BARF und NRC-Bedarfswerte – die Quadratur des Kreises

Hund berechnet Bedarfswerte
Hundehalter, die gern barfen möchten und gleichzeitig darauf bestehen, dass das Futter sämtliche wissenschaftlichen Bedarfswerte erfüllt, stehen vor einem Problem. Denn BARF (siehe Defintion) ist nicht bedarfsdeckend nach NRC! Man kann es drehen und wenden wie man will: An irgendeiner Stelle fehlt es immer. Im Prinzip werden die NRC-Werte gedeckt, aber egal, welche Nahrungsmittel man einsetzt und wie ausgeklügelt das Menü auch ist, ein BARF-Plan für einen erwachsenen Hund erfüllt niemals den Zink- und Manganbedarf nach NRC! Alle anderen Werte schon, aber diese beiden Werte nie! In BARF-Plänen für Welpen fehlt es rechnerisch zusätzlich noch an Calcium und Phosphor. Bei diesen NRC-Bedarfswerten werden meist nur 50 % Deckung mit BARF erreicht. Eine dramatische Unterversorgung! Oder doch nicht?



Bedarfsdeckung unmöglich?

Es ist also nicht möglich, mit einer Fütterung natürlicher Lebensmittel, die sich am Aufbau eines Beutetiers orientiert (also BARF), den NRC-Bedarf bei diesen lebensnotwendigen Nährstoffen zu decken? Das erscheint bizarr, denn abgesehen von Hunden ernähren sich die anderen 269 Arten von Raubtieren alle samt von Beutetieren. Wie kann das nicht bedarfsdeckend sein? Wie erreichen Anbieter von Fertigfutter oder so manche Rohfutter-Ration, die nicht dem Beutetierkonzept folgt, eine NRC-Bedarfsdeckung, wenn das mit Lebensmitteln nicht möglich ist? Natürlich mit „ernährungsphysiologischen Zusatzstoffen“. Ohne geht es faktisch nicht.

Wer barft, verzichtet allerdings auf eine solche Supplementierung und vertraut darauf, dass es möglich sein muss, den Bedarf des Hundes mit dem zu decken, was er im Beutetier vorfindet, weil das vor der Einführung von Fertigfutter oder synthetischen Zusätzen auch funktionierte. Und das zieht eben nach sich, dass die Bedarfswerte nach NRC nicht alle gedeckt werden. Dem routinierten Barfer ist das egal, BARF-Anfängern macht das aber Angst, zumal sie von Supplementherstellern und deren Vertriebsassistenten mit Hilfe von Berechnungsprogrammen, die vermeintliche Unterdeckungen aufzeigen, verunsichert werden. Wie also ist zu erklären, dass so viele gebarfte Hunde dennoch gesund sind?

NRC-Bedarfswerte gelten für Fertigfutter!

Die Erklärung hierfür liegt in den Bedarfswerten selbst. Das NRC (National Research Counsil) ist eine Organisation aus den USA, die wissenschaftliche Studien zusammenträgt und daraus Bedarfswerte für verschiedene Spezies ableitet. Die Intention besteht nicht darin, Barfern ein Rechenwerk an die Hand zu geben, sondern Herstellern von Fertigfuttern Bedarfswerte zur Verfügung zu stellen. Aus diesem Grund orientieren sich die Bedarfswerte an der Zusammensetzung eines kommerziellen Fertigfutters und nicht an BARF. Schaut man sich die Erläuterungen des NRC genauer an und liest nicht nur die Übersichtstabellen, so wird klar, warum ein gebarfter Hund z. B. nicht so viel Zink benötigt wie ein Hund, der Fertigfutter bekommt.

Bei der Aufnahme von Nährstoffen kommt es darauf an, wie gut diese vom Körper verwertet werden können (siehe Bioverfügbarkeit). Entscheidend ist also, welcher Prozentsatz des aufgenommenen Zinks vom Hund auch wirklich absorbiert werden kann. Die Zinkaufnahme wird dabei durch verschiedene Faktoren beeinflusst. Einmal durch die Herkunft des Zinks (tierisch vs. pflanzlich, organisch vs. anorganisch), durch das Vorhandensein s. g. antinutritiver Substanzen wie z. B. Phytat, die die Aufnahme von Zink stören und durch die Gesamtzufuhr.

Aus diesem Grund merkt das NRC zum Zink-Bedarfswert auch folgendes an:
„Die Absorption von Zn in der Nahrung ist weitgehend vom Vorhandensein anderer Substanzen in der Ernährung abhängig, die die Bioverfügbarkeit verändern. Die meisten Tierprodukte [ ...] sind frei von Bestandteilen, die die Zn -Absorption beeinflussen und [ ...] Aminosäuren, die aus der Fleischverdauung stammen, verbessern außerdem die Aufnahme von Zn. Pflanzliche Produkte neigen eher dazu, Stoffe zu enthalten, die die Zn-Absorption beeinflussen, die wichtigste davon ist Phytat. Phytat ist in vielen pflanzlichen Quellen wie Getreide wie Mais, Weizen und Reis und Ölsatenschrot wie Soja, Erdnuss und Sesam, welche 1,5 % oder mehr Phytat enthalten. Phytat in der Nahrung ist seit langem dafür bekannt, die Absorption von Zn zu reduzieren, und dieser Effekt wird durch hohe Konzentrationen Ca in der Nahrung verstärkt.“[1]
Betrachtet man nun das Labor-Futter-Zusammensetzung aus der Studie zur Ermittlung des NRC-Bedarfswerts, wird klar, warum ein gebarfter Hund trotz eines augenscheinlich lebenslangen, 50 %-igen Zinkmangels keine Mangelerscheinungen zeigt. Die Zusammensetzung eines Studien-Futters für den Welpenbedarfswert[2] für Zink zeigt, auf welche Art Futter dieser zugeschnitten ist[3]:
Sojamehl: 40 g
Maiskörner: 35 g
Zucker: 10 g
Schmalz: 10 g
Vitaminmischung: 1 g
Zink: 4 g
Calcium: 0,3–2 g
Dem Verbraucher ist eine solche Mischung vielleicht besser bekannt als: Getreide (u. a. 4 % Mais), pflanzliche Nebenerzeugnisse, Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (u. a. 4 % Gans), Saccharose, ernährungsphysiologische Zusatzstoffe.

Für ein solches Futter gilt der NRC-Bedarf für Zink, nicht für BARF. So ein Futter ist im Prinzip das Gegenteil von BARF. Es beinhaltet fast ausschließlich pflanzliche Bestandteile, liefert gar kein tierisches Protein und enthält zudem noch große Mengen (75 % des Futters) an Phytat-Lieferanten (Mais und Soja), die dafür bekannt sind, die Zinkaufnahme zu stören. Das NRC geht für den Zink-Bedarfswert bei Hunden daher von einer Bioverfügbarkeit von nur 25 % aus. Der Bedarfswert von 1 mg pro kg Körpergewicht berücksichtigt also, dass nur 0,25 mg davon auch aufgenommen werden können, der Rest ist wegen des Phytat-Gehalts der Nahrung und der „falschen“ Zinkquelle nicht verfügbar. Diese Fakten sind übrigens auch der Grund dafür, dass menschliche Vegetarier einen um 50 % erhöhten Zink-Bedarf im Vergleich zu Fleischessern haben – man geht aufgrund des hohen Phyatgehalts und des pflanzlichen Zink-Ursprungs einfach von einer schlechteren Bioverfügbarkeit aus.[4] Angenommen, man geht beim Hund genauso vor wie im Humanbereich und nimmt bei fleischbasierter Nahrung wie BARF, die kaum Phytat enthält und Zink aus tierischen Quellen liefert, eine doppelt so hohe Bioverfügbarkeit an: Dann sinkt der Bedarfswert um die Hälfte. Damit ist der eigentliche Zink-Bedarf mit BARF problemlos gedeckt – auch ohne synthetische Zusatzstoffe. Im Übrigen führt die Betrachtung der Studien zum Calcium-, Mangan- und Phosphorbedarfswert zum gleichen Ergebnis. Das ist der Grund, warum sich ein Barfer nicht mit solchen Supplementen herumschlagen muss, sondern sich das Geld einfach spart.

Ein Blick in die Geschichte bis heute

Wem das zu kompliziert erscheint, dem hilft vielleicht ein geschichtliches Szenario: Hundezucht in der DDR. Nicht, weil früher alles besser war, sondern weil sie sich als riesigen, lang angelegten Feldversuch betrachten lässt. Isoliert vom Rest der Welt, fast 40 Jahre strikt getrennt durch eine Mauer, aber dennoch direkt nebenan und noch nicht so lange her, wird hier ein Blick auf Generationen von Hunden ermöglicht, die unter einem dauerhaften, massiven Zink- und Manganmangel und in der Welpenzeit auch unter einem Calcium- und Phosphormangel litten – zumindest im Hinblick auf NRC-Bedarfswerte. Denn in der DDR waren nicht nur Bananen Mangelware, es gab auch nur selten Fertigfutter. Zwar war seit den 70er Jahren das Pelletfutter Bello und auch ein Konservenfutter namens Laika, später umbenannt in Goldy, auf dem Markt, aber diese waren ungefähr so oft erhältlich wie Südfrüchte oder echte Jeans – nämlich selten oder nur mit „Beziehungen“. Das führte dazu, dass viele DDR-Tierhalter gar nicht wussten, dass es überhaupt Hundefutter gab. Mindestens zwei Generationen von Züchtern und Tierhaltern versorgten also 40 Jahre lang wenigstens 20 Generationen von Hunden aller Rassen mit Schlachtabfällen und Essensresten. Rezepturen für ausgewogene Mischungen wurden meist vom Züchter an den Welpenkäufer weitergegeben. Natürlich gab es auch in der DDR entsprechende Fachliteratur mit Vorschlägen zur Rationsgestaltung, allerdings enthielten diese die s. g. „Mineralstoffmischung für Kleintiere“, die in den 70er Jahren auf den Markt kam. Das Problem damit war, dass diese, genau wie das Fertigfutter, nicht durchgängig oder eben gar nicht verfügbar war. Daher war sie vielen Hundehaltern ebenfalls völlig unbekannt und sie mussten ohne sie auskommen. Es gab natürlich auch in der DDR Vorgaben zu Bedarfswerten, aber diese unterschieden sich teilweise stark von den NRC-Bedarfswerten: So wurde der Zinkbedarf für erwachsene Hunde mit 0,11 mg pro kg Körpergewicht angegeben[5], was in etwa nur 1/15–1/6 des heute gültigen NRC-Bedarfswerts entspricht. Dieser Wert ist mit einer Fütterung natürlicher Zutaten sehr leicht zu erreichen.

Die unmittelbaren Folgen eines Zink-Mangels sind vor allem Haut- und Fellprobleme sowie Immunschwäche, aber auch Fruchtbarkeitsstörungen. Bei einem 50%-igen Zinkmangel – über 20 Generationen von Hunden hinweg – müssten diese deutlich zu Tage treten. Die Fruchtbarkeitsstörungen allein hätten bei einem so starken Mangel dazu führen müssen, dass eine Zucht nicht möglich gewesen wäre. Die Tiere wären außerdem häufig krank gewesen und hätten schlechtes Fell gehabt. Das hätte mangels adäquater Zinkversorgung nach NRC schließlich ein flächendeckendes Problem sein müssen. Es wären also "Dank der Mauer" und des draus resultierenden Versorgungsproblems sämtliche Hunde in der DDR davon betroffen gewesen. War dem so? Natürlich nicht!

Selbstverständlich gab es in der DDR auch kranke Tiere und Mangelerscheinungen traten ebenfalls auf (wenn z. B. gar keine Calciumquelle gefüttert wurde), aber einen Massenmangel an Zink gab es offensichtlich nicht, das hätte sich vor dem Hintergrund der o. g. Mangelerscheinungen in 40 Jahren bemerkbar machen müssen. Sämtliche Hunde wären spätestens nach einigen Generationen absolut degeneriert gewesen. Aber die DDR-Hunde gediehen offensichtlich auch ohne Zinksupplementation prächtig. Die Deutschen Schäferhunde aus DDR-Linien beispielsweise galten als äußert robust, sportlich und ihren Artgenossen in der BRD in Sachen Gesundheit als überlegen. Das Fell glänzte, die Tiere waren fit und langlebig. Nach der Wende wurden die DDR-Züchter daher förmlich überrannt und noch heute suchen Interessenten gezielt nach Hunden aus diesen Zuchtlinien. Trotz des dauerhaften massiven Zinkmangels nach NRC bei Generationen von Hunden...

In der BRD war die Versorgungslage natürlich eine andere: Fertigfutter und auch Ergänzungsfuttermittel waren erhältlich. Aber längst nicht jeder Hundehalter setzte sie ein. Die damaligen Fütterungsempfehlungen für selbsterstellte Rationen sahen nicht unbedingt eine Zinksupplementierung vor. Eine der Fachliteratur zu entnehmende Rationsgestaltung sah für einen Hund in Schäferhundgröße folgendermaßen aus [6]:

100 g Kuhmilch
300 g mageres Rindfleisch
150 g Reis
 25 g Fett
 20 g Knochenmehl

Gefolgt vom Hinweis, die Fütterung solle abwechslungsreich erfolgen. Eine solche Zusammenstellung deckt 40% des Zinkbedarfs. Ganz nebenbei fehlt es dieser Ration dann auch an Magnesium, Kalium, Eisen, Kupfer, Mangan, Iod, Selen, Vitamin B1, B1, B12, B5, D und E sowie Folsäure und Linolsäure - zumindest wenn man NRC-Bedarfswerte ansetzt. Demnach müssten sämtliche Tiere, die so gefüttert wurden, früher oder später Symptome einer Mangelernährung gezeigt haben. Offensichtlich war das aber kein flächendeckendes Problem.

Im Übrigen sehen die veterinärwissenschaftlichen Empfehlungen für eine Rohfütterung auch heute noch keine Zink-Supplementierung vor. Ein Rationsvorschlag von Prof. Zentek für einen 30 kg Hund lautet [7]:

262 g Schaffleisch, Kotelett
114 g Leber, Schaf
114 g Gemüse
 34 g Öl
2,5 g jodiertes Salz
 19 g Kalbsknochen

Mit dieser Ration wird etwa 50 % des Zinkbedarfs nach NRC gedeckt. Auch dieser Ration fehlt es weiterhin rein rechnerisch an Magnesium, Mangan, Vitamin D und Vitamin B1. Dennoch gehen die Wissenschaftler hier von einer bedarfsdeckenden Ration aus, womit sie auch Recht haben, denn in der Praxis erleiden Hunde bei solch einer Fütterung keinen Mangel.

BARF ist natürlich bedarfsdeckend, nur nicht nach NRC

Wie ist das zu erklären? Wohl nur damit, dass es doch möglich ist, den wahren Bedarf an Zink, Mangan, Calcium und Phosphor mit natürlichen Futtermitteln zu decken – nicht nur kurzfristig, sondern dauerhaft. Den NRC-Bedarf vielleicht nicht, aber darauf kommt es eben nicht an. Auf BARF trifft das ebenso zu, denn als Grundlage für diese Form der Ernährung dienen ebenfalls Schlachtabfälle. Zusätzlich orientiert sich BARF noch am Aufbau eines Beutetiers. Diese Fütterung ist aus Nährstoffversorgungssicht sogar noch ausgeglichener und vielfältiger als das, was die Hunde in der DDR, in der Vieles Mangelware war, im Napf hatten. Wie könnte es anders sein, als dass die Nährstoffe, die im Beutetier vorhanden sind, auch tatsächlich ausreichen, um einen Beutefresser wie den Hund gut zu versorgen? Deswegen zeigen richtig gebarfte Hunde ihr Leben lang keine Mangelerscheinungen, ohne synthetische Supplemente. Zink, Mangan oder auch Calcium oder Phosphor zu ergänzen, ist sicherlich getreide- oder sojareichen Rationen sinnvoll, aber beim Beutetierkonzept eben nicht nötig.

Meist enthalten diese Zusätze nämlich auch leider nicht nur die Nährstoffe, die Ration nach NRC fehlen würden, sondern auch noch weitere Mineralstoffe, synthetische Vitamine und Füllstoffe. Ergänzt man einen normalen BARF-Plan mit einem solchen Produkt, führt man also auch Vitamine und Mineralstoffe zu, die bereits in mehr als ausreichender Menge im Futter vorhanden sind. Es darf nicht unterschätzt werden, dass eine zu hohe Dosierung bestimmter Nährstoffe, s. g. sekundäre Nährstoffmängel erzeugen kann. Führt man z. B. mehr Zink zu als wirklich notwendig, wird dadurch die Kupferaufnahme gestört.

Kostenlos sind die Mischungen natürlich auch nicht. Zudem enthalten sie meist noch nicht einmal die optimal verfügbaren Mineralstoffverbindungen: An Stelle von organischem Zink-Picolinat oder –citrat wird z. B. häufig das billigere, aber weniger gut verwertbare anorganische Zink-Oxid eingesetzt. Auch von natürlichen Vitaminen kann meist keine Rede sein: Statt natürlichem Vitamin E (RRR-Alpha-Tocopherol) wird einfach die billige synthetische Variante (DL-Alpha-Tocopherol) verwendet. Man fragt sich, wieso...?

Ergänzungspräparate für Zink, Mangan oder auch Calcium und Phosphor sind sinnvoll, wenn der Rationsaufbau nicht dem Beutetier-Konzept entsprechen kann, aber für einen gebarften Hund waren sie noch nie notwendig, denn bei BARF geht es nicht darum, NRC-Bedarfswerte zu erfüllen. Es geht darum, das Tier mit allen notwendigen Nährstoffen zu versorgen, welche es für ein gesundes Leben braucht. Und das geht offensichtlich auch ohne eine Erfüllung sämtlicher NRC-Bedarfswerte…


__________________________________
[1] NRC (2006): Nutrient Requirements of Dogs and Cats, S. 174, Übers. d. Verf. Original-Auszug:
"The absorption of dietary Zn is largely a function of other substances in the diet that alter its bioavailability. Most animal products [...] are free of constituents that interfere with Zn absorption and […] amino acids derived from meat digestion may actually improve the absorption of Zn. Vegetable products are more likely to contain chemicals that interfere with Zn absorption, the most notable of these being phytate. Phytate is present in many plant sources including cereals such as corn, wheat, and rice and oilseed meals such as soy, peanut, and sesame, which may containing 1.5 percent or more phytate. Dietary phytate has long been known to reduce the absorption of Zn, and this effect is exacerbated by high concentrations of dietary Ca."
[2] Aus den Angaben des NRC zum Zinkbedarfswert erwachsener Hunde lässt sich dies nicht nachvollziehen, da die Studien, die angegeben werden, sich entweder gar nicht mit ausgewachsenen Hunden oder nicht mit dem Zinkbedarfswert beschäftigen (?).
[3] Robertson, B., Burns, M. (1963): „Zinc metabolism and the zinc-deficiency syndrome in the dog”
[4] NRC (2006): Dietary Reference Intakes: The Essential Guide to Nutrient Requirements, S. 344.
[5] Grünbaum, E. G. (1982): Ernährung und Diätetik von Hund und Katze, S. 42.

[6] Donath, W. F. (1971): Hunde - gesund ernährt, S. 131.
[7] Zentek, J., Paßlack, N. (2013): Rohfütterung (BARF) bei Hund und Katze: Möglichkeiten, Risiken und Probleme, S. 27.

Kommentare

  1. Als Hundezüchter in der DDR möchte ich den Beitrag gern ergänzen. Es wurde nicht berücksichtigt, dass die Hunde in der DDR große Mengen an sogenannten Futterflocken (Haferflocken) bekamen. Auch gab es dort noch in ganz vielen Orten Freibankfleischer, wo man häufig Pferd günstig bekam. Dieses hatte ebenfalls einen großen Einfluss auf die Zinkversorgung. Auch die häufige Verfütterung von Kalbsknochen sollte man erwähnen. Ich möchte behaupten, dass es in der DDR-Zucht nicht grundsätzlich einen Zinkmangel gab. Allerdings lebten die Zucht-(Gebrauchs-)Hunde viel häufiger draußen, mussten arbeiten und bekamen größere Mengen an Futter als heutzutage. Mit 2 % vom Körpergewicht war es da nicht getan. Supplementiert wurden unsere Hunde im Übrigen auch. Sie bekamen Lebertran, Jodtabletten und während der Zuchtphasen auch noch andere Zusätze, teilweise vom Tierarzt.

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  2. Hallo Peter,

    vielen Dank für Deinen Erfahrungsbericht.

    Pferdefleisch ist natürlich recht zinkhaltig, liefert aber nicht unbedingt mehr Zink als Rindfleisch, was sicherlich viel häufiger eingesetzt wurde. Die Werte sind da recht ähnlich. Auch Kalbsknochen werden bei BARF heute noch gern eingesetzt. Haferflocken eignen sich hingegen nicht als Zink-Quelle, da sie Phytat enthalten. Phytinsäure bildet mit dem darin befindlichen Zink Komplexe, sodass das Zink nicht aufgenommen werden kann. Zudem ist es natürlich pflanzliches Zink, was ohnehin eine geringere Bioverfügbarkeit aufweist.

    Rein rechnerisch wird ein Hund, der Haferflocken bekommt, also weniger Zink aufnehmen, als einer, der konventionell gebarft wird, selbst wenn die Ration auf den ersten Blick zinkreicher erscheint. Vermutlich lag die Zinkversorgung in der DDR daher noch niedriger als es heute mit BARF der Fall ist. Aber der Bedarfswert war ja damals auch wesentlich niedriger. Den Hunden hat es ja scheinbar nicht geschadet.

    Die Futtermenge steigt übrigens immer an, wenn man hohe Mengen an Kohlenhydratlieferanten einsetzt. Diese liefern ja einfach weniger Energie pro g als beispielsweise fettes Fleisch. Der Energiebedarfswert für kohlenhydratreich ernährte Hunde ist auch höher als jener von Hunden, die kohlenhydratarm, aber dafür fettreich ernährt werden. Daher erfüllen BARF-Rationen übrigens auch den NRC-Bedarfswert nicht.

    Ein arbeitender Gebrauchshund kommt aber bei BARF auch mit 2 % Futter nicht aus, der braucht dann eher 3 oder 4 %. Dafür gibt es ja entsprechende Faktoren. Mit 2 % Futter kommt eher ein großer ruhiger Hund klar, der ein guter Futterverwerter ist.

    Eine Supplementierung mit Lebertran und einer Jodquelle wurde auch in der DDR-Literatur empfohlen, ebenso wie in der BRD. Das wird bei BARF ja auch gemacht. Aber das hat auf den Zinkgehalt der Ration keinen Einfluss. Und wie Du sicherlich auch zu berichten weißt, war nicht immer alles verfügbar. Damals war vieles Mangelware, aber einen flächendeckenden Zinkmangel hatten wir offenbar nicht.

    Neben der Literaturrecherche habe ich natürlich auch Züchter und normale Hundehalter befragt, weil ich mich nicht mehr wirklich erinnern kann. Also hier noch ein paar Anekdoten: Manche Hundehalter ließen sich Zusätze über "Westpakete" schicken, andere gaben nicht einmal eine wirkliche Calciumquelle. Unser eigener Hund damals lehnte beispielsweise alles ab, was nicht Leberkäse war. Er lebt nur davon. Ein Alptraum aus Nährstoffversorgungssicht, aber der Hund wurde 14 Jahre alt. Ich sprach mit einem DSH-Züchter, der Grenzhunde züchtete. Bei ihm gab es hauptsächlich Pansen, Innereien und Knochen sowie Essensreste. Meine Verwandten hatten damals irgendwie alle einen DSH. Die Tiere bekamen z. B. Schlachtabfälle (teilweise roh vom Schwein) und Essensreste inkl. gekochter Knochen oder verschimmelter Brote. Aus heutiger Sicht auch undenkbar. Interessant finde ich, dass die so gefütterten DSH meiner Verwandten trotzdem durch die Bank weg 13-15 Jahre alt wurden. Das kann Zufall sein, ist aber heute scheinbar nicht mehr möglich oder selten. Sicherlich auch ein Ergebnis von Inzucht & Co.

    Liebe Grüße von Ost nach Ost ;)
    Nadine

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  3. Hallo Nadine,

    der Rationsvorschlag von Zentek enthält neben Zink auch nicht genug Eisen (gerade mal die Hälfte des rechnerischen Bedarfs), je nach verwendetem Öl auch nicht unbedingt ausreichend Vitamin E.

    Auch aus diesem Grund wundere ich mich darüber, daß die Ration bedarfsdeckend sein soll. Steht das in dem von dir als Quelle angegebenem Buch so drin, daß keine (Zink-) Supplementierung empfohlen wird?

    Ich habe nämlich das "kleine" Buch von Zentek ("Hunde richtig füttern) und bei allen Rationsvorschlägen ist in den Tabellen auch immer die exakte Menge eines Mineralfutters angegeben. Für ältere Hunde empfiehlt er sogar ein vitaminiertes Mineralfutter. Der von dir zitierte Rationsvorschlag mit dem Schaffleisch taucht mit Abwandlungen auch darin auf. Aber - wie schon geschrieben - immer mit einem Mineralfutter.

    Daher bezweifle ich, daß der Rationsvorschlag aus Zenteks (und Paßlacks) Sicht bedarfsdeckend ist und auf Dauer ohne Supplemente gefüttert werden kann.

    Viele Grüße

    Mira

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  4. Hallo Mira,

    er schreibt auf S. 26 in dem von mir zitierten Büchlein: "Wichtig für eine bedarfsdeckende Ration ist die Supplementierung von Ölen bzw. Fetten [...] sowie mit Futtermitteln zur Versorgung mit Mineralstoffen und Vitaminen. Letztere können durch ein vitamininisiertes Mineralfutter ergänzt werden. Lehnen die Tierbesitzer derartige Produkte ab, kann auch die Kombination von Leber und Knochen eingesetzt werden." Da ein Barfer für gewöhnlich ein solches Produkt ablehnt, wählt er eben die Kombination aus Knochen und Leber. Dafür macht Prof. Zentek einige Rezeptvorschläge.

    Deswegen finden sich dann auch in den Tabellen keine Angaben zu einem solchen Supplement, im Gegensatz zur Darstellung des klassischen Rationsaufbaus auf S. 25. Dort ist das Mineralfutter auch angegeben. Das korrespondiert mit der Darstellung in "Ernährung des Hundes". Wenn ein Mineralfutter notwendig ist, steht es direkt im Rezept.

    Da der zitierte Satz mit bedarfsdeckend anfängt und mit einer Aussage á la "wenn kein Mineralfutter, dann sind auch Knochen und Leber möglich" endet, gehe ich hier davon aus, dass Zentek und Paßlack meinen, was sie schreiben. Da steht ja nicht "muss", sondern "kann". Das deckt sich ja auch mit den Erfahrungen zahlreicher BARF-Berater aus jahrelanger Beobachtung, auch wenn es nur Anekdoten sind. 40 Jahre "Feldstudie" aus der DDR in einem abgeschlossenen System reichen mir zudem absolut aus, um zu wissen, dass der NRC-Zink-Bedarf bei entsprechender Fütterung zu hoch ist und nicht erreicht werden muss. Prof. Grünbaum gibt ja auch einen wesentlich geringeren Bedarf von 0,11 mg pro kg KM im Gegensatz zu den 2 mg pro kg metab. KM vom NRC an. Demnach müssten für das berechnete Beispiel nur 15 % des NRC-Bedarfs erreicht werden.

    Ich habe die Ration von Prof. Zentek ebenfalls durchgerechnet und konnte keinen Eisenmangel feststellen - nicht nach NRC. Es fehlte lediglich an Zink, Magnesium, Mangan, Vitamin D und Vitamin B1, an Vitamin E würde es natürlich auch fehlen, wenn man kein passendes Öl einsetzt. Das hatte ich jetzt mal vorausgesetzt. Der Eisenbedarf für einen 30 kg Hund beträgt laut NRC 13 mg pro Tag, die Ration liefert ca. 30 mg. Da sehe ich jetzt kein Problem. Gäbe es eine rechnerische Unterversorgung, wäre aber auch die bis zu einem gewissen Grad auch unproblematisch. Das NRC geht nur von einer Bioverfügbarkeit von nur 30 % aus. Die Eisenaufnahme wird aber durch hohe Gehalte an Ca, P und Zn beeinträchtigt... und davon haben wir bei BARF nicht so viel wie im FeFu.

    Viele Grüße
    Nadine

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  5. Hallo Nadine,

    zunächst vielen Dank für Deinen Text. Was mir allerdings nicht ganz klar ist, sind die Ausführungen, dass die NRC-Bedarfswerte nicht für Barfer wären, sondern sich nur auf Fertigfutter beziehen.

    Es ist zwar schon etwas länger her, dass ich die Studie vollständig gelesen habe, kann mich daran aber nicht erinnern. Es wäre schön, wenn Du dies mit einem Originalauszug wie bei den Ausführungen zu Zink belegen könntest.

    Danke und viele Grüße, Christian.

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  6. Hallo Christian,

    das Wort "BARF" taucht in dem gesamten Buch nicht auf. Die aktuelle Ausgabe stammt zwar aus 2006, aber da es gar keine Studien zu Bedarfswerten gebarfter Hunde gibt, können diese dort auch nicht aufgeführt werden. Die Zink-Studie stammt aus dem Jahr 1963 - da gab es den Begriff BARF noch gar nicht.

    Aber dass die Bedarfswerte nicht anwendbar sind, ergibt sich aus dem Kontext. Wenn das NRC z. B. ausführt, dass Phytat die Aufnahme von Zink stark behindert und Zink in Verbindung mit Aminosäuren aus tierischen Eiweißquellen besser aufgenommen wird und man sich dann die Studie ansieht, anhand der der Zinkbedarf abgleitet wird, muss dieser Schluss gezogen werden. Demnach muss für Futter, auf welches die hemmenden Faktoren zutreffen ein anderer Bedarfswert gelten als für ein Futter ohne diese diätischen Antogonisten.

    Das Studienfutter zum Zinkbedarfswert bestand zu 75 % aus Komponenten, die Phytat enthalten und nur zu 10 % überhaupt aus tierischen Zutaten, zu 0 % aus tierischen Eiweißquellen. Demnach kann man die Bedarfswerte, die aus einer dieser Studie abgeleitet wurden auch nur auf ein solches Futter anwenden, also z. B. auf handelsübliches Trockenfutter. BARF beinhaltet hingegen kaum Phytatlieferanten und liefert fast ausschließlich tierisches Eiweiß. Eine 1:1 Übertragung der Werte wäre ausgesprochen unwissenschaftlich.

    Wenn aus dem Humanbereich schon klar ist, dass Vegetarier aufgrund diätischer Antagonisten und grundsätzlich geringerer Bioverfügbarkeit pflanzlicher Zinkquellen einen etwa 50 % höheren Zinkbedarf haben im Vergleich zu jenen Menschen, die Fleisch essen, dann muss ein ähnlicher Schluss auch erfolgen, wenn ein Hund fast vegan ernährt oder eben fast nur tierische Komponenten erhält. Dies müsste näher erforscht werden. Aber wer soll das finanzieren? Das Ergebnis wäre vermutlich, dass ein gebarfter Hund gar keine Supplemente benötigt und das kann nicht im Sinne jener sein, die ein finanzielles Interesse daran haben, dass die Situation so bleibt wie sie ist. Denn Unsicherheit ist immer etwas Schönes. Daraus kann man so herrlich Profit schlagen.

    Wie hoch der Zinkbedarf für einen gebarften Hund ist, kann aus den Ausführungen des NRC nicht geschlossen werden. Allerdings könnte man den Zinkbedarfswert aus DDR-Zeiten zur Hilfe nehmen und der betrug nur 0,11 mg pro kg KM im Gegensatz zu den 2 mg pro kg metab. KM vom NRC. Dieser Wert schien ja in 40 Jahren keine Probleme bereitet zu haben, obwohl die Tiere dort mit Sicherheit mehr Phytatlieferanten im Futter hatten als es bei BARF der Fall ist.

    Liebe Grüße
    Nadine

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  7. Hallo und vielen Dank für den tollen Artikel zu BARF. Kann hier jemand Tipps zur Ergänzungsfuttermittel für Hunde. Es gibt ja viel auf dem Mark, aber was ist wirklich gut für den Hund?

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  8. Nach 4 Würfen, also auch 4 Trächtigkeiten und natürlich auch Milchbildung für durchschnittlich 5 Welpen pro Wurf, kann ich von keinerlei Problemen berichten, die durch das Barfen aufgetreten sind. Unsere Hunde sind und waren zu jeder Zeit gesund und hatten keinerlei Mangelerscheinungen, auch nicht in der Zeit der höchsten Milchleistung.
    Fell und Haut sind optimal, Chemie gegen Parasiten ist unnötig (Kokosfett) und das Füttern ist auch nicht sonderlich kompliziert.
    Mehr als die Hälfte aller Welpen werden heute noch gebarft und falls man sich mal auf Ausstellungen trifft, ist der Unterschied im Fell deutlich erkennbar: Das der gebarften Hunde ist einfach schöner, riecht besser und gefällt auch den RIchtern besser.
    Also: Weg mit NRC, her mit Rohfutter.

    PS: Natürlich muss man wissen, was man tut. Aber unsere Welpenkäufer werden gut beraten und bekommen zu jeder Zeit Unterstützung.

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