / heller Kot
Weißer / heller Kot: Bei vermehrter Aufnahme von Knochen normal, sollte jedoch
vermieden werden, ansonsten Hinweis auf Probleme mit der Gallenbildung.
Schwarzer / teerartiger Kot
Schwarz / teerartig: Bei vermehrter Aufnahme von Milz oder Blut durchaus normal,
ansonsten ein Hinweis auf Blutungen im vorderen Magen-Darm-Trakt
Grauer / fettiger Kot
Grau / fettig: Hinweis auf eine gestörte Fettverdauung bzw. Erkrankung der
Bauchspeicheldrüse oder Probleme im Hinblick auf die Galle
Orangefarbener / gelblicher Kot
Orangefarbener / gelblicher Kot: Bei vermehrter Aufnahme von Karotten normal, ansonsten Hinweis auf Leber- oder Gallenerkrankungen
Weiße Punkte / Fäden
Weiße Punkte / Fäden: Bei vermehrter Aufnahme von Kokosflocken möglich, ansonsten Hinweis auf einen Wurmbefall, das Tier sollte umgehend auf einen Wurmbefall hin untersucht werden
Rote Schlieren
Rote Schlieren: Hinweis auf Blutungen im Bereich des Darms oder Anus, es sollte
umgehend ein Tierarzt aufgesucht werden
Schleimüberzogener Kot
Schleimüberzogener Kot: Kann während der Umstellung auf BARF vorkommen, oder wenn sehr schwer verdauliche Futtermittel (z. B. Knochen, Gras) aufgenommen wurde, ansonsten Hinweis auf eine Entzündung im Darm

Der Kot kann auch mehrfarbig sein und verschiedene Segmente des Häufchens können unterschiedliche Farbtöne aufweisen. Auch das wäre typisch für einen gebarften Hund. Wenn z. B. Teile des Kots grünlich gefärbt sind und davor und danach wieder brauner Kot auftritt, so ist das vermutlich eher ein Zeichen für ein entsprechend gefärbtes Futtermittel als für eine Erkrankung.

Scheidet ein Tier dauerhaft Kot aus, der nicht der Farbe 1 entspricht, so sollte ein Tierheilpraktiker oder Tierarzt aufgesucht oder zumindest die Ernährung im Rahmen einer Ernährungsberatung überprüft werden.

Fazit

Der Kot des Hundes kann Aufschluss über die Verdaulichkeit des Futters, aber auch über den Gesundheitszustand des Tieres geben. Wird ein Hund auf BARF umgestellt, so verändert sich der Kot des Tieres hinsichtlich seiner Farbe, aber auch im Hinblick auf die Häufigkeit des Kotabsatzes. Stellt ein Hundehalter ungewöhnliche Veränderungen fest, sollte ein Tierheilpraktiker oder Tierarzt aufgesucht werden.


Das BARF-Buch

_______________
[1] Meyer/Zentek (2013): Ernährung des Hundes, S. 34
[2]
Meyer/Zentek (2013): Ernährung des Hundes, S. 34
[3] Müller, S. (2006): Diet composition of wolves (Canis lupus) on the Scandinavian peninsula determined by scat analysis
[4] Mech, D. at al. (2003): Wolves. Behaviour, Ecology, and Conservation
[5]
Meyer/Zentek (2013): Ernährung des Hundes, S. 19
[6]
Meyer/Zentek (2013): Ernährung des Hundes, S. 33
[7] In Anlehnung an: Greco, D. S. (2011): Diagnosis and Dietary Management of Gastrointestinal Disease, S. 13 sowie https://en.wikipedia.org/wiki/Bristol_stool_scale
[8] In Anlehnung an:
https://www.justrightpetfood.com/blog/whats-your-dogs-poop-telling-you/

Kommentare

  1. Ein sehr interessantes Thema mit tollen Grafiken. Bei Linda lache ich immer ob der exakt farblichen Trennung von nacheinander gereichten unterschiedlichen Futterkomponenten. Das sind ja schon richtige kleine Kunstwerke... :-)))

    LG Andrea

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  2. Hallo!
    Ein super interessanter Artikel! Besonders der Teil mit der Farbe. Ich hab mich schon oft gefragt, wieso sich ab und an die Farbe ändert :-)
    Liebe Grüße,
    Victoria und Beagle Timmy

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  3. Guter Artikel und für normalo Hundehalter gut verständlich....
    Gruß Herta

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  4. Sehr gute Schilderungen und sehr gut zu verstehen. Den Tip mit der Möhrensuppe finde ich toll.

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  5. Klasse, das Rezept für den Klassiker schlechthin unter den Hundeleuten. Die Moro´sche Suppe soll ja Wunder wirken. Falls ich mal wieder in die missliche Lage komme...weiß ich jetzt wo ich nachschaue. Tolle Zusammenfassung auch der Häufchenfakten. GLG Danni

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